Indien-Reisebericht :Zum Jahreswechsel nach Südindien

Mattanur - Theyyam

Da es mir so gut gefallen hatte nahm ich 2 Tage später an einer weiteren Theyyam-Vorführung teil. Diesmal ging es mit meinem Führer um 7 Uhr morgens zum Neerveli Muchilott Temple in Mattanur, fast eine Stunde Fahrzeit von Kannur aus. Diese Veranstaltung hatte einen recht öffentlichen Character, es kamen wohl fast 2000 Besucher. Zu meiner Überraschung war auch hier kein westlicher Tourist zu erblicken. Das liegt wohl auch daran dass die Stadt Kannur selber touristisch nicht viel zu bieten hat, für Naturliebhaber gäbe es aber einen Strand und im Hinterland einige Nationalparks wie das Wayanad-Wildtierschutzgebiet... Trotz der vielen Menschen hatte ich den Eindruck Teil einer familiären Gemeinschaft zu sein. Zutaten für die Küche lagen gestapelt herum, scheinbar durfte jeder Frühstücken oder Mittagessen, nirgends wurde nach Geld gefragt. Wenn ich stand wurde mir ein Sitzplatz angeboten. Klar dass ich wieder was spendete, mir dazu auch den Segen dieser Akteure geben lies.

So einen richtigen Überblick über den Gesamtablauf dieses Theyyams bekam ich nicht von meinem Führer, er wollte mich wohl ein wenig abhängig halten, wenngleich er mir eine gute Hilfe war. Ich denke man kann so etwas aber auch ohne Führer besuchen, im Verhalten orientiert man sich an den Anderen Besuchern und bleibt im Zweifel eher zurückhhaltend. An einem Weg sah ich Feuerwerkskörper aufgebaut, es gab noch einiges Gemüse zu kochen... Ich war so 7 Stunden dort, während dieser Zeit traten 4 Tänzer auf, alle recht beeindruckend. Ich lass mal die Bilder für sich sprechen.

Dieser Tänzer schien dem Feuer verbunden zu sein, an seinem Kostüm brannten Fackeln. Etwas überrascht war ich als mein Führer mir sagte „der Gott tötet jetzt den Hahn“. Da habe ich weggeschaut.

Dieser Tänzer schien dem Feuer verbunden zu sein, an seinem Kostüm brannten Fackeln. Etwas überrascht war ich als mein Führer mir sagte „der Gott tötet jetzt den Hahn“. Da habe ich weggeschaut.

Alle Darsteller waren Herren, hier wird aber eine Göttin repräsentiert

Alle Darsteller waren Herren, hier wird aber eine Göttin repräsentiert

Nach dieser archaisch anmutenden Vorführung ging es zum Zelt wo es Trinkwasser und Frühstück gab

Zutaten für die Küche

Zutaten für die Küche

Vorsicht - nicht in die Suppe fallen

Vorsicht - nicht in die Suppe fallen

mein Frühstück

mein Frühstück

und ein paar Stunden später das Anstehen zum Mittagessen

und ein paar Stunden später das Anstehen zum Mittagessen

Sein Geschirr wäscht man selber. Den Rest erledigen diese Damen hier

Sein Geschirr wäscht man selber. Den Rest erledigen diese Damen hier

während ich Frühstücke bereitet sich der nächste Akteur vor

während ich Frühstücke bereitet sich der nächste Akteur vor

welch eine Phantasie ...

welch eine Phantasie ...

...die Kostüme zeigen

...die Kostüme zeigen

Ist die Vorführung des Tänzers beendet so setzt sich dieser hin und verteilt seinen Segen und bleibt noch etwas während die nächste Gottheit ihren Auftritt hat

Ist die Vorführung des Tänzers beendet so setzt sich dieser hin und verteilt seinen Segen und bleibt noch etwas während die nächste Gottheit ihren Auftritt hat

Dieser Tänzer repräsentiert Vishnu. Er erinnert in seinem Äußeren an Krishna, eine der Inkarnationen Vishnu's

Dieser Tänzer repräsentiert Vishnu. Er erinnert in seinem Äußeren an Krishna, eine der Inkarnationen Vishnu's

dann kam noch...

dann kam noch...

... diese Gottheit

... diese Gottheit

Der "Tanz für die Götter" und die Gastfreundschaft wird mir in Erinnerung bleiben. Ich hoffe dass es diesen Menschen gelingt sich ihre Traditionen zu bewahren!

