Anmeldung:
Schon immer träumte mein Mann davon, irgend wann einmal nach Tibet zu reisen und mit den Jahren wurde es auch mein Traum. Letztes Jahr wurde er dann Wirklichkeit. Wir flogen von Kathmandu aus nach Lhasa und fuhren anschließend mit einem Jeep wieder zurück. Eine unvergessliche Reise die mich teilweise an die Grenzen meiner Kraft brachte.
Reisebericht-Extras:
|
|
|
zum Gästebuch dieses Reiseberichts |
Der Markt welcher mich so fesselt nennt sich Bakhor Area und ist eine der interessantesten "Kora" (Pilgercircuits) Tibets. Eine viereckige Straßenführung rund um den Jokhang (der höchst verehrte Tempel in Tibet ... aber darauf werde ich in nächster Zeit noch genauer eingehen) auf der Handel betrieben wird. Aber gleicher maßen die Pilger ihren Pilgergang durchführen. Sofern man nicht wie sie die Runden dreht (da gibt es gewisse Regeln) ist es oft notwendig den Scharen auszuweichen. Nebenbei wird einmal kurz angehalten, um eine warme Mütze oder was auch immer einzukaufen ... danach geht es weiter.
Teilweise stehen die Pilger vor den Läden und Ständen, sind fleißig am Handeln und drehen dabei munter ihre Gebetsmühlen. Letztere sind eine richtig gute Erfindung ... im Inneren befindet eine Papierrolle auf der - klein und eng geschrieben Gebete stehen. Meist der Satz Om Mani Padme Hum (wichtigstes Mantra (Gebet) der Buddhisten) . Jedes Mal wenn die Gebetsmühle im Uhrzeigersinn gedreht wird, werden sie abgespult ...immer und immer wieder. Buddha sieht was der Pilger macht, hört wie er das Gebet vor sich hin murmelt und kann ... egal wie schnell die Drehgeschwindigkeit der Gebetsmühle ist, auch noch die Gebete lesen. Auf diese Weise wird dem Pilger ein Großteil seiner heiligen Pflichten abgenommen ... quasi vollautomatisch. Allerdings hat es nur einen Sinn, wenn die Gebetsmühle im Uhrzeigersinn gedreht wird und die Person von Herzen allen Geschöpfen Gutes wünscht.
Om Mani Padme Hum!
Pilger, oder geht man nur einkaufen?
Bakhor Area
Eine der interessantesten "Kora" (Pilgercircuits) Tibets
Den ganzen Rundlauf entlang befindet sich Laden an Laden. Es gibt so gut wie nichts das dort nicht gekauft werden kann. Souvenirs, warme Kleidung, Haushaltsgegenstände, Schmuck, Hüte, Gebetsflaggen, und, und, und.
Leider versteht dort so gut wie niemand Englisch und deshalb wird sehr oft ein Taschenrechner (der teilweise sogar Chinesisch spricht) benutzt, Der Preis wird geschäftig vom Händler eingetippt ... man macht danach sein Angebot in dem die eigene Preisvorstellung eingegeben wird ... irgendwann sind beide Parteien handelseinig ... oder auch nicht.
Selbst in der Barkhor Area höre ich immer wieder "Looky-Looky" ... und außer "very cheap" kommen wir nur mit Händen, Füßen und dem "sprechenden" Taschenrechner der Händler weiter.
So gerne wir noch verweilt hätten, aber der nächste Termin mit unserem Guide wartet. Dieses Mal hieß das Ziel "Sera Monastery".
Gegründet wurde dieses Kloster durch Jamchen Choje Shakya Yeshe im Jahre 1419. Falls das jemand interessieren sollte? Unser Guide war teilweise sehr gründlich mit seinen Antworten.
Fünf Kilometer nördlich Lhasas, eingebettet in den Hügeln, hat man einen recht guten Ausblick über die Stadt und den Potala Palast.
