Indien-Reisebericht :Auf Achse: 5 Monate Indien, Thailand, Vietnam und so

Kishori unser Fahrer

Geduld war nicht sein Markenzeichen

Hier in Jaisalmer, wo wir wegen einer moslemischen Feier 5 Minuten warten mußten.

Hier in Jaisalmer, wo wir wegen einer moslemischen Feier 5 Minuten warten mußten.

Am Flughafen stand er, ich hatte ihn schnell entdeckt mit seinem Schild „Dr. Backes“.

Zur Begrüßung einen festen Handschlag, der jeden Morgen zur Begrüßung und am Nachmittag zum Abschied vollzogen wurde. Das hat ihm bestimmt vor langer Zeit ein Engländer oder ein Deutscher beigebracht. Denn Inder meiden im allgemeinen jeglichen Körperkontakt in der Öffentlichkeit.

Sein Fahrstil begann rasant bis Kamikaze, zur Rush-hour in Delhi. Das will gelernt sein bei dem Verkehrsaufkommen, das Gewusel von Lastern, Bussen, Autos, Motorrädern, Fahrrädern, Fußgängern und Kühen auf den Straßen. Geschickt aber bestimmt, eilig und geschwind windet er das Auto durch die Schlangen. Hier gibt es nicht 4 Spuren, es gibt so viele Spuren wie Fahrzeuge nebeneinander passen. Am Nadelöhr hat dann der stärkste und lauteste (Hupe) den Vorrang. Kishori fährt forsch auf ein Hindernis zu und im letzten Moment wird gebremst. Das natürlich heftig! Das wir dabei manches Mal von den Sitzen rutschen wird nicht merklich zur Kenntnis genommen. Am Hotel angekommen sagt er kurz aber bestimmt: Tomorrow 9 o‘clock. Das war‘s! Er ist ähnlich gesprächig wir Erich, weniger ist mehr, geredet wird nur, wenn dringend notwendig. Auch eine 2. Eigenschaft teilt Kishori mit Erich: Fragen einfach nicht beantworten. Allerdings bevorzugt Kishori hier die Varianten: Do not understand, Kopfwackeln (was alles oder nix bedeuten kann) oder ein knappes Kauderwelsch, das ich mich nach 2maligem Nachfragen kein 3. Mal wage. Das führt dazu, daß wir häufiger Dinge im Indienbuch nachlesen und uns gegenseitig auf die vielen Dinge der Umgebung aufmerksam machen. Ich sehe an Kishoris Blick, daß ihm das nicht wirklich gefällt. Gesagt wird aber nichts. Die Antilope hat er entdeckt und tatsächlich angehalten, damit wir ein Photo machen konnten. Er raucht derweil ein Bidi (indische Zigarette) und treibt uns schnell zur Eile an, damit es weitergeht.

Am 1. Abend konnten wir kein Bier mehr auftreiben, da der bottle shop sinnigerweise um 20.00 Uhr schließt. Am 2. Nachmittag in Bikaner angekommen meint Kishori zu uns: you need a beer? Oh ja, wie aufmerksam! Erich geht mit ihm in eine dunkle Spelunke und kommt mit 3 Bier für uns zurück. Kishori hat in Windeseile seine kleine Whiskyflasche unter dem Vordersitz verschwinden lassen.

Am 3. Abend waren wir in der Wüste. Hier gab es ein traditionelles Abendbuffet mit Musik und Tanzaufführungen. Bier konnte man bestellen. Zum Ende hin sollten natürlich alle Touris mittanzen. Von einer netten indischen Familie animiert habe ich mich dann auch auf die Tanzfläche getraut. Erich hatte ja Fuß. Kishori meinte dann, ich solle in jedem Fall nochmal tanzen gehen. Dann fragte er, ob er sich zu uns setzen könne und rückte recht nah an mich ran. Ich zu Erich: der hat ja ganz schön einen im Tee. Daraufhin Kishori: what you say, speak english language. Nachdem ich mich nicht von ihm zum Tanzen animieren ließ, ist er dann alleine zur Vortänzerin auf die Bühne gegangen. Was für ein begnadeter Tänzer!!! Leider haben wir ihn nie mehr so gelöst erlebt.

Am nächsten Morgen wieder Schweigen im Wald. Er zitterte wie Espenlaub, seine Erklärung: es wäre so furchtbar kalt. Abends wurden wir auf den einzig vorhandenen bottle shop aufmerksam gemacht und erhielten immer den Hinweis im Zimmer zu trinken. Da in Radjasthan die Moslems überwiegen, ist Alkohol ziemlich verpönt.

In Jaisalmer bat er dann Erich, mit ihm zum ATM zu gehen, um Geld zu ziehen. Schnell war klar, daß er mit dem englisch Lesen Schwierigkeiten hat. Von da an sind sie dann gemeinsam von ATM zu ATM gezogen, um an Geld zu kommen.

Seine Mitteilung darüber, daß mit der Hupe was nicht stimmt, konnten wir nur erahnen. Sie tat es nur mehr zufällig und am nächsten Tag wurde gar nicht mehr gehupt. Nach seinem erfolglosen Suchen einer Hupenreparatur, fragte ich ihn einen guten Tag später, ob die Hupe denn nun repariert sei. Zur Antwort bekam ich ein alles und nichtssagendes Lächeln.
Er hat uns super gefahren, keinerlei Gefahren mußten wir erleben. 3 - 4 mal ist er allgegenwärtig ausgewichen, weil ein anderer Verkehrsteilnehmer Mist gebaut hatte. Am Ende hat er uns von Delhi noch soviel gezeigt, wie es zeitlich möglich war und wir verkraften konnten. Dann noch zum Flughafen und ab. Thank you and Happy christmas!!!

© Erich Backes, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Dez. 2016 bis April 2017: Mumbay, Goa, Rajasthan, Andamanen und Nikobaren, Südindien, Asien, neugierig sein, ausprobieren, wohlfühlen "Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen" (aus China)
Details:
Aufbruch: 26.11.2016
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 23.04.2017
Reiseziele: Indien
Thailand
Vietnam
Der Autor
 
Erich Backes berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
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