Südafrika-Reisebericht :Südafrika -Once again

Südafrika hat uns gefangen genommen. Wir sind verliebt. Und deshalb zieht es uns auch in diesem Jahr wieder in die Regenbogen Nation.

Anreise und andere Hindernisse

Südafrika 2016

Wenn die Herbststürme toben über Brandenburg, wenn die Tage trübe, nass und kalt sind. Wenn man schon vormittags das Licht anschaltet, weil es nicht hell werden will und das tote Laub durch die trostlosen, grauen Häuserschluchten der Hauptstadt fegt. Die Bürgersteige glitschig und dreckig sind und man ständig halbe Wälder mit in die Wohnung schleppt. Dann ist es an der Zeit ein Flugzeug zu besteigen und sich in wärmere und freundlichere Gefilde abzusetzen.
Nachdem mir sage und schreibe zwei ganze Tage bleiben zwischen dem Ende der Reha und dem Abflug, laufen die Reisevorbereitungen dieses Mal in komprimierter Form ab. Das hat verschiedene Vorteile: keine Zeit für Flugangst und keine Zeit sich über immer noch rumstehende Umzugskartons zu ärgern.
Allerdings ergeben sich auch klitzekleine Nachteile. Dringend gesuchte Dinge finden sich garantiert nicht mehr an.
Die einzige, die in diesem Chaos unbeirrt ihren Dienst verrichtet ist die Waschmaschine. -Immerhin-
Den Weg zum Flughafen bewältigen wir auch diesmal in altbewährter Manier. Nämlich mit den Öffentlichen. Der Vorteil liegt darin, eventuell auftretende Spannungen und Aggressionen können gleich an Ort und Stelle abgebaut werden. (wir Berliner sind ja quasi die Erfinder der Freundlichkeit).
Leider haben wir keine so schönen Vorurlaubsrituale wie manch andere Foriker hier. Heißt im Klartext: Weißwurst und Erdinger gibt es am Weltflughafen Tegel nicht. Liegt vielleicht aber auch daran, das wir uns diesseits des Weißwurstäquators aufhalten.
Da wir aber keine Komplettbanausen sind und uns durchaus aufgeschlossen zeigen, was die Essgewohnheiten des Gastgeberlandes der von uns in diesem Jahr gewählten Airline sind, haben wir selbstverständlich eine Tüte Bassett's Traditional WineGums in der Tasche. (Fish and Chips war eine zu große Sauerei)
Wir besteigen einen ziemlichen neuen Airbus 320 und das automatische Sitzzuteilungsprogram beim Online Check-in hat uns die Plätze direkt hinter der Buisness Class ausgelost.
Nun sitze ich erwartungsfroh hinter der kleinen Gardine und beobachte gespannt was einem für 300€ mehr wohl geboten wird. Der Dame vor mir wird soeben ein leichtes Abendbrot gereicht. Während ich nach meinen Getränkewünschen gefragt werde, höre ich hinter dem Vorhang Besteckgeklappere auf echtem Porzellan. Ich riskiere einen Blick durch den Spalt und bekomme eben noch mit wie der Buisness-Lady das Fläschchen Champus auf's Tischchen gestellt wird. Ich nippe an meinem Tomatensaft im Plastikbecher und rühre gedankenverloren mit dem Plastikstäbchen Pfeffer und Salz ins Kultgetränk.

