Iran-Reisebericht :Freeride to Asia

Iran: 19.8.07: Iran zum Ersten

Km 4489

Zum Abschied gab's in der Tuerkei 2 Dinge zu erledigen: Kopftuch fuer Lucy und Eheringe kaufen (dazu haben wir uns wirklich nur aus praktischen Gruenden bewegen lassen! Schon jeder 2te Tuerke hat uns immer gefragt ob wir denn verheiratet seien, und wie das wichtig waere.... als wir gelesen haben, dass man im Iran nicht einmal ein Hotelzimmer zusammen mieten darf, wenn man als Paar nicht verheiratet ist.... kam's zum grossen Schritt).

Dieser war sehr amuesant: haben wir doch halb Dogubayazt nach den billigsten Golddingern abgesucht. Temel (lebte 20 Jahre in Birsfelden, und begruesste uns in breitem "baaaslerdiitsch" in einer Teebar) hat uns dabei gut geholfen, kennt er in seiner neuen Heimat doch fast jeden. Verstaendlich war's aber keinem Juwelier, dass wir "reichen Schweizer" unbedingt die billigsten Ringe fuer die grosse Feier kaufen wollten... auf jedenfall gab's dann gleich noch ein kitschiges Baendeli dazu, dass wir dann in der Kirche durschneiden koennen... uns hat's innerlich fast verjagt vor lauter Situationskomik.

Salam (Gruezi auf Farsi, die Sparache der Iraner...leider sind unsere 12 tuerkichen Woerter nicht mehr so hilfreich...doch besser als englisch sind sie allemal)

Jeglichen Schauergechichten der unergrueneten Weiten des Internets zum Trotz war es fuer uns gar kein Problem in den Iran einzureisen. 2h reichten um die notwendigen Stempel und Signaturen in unseren Paessen auf freundlichste Art zu verewigen.
Auch die notwendige Autoversicherung (die schweizer Versicherungen decken nur Autohaftpflicht in Europa ab, so werden wir ab jetzt in jedem Land ne Versicherung abschliessen..) konnten wir sogar gleich an der Grenze abschliessen (fuer Nachahmer: ist aber teurer an der Grenze als in Tabriz.. haben wir dann spaeter gelernt..)

Flowerpowerlucy mit Kopftuch zum ersten.. dieser Begleiter ist bis heute noch nicht ihr bester Freund, auch wenn von Berny so bunt verziert.

Flowerpowerlucy mit Kopftuch zum ersten.. dieser Begleiter ist bis heute noch nicht ihr bester Freund, auch wenn von Berny so bunt verziert.

Mehr Probleme als der Zoll bescherte uns jedoch bald nach der Grenze das Tanken! Haben wir uns nach der Benzinhochpreisinsel Tuerkei (1 Liter = 3 CHF) doch auf das Volltanken im Benzinsuperdiscounter Iran gefreut (1 Liter = 0.1 CHF... angeblich).
Vorbei sind diese Zeiten.. durch US-Druck wurde das Benzin rationiert (Ist schon speziell im Iran: sie besitzen das viert groesste Oelvorkommen auf der Welt, haben aber keine Raffinerien um es zu veredeln, weshalb sie stark vom Import abhaengig sind)

Zurueck zu unserem Tankabenteuer: da Steuern wir also in grossser Vorfreude zur ersten Tanke und stellen fest, dass da ohne Sonderkarte gar nix laeuft. Schon gar kein Benzin. Nach langem klagenden und unterwerfigem Betteln, Teetrinken und Dollarscheine zeigen beim Obertankwart begleitet er uns freundlichst in den Hinterhof einer kleinen Farm. Aus alten Platikkanistern stillen wir den Durst unseres Busses. Fuer 1USD pro Liter. Schluchz.
Wir wussten ja noch nicht dass es besser kommen wuerde und die vom Staat an der Tankstelle installierte highend Ueberwachunganlage hat uns schon ein Bisserl beeindruckt. Immerhin ist's etwa 3000km bis nach Pakistan.
Ganz allgemein haben uns die ersten Meilen im Iran emotional recht beeindruckt. Dazu spaeter mehr, fuhren wir doch zum Akklimatisieren an den salzigsten See der Welt den "Lake Orumiyeh".

