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Michael's Reise im Januar und Februar 2007.
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Ich dachte, Mexiko City sei hart, Bangkok, Belize oder Lower Manhattan. Doch das hier hat es echt in sich. Delhi ist ein Monster, ein friedliches aber.
Wenn man aus dem Flieger steigt, riecht es nicht nach Fragrance wie in Dubai. Es riecht nach ... Osterfeuer: im Terminal, bei der Gepaeckausgabe, im Bus, in der Stadt. Ueberall an der Strasse sind kleine Holzfeuer, und die machen wohl diesen Geruch. Jedenfalls waehrend der Winterdunst (4 Grad) ueber Delhi liegt und man ueberhaupt Glueck hat, hier landen zu duerfen. Nach uns wurde der Nebel so dicht, dass auf Indira Gandhi Airport nichts mehr ging.
Also: Zoll wie erwartet buerokratisch. Passnummer, Visanummer, Tag des Verfalls des Passes, Tag des Verfalls des Visas, wo ausgestellt. Staendig blaettert man im Pass hin und her und schreibt ab.
Einer aus der Beamtenkaste nickt das dann behaebig ab. Und man darf auf keinen Fall einen Schnipsel verlieren, auf dem steht, dass man bei der Ankunft nichts zu verzollen hatte, sonst kommt man nachher nicht wieder raus, behauptet ein Reisender. (Stimmt nicht.)
Geld am ATM gezogen. Das spart Zeit, Umtauschkurs ist gut und die Gebuehren (3,70 EUR) halten sich in Grenzen. Uebers Ohr gehauen werde ich noch frueh genug.
Delhis International Airport ist etwas proletarischer als der von Dubai.
Im Stadtbus zum Bahnhof New Dehli, so will ich das. "Good luck" wuenscht mir der Mann von der Tourist Information. Tausende, abertausende Riksha- und Taxifahrer wollen mich hindern. Aber ich steige trotzdem ein. Nicht sehr komfortabel. Geht aber gut und ist mit 50 Rupees (1 EUR) auch nicht so teuer. (Rikshafahrer nehmen das 6-fache.)
Der Verkehr, der Smog, das ist der erste Schock. Der Chaotenverkehr in Athen ist vorbildlich dagegen. Ein Unterschied: Auch hier hupen alle, aber keiner flucht oder schimpft, wenn er nicht gelassen wird. Alles ist hektisch und laid back zugleich. Erstaunlich.
Nach einer dreiviertel Stunde sind wir am Connaught Place, einem Kreisverkehr mit innerem und auesseren Zirken. Eigentlich sollte der Bus zum Bahnhof fahren, aber sie schmeissen uns hier raus.
Ich dachte, hier hat sich etwas vom britischen Imperium manisfestiert, denn die haben New Delhi ja angelegt. Vonwegen. Wir sind an einem staubigen, dreckigen, nicht ausgeschilderten Strassenknotenpunkt. Drei verlorene Traveller aus Japan und Deutschland auf einer Verkehrsinsel, von drei Seiten durch Rikshafahrer und Ratgeber belagert. Und dann bin ich auch noch so blass. Jeder sieht sofort, dass ich neu bin. Wie kann ich die falschen Ratgeber bloss verscheuchen, wo ich doch auf guten Rat angewiesen bin?
Die Map von der Tourist Guide hilft nicht weiter, weil Strassenschilder fehlen. Immer wieder schaut ein Inder mit hinein und deutet auf irgendeinen Punkt, den ich unbedingt ansteuern soll. Ich will aber nicht, ich will es alleine und zu Fuss finden, egal was mein Iliosakralgelenk sagt, dass mich kurz vor dem Flug im Stich gelassen hat.
Es kann doch nicht so weit sein. Ist es auch nicht. Und nicht alle der Ratgeber haben es auf mein Geld abgesehen. Einige helfen wirklich weiter und wollen zur Belohnung nur wissen, aus welchem Land ich bin.
Der Bahnhof ist nicht weit, und der Main Bazar, wo die Backbacker Hotels sind, liegt gleich gegenueber.
Mit etwas Glueck findet der Inder ne Bombe und macht ne Rupie: "Schauen Sie unter Ihren Sitz. Da koennte eine Bombe sein. Schlagen Sie Alarm. Verdienen Sie sich eine Belohnung." Und das im Stadtbus vom Airport. Ich hab aber nichts dazu verdient. Shivaseidank!
