Mosambik-Reisebericht :AB IN DEN SÜDEN

Endlich in Mozambique

Maputo, 04. September 2008

Endlich bin ich auf dem Weg dorthin, wo ich eigentlich hin will. Nach Mosambik. In einem recht gebrechlich erscheinenden, übervollen Minibus. Aber die Strecke von Manzini in Swasiland in die Hauptstadt Mosambiks, Maputo ist nicht sehr lang.

An der Grenze gibt es keine Probleme. Das Visum hatte ich mir schon zu Hause besorgt und die ersten beiden Mosambikaner, die ich nach Verlassen des Grenzgebäudes treffe, sind höchst nützlich, ein Geldwechsler und ein Telefonkartenverkäufer. Das Starterkit mit sim-Card von Mcel kostet 50 Meticais, ca. 1,50 Euro, dazu Airtime, d.h. Gesprächsguthaben ab 50 Cent und schon kann man lostelefonieren. Es ist mir ein Rätsel, woher mein Handy weiß, dass ich gerade eine afrikanische Grenze überschreite und daraufhin unverzüglich seinen Dienst mit der alten Karte einstellt.

Hinter der Grenze erscheint Mosambik zunächst wie ausgestorben. Erst kurz vor Maputo werden die Ortschaften zahlreicher und ich mache die gleichen Beobachtungen wie letztes Jahr in Uganda. Zwei Telekom-Gesellschaften konkurrieren um die Wette und spendieren eine Menge Farbe für die Häuser. In Mosambik heißt der Wettkampf Gelb (Mcel) gegen Blau (Vodacom).

Ein paar erstaunliche Zahlen zu Mosambik. Vor gut 30 Jahren verzeichnete Mosambik noch mehr Urlauber als Südafrika und das damalige Rhodesien, heute Zimbabwe, zusammen. Bis vor ca. 15 Jahren herrschte ein besonders brutaler Bürgerkrieg zwischen der Frelimo und Renamo. Und vor 8 Jahren standen weite Teile des Südens, durch starken Monsunregen und Zyklone, fünf Meter hoch und mehr unter Wasser. Es gab viele Tote. Die Bilder von Menschen, die sich verzweifelt in Baumwipfel flüchteten und von dort unter dramatischen Umständen gerettet wurden, gingen um die Welt.

Zurück zur Gegenwart. Meine Befürchtungen, dass die Endstation unseres Busses mitten in der Stadt in einem Meer von Menschen liegt, bewahrheiten sich. Sorgen, wie ich dort heil raus und zu meinem vorab gebuchten Hotel komme, muss ich mir aber nicht machen. Man ist darauf vorbereitet, dass auch mal ein Tourist aus dem Bus steigt. Es wartet ja auch ein glänzendes Geschäft.

Sofort kommt ein hilfreicher junger Mann auf mich zu, greift sich mein Gepäck, winkt ein Taxi herbei und fragt wo ich hin möchte. Er und der Taxifahrer sind gut aufeinander eingespielt. Der Taxifahrer gibt vor, dass Hotel nicht zu kennen, obgleich es zu den bekannteren in der Stadt gehört. Der junge Mann fährt daher mit, weist ihm mit übertriebenen Gesten den Weg und verdient sich neben dem doppelt so hohen Fahrpreis für seinen Kumpel auch noch ein kleines Trinkgeld fürs Koffertragen. Wahrscheinlich teilen sich beide den Gewinn. Ist mir aber egal. Ich bin froh, dass ich schnell in mein Zimmer komme.

Die Fahrt hat sich doch über vier Stunden hingezogen und mir bleibt nach dem Auspacken und kurzer Siesta nur noch wenig Zeit für einen ersten Gang durch die Straßen, bevor es dunkel wird, für ein erstes mosambikanisches Bier und Geldwechsel. Der läuft hier völlig anders als bisher auf meiner Reise. Hier gibt es Wechselstuben, wo man ohne jegliche Formalitäten seine Euro oder Dollar hingibt und Sekunden später die lokalen Geldscheine in Empfang nimmt. Metical, Plural Meticais, heißt die Währung Mosambiks. Der Kurs ist ok, 35 Mt für 1 Euro, 24,5 für 1 Dollar.

Am Abend gehe ich zu Mundos. Genauer gesagt, ich höre auf den Rat der Rezeptionistin im Hotel und fahre Taxi. Wobei Taxi auch nicht korrekt ist. Nur vor den First Class Hotel sieht man richtige Taxis. Ansonsten handelt es sich eher um Fahrer von Privatwagen, die oft in ziemlich bedenklichem Zustand sind. Also die Autos. Manchmal aber auch die Fahrer.

Das Mundos ist ein großes Restaurant mit Innen- und Außenbereich, langer Theke, Bistrotischen und jeder Menge Bildschirmen an den Wänden. Klar, englische Premier League. Es ist beliebter Treffpunkt für Einheimische, Expats, Geschäftsleute und Touristen. Die Speisekarte zeigt das gewohnte Bild für In-Lokale im südlichen Afrika, Steaks, Burger, Pasta und Pizza.

Ich errege offensichtlich das Mitleid von zwei Damen, die sich ein paar Tische weiter zum Warm-Up einfinden. Sie kommen an meinen Tisch, erzählen, dass sie gleich in ein Musik-Cafe mit Livemusik gehen wollen und fragen ob ich mitkommen möchte. Klar will ich, obwohl ich vermute, dass sie nur einen Sponsor suchen fürs Taxi, Eintritt und Getränke. Aber ich denke einfach zu negativ. Es stellt sich heraus, dass Mariana und Viviana über ein Auto verfügen, mit dem wir zu "Sinatras" fahren, den Sänger der Band kennen, wir deshalb umsonst reinkommen und sie auch den ganzen Abend nur ein Bier trinken. Es wird also sehr preiswert für mich.

Die Band fängt schlecht an und hört gut auf. Soll heißen, sie spielen zunächst Musik mit stark portugiesischem bzw. lateinamerikanischem Einschlag, eine Art Bossa Nova, recht melancholisch und mehr was fürs Gemüt, dann schwenken sie aber auf fröhlichere afrikanische Rhythmen um und machen richtig Stimmung. Im Hintergrund läuft ein Live-Mitschnitt der Gruppe bei einem Konzert. Es sind Tausende von Zuschauern da. Die Band muss wohl richtig bekannt sein. Hinterher kommt der Sänger der Band noch an unseren Tisch. Er war auch schon mal in Europa und sogar in Deutschland auf Konzerttournee, kennt Berlin, Hamburg und Frankfurt.

© Uwe Decker, 2008
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Die Reise
 
Worum geht's?:
3 Wochen allein durch den Süden Afrikas Gaborone/Botswana - Johannesburg - Swasiland - Mosambik Von Nashörnern, einem Ball der Debütantinnen, den größten Fischen der Welt und vielem mehr ...
Details:
Aufbruch: 25.08.2008
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 15.09.2008
Reiseziele: Botsuana
Südafrika
Swasiland
Mosambik
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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