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North Horr liegt hinter uns. Auf schlechter, sandiger Piste, geht es durch einsame, fast unbewohnte Halbwüste weiter in Richtung Norden zur äthiopischen Grenze. Wir müssen viele ausgetrocknete Flussbetten, sog. Luggas, durchqueren. Nächster Zielort ist der Polizeiposten in Dukana. Wir hoffen, dort weitere Infos über die Sicherheitssituation im Grenzgebiet Kenia/Äthiopien zu bekommen. Der Tag ist schon ziemlich weit fortgeschritten und es wird bald Zeit, das Camp zu errichten.
Ein geeigneter Platz ist in dieser einsamen Gegend natürlich leicht zu finden. Ein paar Bäume neben einem Lugga in der Nähe des Camps sind uns als Schattenspender willkommen.
Am nächsten Tag ändert sich vorerst nicht viel an der wilden, einsamen Landschaft. Nach einiger Zeit ist die Gegend etwas mehr mit Büschen und Akazienbäumen bewachsen. Plötzlich wirbeln Staubwolken auf und wir hören Geräusche von Kühen und Ziegen und gelangen unvermittelt an einen Brunnen, an dem die hier heimischen Nomaden des Rendille-Stammes ihr Vieh zur Tränke führen.
Wir steigen aus und laufen langsam auf die Menschen zu, um vorsichtig Kontakt aufzunehmen. Sie sind gar nicht scheu und so können wir einige schöne Bilder am Brunnen machen.
Sehr glücklich über das schöne Erlebnis setzen wir die Fahrt auf Sand und Wellblech fort und bald taucht am Horizont der Ort Dukana mit dem Sitz des örtlichen Polizeipostens auf. Ein paar Hütten um eine Wasserstelle gruppiert, mehr gibt es hier nicht. Wir lassen uns sogleich über die Sicherheitslage für die Weiterfahrt über El Yibo, Sabarei und Buluk nach Ileret am Turkanasee entlang der Grenze Kenia /Äthiopien informieren.
Die Polizisten sind sehr freundlich aber auch überrascht, hier Touristen zu treffen. Sie schildern uns die aktuelle Lage im Grenzgebiet, insbesondere die gelegentlichen Übergriffe des Dasanetch-Stammes aus Äthiopien auf das kenianische Gebiet der Rendille und Gabra - diese nennen die Angreifer Shangilla, was übersetzt Banditen bedeutet. Sie bestehen darauf, dass wir nur in Begleitung zweier bewaffneter Polizisten weiterfahren dürfen. Wir haben keine andere Wahl und sollten uns eigentlich im Anblick ihrer Bewaffnung (G3-Gewehre, Hand- und Gewehrgranaten) sicher fühlen. Die Begleitung ist kostenlos, wir müssen aber die Leute verpflegen und können ihnen eins unserer Ersatzzelte zur Verfügung stellen. Ihre eigenen Matratzen nehmen sie mit. Wir streben jetzt zügig dem nicht mehr allzu fernen Grenzgebiet entgegen, biegen bei dem Brunnen El Yibo nach Westen ab und fahren im Abstand von ca. 5-10 Km an der Grenze zu Äthiopien entlang. Ein ereignisreicher Tag geht zu Ende und in einem Gebiet mit etwas dichterem Buschwerk, von dem wir uns einen "gewissen Sichtschutz" erhoffen, schlagen wir das Camp auf.
Unsere Begleiter sind relativ unruhig, vielleicht sogar ängstlich in dieser gefährlichen Gegend, denn sie wollen sofort einen Erkundungsgang durch das Gelände machen. Die beiden sind ganz begeistert, als ich ihnen für diesen Gang mein Fernglas zur Verfügung stelle. Am nächsten Morgen geht es weiter, die Gegend wird bergiger und die Piste noch schlechter und auch kurvenreich. Immer öfter müssen wir Streckenabschnitte mit großen Geröllbrocken bewältigen. Dann ist der Sele Guble Pass erreicht und von hier oben hat man einen wunderschönen Blick auf das Hügelpanorama mit dem Jibisa Gipfel (1544 m).
Die Gegend hier ist absolut wild und man kann schon sagen menschenfeindlich - unerträgliche Hitze, wilde Bergwelt, vereinzelt Gruppen von Nomaden, wenige Brunnen, die nur saisonal bedingt Wasser führen, Halbwüste mit gelegentlichem mageren Buschwerk - das Outback in Kenias Norden, das sich so noch über einige Tage mit wilder Pistenfahrt fortsetzen wird. Die Landschaft bleibt hügelig und bald sind wir bei dem Polizeiposten in Sabarei angelangt, zu erkennen an einem gemauerten Steinhaus und einer Funkantenne.
Kurze Lagebesprechung zwischen den dortigen Polizisten und unseren Begleitern bevor wir weiterfahren, nachdem grünes Licht für die Weiterfahrt gegeben wird. Nach längerer Zeit gelangen wir erneut an eine Viehtränke und treffen auch hier auf Rendille.
Wir nehmen uns Zeit, um die Eindrücke auf uns wirken zu lassen.
Im weiteren Verlauf der Strecke sehen wir am Horizont die rosa leuchtenden Ausläufer des bereits in Äthiopien gelegenen Stefanie-Sees (Lake Chew Bahir), der in diesem Bereich aber längst kein Wasser mehr führt, sondern ein ausgetrockneter Salzsee ist.
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