Niger-Reisebericht :Durch die Wüste - Sahara 2003

Durch die nördliche Ténéré nach Chirfa

Der nächste Vormittag gehört der Vorbereitung für die Ausreise aus Algerien. Wir decken uns am Markt in Djanet mit frischem Obst und Gemüse ein, tanken unsere Autos voll, suchen für die benötigten Stempel Zoll und Polizei auf. Endlich ist es soweit. Am Flughafen vorbei geht es in die unendlichen Weiten der nördlichen Ténéré Richtung Niger. Schon bald sind wir von der durch Stöckchen gekennzeichneten Piste abgekommen. Da wir zu weit östlich fahren, hatten wir auch den kleinen algerischen Grenzposten nicht passiert. Das Nachtlager schlagen wir, sichtgeschützt durch eine hügelige Dünenverwehung, bereits im Niger auf. Den ganzen Tag waren wir keinem einzigen Fahrzeug begegnet.

Kamelgerippe

Kamelgerippe

Dies sollte sich am nächsten Tag, wir sind wieder auf die Piste gestoßen, ändern. In der Ferne tauchen drei, vier Geländefahrzeuge auf. Beim Näherkommen machen wir etliche Leute aus, die um die Autos herumstehen. Was ist da los? Sind das Banditen? Da sehen wir, dass sich unter den Einheimischen auch Weiße befinden. Sind vielleicht gerade Banditen dabei, eine Gruppe Touristen zu überfallen? Die Gegend hier gilt als unsicher. Hellmut hat die Idee, dass unsere beiden Fahrzeuge ausscheren und wir von links und rechts die Gruppe in die Zange nehmen. Gesagt - getan. Als wir links und rechts von der Gruppe anhalten, sehen wir in angespannt-ängstliche Gesichter. Sehen unsere Gesichter genauso aus? Die Anspannung löst sich aber schnell im allgemeinen Gelächter, als klar wird, dass es sich auf beiden Seiten nur um harmlose Touristengruppen handelt. Eine amerikanische Reisegruppe, von Tuareg geführt und von nigrischem Militär begleitet, ist auf dem Weg nach Algerien. Die nigrischen Soldaten verstecken ihre Gewehre schamhaft hinter ihrem Rücken. Hatten sie die Gewehre gerade noch auf uns gerichtet? Die Amerikaner erzählen, dass am Grenzposten algerisches Militär wartet, um sie zu übernehmen. The american way of travelling!

Autowracks - Überbleibsel von ehemaligen Paris-Dakar-Ralleys

Autowracks - Überbleibsel von ehemaligen Paris-Dakar-Ralleys

Die Nacht verbringen wir auf der zugigen Hamada-Platte: im Winkel von dreihundertsechzig Grad und soweit das Auge reicht nur graues Geröll. Da helfen nur noch Dosen-Rouladen mit Knödeln und Blaukraut.

Am nächsten Tag nähern wir uns der ersten Siedlung jenseits der nigrischen Grenze. Die Hütten der Oase Chirfa erheben sich zwischen Palmen aus dem Sand. Nachdem wir unsere Pässe beim vorgelagerten Militärposten abgegeben haben, werden wir von den Menschen in Chirfa, die dem Stamm der Tibu oder Tubu angehören, freudig begrüßt. Sofort improvisieren die Frauen des Ortes einen kleinen Verkaufsmarkt, auf dem sie uns Messer, Schalen, Bastgefäße und vieles mehr anbieten. Und da kommt auch schon Hassan gelaufen! Das Hallo ist groß. Hassan hatte uns bereits im letzten Jahr durch den Niger begleitet und sich als äußerst ortskundiger und zuverlässiger Führer erwiesen. Auch dieses Jahr wird er mit dabei sein. Bei einer Schüssel Reis mit Sauce besprechen wir in seiner Hütte die letzten Details der bevorstehenden Reise. In Chirfa können wir voll tanken - per Handpumpe aus Fässern - und auch unsere Wasserbehälter nachfüllen - per an einem Seil befestigten Plastikeimer aus dem Brunnen. Wir werden mit Obst, Salat und frisch gebackenem Brot versorgt. Für das Dorf haben wir Geschenke in Form von Kleidung, Lebensmitteln und Brillen dabei. Temo, unser Arzt, versorgt die Bewohner mit Medikamenten und Gesundheitsratschlägen. Dann brechen wir in Richtung Djado auf.

Tanken in Chrifa

Tanken in Chrifa

Ein Tubu-Mädchen verkauft uns Souvenirs

Ein Tubu-Mädchen verkauft uns Souvenirs

Wir reichern unseren Proviant mit Brot aus Chirfa an

Wir reichern unseren Proviant mit Brot aus Chirfa an

© Angelika Gutsche, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Reisebericht Sahara: Tunesien - Algerien - Niger - Algerien - Tunesien
Details:
Aufbruch: 12.01.2003
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 05.03.2003
Reiseziele: Tunesien
Algerien
Niger
Der Autor
 
Angelika Gutsche berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
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