Südafrika-Reisebericht :One Love

overland nightmare

kleiner truck

kleiner truck

kleiner truck - von innen

kleiner truck - von innen

kleiner truck - von aussen

kleiner truck - von aussen

niedergeschriebene erfahrungen und gedanken

als ich im jahre 1999 das erste mal meine zelte in der schweiz abbrach, um mit karin den kontinent afrika zu erkunden, hätte ich nie in den kühnsten träumen vorstellen können, jemals mit einem solchen lastwagen unterwegs zu sein. zu laut, zu wenig intimität und man kann seine mitreisenden nicht aussuchen. stand ende 2015 bin ich bei 4 overland touren, dabei eine transafrika tour:

2008: nairobi nach kapstadt mit acacia adventure, alleine
2010/2011: marrakesch nach kapstadt nach kairo mit africa trails, westen alleine und osten mit freundin
2011: windhoek nach kapstadt mit acacia adventure, mit freundin
2015: nairobi nach johannesburg (inkl. mozambique) mit acacia adventure, alleine

aber wieso ausgerechnet overland truck, schliesslich habe ich ja auch schon einen landrover gekauft (mit karin) oder war mit sven im mietauto unterwegs. also wieso zur hölle mit einem truck?
gut, schaut man sich die ganze sache objektiv an, kann man sagen, dass alleine reisen in afrika und mit öv’s nicht so einfach ist. es ist durchaus möglich, doch zum beispiel eine safari müsste man dann doch wieder in einer gruppe buchen. der hauptgrund ist schlicht und einfach, dass ich niemanden gefunden habe, der die selbe route zur selben zeit bereisen wollte/konnte/möchte. der finanzielle aspekt folgt erst an zweiter stelle. overland touren sind massiv billiger als ein eigenes fahrzeug!
eins muss jedem/jeder klar sein, die anzahl der leute, die nationalität oder die charakteren der personen auf dem truck kann man nicht aussuchen. man versucht das beste daraus zu machen, was nicht immer sehr einfach ist, schliesslich gibt es kein entrinnen im lastwagen. meine erfahrungen diesbezüglich waren aber stets positiv, habe viele neue leute kennen gelernt und bin noch mit den meisten in kontakt geblieben. doch praktisch auf jedem trip hatten wir aber auch personen dabei, welche aus dem rahmen fielen: 2008 – daemon aus australien – immer betrunken, auch während dem tag, hat mehrfach seine freundin geschlagen. 2010/2011: der homosexuelle mark aus neuseeland, der es zuerst erfolglos bei allen jungs auf dem truck versuchte und ein „no“ nicht akzeptieren konnte. während der tour probierte er es ein paar mal bei einheimischen knaben und brachte somit die ganze tour in gefahr. in vielen afrikanischen länder wird man als homosexueller deswegen in den kerker geworfen. leider ist das bis heute noch so, aber gerade deshalb sollte man ein bisschen mit verstand handeln, mark tat dies auf keinster weise. auf der eben beendeten tour war niemand ausfällig, jedoch waren wir auch nur kurze zeit zusammen unterwegs. aber hätte ich die leute aus der gruppe in lusaka erwischt (muskel-protzende schweizer mit rollkoffern), ich wäre auf der stelle ausgestiegen…

hat man sich aber mal für eine overland tour entschieden, dann gibt es vorweg einiges zu wissen. geschlafen wird in zelten, also unterster standart. wer also noch nie gecampt hat, nicht sehr empfehlenswert. normalerweise sind es 2er zelte und wasserdicht. kam aber auch schon vor, dass am material gespart wurde und ich auf mein mitgebrachtes zelt zurück greifen musste. manchmal gibt es die möglichkeit auf ein upgrade. aber wie auch immer, stelle dich auf wenig schlaf ein!
gekocht wird meistens auf dem feuer oder mit gas und man hilft sich gegenseitig mit den kochvorbereitungen. jeder kriegt eine aufgabe: kochen, abwaschen, lastwagen reinigen, security usw. ich persönlich sehe eine parallele zu pfadfinder-lager, einfach mit dem underschied – this is africa! das unternehmen stellt einen lastwagen fahrer und einen leader zur verfügung. in der regel machen die ihre jobs sehr gut und haben schon einige jahre erfahrung. hatte bisher noch nie einen schlechten leader/fahrer. der truck ist gemütlich, komfortabel und sehr geräumig eingerichtet (inkl. locker hinten im truck für grossen rucksack), also sehr bequem. mit sophie hatten wir dieses mal also tatsächlich jemand auf dem lastwagen dabei, die reisekrank war und trotzdem die tour gebucht hat. sie nahm medis dagegen und hatte ziemlich spass am reisen, also nichts ist unmöglich. unter dem tage wurde häufig geschlafen, karten gespielt, gelesen oder wie ich, die umgebung und die aussicht betrachtet. ich war stundenweise am fenster und schaute raus, schlafen kann ich ja schliesslich nachts oder wenn ich wieder zu hause bin.
die trucks haben speakers und es ist nicht immer einfach den selben musikgeschmack zu finden. ich musste eben auf meiner letzten tour feststellen: es gibt sie also doch, die justin bieber hörenden groupies, sie sind inzwischen einfach erwachsen worden, young twenties. jedenfalls kam ich da an meine grenzen und wusste gekonnt mit system of a down zu kontern, um mein geschädigtes gehör ein wenig zu schonen. aber was solls, es gibt ja noch ipods…
hygiene! auch ein grosses kapitel, ein sehr grosses sogar. seit meiner malaria im jahre 99 habe ich einen sehr empfindlichen magen und bei praktisch jedem trip kriegte ich probleme, früher oder später. grundsätzlich sind die hygiene bestimmungenen hier schon mal total anders als bei uns in der so sterilen schweiz. dazu kommen bakterien dazu, welche wir in den ersten tagen in afrika nicht handeln können, bis wir uns daran gewöhnt haben. on top gibt es noch die gruppen hygiene. hält sich jemand nicht daran, erwischt es wohlmöglich die ganze gruppe. hände waschen vor dem essen sollte wohl noch drin liegen, ist aber bei weitem nicht so… beispiel gefällig? jess half sam das rohe hühnchen zubereiten und nahm dann mit ihren ungewaschenen fingern einige stück mangos aus dem fruchtsalat. geht gar nicht…

