Tunesien-Reisebericht :Mit dem Camper durch das nachrevolutionäre Tunesien

Über den Djebel Chambi in die Phosphat-Berge

Es ist schon spät, doch wir wollen heute noch zum Nationalpark Djebel Chambi nahe der Stadt Kasserine. Am Tor gewährt uns der Beamte, nach telefonischer Rücksprache mit der Forstverwaltung und nachdem er unsere Passdaten notiert hat, Einlass. Die Straße führt den dicht bewaldeten Berg hoch und je weiter wir nach oben kommen, desto fantastischere Ausblicke ergeben sich. Auf der Rückfahrt passieren wir die offen stehende Schranke einer Nebenstraße und gelangen nach wenigen Kilometern zu einer weiten Lichtung. In der langsam einsetzenden Abenddämmerung breiten sich vor uns die Reste einer römischen Siedlung aus, antike Ölmühlen sind über das ganze Gelände verstreut. Und dann trauen wir unseren Augen nicht: Eine Herde der fast ausgerotteten Mufflons mit ihren so elegant geschwungenen Hörnern grast in nur geringer Entfernung friedlich am Waldesrand! Dieser magische Moment öffnet uns ein Fenster in längst versunkene Zeiten.

Im Nationalpark Djebel Chambi

Im Nationalpark Djebel Chambi

Nationalpark Djebel Chambi: Mufflonherde

Nationalpark Djebel Chambi: Mufflonherde

Nationalpark Djebel Chambi: Mufflons

Nationalpark Djebel Chambi: Mufflons

Je weiter wir nach Süden kommen, desto einfacher werden die Dörfer und Weiler, desto mehr versteppt die Landschaft. Den vorherrschenden Bewuchs bilden Büschel aus Halfa-Gras, das für die Papierherstellung und aufgrund seiner festen Substanz insbesondere zur Herstellung von Papiergeld Verwendung findet. In Gafsa, dem Verwaltungszentrum dieser südlichen Region, besuchen wir das antike römische Bad und das dort befindliche kleine Museum, bevor wir weiter nach Metlaoui fahren.

Gafsa: römisches Bad

Gafsa: römisches Bad

Metlaoui ist eine Bergbaustadt, die vom Phosphatabbau lebt. Von hier kann man mit einem französischen Salonzug aus dem Jahre 1919, dem Lézard Rouge (Rote Eidechse) die Seldja-Schlucht durchfahren. Heute ist Freitag und die nächste Fahrt findet erst Sonntag früh statt. Also fahren wir auf kleinen Nebenstraßen wenige Kilometer in Richtung Tozeur, das heißt hinaus in die Wüste, um uns bis Sonntag eine Ruhepause zu gönnen.

Metlaoui: Bahnhof

Metlaoui: Bahnhof

Abends fängt es plötzlich an zu regnen. Wir flüchten in unseren Camper und beobachten das nicht gerade alltägliche Ereignis eines heftigen Wüstenschauers. Doch da bricht auch schon wieder die Sonne durch und vor uns wächst aus dem sandig-steinigen Wüstenboden ein buntes Band, zieht sich bogenförmig immer höher und entfaltet die ganze Farbenpracht eines kräftigen Regenbogens! Fasziniert verfolgen wir dieses unerwartete Naturschauspiel von Sonne, Wolken, Wind und Regen, das die Wüste und die dahinter liegenden Berge in ein diffuses Licht taucht.

Bei Metlaoui: Regenbogen in der Wüste

Bei Metlaoui: Regenbogen in der Wüste

Endlich ist es soweit: Wir besteigen am Bahnhof von Metlaoui den Lézard Rouge zusammen mit einem bunten Haufen Touristen: Tunesier, Franzosen, Japaner, Deutsche und die Crew eines polnischen Fernsehteams nehmen in den eleganten Salonwagen ihre Plätze ein. Zunächst zuckelt der Zug durch die Stadt, eskortiert von einem Polizisten mit Motorrad, dann geht es in die Berge, das heißt wir fahren durch ein riesiges Phosphatabbaugebiet, durch gigantische Abraumhalden, bevor wir die imposante Seldja-Schlucht erreichen. Während der Fahrt durch den hohen Canyon, der immer wieder von stockfinstren Tunnels unterbrochen wird, hält der Zug einige Male an, um den Mitreisenden die Gelegenheit zum Fotografieren zu geben. Als Erfrischung werden Minztee und Cola gereicht. Nach zwei Stunden sind wir am Ausgangspunkt, dem Bahnhof von Metlaoui, zurück.

Metlaoui: Fahrt mit dem Lézard Rouge

Metlaoui: Fahrt mit dem Lézard Rouge

Mit dem Lézard Rouge durch die Selda-Schlucht

Mit dem Lézard Rouge durch die Selda-Schlucht

© Angelika Gutsche, 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Auf unserem Weg in den Süden Tunesiens besuchen wir römische Ausgrabungen, besteigen hohe Felsplateaus und durchfahren wilde Schluchten, bevor unser Weg durch das große Schott führt und wir die Sahara erreichen. Auf der Rückfährt werden wir mit den Realitäten der tunesischen Revolution konfrontiert: Wir finden uns zwischen Barrikaden, inmitten von Aufständen und Demonstrationen wieder. Die tunesische Revolution: verheddert in der Stunde null.
Details:
Aufbruch: 20.03.2012
Dauer: 4 Wochen
Heimkehr: 17.04.2012
Reiseziele: Tunesien
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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