Dieses Kloster war zwar nie so groß wie "Drepung", jedoch beherbergte es zu seiner Zeit immerhin zwischen 5.000 und 6.000 Mönche. Heute sind es nur noch wenige Hundert. Auch wenn hier die Renovierungsarbeiten überall ersichtlich sind, so lässt der Zustand teilweise zu wünschen übrig.
Zwei Dinge die mir bei dieser Führung in Erinnerung geblieben sind, das ist zuerst die große Versammlungshalle und dann natürlich die Debating Courtyard (Chora).
Jeden Tag (normalerweise ab 15:00 Uhr) treffen sich dort Hunderte von Mönche zum Debatieren. Ausnahmsweise darf man hier fotografieren, ohne auch nur eine Yuan bezahlen zu müssen. Allerdings sollte man die Mönche dabei nicht in ihren Studien stören.
Hier werden ernsthafte Studien betrieben.
Für uns Außenstehende geht es fast lustig zu, obwohl die Sache im Prinzip gar nichts mit Spaß zu tun hat. Es ist einfach eine Vorbereitung auf Prüfungen.
Die ganze Courtyard ist angefüllt mit Gemurmel und aufeinander klatschenden Händen. Jeweils zwei Mönche bilden ein Team. Einer sitzt auf der Erde (muss die Antworten geben) und der Fragensteller steht ihm gegenüber. Nun werden Fragen gestellt und je nach klatschen der Hände kann man erkennen, ob die gegebene Antwort richtig oder falsch war. Schlagen die Handflächen-Innenseiten zusammen, dann ist die Frage des "Prüflings" richtig beantwortet. Trifft jedoch die rechte Handaussenseite auf die linke Handinnenseite, dann sollte man sich die Sache noch mal überlegen.
Irgendwie schien das Paar welches ich hauptsächlich beobachtete, besonders intensiv bei seinen Studien gewesen zu sein. Oder besser gesagt, der Prüfling war nicht so ganz bei der Sache. Kaum eine der gestellten Fragen schien zu stimmen und irgendwann klatschten die Hände nicht mehr zusammen, sondern auf den Hinterkopf des Sitzenden. Allerdings eher scherzhaft als ernst.
Unser Guide erklärte, dass hier in einer Sprache (Sanskrit) gesprochen wird, die nicht einmal er versteht. Man diskutiert über alles was Mönche so wissen müssen. Irgendwann werden die Rollen dann vertauscht und der Fragesteller kann zeigen was er gelernt hat.
Alleine dieses Erlebnis war ein Besuch der Sera Monastery wert.
Auch hier begegneten uns wie überall in Tibet, Pilger welche im Uhrzeigersinn (ganz wenige entgegen) verschiedene große und kleine Gebäude auf ihrem Pilgergang besuchten. Fast immer mit Yak-Butter in der Hand. Teilweise in Thermoskannen als warmes Öl, welches in die großen Gefäße mit den bereits brennenden Kerzen geschüttet wird, oder kaffeelöffelweise aus einer Art Plastiktüte in fester Form.
Was es mit diesen Lampen auf sich hat, habe ich bereits erklärt.
Und wieder schlägt das "Waterdepartment" zu, Mittlerweile hat sich einer unserer Mitreisenden dazu gesellt ...nun sind wir zwei die ständig mit der Wasserflasche in der Gegend herum stehen. Ich bin immer noch der Überzeugung, dass ich mein "Problem" mit der Akklimatisation dadurch relativ schnell in den Griff bekommen habe.
Mein einziges Problem war wirklich nur die Schwierigkeit mit dem Schlafen. Die niedrige Luftfeuchtigkeit lässt die Nasenschleimhäute austrocknen und überhaupt ist es trotz Anstrengungen mit der Müdigkeit nicht weit her gewesen.
Wenig geschlafen, aber morgens trotzdem gut gelaunt am Frühstückstisch, mehr kann man doch nicht erwarten.
