Malediven-Reisebericht :Indien von Süd nach Nord, 1993/4

Malediven (28. Dez. 1993 - 3. Jan. 1994)

5 Maledivische Rufiyah

5 Maledivische Rufiyah

Vorneweg: Die Malediven sehen aus der Luft wirklich genauso aus, wie man sie aus den Prospekten kennt. Das Land besteht aus mehreren Atollgruppen (20 Atolle, 1087 Inseln, 220 bewohnt; 1992: 229000 Einw.; BSP 1992: 500 US$). Die Hauptstadt Malé (1990: 55130 Einw.) gehört zum North Male Atoll. Wenn ich mich recht erinnere ist der höchste Punkt des Landes 3 m über NN. Seit 1978 regierte der "demokratisch gewählte" ziemlich diktatorische Präsident Moh. Gayoom [bis 2008].

Die Fahnenstange vor dem Präsidentenpalast (für den Photographierverbot gilt), war so ziemlich die einzige Sehenswürdigkeit der Hauptstadt. Am Springbrunnen davor, ein paar Parkbänke wo man abendliche Stille genießen konnte. Kaum jemand auf der Straße, keinerlei Nachtleben.

Die Fahnenstange vor dem Präsidentenpalast (für den Photographierverbot gilt), war so ziemlich die einzige Sehenswürdigkeit der Hauptstadt. Am Springbrunnen davor, ein paar Parkbänke wo man abendliche Stille genießen konnte. Kaum jemand auf der Straße, keinerlei Nachtleben.

Der Flughafen ist auf einer separaten Insel, etwa 1 km vor der Hauptinsel, die man mit offenen Langbooten für 10-15 Passagiere erreicht. Abgelegt wird wenn das Boot voll ist, oder alle halbe Stunde. Fixpreis war an sich 1 US$. Der Dollar war auch die für touristische Dienstleistungen übliche Währung. Mit dem einheimischen Geld Rufiyah (1 U$ = 11 Rf.) kam man nur auf der Hauptinsel in Berührung. Zu weiter entfernten Touristenzielen gab es einen Hubschrauber-Transfer für 80-200 US$.

Auch ich war von der 1993 grassierenden Telephonkarten-Sammelwut erfaßt. (Li. oben eine Zugfahrkarte aus Sri Lanka, das Etikett einer Flasche von Stout, dem extrem dunklen Starkbier.)

Auch ich war von der 1993 grassierenden Telephonkarten-Sammelwut erfaßt. (Li. oben eine Zugfahrkarte aus Sri Lanka, das Etikett einer Flasche von Stout, dem extrem dunklen Starkbier.)

Nun leben auf den Malediven vor allem Korangläubige. Die waren, als die Inseln in 70ern von Hippies zahlreicher besucht wurden, ob barbrüstiger Europäerinnen an den Stränden so entsetzt, daß man Touristeninseln auswies. Diese wiederum wurden zur Gänze an große internationale Ketten verpachtet, die dann ihre Pauschalreisegruppen einflogen. Nur dort gab es z. B. Bars mit Musik und Alkohol. Ungläubige werden auch zur Besichtigung nicht in die Moscheen gelassen. Der Einreisestempel -- sinnigerweise mit dem Hinweis "Employment prohibited" -- berechtigt nur zum Aufenthalt auf der Hauptinsel und des gebuchten Touristenresorts, die schon mal 90-250 $ die Nacht kosten durften. Nun hatte ich keinerlei Buchung und keinen Weiterflug. An der Grenzkontrolle wurde mein Paß einbehalten, ich mußte in der Vorhalle ein Hotel (im Angebot Häuser für 20-80 $, ein für Südasien exorbitanter Preis) in Male buchen, die Bescheinigung vorlegen und dann ins Tropenparadies einreisen. Der Besuch von "Eingeborenen-Inseln" erfordert eine Erlaubnis des Ministeriums und wird nur erteilt, wenn man dort beruflich (z. B. als Lehrer) zu tun hat. Auch auf nicht gebuchte Touristeninseln fahren einen die Boote nur, wenn man eine Einladung des Managers besorgt. Viele Besucher kommen zum Tauchen/Schnorcheln, was mir wegen meiner Kurzsichtigkeit nicht möglich ist. Auf der Hauptinsel gibt es keinerlei Strand. [Inzwischen wohl ein künstlich aufgeschüttetes Stück.]

