Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

mt. abu - die willkommene abkühlung

uff, endlich kein ventilator nachts und tagsüber angenehme temperaturen um die 25-30 grad. so lässt es sich aushalten.
schon die fahrt hierher war himmlisch. in schönen kurven und kehren windet sich die straße auf 1220 m. musikalisch habe ich diesmal claude challe ("buddhabar" u.a.) eine chance gegeben - er hat sie genutzt.
mt. abu ist um einen see herum angelegt und etwas unübersichtlich verstreut. es ist der einzige bergort im wüstenstaat rajasthan. hotels gibt es in hülle und fülle und spätestens am wochenende erlebt man den ansturm der touristenbusse, marutis und jeeps. überall herrscht urlaubsstimmung, es gibt fantastisches mango-eis und man kann boote mieten, um den see zu befahren.

mt. abu mit see.

mt. abu mit see.

mt. abu ist das mekka für hochzeitsreisende aus der fernen und nahen umgebung. überall frischvermählte paare, hoffentlich auch einige frischverliebte. für viele paare wird das nach der arrangierten und stressigen hochzeit die erste gelegenheit sein, sich kennenzulernen. dieser ort hat also vermutlich eine hohe entjungferungsrate. es gibt tretboote in schwanenform, gondeln, grundsätzlich nur doppelzimmer und fotografen stehen an allen romantischen ecken.

mt. abu in der abendsonne.

mt. abu in der abendsonne.

diese leicht kitschig-romantische, nach familienglück riechende atmosphäre mag vielleicht auch der grund dafür sein, dass sich hier jedes jahr mindestens 5 alleinstehende inder im see ertränken. deshalb ist es sehr schwer für alleinreisende indische männer, hier ein zimmer zu bekommen. erst vor 2 tagen war es wieder soweit, und als ob das alleine nicht schon schlimm genug ist... nein, ich habe auch noch kurz davor mit dem mann gesprochen. der war echt komisch drauf, deprimiert-depressiv, gleichzeitig aber auch fröhlich. im nachhinein ist das viel klarer und ergibt auch einen sinn, aber im moment unseres gesprächs konnte ich es einfach nicht einordnen. man wird in indien oft auf eine komische art angesprochen und weiß nicht, auf was die leute eigentlich hinauswollen. manche vermutlich auf gar nichts, andere wollen nur höflich sein, dritte wollen einem was verkaufen... na ja, jetzt gibt es eine weitere möglichkeit.
schlimm, ich kann es aber leider nicht ändern und vorwürfe mache ich mir deshalb auch keine, aber ein komisches gefühl bleibt - wohl verständlicherweise.

ja, nach einem solchen textabschnitt ist es gar nicht so leicht, wieder zu einem "heiteren" erzählstil zurückzufinden. ich denke, das muss auch nicht unbedingt sein.

rajasthanis genießen den sonnenuntergang.

rajasthanis genießen den sonnenuntergang.

jedenfalls bin ich schon wieder länger an einem ort geblieben als gedacht. morgen ist es eine woche und es war eine sehr schöne zeit mit netten leuten und bleibenden bekanntschaften. igor aus polen hat mir den letzten kick gegeben, meinen nächsten urlaub im osten europas zu verbringen, und mich gleich eingeladen. dank monique habe ich meine indienpläne schon wieder etwas verändert und die route umgestellt.... und wer weiß, wen ich heute noch kennenlerne - einige interessante leute habe ich schon ausgemacht.

der berühmte "dilwara-jain"-tempel war absolut beeindruckend. da man keine fotos machen darf, habe ich eine postkarte eingescannt.

im dilwara tempel.

im dilwara tempel.

ansonsten genieße ich die sonnenuntergänge, denn sofort nach dem sonnenuntergang verschwindet die laute masse an tagestouristen auf einen schlag und ich kann noch fast 40 minuten das letzte tageslicht bewundern. es ist dann immer noch warm, windig und die aussicht auf das tal ist überwältigend.

touristen genießen den sonnenuntergang.

touristen genießen den sonnenuntergang.

heute bin ich sogar um 6 uhr morgens aufgestanden und 20 km über bergstraßen gefahren, um mir alleine auf einem felsenplateau den sonnenaufgang anzuschauen. ich empfehle dazu "vide cor meum", das klassische stück aus dem (das ist jetzt - s.o. - unpassend) zweiten "hannibal lector"-film. mir wären vor freude fast die tränen gekommen.

meditation zum sonnenuntergang am mt. abu. am nächsten tag war das mein platz.

meditation zum sonnenuntergang am mt. abu. am nächsten tag war das mein platz.

gut, dass ich mir die tränen verkniffen habe. die nächsten tage werde ich meine körperflüssigkeit noch gut gebrauchen können.

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!