Südafrika-Reisebericht :Mosambik und Malawi

Nach sieben langen Jahren haben wir endlich wieder eine große Reise gemacht, haben wieder einmal das Gefühl genossen on the road zu sein und hatten eine Vielzahl anregender Begegnungen. Vor allem Mosambik hat uns bestätigt, dass Afrika wohl der freundlichste Kontinent auf dem Globus ist.

Startloch - Johannesburg

Mein Name wird aufgerufen, mehrfach, er ist einer von knapp einem Dutzend. Auf dem Flughafen in Johannesburg stehen Karin und ich in einer langen Warteschlange vor der Passkontrolle, mit jedem Aufruf wächst ein wenig die Unruhe. Kaum den Einreisestempel im Pass, eile ich zum Informationsschalter und erfahre, was ich bereits vermutet habe: Dass mein Rucksack nicht unter den eingetroffenen Gepäckstücken ist. Er sei in Paris zurückgeblieben, die Schuld der Fluggesellschaft. Man versichert mir, dass er am folgenden Tag mit der Morgenmaschine nachkomme.

Afrika lächelt uns entgegen

Afrika lächelt uns entgegen

Wir suchen nach einer Unterkunft, finden sie bei Leuten, die in der Wartehalle kleine Prospekte in die Höhe halten und freien Transport zum Hotel anbieten. Das unsrige liegt in unmittelbarer Nähe des Flughafens, es heißt »Falcon Link«. Die Leute, die das Hotel betreiben, stammen wie auch der Taxifahrer aus Simbabwe, sie sind äußerst liebenswürdig, jeder kleine Scherz wird mit hellem Lachen quittiert. Das kleine Zimmer, in dem wir nächtigen, ist penetrant parfümiert, muss erst einmal ausgiebig gelüftet werden. Es ist Winter im südlichen Afrika, die Temperaturen draußen liegen jetzt in den Abendstunden einiges unter denen im sommerlichen Mitteleuropa. In der Nacht donnert ein Flieger mitten durchs Zimmer, wir werden kurz aus dem Schlaf gerissen. Nach dem Frühstück das Taxi zum Flughafen. Zusammen mit den Passagieren der Morgenmaschine aus Paris stehe ich dort mit gemischten Gefühlen am Förderband und warte auf meinen Rucksack. Er kommt nicht, kommt doch, ist jedenfalls das letzte Gepäckstück, das auf dem Band erscheint. Die Reise kann beginnen, der Start jedoch bleibt holprig. Nachdem wir uns zu Park Station, dem zentralen Busbahnhof, in die dreißig Kilometer entfernte Stadt haben kutschieren lassen (wieder ist es ein Chauffeur aus Simbabwe, Mr. Change), sind alle Überlandbusse in Richtung Maputo längst abgefahren. Wir suchen nach einer Gelegenheit wenigstens ein kleines Stück weit aus Johannesburg hinauszugelangen, vergebens. Die Busse, die vor dem Abend noch starten, gehen durchweg nach Süden oder Westen. Wir wollen nach Osten. Den in einem angrenzenden Gebäudeteil gelegenen Zugbahnhof nehmen wir als Möglichkeit zu spät wahr, haben uns zuvor bereits Tickets für den Nachtbus gekauft. Ein langes Warten beginnt. Da dringt mit einem Mal die Stadt in das Bahnhofsgebäude ein, Männer und Frauen, singend, tanzend, zum Teil mit Stöcken in der Hand, die sie schwingen. Viele tragen rote oder gelbe T-Shirts, sie gehören gewerkschaftlichen Gruppen an, protestieren gegen die gestiegenen Lebensmittelpreise. Der Gesang hat einen zwingenden Rhythmus und die Menge bildet in Abständen einen wirbelnden Ring um eine frei stehende Rolltreppe, von deren oberem Ende ich zusehe. Wir hängen in einem Pub herum, obwohl uns das Bier nicht sonderlich schmeckt. "Danke", erfahre ich von der Kellnerin, heißt in der Zulu-Sprache "ngiyabonga"; es bleibt die einzige verwertbare Erkenntnis an diesem Nachmittag. Am Abend endlich die Abfahrt nach Maputo, nach Mosambik, unserem eigentlichen Reiseziel. An dem Johannesburg, das wir bei Tageslicht zu Gesicht bekommen haben, kann ich nichts Anziehendes finden. Erst recht in der Dunkelheit kommt es mir jetzt vor wie der Stein gewordene Satz vom Menschen, der des Menschen Wolf ist: Überall heruntergelassene Gitter, hohe Zäune, mit Stacheldraht oder Glasscherben bestückte Mauern. Entweder, denke ich, muss man hier draußen mit den Wölfen heulen oder man wird von ihnen gefressen. Aber das sind nur lose Phantasien.

© Peter Kiefer, 2008
Du bist hier : Startseite Afrika Südafrika Südafrika-Reisebericht
Die Reise
 
Details:
Aufbruch: Juli 2008
Dauer: circa 9 Wochen
Heimkehr: September 2008
Reiseziele: Südafrika
Mosambik
Malawi
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.