Nun checkte ich in das gebuchte Guest House für drei Tage ein (à 20 $), es war zugleich die Übernachtungsstätte des Personals der Lanka Air, der Betreiber ein Pakistani. Es lag direkt neben der Hauptmoschee, was ich sehr bald herausfand -- denn es war Ramadan. Also nicht nur die fünf täglichen Ausrufungen, sondern auch um ½3 morgens der "Frühstücksweckruf" und dann um 5 vor 5 die Erinnerung, daß bald die Sonne aufgeht ... na dann "Gute Nacht!" (Vgl. diese Art das Problem zu lösen youtube, 1min )

Ich habe am nächsten Tag dann zuerst versucht eine Flug zu buchen. Bedient wurde die Strecke nach Trivandrum (45 min. Flug) nur von Indian Airlines, der [2011 pleite gegangenen] regierungseigenen indischen Inlandsfluglinie (zu unterscheiden von Air India). Ihr eilte zu der Zeit ein extrem übler Ruf voraus. In Malé gibt es EIN Reisebüro. Man teilte mir mit, daß die täglichen Flüge für die nächsten zwei Monate ausgebucht seien, man könne mich nur per stand-by auf die Warteliste setzen -- ich bekam Nummer 400-irgendwas ... ansonsten möge ich am nächsten Tag wieder kommen.

Einen "Gruß aus der Heimat" gab es in Malé: Die gesamte neue Kanalisation hatte der deutsche Steuerzahler als "Entwicklungshilfe" bezahlt. Importiert wurden sogar die deutschen Täfelchen, die bei uns Hydranten und Wasserleitungen anzeigen. (Laut Beschilderung hatten den Fischereihafen die Australier bezahlt. Die Tetrapoden aus Beton für den Küstenschutz kamen aus Japan.)

Schiffe auf Rheede vor Male.

Schiffe auf Rheede vor Male.

Nach diesem erbaulichen Erlebnis ging es weiter zur "High Commission" von Pakistan für ein Visum, das damals gerüchteweise wegen der politischen Situation in Delhi schwierig zu erhalten war. Es war nach 10 Uhr, das Tor offen. Ich marschierte in was wie ein Wohnzimmer aussah, abgesehen vom Djinna-Porträt an der Wand und einem alten Blechschreibtisch nahe des Eingangs. Nach mehrmaligem lauten Räuspern erschien nach knapp zehn Minuten ein Herr, der sich für zuständig erklärte. Ich sollte doch am nächsten Tag das ausgefüllte Formular, Photo und Einzahlquittung von der Bank bringen, wegen Ramadans machte er um 11 Uhr zu, das Visum könne ich zwei Tage später abholen. Wir haben uns am nächsten Tag sehr nett unterhalten. Leider hat er vergessen, daß der 1. Januar auch in Pakistan (nicht in den Malediven) Feiertag ist, so daß ich vergeblich anklopfte.

Visum Nr. 1/94 von der High Commission of Pakistan, Malé.

Visum Nr. 1/94 von der High Commission of Pakistan, Malé.

Malé ist ein überschaubarer Ort, in der Markthalle gibt es nur den Fang der Fischerboote (meist kleinen Thunfisch). Ansonsten verkauft man hauptsächlich Importe aus Indien, viel Dosenware der Firma Nestle ("Made in India"). Auch die wenigen "Restaurants" boten kaum genießbares. Am Abend bin ich dann in das Restaurant des einzigen besseren Hotels am Ort und habe für 7 $ halbwegs gut gegessen (nach Sonnenuntergang!). Als Kaffeetrinker angenehm erfreut hat mich -- nach mehrwöchigem Entzug, denn schwarzen Kaffee gibt es in Südasien so gut wie nicht -- der "Espresso" auf der Speisekarte, den ich mir für 2 $ zum Abschluß bestellte. Sah in der kleinen Tasse auch gut aus. Der erste Schluck belehrte mich eines Besseren: Nescafé konzentriert! Der netten Bedienung war meine Beschwerde sichtlich peinlich.

Am Abend beim Springbrunnen traf ich dann aber eine Touristin, die es noch schlechter getroffen hatte. Sie war etwa 28 Jahre alt, sehr gebildet (Jurastudium in Kiew) und alleine reisend. Witz war, sie kam aus Dhaka (Bangladesh). Man hatte sie trotz ausreichend Geld am Flughafen drei Stunden verhört, weil es "Touristen aus einem so armen Land nicht gibt!" Sie durfte dann für drei Tage einreisen.