Nach 1,5 Stunden erreichen wir London-Heathrow. Eine eigene Welt tut sich auf. So kosmopolitisch und großstädtisch wir auch sind. Flughafentechnisch leben wir halt in der Provinz.
Wir schlendern durch die große, bunte Dutyfreewelt und bestaunen Whiskey im Wert von mehreren hundert Pfund. Im stillen freu' ich mich diebisch über mein 29,90€ Schnäppchen von Calvin Klein aus Tegel. Provinz hat auch manchmal Vorteile.
Den Weiterflug treten wir in einer schon deutlich in die Jahre gekommenen Boeing 747 an. Die Maschine ist ausgebucht. Die 104€ die ich dann doch noch in 2 Sitzplätze in einer der rar gesäten 2er Reihen investiert habe zahlen sich aus. Die Sitze sind so schmal, das wir uns glücklicherweise nur gegenseitig auf die Nerven gehen. Der Flug ist extrem unruhig, die Hälfte der 10,5 Stunden leuchten die Anschnallzeichen. Und ich muss sagen mit Recht. Der Recke im Cokpit ist zwar kein Mann der großen Worte, kann aber leichtes Geschaukel durchaus von ausgewachsenen Meinungsverschiedenheiten unterschiedlicher Luftmassen unterscheiden. Zwischen Spanien und dem Golf von Guinea wird unsere betagte Lady tüchtig durchgerüttelt. Es knarzt und quietscht recht ordentlich im Gebälk. Spätestens jetzt macht es sich bezahlt, dass wir beim Handgepäck auf die erlaubten 23 Kg verzichtet haben. Ein paar Reihen vor uns öffnen sich die ersten Overhead Lockers wie von Zauberhand. Die schlauen Damen der stolzen Staatsairline des Vereinigten Königreichs verschanzen sich hinter ihrem Galley-Vorhang. Was denn? Das Anschnallzeichen gilt auch für Sie.
Irgendwo hinter dem Äquator beruhigt sich die Situation und mit Freude nehme ich zur Kenntnis, dass mein 3'' Monitor des In-Seat-Entertainment verkündet: bis Kapstadt sind es noch 2,5 Stunden. Wir befinden uns schon fast auf der Höhe von Windhoek. Laut meiner Recherche der letzten Tage bei "Flight Radar" sollte das zumindest der einzige Flug in der 10-Tage-Statistik sein, der pünktlich landet. Ich hoffe inständig, das auch unser Gepäck Wert darauf legt, die Statistik so zu belassen wie von mir beschrieben.
Um 10:40 berührt unsere Königin der Lüfte Südafrikanischen Boden. Kurz vor uns ist Condor gelandet, was nicht Gutes bei der Immigration vermuten lässt. Und ja, es ist voll! Aber alle Schalter sind geöffnet und so geht die Einreiseprozedur zügig von statten. Die Dame von Home Affairs hat allerdings ausnehmend schlechte Laune und macht meine Finger dafür verantwortlich, dass ihr Fingerabdruck Scanner den Dienst quittiert. Lustlos werden 2 Stempel in den Pass gedonnert und dann macht sie eine Handbewegung, als wollte sie ein lästiges Insekt verscheuchen.
Schnell wird noch die übliche Runde gedreht und Geld, sowie SIM-Karte erworben. Und schon sind wir samt Gepäck auf dem Weg zu Hertz.
Dort ist glücklicherweise auch kaum Betrieb. Ich sehe die freundliche Dame hinter dem Counter flehentlich an und Hauche mit letzter Kraft, bitte kein Etios. Sie hält kurz inne, wendet sich mit mütterlichem Lächeln um und fragt: ist ein Polo genehm? Ja, strahle ich,hoch zufrieden mit mir und meinen Hang zur Dramaturgie. Wir marschieren also mit dem Gepäckwagen über's Mietwagengelände. Dieser erweist sich wieder Erwarten als praktischer Helfer. Denn mittlerweile ist aus dem Cape Doctor ein Cape Devil geworden.
Andreas umrundet fachmännisch einmal den Polo und kann die Allogerie des Schicksals kaum fassen. Im Reifen des Polos steckt eine Monsterschraube. Erinnerungen an's letzte Jahr werden wach.
Drei Plätze weiter seht ein Fiesta. Den hätte ich gerne. Im letzten Jahr hatten wir uns in diesem Gefährt sehr wohl gefühlt. Und nach der Etios Erfahrung fühlten wir uns im Ford wie die Könige.
Das sah auch die nette Frau von Hertz sofort ein und überließ ihn uns großzügig. Herr Google geleitete uns zuverlässig, wie nicht anders erwartet in bekannte Gefilde. Das BIG Backpackers in Green Point ist auch in diesem Jahr wieder unser Zuhause für 4 Nächte. Natürlich sind wir auch diesmal die einzigen mit Rollkoffern und heben den Altersdurchschnitt nicht unerheblich.
Den Nachmittag verbringen wir in Bloubergstrand. Letztes Jahr im Nebel des Grauens, dieses Jahr als ernsthafte Konkurenz von Marry Poppins.
Fortsetzung folgt....

Anflug auf Kapstadt. Der Tafelberg hat das berühmte Tischtuch aufgezogen

Anflug auf Kapstadt. Der Tafelberg hat das berühmte Tischtuch aufgezogen

© Kerstin Reimer, 2017
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 09.11.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 02.12.2016
Reiseziele: Südafrika
Der Autor
 
Kerstin Reimer berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Kerstin über sich:
Hallo,
mein Name ist Kerstin. Ich lebe in der wunderbaren Hauptstadt unserer Republik. Ich arbeite als Krankenschwester an Europas größter Uniklinik und da ich die meiste Zeit des Tages mit Schwerstkranken verbringe, habe ich gelernt, dass es manchmal hilfreich sein kann, die Perspektive zu verändern. Wende dein Gesicht der Sonne zu und die Schatten fallen hinter dich. Reisen ist die ideale Art, mal die Perpektive zu verändern. Offen sein, sich treiben lassen und neues erleben, sowie entdecken wollen. Alles Dinge, die im hektischen Alltag oft zu kurz kommen.
Mein favorisiertes Reisegebiet ist Asien. Angefangen hat es mit einer 2 monatigen Reise nach Nepal im Jahre 2001. Seitdem bin ich mit dem Asienvirus infiziert.