wenn du zu hause bleibst, sind die meisten krankheiten höchstwahrscheinlich sexuellen ursprungs – in afrika hingegen lauern krankheiten an jeder ecke. von tollwütigen hunden über bakterienbelastende eiswürfel bis hin zur malaria übertragenden mosis oder über eine million anderer tropischen krankheiten. aber diese problematik haben auch anders reisende, nur auf dem truck sind solche probleme ungemütlciher, weil nicht immer gewartet oder rücksicht genommen werden kann.
thema essen! ich will hier keinen shitstorm entfachen und respektiere alle essgewohnheiten oder essansichten. aber ich war mit leuten unterwegs, welche keine gluten essen durften/konnten oder sophie war neben reisekrank auch noch veganerin. leute, das ist afrika und da kriegt man nicht in jeder ecke eine dinkel pasta, sojamilch oder tofuwürstchen. also entweder man isst die corn flakes mit wasser (oder gar nicht) und vergnügt sich mit toast&beans oder aber man lässt es sein. ich finde es ein wenig verantwortungslos, wenn jemand das gegenteil erwartet.
abends sitzt man dann am feuer, betrinkt sich bei trinkspielen, betrinkt sich einfach weil man lust dazu hat, betrinkt sich in der bar beim fussball gucken oder man geht früh ins bett. kein fernseher. kein game-of-thrones-marathon oder der neuste will farell-streifen, der dir die aussicht auf eine weitere lange schlaflose nacht versüsst hätte.
grundsätzlich geht es aber bei einer overland tour darum, einer rosigen zukunft entgegen zu fahren, in dem fürchterliche gerüche, tiefe freundschaften, verrauchte klaustrophobische hochs und kupplungsversagensbedingte tiefs zu erwarten sind. der trip kann perfekt, frustrierend, langweilig, heftig und lebensverändernd sin, wobei manchmal alles an einem tag.
ich kann dir beim besten willen die entscheidung für/gegen eine solche tour nicht abnehmen. was ich sagen kann, ich bereue keine tour, im gegenteil. aber ich werde auch keine weitere tour mehr machen. weniger weil ich keine lust dazu hätte, nein, ich erreichen in 2 jahren die maximale altersgrenze von acacia (obwohl man mich wieder auf 28 jahre geschätzt hat – der bart mach mich anscheinend noch älter, also wär ich wohl ohne noch jünger geschätzt worden). aber hey, das ist auch gut so. muss ich also doch noch sesshaft werden… oder einen land rover kaufen!

nachtrag :
ein thema habe ich spezifisch ausgelassen, da es nicht nur den overland truck betrifft: die ständige erreichbarkeit und der stress mit den sozialen medien. erschreckt musste ich feststellen, dass für viele menschen die welt zusammenbricht, wenn für einen tag kein wifi vorhanden ist. und das ist in afrika noch ab und zu der fall. speziell die jüngsten gruppen-mitglieder standen jeweils auf verlorenem posten, wenn nicht jeden tag gepostet und getagt werden konnte. ich verstehe ja, dass man den eltern mitteilen möchte, dass alles okay ist in afrika. aber müssen die anderen 89 messages zu den freunden wirklich noch alle am selben tag beantwortet werden? man muss mit der zeit gehen, das verstehe ich vollkommen. aber nehmen wir nicht gerade deswegen eine auszeit, um sich wieder mal mit den mitmenschen oder mit sich selber zu beschäftigen? ich habe den mädels erzählt, wie ich im jahre 1999 mit meinen freunden und familie kontakt hatte. briefe und postkarten war die lösung… und ich habe auch überlebt! sie konnten sich das beim besten willen nicht vorstellen...
ich weiss, ich weiss, neu zeiten und so…ich bin aber dennoch der meinung: schafft die kinder raus aus dem haus, verbringt weniger zeit am computer, schaltet den fernseher aus und stöpselt euch vom immer-erreichbar-sein ab. man muss nicht um die welt reisen, um abenteuer zu erleben. du wirst sie aber nicht in der digitalen welt zu hause finden. definitiv nicht!

platten, gehört auch dazu...

platten, gehört auch dazu...

grosser lastwagen - innen

grosser lastwagen - innen

grosser lastwagne - innen

grosser lastwagne - innen

grosser lastwagen von aussen - nach dem radlager-bruch

grosser lastwagen von aussen - nach dem radlager-bruch

© Markus Knüsel, 2016
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Die Reise
 
Worum geht's?:
be travel, be knüsi - 12 monate pures reiseabenteuer
Details:
Aufbruch: 14.11.2015
Dauer: 10 Monate
Heimkehr: 13.09.2016
Reiseziele: Schweiz
Kenia
Tansania
Malawi
Sambia
Simbabwe
Mosambik
Südafrika
Neuseeland
Tonga
Vereinigte Staaten
Großbritannien
Irland
Belgien
Deutschland
Der Autor
 
Markus Knüsel berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
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