Sie hatte sich schon erkundigt, ob man nicht von der Hauptinsel wegkäme. Wir taten uns am nächsten Tag zusammen und sie handelte für 40 $ retour eine Bootsfahrt (45 min.) zur nächstliegenden Touristeninsel aus. Strand, Wasser, Kokospalmen und Ruhe waren perfekt. Wir sind dann zweimal um die Insel rumgelaufen. Das Personal waren sämtlich Gastarbeiter aus Pakistan und Bangladesh, wie sich herausstellte. Es war Silvester und ich hatte das durchaus dringende Bedürfnis nach einem Drink. (Weihnachten in Sri Lanka war schon ausgefallen.) Während sich meine Begleiterin frisch machte, konnte ich an der Hausbar einen doppelten Johnny Walker ergattern, für 9 US$. Um 16 Uhr mußten wir wieder zurück.

Am Strand

Am Strand

Bei meinen täglichen, immer verzweifelteren, Besuchen im Reisebüro teilte man mir mit, daß ich ein paar Plätze vorgerückt sei, am Tag 3 war ich schon auf Platz 283 der Warteliste. In dem Tempo wäre ich in drei Wochen weggekommen und, sofern nicht vor Langeweile gestorben, so doch ohne Geld da gestanden (1993 benutzte man noch Reiseschecks; Western Union gab es ebensowenig wie ich eine Kreditkarte hatte -- die vergeben japanische Banken nämlich nicht an Ausländer!)

Boot mit Motor und traditionellem Dhau-Segel.

Boot mit Motor und traditionellem Dhau-Segel.

Kleine Fische im flachen Wasser, sie waren überhaupt nicht scheu und schwammen einem um die Füße (als Schwarm).

Kleine Fische im flachen Wasser, sie waren überhaupt nicht scheu und schwammen einem um die Füße (als Schwarm).

Am Abend dann die nächste unangenehme Überraschung: Mein Vermieter hatte meine Sachen ungefragterweise in ein kleineres Zimmer (ohne Fenster) zum selben Preis umgezogen. Wie vorher gab es einen Fernseher, der örtliche Kanal sendete praktisch ununterbrochen Gebete und Mullah-Interviews. Ein indischer Sender war mit viel Schnee kaum zu verstehen. Zeit am nächsten Morgen umzuziehen.

Am 2. Januar holte ich zuerst meinen Paß ab, dann wieder ins Reisebüro. Inzwischen hatte ich SO genug, daß ich jeden Flug genommen hätte, z.B. Air Italia nach Zürich für 700 US$. Irgendwann hatte ich dann den Geistesblitz zu fragen, wie lange die Warteliste in der 1. Klasse nach Indien wäre. Die Dame schaute mich an: "Das ist kein Problem, den Flug heute schaffen sie aber nicht mehr. Morgen macht das dann 80 $." -- Ich hätte sie in dem Moment erwürgen können!

So flog ich zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben 1. Klasse, was bei Indian Airways aber nichts anderes hieß, als daß man Stoffservietten unter seinen Teller bekam. Auch in die Lounge des Male-Airport durfte man mit den Boarding Pass dieser Airline nicht. Zumindest eine kleine Rache an den Abzockern habe ich allerdings genommen. Als ich in das Boot zum Flughafen stieg, legte der Kapitän sofort ab -- ich war gewarnt, daß man das gerne mit Fremden machte, um ihnen dann 20 $ für die Überfahrt abzunehmen, statt mit halbvollem Boot nur ein paar Dollar zu kassieren. Beim Anlegen drückte ich dem Gauner also einen 1$-Schein in die Hand (die vorgeschriebene Gebühr) und marschierte ohne umzusehen von dannen, er zeternd hinter mir her. Der bewaffnete Wächter am Flughafen-Eingang 30 Meter weiter hielt ihn dann auf und erklärte ihm, daß es wohl sein Problem sei wenn er leer fahre ...

Fazit: Die Malediven sind für Indiviualreisende nicht geeignet, aber wenn man eine günstige Pauschlreise ergattert und gerne ein paar Wochen komatös in der Hängematte liegen mag perfekt.

© Adi Meyerhofer, 2013
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Lang, lang ist's her.
Details:
Aufbruch: November 1993
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 24.02.1994
Reiseziele: Thailand
Sri Lanka
Malediven
Indien
Pakistan
Türkei
Der Autor
 
Adi Meyerhofer berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.