Äthiopien-Reisebericht :Afrika Expeditionen Äthiopien

Der Stamm der Mursi

Etwa 40 km nach Jinka ist die Grenze des Mago-Nationalparks erreicht. Der Park ist 2.200 qkm groß und liegt im Mittel 400m hoch in einer sanften Hügellandschaft.

Die bedeutendsten Flüsse sind der Mago und der Neri. Umgeben wird der Park von höheren Bergen, dem Mt. Mago (2.500m), den Mursibergen (1.650m) und den Bannabergen. Der größte Teil des Parks und die umliegenden Berge sind stark bewaldet, so dass man Tieren hier schwerlich begegnet.

Am Magofluss schlagen wir im dichten Busch die Zelte auf. Hier hat es vor nicht allzu langer Zeit geregnet und die Spuren sind überall sichtbar. Am nächsten Morgen wollen wir mit einem Führer eine Pirschfahrt durch den Park machen, nachdem dieser versichert hat, dass die Pisten dort nach dem Regen auch mit dem Lkw befahrbar sind. Also fahren wir los, aber nach einigen bedenklichen Moraststellen gibt es kein Weiterkommen, denn wir sind schon ein wenig eingesunken und versuchen jetzt, den LKW irgendwie umzudrehen und zurück zu fahren, was uns auch gelingt.

Allmählich gelangen wir in die Omoregion und erreichen die Mursiberge, benannt nach dem hier lebenden Stamm.

Am Wegesrand treffen wir plötzlich auf eine Gruppe Mursi, die sogleich den LKW umlagert. Eine große Gruppe kommt zu unserem LKW und verhält sich sehr aufdringlich. Die Leute versuchen, alles vom LKW abzuschrauben und abzubrechen und sich ihrerseits ein Souvenir zu sichern. Unser Führer "Oneworld", den wir in Jinka angeheuert haben, gibt den Leuten zu verstehen, dass sie sich zurückhalten müssen.

Der Stamm der Mursi, eng verwandt mit dem Stamm der Surma, der östlich des Omo-Flusses im Omo-Nationalpark lebt, ist der kriegerischste der Region und es gibt ständige Auseinandersetzungen mit Nachbarn, bedingt durch Viehdiebstahl, aber zunehmend auch mit Stämmen aus den Grenzgebieten zu Nordkenia und Ostsudan. Sie sind mit uralten Flinten, aber immer mehr auch mit automatischen Waffen ausgestattet, die sie bei entsprechender Gelegenheit auch bedenkenlos einsetzen.

Die etwa 4.000 Mitglieder des Stammes sind eigentlich Nomaden, haben sich aber mehr und mehr zu Ackerbauern entwickelt. In der Trockenzeit leben sie auf den Hügeln und in der Regenzeit in der Tamasteppe. Nach der Regenzeit bauen sie hier Mais, Gemüse und Sorghum an. Die Rinder finden an den Hängen der Hügel ausreichend Wasser, in die Steppe werden sie wegen der Tsetseplage nicht geführt. Wir mischen uns unter die Menschen und besuchen später auch ihre Hütten, die etwas abseits von der Straße liegen.

Wir mischen uns unter die Menschen und besuchen später auch ihre Hütten, die etwas abseits von der Straße liegen.

Die Mursi sind das "berühmteste und bekannteste" Volk Südäthiopiens, bedingt durch die Tatsache, dass verheiratete Frauen als Schmuck sog. Lippenteller tragen, aus Lehm gebrannte Scheiben, die in eine Öffnung der Unterlippe geschoben werden können.

Die Prozedur beginnt mit dem Entfernen der unteren Schneidezähne, um so Platz zu schaffen für das spätere Einfügen der Tonscheibe. Dann wird die Unterlippe durchbohrt und ein kleiner Holzpflock (ca. 4cm) eingefügt. Von Zeit zu Zeit wird dieser durch einen größeren ersetzt, so dass sich die Öffnung immer mehr weitet. Schließlich kann die Öffnung eine Scheibe von 15-20cm!! Durchmesser aufnehmen. Auch bei den Ohrläppchen wird so vorgegangen, wobei die Scheiben oder Pflöcke erheblich kleiner sind. Der Grund für diese Sitte ist bis heute umstritten.

Für Männer gibt es eine ebenso gefährliche Betätigung zum Beweis von Tapferkeit - der Stockkampf, bei dem man mit einer ca. 1.5m langen, keulenförmigen Stange aus Hartholz aufeinander losschlägt. Ziel ist es, den Gegner bewusstlos zu schlagen.

Vor dem Kampf bemalen die Kämpfer ihre Körper mit weißen oder farbigen Ornamenten, um Furcht erregender auszusehen.

Der Besuch hier war ein eindrucksvolles Erlebnis und wir haben ein paar unvergessliche Szenen einfangen können.

© Johnny Hinzen, 2007
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Die Reise

 
Worum geht's?:
Afrika Expeditionen Äthiopien. Reisebericht von Johnny Hinzen: Addis - Sodere - Rift Valley - Wondo Genet - Konso - Key Afer - Banna - Jinka - Omo Region - Mago Park - Mursi - Karo - Omorate - Sibiloi Park - Loyengalani - Baringo.
Details:
Aufbruch: 10.01.1996
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 10.02.1996
Reiseziele:
Äthiopien
Kenia

Der Autor

 
Johnny Hinzen berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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Mehr von Johnny:
Aus dem Gästebuch (3/4):
Oli 1350815875000
Vielen Dank für den inte­res­santen Bericht. Auch ich inte­res­sier­e mich sehr für eine Reise nach Äthio­pien. Al­ler­dings ist für mich klar, dass ich nach Möglich­keit nicht in einer gef­ührten Tour gehen will. Während ich im Norden des Landes keine grossen PRob­le­me sehe, frage ich mich, ob ich mich im Süden auch ei­ni­ger­mas­sen frei und sicher bewegen kann. Gerade die Mursi gelten ja als sehr ag­gres­siv.
anonym 1304537771000
viel in­for­ma­ti­noen danke
Thomas 1235078370000
Lieber Äthio­pien­fah­rer­.

Tol­le und aus­druck­sstar­ke Bilder hast Du ge­macht. Leider sind die Leute auf den Bildern nicht Konso Leute, sondern Leute vom Stamm der Banna. Nur das erste Bild ist ein Konso Dorf. Die Konso Leute tragen kaum Schmuck und auch kein Leder, und die Frauen haben weite bunt­ge­web­te Röcke.
LG Thomas