Ghana-Reisebericht :Test the West

Die Buschgrenze

Dienstag, 10.01.2012

Als die legendären Kirchenglocken der Bischofskirche von Kpalimé ihren fünfstimmigen Chanson anstimmen, ist es etwa vier Uhr in der Nacht. Nun wird eine Kettenreaktion ausgelöst: Zunächst werden die Hühner wach, davon dann Ziegen und Hunde. Von nun an werde ich alle 30 Minuten aus meinem Tiefschlaf gebimmelt und gebe mich schließlich um sieben Uhr geschlagen. Ein wenig überrascht bin ich darüber, dass ich durch das Fenster Vincents Mietwagen im Hof erblicke. Gestern Abend hat er mir noch erzählt, er wolle noch vor sechs hier aufbrechen. Der wird doch nicht etwa bei diesem Lärm noch pennen?

Die Grenze zu Ghana kann keine 20 Kilometer von hier weg sein und mein einziger Plan für heute besteht darin, diese zu finden und zu überqueren. Hört sich recht entspannt an und so mache ich mich mal ganz entspannt auf den Weg zur nächsten Bank. In Ghana kann ich nämlich mit meinen Westafrikanischen Franc nicht viel anfangen. Als ich die Bank betrete und was von wegen Geld wechseln fasele, werde ich sofort mit leuchtenden Augen empfangen. Umso größer ist die beiderseitige Enttäuschung darüber, dass ich nicht etwa meine Dollar oder Euro in Franc umtauschen möchte, sondern ghanaische Cedi für meine Franc will, was hier nicht möglich ist.

Davon lasse ich mir aber natürlich nicht diesen herrlichen Morgen verderben. Ein Frühstück muss her und da man mir im Bafana Bafana damit nicht dienen kann, werde ich in die Rue Missahohé verwiesen, wo ich in einem kleinen Café das billigste Frühstück meines Lebens zu mir nehme. Für 500 CFA, also etwa 75 Cent, bekomme ich Kaffe, Omelette und Baguette mit Butter. Den Platz an der Sonne mit Blick auf das angenehm gechillte Geschehen der Stadt gibt's gratis dazu. In diesem Moment wird mir wieder einmal klar, was für ein großartiges Geschenk Gottes es ist, allein durch diesen Planeten reisen zu dürfen. Die Sonne geht auf und der Tag gehört dir, nur dir allein und du kannst damit machen was immer du willst; wie geil!

Gegen Mittag schwitze ich in einem Buschtaxi vor mich hin und ich wundere mich noch, dass die Reise kilometerweit gen Norden geht. Laut Lonely Planet ist die Grenze etwa 16 Kilometer westlich von Kpalimé. Es wird doch wohl nicht schon wieder ein sprachliches Missverständnis vorliegen? Dabei hatte mich die freundliche Angestellte des Bafana Bafana noch persönlich zum Motorpark begleitet und die Suche nach dem richtigen Taxi für mich übernommen.

Bevor es wieder mal zu spät ist, frage ich vorsichtshalber die anderen Passagiere und erfahre, dass ich zwar noch auf dem richtigen Pfaden bin, aber irgendwo aussteigen und dann mit dem Taxi oder Motorrad weiter fahren muss. Kurz darauf biegt das Buschtaxi nach links in die Pampa ein. Nach einer abenteuerlichen Serpentinstrecke werde ich in einem Drei-Häuser-Dorf ausgesetzt. Habe absolut keinen Schimmer wo ich bin, doch schon bald sitze ich auf der Rückbank eines Motorrades und lasse mich mit Ziel Wli durch den dichten Palmenwald in Richtung ghanaische Grenze befördern. Da ich auf offiziellem Wege keine Cedi ergattern konnte muss ich mich nun wieder einmal auf dem Schwarzmarkt bedienen. In einem Dorf halten wir an und mein Fahrer organisiert mir einen Geldtauscher, dem ich meinen gesamten Bestand an Franc im Tausch gegen Cedi übergebe; zu einem fairen Kurs. Der Schwarzmarkt in Westafrika ist oft die einzige Möglichkeit, afrikanische Währungen untereinander zu tauschen. Hinzu kommt, dass der Kurs oft günstiger ist als in offiziellen Wechselstuben, welche es wiederum nur in größeren Orten gibt. Der Wechselkurs zum Euro beträgt grob gerechnet etwa 1:2, das heißt, zwei Cedi sind etwa einen Euro wert.

Ja, das ist der Weg zur Grenze!

Ja, das ist der Weg zur Grenze!

