China-Reisebericht :China Rundreise 3 Wochen individuell

Diejenigen, die uns kennen, wissen, dass wir unsere Reisen nie ein ganzes Jahr im Voraus planen, sondern eher zu denen gehören, die sich spontan und kurzfristig für ein Reiseziel entscheiden. So auch dieses Mal ;-)
Unsere “gekürzte” Route in der Zusammenfassung: Beijing-Shanghai-Zjangjiajie-Guilin-Hongkong

BEIJING

Planung

Erst fünf(!) Tage vor der Abreise bekamen wir unser Visum für China, dafür war vorher viel Aufwand notwendig. Wir waren sogar kurz davor aufzugeben, denn von den Antragstellern wird eine detaillierte und im Voraus durchgebuchte Reiseplanung erwartet, inklusive aller Inlandsreisen und Hotelbestätigungen. Nicht wirklich unser Stil, da wir sonst nach diesem Prinzip reisen: die erste Nacht im Reiseland buchen und vor Ort flexibel alles Weitere planen. Wir hatten uns sogar schon nach einer kurzfristigen Reise-Alternative umgeschaut, zum Glück haben wir es dann doch noch durchgezogen.
Wenn ich vor der Reise an China dachte, fielen mir zuerst Smog und Luftverschmutzung ein. Dazu gigantische Menschenmassen und - natürlich - die Große Mauer. Doch China ist so viel mehr, das Land ist so riesig, es gibt so viel zu entdecken und niemand kann realistisch gesehen genug Zeit dafür haben. Drei Wochen hatten wir selbst Zeit, um möglichst viel von China zu erkunden. Das war natürlich viel zu kurz, denn wir wollten außer den Metropolen Peking, Shanghai und Hongkong auch noch Tibet und die Mongolei bereisen. Völlig utopisch, einerseits wegen der extrem langen Reisezeiten und andererseits wegen zusätzlicher potenzieller Reise-Einschränkungen, für die wir wohl noch weitere Genehmigungen benötigt hätten.

BEIJING

Ich fand die Hauptstadt nicht so cool und aufregend wie Hongkong oder Shanghai. Es war irgendwie beinahe etwas trostlos, obwohl wir dort das beste Wetter der ganzen Reise erwischt hatten.
Unser Hotel lag ziemlich zentral, ca. 25 Minuten zu Fuß von der Verbotenen Stadt entfernt. Es lag schön und ruhig in einer Nebenstraße, so das wir von dem stetigen Gewusel auf den Straßen Pekings im Hotel nichts mitbekommen haben. Das Personal war fantastisch, es sprach gutes Englisch, und - da wir zur Osternzeit in Peking waren - beschenkte es uns sogar mit Schokohasen und Schokoladeneiern. Und das, obwohl man in China Ostern gar nicht feiert. Sehr nett und aufmerksam, man fühlte sich gleich wie zu Hause.

Verbotene Stadt

Vor dem Besuch der Verbotenen Stadt (oder wie in meinem Fall, danach), empfehle ich den Film „Der letzte Kaiser“ zu schauen. Viele Szenen wurden in der Verbotenen Stadt gedreht, auch an Stellen, die für Touristen leider unzugänglich sind.
Zur Verbotenen Stadt gelangten wir – nach langwierigen Sicherheitschecks und dem üblichen Schlangestehen – über den Tiananmen Platz, also durch das „Tor des Himmlischen Friedens“, garniert mit einem riesigen Porträt Mao Zedongs. Kaum zu glauben, dass dieser friedlich wirkende Ort seine ganz eigene weltbekannte jüngere Geschichte hat.
Die Verbotene Stadt war „überraschenderweise“ überlaufen. Man hatte das Gefühl, halb China hatte genau an diesem Tag frei und sie alle wollten sich zeitgleich die Verbotene Stadt anschauen. Durch die Menschenmassen kann man kaum diesen Ort komplett auf sich wirken lassen.
Die verbotene Stadt ist der größte und am besten erhaltene Komplex historischer Bauwerke in China. „Normalen“ Bürgern Chinas war der Eintritt 500 Jahre lang verboten. Ein bemerkenswerter Ort, der nachhaltige Wirkung hinterlässt.

Verbotene Stadt

Verbotene Stadt

Am besten bekommt man eine Übersicht von oben, vom Jingshan-Park aus. Wer einige hundert Stufen geklettert ist, bekommt von hier aus das klassische Panorama der roten Dächer zu Gesicht.

Panorama Verbotene Stadt

Panorama Verbotene Stadt

Wir wollten für den Heimweg zum Hotel die Metro benutzen. Nach dem erschöpfenden Megaspaziergang durch die Verbotene Stadt und deren Umgebung (der Komplex ist größer als man vermuten würde!) konnte ich kaum mehr einen Fuß vor den anderen setzen.
Wir waren überrascht von der Sicherheitskontrolle vor jedem U-Bahn-Eingang der Stadt – genau so, wie am Flughafen. Zumindest für die Fahrgäste, die Gepäck, Rucksäcke oder Taschen mit sich führen. Wir sind in Peking noch einige Male U-Bahn gefahren und es schien immer Rushhour zu sein, egal wann und wo wir einstiegen. Man muss ein gewisses Geschick entwickeln, um an den Massen vorbeizukommen ohne von den endlosen Menschenmengen umgerannt zu werden.