Wieder im Hotel habe ich etwas Zeit über alles gesehene und erlebte nachzudenken. Lhasa ist auf jeden Fall eine Reise wert, aber es macht traurig zu sehen, wie die Chinesische Regierung versucht die Tibetische Kultur immer mehr zu verdrängen. Das geht ziemlich weit. Die Art zu leben, zu glauben, sogar die Ernährung soll den Tibetern vorgeschrieben werden. Man hat den Eindruck, am Liebsten wäre den Chinesen wenn gar nichts mehr an das Ursprüngliche erinnern würde.
Lediglich das Gebiet um den Jokhang ist wirklich noch typisch für Tibet, aber auch hier werden immer mehr alte Gebäude abgerissen .
Allerdings darf nicht unerwähnt bleiben, dass mir die Stadt in der damaligen Zeit wohl auch nicht gefallen hätte. Sie soll ziemlich schmutzig gewesen sein ... ungepflegt mit streunenden Hunden die auf der Straße um Beute kämpften. Abfallhaufen um die sich niemand gekümmert hat.
Es gab keine Kanalisation, da der Glaube es verbot ... man durfte die Erdgeister nicht stören.
Nicht alles ist schlecht was die Chinesen nach Tibet gebracht haben ... aber der Preis dafür ist die Freiheit.
Den Tibetern ist es unter Androhung von Strafe verboten ein Bild vom 14. Dalai Lama in der Öffentlichkeit zu zeigen. Er wird absolut tot geschwiegen. Das wird der 6. übrigens auch, jedoch aus anderen Gründen ... er war den weltlichen Dingen sehr zugetan. Jedes Lebewesen welches nicht bei drei auf den Bäumen war bekam seine Heiligkeit zu spüren ... regelmäßig schlich sich er aus dem Potala Palast und war ein gern gesehener Gast im Rotlichbezirk. Irgendwann hat man ihn dann entmachtet und weg gejagt ... es gibt verschiedene Versionen was mit ihm geschehen ist ... die wahrscheinlichste, man hat ihn ermordet. Musste ganz schön löchern bis ich darüber etwas mehr erfahren konnte.
Auch wenn er niemals mehr nach Tibet zurück kehren darf, so ist der jetzige Dalai Lama nicht aus den Herzen der Tibeter heraus zu reißen.
Ein guter Rat an dieser Stelle: Touristen sollten sich mehrfach überlegen mit wem sie über dieses Thema reden. Es kann sehr leicht zu Ausweisungen kommen, wie gerade vor wenigen Wochen hier geschehen, als ein Deutscher unbedingt ein Bild seiner Heiligkeit (hatte er aufgenommen als der Dalai Lama in Deutschland war) bei seiner Einreise in der Öffentlichkeit herum zeigen musste. Dieser Herr hat von Lhasa nur den Knast gesehen und war schneller wieder auf der Heimreise als gedacht.
Wenn es nur den "Verursacher" treffen würde, sicherlich kein Thema, aber sehr leicht wird auch ein "unschuldiger" Tibeter mit hinein gezogen.
Ich selbst habe es zwar nicht bemerkt, aber unser Guide wies darauf hin, dass in den Klöstern und teilweise auch den Touristentreffs (man muss davon ausgehen) Spitzel der Chinesischen Regierung anzutreffen sind. Die Gedanken sind frei, aber auf keinen Fall aussprechen was in irgendeiner Weise falsch verstanden werden könnte. Im Potala Palast sollen sogar Infrarotüberwachungskameras installiert sein und auch der eine oder andere Mönch stände auf der Payroll von den Chinesen. Das hört sich schlimm an, ist es wahrscheinlich auch.
Am dritten Tag endlich die Besichtigung des Potala Palastes (seit 1994 Weltkulturdenkmal) Es ist schon gigantisch wie er mit seinen 1.000 Räumen und unzähligen Kapellen rot und weiß als Wahrzeichen in den Tibetischen Himmel ragt. Ist jedoch nicht so hoch wie es auf den Bildern wirkt.
Auch wenn wir ziemlich weit an den Palast gefahren werden, so bleiben immer noch in der dünnen Luft jede Menge Stufen hinauf zu steigen. Zum Glück haben diese eine angenehme Trittbreite und es gibt genügend Ausweichmöglichkeiten, damit man sich nicht gegenseitig blockiert.