Mit seinem 30 Prozent Salz ist ein Eintauchen nicht moeglich.... fuer Maenner ein echt spaciges Schwimmgefuehl fuer Frauen ein Frust... beim Zuschauen (mit Kleid baden ist halt wirklich nicht so glatt..) wurde Lucy bewusst wie wenig persoenliche Freiheiten in diesem Land geduldet werden:

-Frauen immer mit Kopftuch, die meisten verhuellt mit schwarzem Chador (oder wenigstens einem Mantel, der jegliche Kurven flaecht), viele Tragen sogar Handschuhe...es ist ca 40 Grad hier..
-oft keine "freie Partnerwahl"
-Mann und Frau aus unterschiedlicher Familie duerfen sich eigentlich vor der Hochzeit nicht treffen. Auch nicht zum Tee..
-Kein Alkohol erlaubt
-Kaum westliches Fernsehen/Filme
-Kein Nightlife, weder Disco noch Bar
-Keine westliche Musik erlaubt

Auf der anderen Seite beeindruckt uns Iran mit:

-Supernette Leute (z.Bsp.: in Teheran begleitet uns ein Mann spontan 30 Minuten in unserem Auto um uns den richtigen Weg in die Stradt rein zu zeigen. Manchmal wenn wir ein Taxi nehmen wollen halten Privatwagen an und fahren uns gratis zu unserer Destination. Jeder 2te gibt uns seine Telefonnummer, fuer den Fall das wir Hilfe benoetigen wuerden, etc...)
-Supersaubere Staedte, voll mit Gruenanlagen zur Erholung
-Alles ist auf Englisch und Farsi angeschrieben
-Auf dem Land beim Campen werden wir mit Gemuese beschenkt
-Sogar an den Zahlstellen der perfekten 6 Spurigen Autobahnen werden wir fast immer zur Weiterfahrt eingeladen
-Das Land ist supersicher fuer Touristen! Wir haben uns noch kaum irgendwo so sicher gefuehlt wie im Iran.
-more later

Wir sind ja immer noch am Salzsee, der einfach wunderschoen ist..wir Uebernachten

..am naechsten Morgen zaehlt Lucy unsre Khomeini's (der Uebername fuer die iranische Waehrung Rial...Khomeni ist gar nicht populaer im Land, die Leute sagen, die einzige Form von Khomeini die sie moegen ist die vorliegende Papierform)... uns geht's super: wir haben alle Zeit der Welt (der wohl groesste Luxus ueberhaupt) und sind hinzu auch noch gleich Millionaere..Schoen hier zu sein!

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Aus Interesse für Natur, Kultur, Religion, Unplanbarem und vor allem unserer Selbst, sind wir mit unserem kleinen 4x4 Camper über den Iran, Pakistan und Indien nach Südostasien gereist. Weil wir noch nicht zurück wollen freuen wir uns jetzt riesig über den spontanen Versuch, quer durch Russland, die Mongolei und Kasachstan zurück nach Europa zu cruisen...hoppla hoffentlich hält das unser Bus aus.
Details:
Aufbruch: 15.07.2007
Dauer: 15 Monate
Heimkehr: 10.10.2008
Reiseziele: Schweiz
Kambodscha
Bulgarien
Griechenland
Türkei
Iran
Pakistan
Indien
Malaysia
Thailand
Laos
Japan
Russland / Russische Föderation
Mongolei
Kasachstan
Ukraine
Italien
Der Autor
 
Lucia Dettli / Berny Ackermann berichtet seit 10 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Lucia Dettli / sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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