Ente gut, alles gut

Ein Peking-Besuch ohne Peking Ente? No way! Nur... wo findet man die Beste? Es gibt viele Restaurants, die natürlich alle die ultimativ beste Peking-Ente servieren. Tripadviser und Co. sind voll von entsprechenden Tipps - für welches Restaurant sollten wir uns entscheiden?
Unser Hotel empfahl uns – nachdem wir endlich deutlich machen konnten, dass wir nicht das unter westlichen Touristen beliebteste Restaurant suchten, sondern ein authentisches Restaurant, das die Einheimischen bevorzugen. Wir erreichten so das Sijiminfu Restaurant in der näheren Umgebung. Die Rezeptionistin war zwar selbst noch nicht dort, hatte aber nur Gutes über das Lokal gehört.
Vor dem Restaurant saßen viele Menschen, die nicht draußen aßen, sondern darauf warteten, einen Tisch zugewiesen zu bekommen. Drinnen war es dementsprechend brechend voll.
Wir bekamen eine Wartenummer zugeteilt – aus einem Automaten gezogen, wie bei einer deutschen Behörde auf dem Warteflur - und standen erst mal anderen im Wege, da es keine Möglichkeit zum Sitzen und Ausweichen gab. Im Restaurant herrschte hektischer Betrieb, das Essen der Gäste – die die Warteprozedur schon hinter sich hatten - sah verführerisch lecker aus und die Speisenden wirkten sehr zufrieden. Die Peking-Enten zerlegt und zelebriert der Koch persönlich am Tisch.
Nach über 1 Stunde Wartezeit wurden wir etwas ungeduldig. Die Schlange vor uns schien nicht kürzer zu werden. Warum essen alle so langsam, und wehe an dem Tisch da vorne wagen sie es auch noch ein Dessert zu bestellen, anstatt einfach zu gehen!?
Zum Glück hatten einige Leute vor uns in der Schlange entnervt aufgegeben und als die Kellnerin uns fragte, ob wir einen Tisch mit uns fremden Gästen teilen würden, haben wir ohne zu zögern zugestimmt. Ich war mittlerweile so hungrig, dass ich bereit war fast alles zu tun, um einer herrlich duftenden Ente kulinarisch näherzukommen
Als Vorspeise bestellten wir warme Gurken mit Chili. So lecker! Die Ente selbst war ein großartiger Genuss – wirklich etwas besonderes. Sie hatte ihren Preis, aber auch in China zahlt man für hochwertiges Essen entsprechendes Geld, vor allem gilt das für Touristen, die nicht die landesüblichen Sprachen sprechen.

DIE GROßE CHINESISCHE MAUER

Nein, man kann die Mauer nicht vom Weltraum aus sehen. Davon würde ich mich liebend gerne selbst überzeugen. Schade, dass ich keine alten Schulbücher mehr besitze, denn ich bin mir zu 100% sicher, dass darin noch das glatte Gegenteil bezüglich der Sichtbarkeit des Bauwerks vom Weltall aus behauptet wurde.
Es gibt mehrere geeignete Abschnitte, an denen sich die Mauer gut erkunden lässt. Wir hatten die Qual der Wahl, für welchen Abschnitt sollten wir uns entscheiden? Für den meistfotografierten, aber mega überfüllten Abschnitt Badaling oder für die ebenfalls schönen, aber weniger überlaufenden Mutianyu, Simatai oder Jinshanling? Wir haben uns letzendlich für Mutianyu entschieden, berühmt für die Wachtürme aus der Ming-Dynastie.

Wir wollten bei dieser Tour in keine Nepperfalle tappen, denn wir haben von Touren gelesen, die statt zum „Great Wall-“ zum „Great Mall-“Erlebnis wurden, bei denen man ca. 15 Minuten auf der Mauer verbringt und den restlichen Tag in Jadefabriken zum shoppen. Unser Hotel bot Touren mit einem privaten Chauffeur an, etwas teurer, dafür aber mit reichlich Zeit und so hatten wir die Mauer in Mutianyu stundenlang „fast“ für uns alleine.

Die Große Mauer

Die Große Mauer

Auf der langen An- und Abreise zu der Mauer komplettierte sich unser Bild über China. Es ist ein Land mit verblüffenden Gegensätzen: historisch aufgeladen und gleichzeitig hypermodern, manchmal vertraut wirkend, aber oft sehr fremd, oft arm und manchmal reich.
Zurück zum Hotel. Trinkwasser und Wasser zum Zähne putzen haben wir uns in einem „Kiosk“ um die Ecke gekauft. Der freundliche Verkäufer verkaufte Wasser, Bier und Süßigkeiten. Mehr Platz für andere Waren war in dem Miniverkaufsraum nicht vorhanden. Umso erstaunter war ich, als ich spät abends weitere Wasservorräte besorgen wollte und hinter dem Tresen, an dem der selbe Verkäufer immer noch saß, einen kleinen Raum sehen konnte, der offensichtlich seine Wohnung war. Ein winziges Zimmer mit Doppelbett und sonst kaum Platz für weitere Möbel. Er schien mit seiner Frau und Tochter dort zu leben. Ein kleiner Tisch mit einem Fernseher war noch zu sehen. Dass der kleine Laden Arbeitsplatz und Wohnung gleichzeitig war, fand ich etwas schockierend, aber das beengte Wohnen ist wohl Alltag für viele Menschen in den dichtbesiedelten Metropolen Chinas.

© Justyna K., 2016
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Die Reise
 
Details:
Aufbruch: 01.04.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 23.04.2016
Reiseziele: China
Der Autor
 
Justyna K. berichtet seit 3 Jahren auf umdiewelt.
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