Niger-Reisebericht :Afrika Expeditionen Sahara Durchquerung

Gara Ekar - Assamaka – Arlit - Agadez

Die Felsen des MONT TEZZARANIE, die uns umgaben, ließen die ersten Strahlen der Morgensonne nicht durch. Die restlichen 85 km bis zur Grenze verliefen ohne Besonderheiten, immer der kilometerbreiten Hauptpiste folgend mit gelegentlichen weichen Sandfeldern. IN GUEZZAM, die algerische Grenzstadt zum Niger war erreicht. Hier mussten wir die Zollformalitäten erledigen. Freundlich winkende Menschen säumten die Straßen. Eine gefürchtete Treibsandpiste führt über etwa 15 bis 20 Km durch das Niemandsland zur nigrischen Grenzstation ASSAMAKA. Der Grenzübergang war wegen der Mittagspause geschlossen, die bis gegen 15 Uhr andauerte. Zu unserem maßlosen Erstaunen gab es eine Kneipe, rechteckig, mit Sandfußboden und Holzdach und so konnten wir inzwischen den Staub in der Kehle hinunter spülen.

Um 15 Uhr die berühmte Kontrolle: alles Gepäck runter vom Wagen, Stichproben - bis auf die letzte Unterhose. Feuerwerkskörper, die wir als Signale für den Fall des Verirrens in der Wüste dabei hatten, wurden stillschweigend konfisziert. Gegen 16 Uhr waren wir dann auf der Piste in Richtung ARLIT und campierten bei untergehender Sonne vor einer Sanddüne in einer wunderschönen, riesigen weiten Wüstenlandschaft. Der Sonnenaufgang, den viele mit gespannten Kameras erwarteten, war nicht von der gewünschten Art.

Auf breiter Sandpiste ging es die letzten 100 km nach ARLIT. Die lehmfarbenen niedrigen Häuser von Arlit ähneln denen im Süden Algeriens, das Leben in den Straßen zwischen den Häusern ist jedoch ungleich bunter und lebhafter. Erst hier merkt man, was man in der muslimischen Sahara vermisst hat: Lebensfreude, kindliche Unbeschwertheit, Musik, Frauen im Straßenbild und den Genuss eines kühlen Bieres. Kein Zweifel - wir sind in Schwarzafrika. Hier in Arlit beginnt wieder die Asphaltstraße. Die Weiterfahrt verging wie im Fluge. Am Wegesrand gelegentlich kleinere Herden von Eseln, Kamelen und Ziegen, die mit Strohballen für den Hüttenbau beladen waren. Gegen Abend erreichten wir AGADEZ.

Schon am Stadtrand weisen Schilder auf Campingplätze hin. Hier wollten wir zwei Tage bleiben und so war zum Glück mal wieder Ausschlafen angesagt.

Morgens fuhren wir mit dem LKW in die Stadt. Der Wagen wurde vor dem ersten Hotel am Platz, dem "HOTEL DE L'AIR" geparkt.

Gegenüber befand sich die Moschee, deren Turm aufgrund herausragender Balken wie mit Stacheln bewehrt aussah und der das höchste Bauwerk in Sandbauweise in Afrika darstellt. Schon bevor wir den Wagen verließen, sprang uns ein Schild ins Auge, auf dem unter anderem in deutscher Sprache zu lesen war: "Alte, gute Tuareg-Sachen". Der Inhaber namens Mohammed erwies sich als äußerst clever, er war in Deutschland gewesen und sprach sehr gut Deutsch. Sein besonderer Service: Man konnte in seinem Laden per Satellit nach Deutschland anrufen und mußte dafür nur knapp das Doppelte zahlen wie bei der Post, bei der allerdings dieser Vorgang fünfmal so lang gedauert hätte. Der Eintausch eines Reiseschecks bei der einzigen Bank am Ort benötigte einen Zeitaufwand von 1 bis 1 1/2 Stunden, so daß wir die Gelegenheit wahrnahmen, zu einem vernünftigen Kurs auf der Straße schwarz zu tauschen.

In der Stadt und rund um den Markt zahlreiche Sonnendächer und Mattenzelte, in denen Spieße, Hammelkeulen und Ähnliches gebraten wurden. Auf dem Weg zum Kamelmarkt vor der Stadt gelangte man an der Werkstatt des berühmtesten Silberschmieds der Stadt, Mohammed KOUMAMMA, vorbei, in der man den üblichen Tuareg-Schmuck erwerben konnte.

Draußen vor der Stadt auf einem riesigen Sandplatz, lagerten die Kamele, dösten die Esel und klagten die Lämmer und Ziegen in der heißen Sonne und warteten auf Käufer.

Um vier Uhr ging es zurück zu einem erholsamen Spätnachmittag im Camp. Abends gab's Kamelkeule, Bier und Rotwein.

© Johnny Hinzen, 2007
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Tunesien-Algerien-Niger: El Qued - Hassi Messaoud - Djanet/Tassili - Hoggar/Assekrem - Tamanrasset - Gara Eker - In Guezzam - Agadez - Tahoua - Birnin Konna - Niamey
Details:
Aufbruch: 01.01.1991
Dauer: 6 Wochen
Heimkehr: 11.02.1991
Reiseziele: Algerien
Niger
Der Autor
 
Johnny Hinzen berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
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