Indien-Reisebericht :Heilige Kühe und GoGo-Girls

INDIEN SPEZIAL: bronzenes jubiläum - 1000 km "on the road"

jawohl, 1000 km auf indischen straßen mit dem motorrad. bis jetzt ohne irgendwelche groben verletzungen und kratzer. ok, ich hab mich am auspuffrohr verbrannt, aber das zählt nicht - das war beim putzen (komisch, zuhause putze ich mein motorrad nie; das muss an dem vielen chrom der enfield liegen).

am morgen vor dem start - morgentau auf dem gras.

am morgen vor dem start - morgentau auf dem gras.

diese 1000 km decken so ziemlich jede gefühlsregung ab - freude, ärger, angst, unsicherheit, glücksgefühle, uvm.
an den verkehr in der stadt habe ich mich gewöhnt, das macht zum teil auch richtig spaß, weil man sich absolut durchwühlen muss und nichts wirklich verboten ist. manchmal wird man leider auch von einem bus an eine steinerne straßenmarkierung gequetscht - schluck (in jaipur).

schlimmer sind da allerdings schon die die großen verbindungsstraßen, wo man keine minute sicher sein kann. gleich hinter bharatpur fuhr ich gerade gemächlich dahin, als mir in einiger entfernung ein kamelwagen entgegenkam. dahinter ein bus und dahinter wiederum ein jeep - ja und jetzt die lektion in indischem verkehrsrecht: bus überholt kamelwagen und fährt damit bereits auf meiner seite; jeep überholt bus und kamelwagen gleichzeitig, die straße ist jetzt komplett dicht - jaaaa, da fangen auch ungläubige das beten an. für einen kurzen moment fuhren wir alle auf der selben höhe (wie das möglich war, weiß ich bis heute nicht) und mir fiel komischerweise ein bild von einem fotofinish ein. seit diesem erlebnis zuckt mein schließmuskel jedesmal verdächtig, wenn ein jeep zum überholen ansetzt.
und natürlich wäre es ein wunder, wenn solche manöver nicht irgendwann auch mal schief gehen würden, also bitte, hier der beweis:

on the road.

on the road.

on the road.

on the road.

die qualität der straßen ist sehr unterschiedlich - von "eigentlich nicht vorhanden", über "hoppel-krach-bums" bis "absolut perfekt".
eine spezialität des indischen straßenbaus ist - neben kraterähnlichen löchern - die antitempo-erhebung, vulgo "bodenwelle". nach einigen herben erfahrungen in den anfangstagen, habe ich jetzt langsam ein gefühl dafür bekommen, wo solche erhebungen sein könnten. markiert sind sie natürlich nicht und anscheinend dürfen anwohner einer straße sowas straffrei errichten. mit einer schweren maschine wie meiner, zusätzlich noch mit gepäck und dann noch mit meinem eigenen gewicht - da sind bei einer flugeinlage sämtliche augen auf mich gerichtet. Manchmal tue ich dann so, als ob es absicht gewesen wäre, und jauchze laut.

im übrigen werde ich auch sonst gern bestaunt. gerade in abgelegenen gebieten, entlang kleinerer straßen, bin ich vermutlich die monatssensation. die kinder winken, die männer glotzen und die frauen - ja, die geben sich leider völlig unbeeindruckt (schnief...).
trotzdem kommt bei mir manchmal dieses nachkoloniale sahib-gefühl auf. wenn ich in einer kleinstadt pause mache oder sogar übernachte, sprechen mich wildfremde mit "you ... enfield?" an.
ja, die maschine hat schon was... also auf die nächsten 1000 unfallfreien kilometer!!!

motorradausflug - "halbanonym" würde janosch sagen.

motorradausflug - "halbanonym" würde janosch sagen.

© Ralf Knochner, 2004
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Die Reise
 
Worum geht's?:
. := Auf einer Enfield Bullet durch den Norden Indiens := . . Den zweiten Teil der Reise findet ihr in der Rubrik Südostasien/Laos unter "Dauerlächeln und Bombenstimmung - der Fortsetzungsroman in Südostasien". Bis jetzt ist erst der Teil über Laos fertig, Kambodscha folgt noch.
Details:
Aufbruch: Januar 2004
Dauer: 6 Monate
Heimkehr: 18.07.2004
Reiseziele: Indien
Jaipur
Udaipur
Jaisalmer
Leh
Der Autor
 
Ralf Knochner berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Ralf sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
Bild des Autors
Ralf über sich:
ok, zugegeben, das bild ist nicht mehr aktuell und schmeichelt mir. damals, nach meiner ersten sechsmonatigen indienreise, war ich halt noch jung und schlank. jetzt, 9 jahre später, bin ich 33 und schon "vom leben gezeichnet". mein faible für das fernöstliche äußert sich in meiner buddhaesken erscheinung und meiner enormen geduld, vor allem mit mir selbst
mein interesse auf dieser reise gilt weniger den sehenswürdigkeiten oder historischen ereignissen, das kann man alles im reiseführer nachlesen. auch mache ich keine angaben zu hotels, preisen und ähnlichem (ausnahmen bestätigen diese regel). ich möchte menschen kennenlernen und ein wenig hinter die fassaden schauen. ihr könnt mit mir hoffen, dass mir das gelingt ..... danke für euer interesse!