© Walter Wolf, 2018
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Beeindruckende Tempelbauten und 30 Grad im Januar. Dazu die Aussicht auf ungewohntes Essen und wohl auch seltsame Bräuche weckten mein Interesse für den Süden Indiens.
Details:
Aufbruch: 13.12.2017
Dauer: 8 Wochen
Heimkehr: 08.02.2018
Reiseziele: Indien
Der Autor
 
Walter Wolf berichtet seit 3 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Walter über sich:
Jetzt in der Rente habe ich Zeit zum Reisen. Dies kombinier ich meist mit einem Schachturnier.
Aus dem Gästebuch (3/9):
Peter Pöpl 1519826926000
Hallo Wal­ter­,

dei­ne Winter­flucht nach Indien war schon was Beson­de­res. Deine Fotos finde ich be­ein­druckend und den Bericht span­nend. Vorab kann ich schon mit­tei­len, dass du den Fo­to­wet­tkampf gegen E.M. ganz klar ge­won­nen hast.
Dein Schacher­geb­nis jedoch ist jämmer­lich. Du als mein lan­gjähri­ges Schach­vor­bild er­reichst in einem Open weniger als 50% - un­glaub­lich­.

Bit­te erlaube mir diese kleine Ge­mein­heit, da ich selbst ja aus Feig­heit schon seit Jahren keine Tur­nier­e mehr spie­le.­

Da du dieses warme Klima und die "e­xo­tischen" Menschen so gerne magst, kann ich dir auch U­SA/­Ne­va­da/­Las Vegas em­pfeh­len ... incl. eines starken Schach­tur­niers ...

Komm, dass machen wir nächsten Winter ...

Grüssle Peter
Hubert Grasser-Ohme 1519750261000
Hallo Herr Wolf,

Ihr Bericht und auch die Fotos ge­fal­len mir sehr gut. Sie schrei­ben recht de­tai­liert, auch ihre Gefühle und Ge­dan­ken und was die Besch­rei­bung der Tem­pel­,
Ze­re­mo­nien und in­dischen Got­thei­ten bet­rifft, haben Sie gute Sach­ken­ntnis. Die Teil­nah­me an einem Schach­tu­nier ist eine Er­fah­rung, die wohl die wenig­sten­
In­dien Rei­sen­den mit Ihnen teilen

Vie­le Grüße von Hubert Gras­ser­
(wir kennen uns vom Sin­del­fin­ger Wochen­markt)
Martin 1517659994000
Danke, Walter, daß Du einige Fa­cet­ten im Leben der Inder an­schnei­dest, hil­freich war da sicher die Be­kan­ntschaft mit dem er­fah­re­nen Didier.
ei­gene Er­fah­run­gen waren die endlos bren­nen­den Müllber­ge, auf denen sich kleine Kinder tum­mel­ten, und suchen nach Ver­wert­ba­rem, oder der klap­pri­ge Rits­cha-­Fah­rer, der im Haup­tver­kehr in einem Schlag­loch stecken blieb, ohne unsere Hilfe wäre er nicht raus­ge­kom­men, der Verkehr stockte wegen ihm nich­t...da sind solche bud­dhis­tischen und hin­duis­tischen Feste ein Schmaus für Augen und Ohren, aber es gibt ja auch die Keh­rsei­ten.­
u­.a. fand ich in Agra ärmliche Han­dwer­ker mit Schal, und Mütze im Freien auf eine Baus­tel­le vor, die im klein­sten Raum in der Hocke an Mar­mor­-Schach­bret­tern ar­bei­te­ten mit pri­mi­tiv­sten Werk­zeu­gen.­..das Brett kostete uns damals 240.-US-$, mag nicht wissen, was ihnen als Lohn bezahlt wurde. Und an anderer Stelle in Ne­bens­tra­ßen waren Gener­a­tio­nen einer Familie damit besch­äftigt, Figuren für die Tou­ris­ten­-In­dus­trie zu schnit­zen, zu bear­bei­ten.­..die kommen sicher auch nie in eine andere Kaste, die ihre Kinder zum stu­dier­en nach Europa oder USA schick­t...
Als ich mich vor einer auf­drin­glichen bet­tle­rin in ein geschäft flüchte­te, scheucht der Besit­zer oder Auf­pas­ser sie mit Tritten wieder hi­naus­...
A­ber es soll nicht meine Absicht sein, diese schönen Ein­drücke dieser viel­fälti­gen Reise zu zers­tören­...
so lon­g
Mar­tin
Antwort des Autors: Danke Martin für deine ergänzenden Erfahrungen. Ich habe Agra auch deshalb gemieden, weil die Konzentration vieler vermeintlich "reicher" Touristen nicht so mein Ding ist. Die Bettler werden natürlich von denen die den Touristen was verkaufen wollen nicht gerne gesehen. Diese Bedürftigen sind meist mit 10Rs zufrieden, ich kann mir vorstellen dass manche Touristen bei Nachforderungen nochmals was geben, sowas hat aber wohl einen sehr negativen Einfluss auf das Verhältnis Tourist-Bettler, ähnlich wie von dir beschrieben. Ich bin auch schon bedrängt worden, da ist aber keine Agressivität dahinter, die Inder haben ein ganz anderes Verhältnis zur Körpernähe. Und wenn man aber aufgrund einer früheren Erfahrung meint zu wissen, was jetzt kommt, für sowas ist Indien eine Reise wert, denn da kommt meist was anderes