Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

bundi - verweile doch, du bist so schön: am rande erzählt

sathi lassi
kaum zu glauben, ein deutsches schild in indien und auch noch ohne rechtschreibfehler: "sathi lassi - der absolute knaller". für meinen geschmack ein wenig zu süß und ab dem frühen nachmittag nicht mehr wirklich frisch. aber seit ich weiß, dass der laden gleichzeitig der drogenumschlagplatz nummer eins in bundi ist, verstehe ich den werbeslogan schon ein wenig besser.

fotosession
zuerst dachte ich, ich könnte an einer hochzeit teilnehmen, aber die war schon vor zwei tagen. heute ist der sog. "empfangstag". da sitzt das brautpaar vorne auf einem thron, vor ihnen kameraleute und fotografen. anscheinend kann jeder, der sich berufen fühlt, nach vorne gehen und sich mit dem brautpaar fotografieren lassen. danach geht es zum essen. ein indischer catering-service kredenzt "thali". leider kann ich nicht mitessen, denn ich habe mir mit einem alten mangosaft den magen verdorben. um mich herum toben die anderen 500 gäste in ihren besten klamotten. ein bisschen ist es wie sehen und gesehen werden, aber viele leute gehen direkt nach dem essen nach hause. so auch wir.

chaosforschung
ich ließ den kopf in die kissen sinken und löschte das licht. da war es: der hochfrequente störton eines blutrünstigen kleinvampirs, der sein vorspiel blutsaugerischer attacken zelebrierte und in meiner ohrnähe kapriolen flog.
nein, ich wollte nicht aufstehen, das licht einschalten und auf moskitojagd gehen. ich wollte nicht schlaftaumelnd zu vernichtungsschlägen ausholen, gläser vom tisch und bilder von der wand fegen.
wieviel besser wäre es, die blutspende dieses eine mal zu akzeptieren, mit philosophischer ruhe sanft in den schlaf zu fallen? ist das surren der mosquitos hohngelächter oder magenknurren? sind wir nicht alle mosquitos vor den ereignissen der zeitgeschichte? kann nicht dieser eine mosquito im namen der chaos-theorie den gesamten weltenlauf verändern?
klatsch. jetzt nicht mehr. ich bin einfach nicht zum philosophieren geboren.

das ist leider nicht von mir, sondern von gerd voigt-müller.

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!