Ghana-Reisebericht :Westafrika: 17 Tage in Ghana / Togo / Benin

Eine Reise durch Ghana, Togo und Benin im Frühjahr 2003.

Die Anreise: Frankfurt - Accra


Samstag, 08.03.2003:

Im Bordkino treibt gerade Harry Potter sein Unwesen. Ganz unterhaltsam, der bessere Film aber läuft neben mir ab, bzw. unter mir: der größte "Sandkasten" der Welt, die Sahara. Vorgestern stürzte hier bei Tamanrasset ein Flugzeug ab, über 100 Tote. Von oben betrachtet erkennt man, dass die Wüste durchaus nicht nur aus Sand besteht, auch viele Erhebungen wie das Hoggar-Gebirge sind zu erkennen. Dann ändert sich die Landschaft, es wird allmählich grüner, bis endlich Lagos auftaucht, die Megastadt mit dem katastrophalen Ruf. Die meisten Passagiere steigen hier aus. Ich bleibe sitzen, noch 50 Flugminuten bis Accra, der Hauptstadt Ghanas. Zeit, noch einmal kurz nachzudenken über den bevorstehenden Urlaub.

17 Tage habe ich, für mich fast schon ein Langzeiturlaub, für Afrika lächerlich kurz, wo man doch vor allem zwei Dinge braucht, nämlich Zeit und Geduld. Nach einer Woche in Accra und 10 Tagen Burkina Faso nun zum dritten und wohl letzten Mal Westafrika. Eine feste Reiseroute habe ich nicht. Von Accra die Küste lang nach Osten, durch Togo nach Benin, meinem eigentlichen Ziel, bis Cotonou, dann auch ins Landesinnere. Mal sehen, was geht (tatsächliche Reiseroute siehe Bild).

Meine Route durch Ghana, Togo und Benin.

Meine Route durch Ghana, Togo und Benin.

Mir ist klar, dass ich ohne eigenes Gefährt nicht nur auf die bestehenden öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen bin, sondern dass mein Urlaub auch mit den Leuten steht und fällt, die man zwangsläufig auf solch einer Reise kennenlernt. Denn eines ist klar: zweieinhalb Wochen ganz alleine sein kann will ich nicht. Im Chaos des afrikanischen Alltags wäre man als Tourist allein auch rettungslos verloren, dann könnte eine solche Reise ganz schnell zum reinsten Horrortrip ausarten.

Der Flieger landet pünktlich in Accra, die Einreiseformalitäten sind schnell erledigt. Kaum eine Stunde nach der Landung bin ich schon im selben Hotel wie vor zwei Jahren, das Paloma, Hotel und Shopping Arcade zugleich.

Lange bleibe ich nicht auf dem Zimmer. Schnell die Sachen aus der Reisetasche, kurz geduscht und dann raus, ins pulsierende Leben. Zu Fuß zum Nkrumah Circle, wo auch am Samstag Abend noch jede Menge los ist, Verkaufsbuden, Essstände am Straßenrand und Massen von Menschen. Jeder hat irgend etwas zu verkaufen. Dann zum "White Bell", ein Restaurant mit Musik und etwas langsamer Bedienung. Spaghetti und ein großes "Star" bestellt. Und die Gelegenheit und Notwendigkeit, mich mit dem heimischen Geld und den Preisen wieder vertraut zu machen. Der zweite Punkt bietet Grund zu heller Freude, ein gutes Essen gibt es hier schon für umgerechnet zwei Euro, die 0,6-Liter Flasche Bier kostet überall weniger als einen Euro, eine Cola 30 bis 50 Cent.

Der Umrechnungskurs beträgt derzeit 9.200 Cedis für 1 Euro. Beim Geldwechsel bekommt man i.d.R. eine Plastiktüte dazu, in der man sein Geld verstauen kann. Ich habe zwar gelesen, dass die Nationalbank mittlerweile auch größere Noten ausgegeben hat, mir ist aber schleierhaft, wer die hortet, denn ich bekomme während der ganzen Zeit in Ghana keine einzige davon zu Gesicht. So bleibt es bei den 1000-, 2000- und 5000 Cedi-Scheinen, d.h., die größte Banknote hat gerade einmal einen Wert von gut 50 Cent.

Der Überfall geschieht plötzlich, in einer dunklen Gasse. Der Typ, klein und untersetzt, greift mein Portemonnaie aus der Gesäßtasche, ich merke das, drehe mich um und schreie ihn an, was er denn da tue, wehre mich aber kaum. Ich habe vor allem Angst, dass er vielleicht ein Messer oder eine andere Waffe zückt. Die 20 Dollar Inhalt gebe ich verloren. Als die Umstehenden bemerken, was geschah, ist er schon längst weggerannt. Sie nehmen zwar die Verfolgung auf, ich renne auch, eher halbherzig, hinterher, es ist aber zwecklos. Ist mir auch recht, ich mache mich schnell aus dem Staub. Ich habe kein Interesse, für eine derartige Geschichte evtl. die Aufmerksamkeit der Polizei zu erregen, das gäbe nur Scherereien. Dass ich in Ghana während meines Urlaubs noch mehr mit der Polizei zu tun haben werde als mir lieb ist, ahne ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht.

Es ist das erste Mal überhaupt während meiner zahlreichen bisherigen Reisen, dass mir so etwas passiert. Eigentlich keine schlechte Quote. Ich nehme es aber als Warnung, dass ich nicht doch zu sorglos zu jeder Tages- und Nachtzeit durch irgendwelche dunklen Gassen schlendern sollte. Die bisherigen guten Erfahrungen gerade in Westafrika haben mich vielleicht zu leichtsinnig werden lassen.

Mit diesem Erlebnis den ersten Ferientag zu beenden, sehe ich nicht ein. Deshalb setze ich mich noch in ein Straßenrestaurant und trinke das ein oder andere Bier mehr als eigentlich geplant. Ist ja, wie gesagt, billig und schmeckt auch gut.

© Uwe Decker, 2004
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 08.03.2003
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.03.2003
Reiseziele: Ghana
Lome
Benin
Der Autor
 
Uwe Decker berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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