Auf der Weiterfahrt werde ich von meinem Fahrer dann gefragt, ob wir nicht Freunde sein können. Diese Art von Freundschaft kenne ich. Sie funktioniert so: Der was hat, gibt dem der nichts hat etwas von seinem Reichtum ab und je tiefer die Freundschaft, desto mehr gibt man seinem neuen Freund. "Prima!", antworte ich, "und da wir ja jetzt Freunde sind, kannst du deinen Kumpel ja eigentlich umsonst nach Wli fahren". Der Fahrer schmunzelt verlegen über seine Enttarnung.

Wenige Minuten später erreichen wir das Grenzdorf Yikpa. Eine alte Schranke ist das einzige, was darauf hindeutet, dass ich in Kürze togoisches Staatsgebiet verlasse. Das ist der mit Abstand entspannteste Grenzübergang, den ich je gesehen habe. Ein junger Grenzbeamter kommt von irgendwo herbeigeeilt und regelt in einem kleinen Häuschen die Ausreiseformalitäten. Dann wird der Schlagbaum geöffnet und wir knattern auf den ghanaischen Grenzposten zu. Dort werde ich von einer übergewichtigen Grenzbeamtin freundlich aber militärisch prägnant begrüßt und darauf hingewiesen, dass sie mein Visum mit dem Einreisestempel gewissermaßen entwerten würde, da eine nochmalige Einreise dann nicht mehr möglich sei. Weiß ich natürlich.

Direkt hinter der Grenze befindet sich das Dorf Wli, dem wegen der legendären Wli Wasserfälle eine gewisse touristische Bedeutung zukommt. Hier habe ich mir die von einem deutschen Ehepaar geführte Waterfalls Lodge als Nachtquartier ausgesucht. Mein togoischer Motorradfahrer fährt mich dort hin, doch dann die Überraschung: Eine Gruppe Geschäftsreisender hat das komplette Gästehaus gebucht. Ich werde an das Wli Water Heights Hotel verwiesen, welches auch sehr gemütlich ist. Ich brauche erst einmal ein Star zur Stärkung und mache mich dann auf den Weg zu den Wasserfällen.

Das Grenzdörfchen Wli

Das Grenzdörfchen Wli

Der touristische Touch ist hier deutlich zu spüren. Um an die Wasserfälle heran zu kommen, muss man an einer Hütte Eintritt bezahlen und kann wahlweise einen Guide hinzu buchen. Ich lehne zunächst ab, doch der skeptische Blick des Kassierers stimmt mich dann doch noch um; wenn ich an die Kaskaden von gestern denke... Die hätten wir ohne Guide nicht erklommen.

Im Vergleich zu gestern ein netter Spaziergang

Im Vergleich zu gestern ein netter Spaziergang

Mein Guide ist ausgesprochen nett, erzählt mir etwas über die Flora und Fauna in diesen Gebieten. Doch ein Führer zu den unteren Wli-Fällen ist absolut überflüssig. Der Weg ist gut ausgebaut, gekennzeichnet und über die Bäche führen wohl gewartete Holzbrücken und das einzige Highlight ist eine auf einem Strauch sitzende Grüne Mamba. Mein Guide holt einen Stock und tötet die Schlange mit einem sehr gezielten Schlag auf den Kopf. Dass die Grüne Mamba nicht ungefährlich ist, ist mir bekannt. Dass jedoch jährlich hier einige Jäger durch ihren Biss ums Leben kommen, hätte ich nicht gedacht. Kaum zu glauben, dass diese kleinen dünnen Pimmel einen Menschen töten können.

Wie nicht anders zu erwarten, ist auch der Wasserfall selbst eher eine Enttäuschung. Ein Planschbecken für Touries. Nach den atemberaubenden Kaskaden von gestern und den märchenhaften Weg dorthin hat das hier doch eher was von Freizeitpark. Was den Wasserfall dennoch zu etwas Besonderem macht, sind tausende Fledermäuse, die in den Felshöhlen ihre Nester haben. Der große Wli-Fall ist wohl schon etwas spektakulärer, erzählt mir mein Guide, doch der zweistündige Fußmarsch ist vor Einbruch der Dunkelheit heute nicht mehr zu bewerkstelligen.

Das Planschbecken von Wli

Das Planschbecken von Wli

© Stefan O., 2012
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Die Reise
 
Worum geht's?:
"Burkina Faso - Ist da irgendwas?", "Wo liegt Niamey?" und "Ist Lagos nicht die gefährlichste Stadt der Welt?" Diese und andere Fragen wurden mir gestellt, bevor ich los zog um nach Antworten zu suchen. Das Motto: "Travel and see"
Details:
Aufbruch: 13.12.2011
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 20.01.2012
Reiseziele: Burkina Faso
Niger
Nigeria
Togo
Ghana
Der Autor
 
Stefan O. berichtet seit 9 Jahren auf umdiewelt.
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