Ein heftiges Bild nahe der Railway Station: Ein hochgetuermter, stinkender Muellberg aus wehenden Plastiktueten, Plastikflaschen, Essensresten, Unrat, etwa einen Meter hoch, ein paar Meter lang, zwei Meter breit - daneben ein im Staub hockender Mann, laechelnd.
Natuerlich kenne ich das Bild. Schon mal im Fernsehen gesehen. Aber nun stehe ich mitten drin. Ein Schock. Vielleicht umgekehrt nachvollziehbar: Man geht in Deutschland auf die Strasse und ein paar dutzend gelbe Saecke sind aufgerissen und ein paar Muelltonnen entleert, und daneben sitzt und lebt jemand.
Ich hatte davon gelesen und doch war ich unvorbereitet. Ich kannte Indien nur aus dem Netz - wo ich Tickets gebucht und eine Liste aller Geldautomaten gefunden hatte. Aber neben den Geldautomaten leben die Strassenkinder. Das hatte ich mir nicht vorstellen koennen.
Apropos: Ein Projekt bietet eine Fuehrung durch Delhi durch Strassenkinder an. Homepage Leider habe ich keine Zeit dafuer.
Diese Heilige Kuh steht Schnappschuessen aufgeschlossen gegenueber.
Das Hotel liegt im Main Bazar. 300 Rupees (6 EUR). Fuer indische Verhaeltnisse okay, sogar Warmwasser, wenn man vorher Bescheid sagt, dass man duschen will. Der Generator auf dem Dach laeuft bei Stromausfall und klingt wie ein Monster-Truck. (Ich musste doch mal nach oben steigen, weil ich mir den mordsmaessigen Laerm nicht erklaeren konnte.) Stromausfall ist offenbar immer abends und das Ding laeuft bis morgens eins. Also Ohrstoepsel.
Der Hauptbahnhof fuer Delhis 11 Millionen Einwohner. Ich glaube, der Bahnhofsplatz von Delmenhorst ist groesser.
Der Eintritt zum Main Bazar in Delhi. Hier steigt der gediegene Backpacker ab und holt sich seine ersten Infektionen. (Aber ich bleibe gesund.)
Dann noch ein bisschen Shopping im Main Bazar. Gepflegt ueber das Elend hinwegschauen, die smarten Koederer der Shops ignorieren, meine erste heilige Kuh treffen.
Und dann - Schwupps - sitze ich doch in einem Laden fuer Schals und Teppiche aus Kashmir. Wie hat der das nur gemacht? Er hat doch nur gefragt, wo ich herkomme. Aber er hat mich dabei so ehrlich angeschaut.
Spaeter stelle ich fest, dass sie auf Deutsche und Schweizer spezialisiert sind. Weil die so ehrlich sind, sagt mir mein Verkaeufer. Ein schweizer Paerchen erscheint nach mir, ist wiedergekommen. Seit einem Tag ringen sie mit sich, ob sie den Teppich kaufen sollen. Klar werden sie ihn kaufen. Erstmal ordert der Verkaeufer Chai-Tee fuer die beiden.
Ich kaufe einen Schal als Gastgeschenk fuer Guruji im Ashram, handgewebt aus Kashmir, fuer 1800 Rupees. Geht doch. Und sehr gute Qualitaet.
Der Verkaeufer ordert auch fuer mich einen Tee. Er ist froh. Er sagt, er hat ein gutes Geschaeft gemacht. Das muesse er aber auch. "Long journey". Fuer die Touristensaison kommt er aus Kashmir hierher.
Can I have that?
Ach ja, und er fragt, ob ich noch so eine Cordjacke haette. Er wuerde sie mir gerne abkaufen. So helles Cord gebe es hier nicht. Nein, ich habe leider kein Duplikat dabei.
Das passiert mir in den naechsten Tagen andauernd. Sie wollen meine Jacke, meinen Stift (der dann weg ist). "Can I have your torch?" Und schon hab ich meine kleine Diodentaschenlampe verschenkt. "Can I have your pen?" Mein Ersatzkuli (Werbegeschenk) in blaumetallic mit falschem Goldrand ist ein Fehler. Die Inder sind fasziniert davon. Sie stehen auf alles Farbige, Glaenzende, Goldene, Spektakulaere und fragen sofort, ob ich ihn ihnen schenke.
Das macht die indische Luft - jedenfalls im kalten Januar: Die morgendlichen Waermfeuer ueberall.
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