Mosambik-Reisebericht :Mosambik und Malawi

Hängepartie - Maputo

Auf der südafrikanischen Seite des Zolls eine verblüffende Frage: Wo ist denn der Einreisestempel? Der Beamte kann keinen entdecken. Doch, sage ich, es gibt einen, nehme den Pass und blättere ebenfalls darin herum, mit demselben Erfolg. Das müssen die am Flughafen vergessen haben, sagt der Mann - und drückt mir anstandslos den Ausreisestempel in den Pass. Als ich Karin davon erzähle, findet sie - anstandslos - den Aufkleber mit dem zuvor vergeblich gesuchten Stempel. Männliche Blindheit.

Holzbrücke über den schmalen Abschnitt einer Lagune, viele Tage später

Holzbrücke über den schmalen Abschnitt einer Lagune, viele Tage später

Beim Aussteigen aus dem Bus in Maputo dann ein lautstarkes Durcheinander. Taxifahrer, Kofferträger, Straßenhändler, alle stürzen sich auf uns, Afrika rückt ein Stück näher. Ein Mann gibt uns einen Tipp, welcher indische Händler den besten Kurs für südafrikanische Rand bietet. Zu dem gehen wir. Die Währung in Mosambik heißt Metical, im Plural Meticais, sechs- bis siebenunddreißig ist ein Euro derzeit wert. Maputo, die Hauptstadt, ist zwar keine Augenweide, aber sie ist grün und ausgeruht und hat breite Straßen, die schachbrettartig angelegt sind. Zwanzig Minuten sind es zu Fuß zu »Fatima's Backpacker Lodge«, einer angenehmen Bleibe mit einschlägigem Publikum. Ein Zimmer sei im Augenblick keines frei, aber es könne sich leicht noch etwas ergeben, wenn eine bestimmte Liste eintreffe. Deshalb zuerst einmal wieder hinaus in die Stadt. Das Essen in einem kleinen Restaurant ist mäßig bis schlecht, Karins so freudig erwartetes Fischfilet trocken wie Pappe. Inzwischen ist jene Gästeliste eingetroffen, nun steht es fest, dass doch nichts frei sein wird für diese Nacht. Was tun? Die Wege in der Stadt sind lang, die Zielangaben auf den Minibustaxis sagen uns auch nach längerem Kartenstudium nicht viel, deshalb steht uns nicht eben der Sinn nach Wiederloslatschen. In die muffige Dorm (da wäre etwas frei) wollen wir freilich auch nicht. Auf zwei Terrassen sind Zelte aufgebaut, Steine ersetzen die Heringe, aber es gibt nicht mehr genügend große Steine für unser kleines Zelt. Ein paar Hängematten, die aufgespannt sind, könnten die Lösung sein. Der Vorschlag darin die Nacht zu verbringen, stößt auf Verwunderung, wird aber akzeptiert und der Hotelmanager meint, dass er uns dafür nichts in Rechnung stellen könne. Wir schlendern über einen kleineren Markt, den »Mercado Janeta«, dann eine der vielen Avenidas entlang, und der erste Eindruck bestätigt sich: Maputo ist eine gut belüftete Stadt, sie hat sogar eine mediterrane Ausstrahlung. Wo die Autos fahren, gleitendes Pflaster, die Bürgersteige liegen jedoch alle in Trümmern. Immerhin sieht man liebevoll angelegte Vorgärten. Den Mercado steuern wir dann ein weiteres Mal an, wollen uns ein Abendessen zusammenkaufen, Brot, Tomaten, Zwiebeln, Käse. Käse gibt's aber nur als Plastikimport aus Südafrika, in Mosambik werde keiner hergestellt. Weshalb nur? Es wird doch auch Rindfleisch angeboten. Schulterzucken. Wir nehmen in einer fröhlichen Marktkaschemme Platz, überlassen uns dem doppelten Maputo, das sich hier tummelt. Neben uns drei Mädchen tragen enge Hosen, spitze Absätze, die sich, wenn sie aufstehen, in den sandigen Boden bohren, unterhalten sich gleichzeitig miteinander und mit ihren Mobiltelefonen. Die Marktfrauen dagegen wickeln sich in bunte Röcke, tragen Plastiksandalen, die Billardspieler vor allem dicke Sonnenbrillen und ein Junge sitzt auf einem Baum, als sei das seine Rettung, und löffelt eine Mahlzeit aus einem Teller. Der Wein kommt aus Südafrika, schmeckt gut und einige der Umsitzenden haben wohl schon ein bisschen zu viel davon getrunken, sie lachen laut und reißen Zoten. Bei »Fatima's« ist am Abend im Innenhof die Backpackerszene vollzählig. Wir treffen Aaron wieder, dem wir zuvor im Bus begegnet waren, er ist Mitte zwanzig und nimmt an einem landwirtschaftlichen Projekt im weiter nördlich gelegenen Xai Xai teil. Morgen früh wird er wieder mit uns im Bus sitzen, jetzt muss er erst einmal - Backpacker-Routine - ins nächste Internetcafé. Die Hängematte ist am Ende doch nicht das Geeignete, sie ist zu kurz für mich. Nach ein paar erfolglosen Selbstbeschwichtigungsversuchen gebe ich's auf und breite mich auf dem Zementboden aus. In der Nacht weckt mich eine aufgeregt maunzende Katze und im Halbschlaf werde ich die Vorstellung nicht los, dass sie in meinen Schlafsack gekrochen ist. Unsinnigerweise suche ich eine Weile darin herum.

© Peter Kiefer, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach sieben langen Jahren haben wir endlich wieder eine große Reise gemacht, haben wieder einmal das Gefühl genossen on the road zu sein und hatten eine Vielzahl anregender Begegnungen. Vor allem Mosambik hat uns bestätigt, dass Afrika wohl der freundlichste Kontinent auf dem Globus ist.
Details:
Aufbruch: Juli 2008
Dauer: circa 9 Wochen
Heimkehr: September 2008
Reiseziele: Südafrika
Mosambik
Malawi
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
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Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.