17.01.2007, 9.42h, hongkong
fast am ende meiner grossen reise - nur noch ein paar tage und ein einzigster flug nach hause um die kette zu schliessen...
gestern abend bin ich mit nadja hier gestrandet: einem meer aus blinklichtern! haeuser, die wie riesige fernseher sind, auf deren waenden sich cartoons und zeichentrickfilme abspielen. werbung in allen farben, hi-tech und der grossstadt-rush einer westlichen welt. doubledecker-busse UND -strassenbahnen, menschen in eile, handys, designerklamotten, gegelte haare.
die strassen sind lang und es gibt wieder alles und nichts. sich verlieren in einer menge.
das alles verschwommen wahrnehmen und mit rucksack auf dem ruecken. nach einem erholsamen tag leben statt ueberleben in bangkok und essen statt uebergeben, dreht sich meine welt wieder:
wenig schlaf,
zum flughafen kommen,
fliegen und doch nicht, weil die technik versagt, rumhaengen,
letztlich dann doch, auf und ab,
froehliches busfahren
und zum abschluss: wellenreich mit der faehre rueber von macau.
mir ist schlecht und der boden unter meinen fuessen gibt nach. dazu die ganzen reize, die welt voller bewegungen, denen ich nicht mehr folgen kann. immer wieder anhalten, rucksack absetzen, pause machen. ich bin muede kraftlos. endlich: nathan road. DIE zentrale strasse von kowloon. hier hoffen wir ein bett fuer die nacht zu finden.
garden hostel, hatte ich im reisefuehrer rausgesucht. die strasse rechts runter, auf der anderen seite. und tatsaechlich, in gruenen leucht-lettern, der schriftzug. ein eingang - versperrt, vergittert. keine klingel, kein tuerknauf - nichts. das hostel gibt es nicht mehr? fleissig werden wir von werten herren auf der strasse angesprochen, ob wir was zum schlafen suchen (wir sehen auch gar nicht danach aus, mit unseren rucksaecken...). nein, aber das garden hostel. aus irgendeinem grunde glaube ich nicht daran, dass es nicht mehr existiert, obwohl das hier oefters passieren soll. wieder: das gibt es nicht mehr. aber wir haben eine reservierung dafuer, behaupten wir, obwohl das nicht stimmt. hauptsache uns die leute vom hals halten.
irgendwann gebe ich auf: bitte mach du das, nadja. ich bleibe hier auf der strasse bei den rucksacken und du suchst uns einfach einen platz zum schlafen. ich kann nicht mehr, mir ist nur noch schlecht.
nach einer weile kommt eine strahlende nadja zurueck: verborgenin einem meer von kleinen laeden und shops, fuehren aufzuege in den 3rd floor, auf dem das garden hostel liegen soll. von dort ein labyrinth an gaengen, winkeln und dunkler ecken von einem teil des haeuserblocks hin zum anderen, hin zum garden hostel. und sie haben betten frei - so viel hat nadja herausgefunden.
kuehles neonlicht emfaengt uns. ein frau fuehrt uns durch ein weiteres meer an gaengen. wie im keller oder in einem parkhaus- voller alter kisten, kartons und kram. hier und da muss man ueber etwas hinweg steigen, alles ist heruntergekommen und eng. kleine ventilatoren, die die luft austauschen sollen, staub und spinnweben. keine fenster. um drei ecken herum und durch eine tuer hindurch. ein flur, von dem mehrere tueren hinweggehen. duschen, toiletten und die zimmer. steril gekachelt und doch weit entfernt davon steril zu sein. der schlafsaal: nur fuer frauen, zehn an der zahl. eng und nur mit einem winzigen fenster. metallbetten, eng zusammengereiht, matratzen kaum dicker als zwei finger von mir. aber schlimmer als all das, kommt mir ein hauch einer ganzen pafuemerie entgegen. einen moment halte ich inne, um mich nicht an ort und stelle zu uebergeben, bevor ich rueckwaehrts wieder hinaus taumel. das ist zu viel. was kostet ein doppelzimmer, nur fuer uns beide? 180HK$. ein vermoegen, gemessen an dem, was wir dafuer bekommen. die miniaturvariante des schlafsaals mit geteilten duschen und nicht funktionierenden toiletten, aber entschieden mehr luft. das teuerste dasein in ganz asien auf dieser reise...
unser letzter, gemeinsamer abend, weil nadja am naechsten morgen nach daenemark zurueckfliegt.
und ein trueber abend, weil meine kraft nicht mehr ueber das bett hinaus reicht und auch nadja zu muede ist, um alleine hong kong zu leben.
irgendwie hatten wir uns das anders vorgestellt - wie so vieles auf diesem kontinent.
den groessten teil, des verbleibenden morgens, mit dem wir vor dem einschlafen noch geflirtet haben, verschlafen wir. kein hong kong fuer nadja mehr, aber immerhin ist der bus zum airport erschienen und sogar puenktlich. beides nicht so selbstverstaendlich, wie wir hier auch oefters erlebt haben. gute reise dir, meine lieblingsdaenin. und wir sehen uns wieder, irgendwo in welten, wo es sich normal benimmt. mit zelt und rucksack, sommerhaus oder meer.
wieder alleine, ohne nadja. ein neues hotelzimmer finden, weil in einem doppelzimmer alleine...
so tapper ich durch die hochhaeuserbloecke. jedes eine eigene welt fuer sich. ueberall liegen kleine guesthaeuser und pensionen verborgen, die dem garden hostel nicht so unaehnlich sind. dazwischen laeden, heimarbeiterfabriken und manufakturen. kleider dieser welt werden genaeht - ohne tageslicht, in winzigen raeumen. computerteile werden zusammengebastelt. winzig kleine dinge werden zu kleinen dingen. im naechsten raum ein imbiss. all das in dem gewirr von gaengen, fahrstuehlen und treppen. tausende von menschen, leben auf winzigstem raum, hoch in den himmel hinein. zwanzig, dreissig stockwerke, ueberall.
nach und nach fange ich an ein system darin zu entdecken. laengst habe ich verstanden, dass, wenn ich das haus gefunden habe, ich noch lange nicht das hotel gefunden habe, das ich aus dem reisefueher herausgesucht habe. es gibt noch bloecke, A, B, C,..., Fahrstuehle, die nicht in jedes stockwerk fahren, usw. aber nach und nach, wird mir das alles vertrauter.
ich sehe dutzende von anderen hotels. fuer annaehernd das geld, das wir fuer die letzte nach bezahelt haben, haetten wir schon ein bisschen besser leben koennen. aber das war ja nicht zu wissen, wie nadja jetzt sagen wuerde. aber alles nur doppelzimmer.
so bleibe ich dabei: garden hostel. und ich habe glueck: heute gibt es platz im viererzimmer, zusammen mit drei anderen frauen, die um die welt reisen.
tony, von den philippinen, die seit 2005 am reisen ist.
caroline, aus montreal, die inmitten ihrer ein jahres reise ist.
mely, aus england, fuer die ihre reise hier beginnt.
und ich, die von hier aus zurueckfliegen wird.
der abend gehoert uns, einer handvoll bier und der fahrt hoch zum victoria peak. ueber all den lichtern dieser stadt, dieser gigantischen aussicht auf die hochhaeser, den hafen, das meer, treffen sich unsere geschichten und plaene. erfuellend. so verschieden und bunt. so weit gereist.