Wegen Renovierungsarbeiten können zur Zeit nur 28 Räume inklusive einigen Kapellen besichtigt werden, trotzdem ist ersichtlich wie im Palast gelebt, gebetet und meditiert wurde. Selbst im Außenbereich wird kräftig mit Farbe um sich gespritzt. Das kann man wörtlich nehmen, denn irgendwo in luftiger Höhe saßen Arbeiter mit Schläuchen, aus denen rote Farbe auf die Außenwände gespritzt wurde. Ob da unten die Leute vorbeischlenderten schien absolut uninteressant zu sein.
Ich habe in den letzten Monaten ziemlich viel über Tibet gelesen, so manchen Spielfilm und die eine oder andere Dokumentation gesehen ... deshalb fällt es nicht schwer sich vorzustellen, warum dieser Palast Lhasa symbolisiert hat. Heute ist Potala ohne den Dalai Lama nur eine leere Hülle, jedoch zugegebener Maßen eine ziemlich imposante.
Achtung rote Farbe von oben!
Als wenn er den Himmel berühren wollte.
Wie schon am Anfang erwähnt, ist der Palast in zwei Farben gehalten. Der weiße Teil wurde zuerst errichtet (zwischen 1645 und 1653). Der Rote folgte zwischen 1690 und 1697. Unglücklicher Weise starb der 5. Dalai Lama (1682) bevor der zweite Palast begonnen werden konnte. Zwölf Jahre hielt man seinen Tod geheim und erst als der Rote Palast fertig gestellt war und der 5. Dalai Lama dort seine letzte Ruhe finden konnte, wurde die Bevölkerung über sein Ableben informiert.
Der Regent Desi Sangye Gyatso (1653-1705) hielt den Tod geheim, damit der Weiterbau nicht gefährdet werden konnte.
Allerdings ist teilweise auch zu lesen, dass ihm die Macht gefiel. Die Menschen waren bereit jegliche harte Arbeit zu leisten, aus Verehrung für den Dalai Lama. Nur ein Kammerdiener und ein Mönch der ihm ähnlich sah, waren informiert. Bei Zeremonien sprang sein Double ein und sonst brachten die Diener jeden Tag Speisen und Getränke in die Privatgemächer.
Als der Schwindel aufflog, war der der Rote Palast und auch die Grabkapelle für den "Großen Fünften" wie man ihn nannte bereits fertig gestellt.
Seit Potala erbaut wurde, war dieser Palast die Heimat ab dem 5. Dalai Lama. Wobei er dem jeweiligen Oberhaupt nur als Wintersitz diente. Im Sommer lebte man im Norbulinka Sommer Palast. Was noch interessanter ist, Potala diente ebenfalls der Tibetischen Regierung als Sitz und zwar befand sich diese im roten Teil.
Nun verstehe ich auch die Angst der Chinesen vor dem noch lebenden 14. Dalai Lama. Hatten die früheren lediglich die Religiöse Macht, so änderte sich das mit dem Fünften ... er war der Erste, welcher auch politische Kontrolle ausübte.
Räume die mich am meisten interessierten (Privaträume des 13. und 14. Dalai Lama) waren leider geschlossen, aus welchen Gründen auch immer, dafür haben wir einige Throne, Kapellen, mit Juwelen besetzte Grabmäler gesehen. Darunter das des 5. Dalai Lama ... 14 m hoch und vergoldet mit 3.700 kg dieses Edelmetalls. Und wieder und wieder Bibliotheken, angefüllt mit Büchern aus Reispapier ... mit Gift getränkt, damit sie von keinen Insekten aufgefressen werden können.
Im Potala Palast darf nicht fotografiert werden, man verzichtet gänzlich auf diese Einnahmequelle.
Ich habe ja mehrfach davon erzählt, wie wichtig das Trinken für mich war. Was zur Folge hatte, jegliche Latrine in den von uns besuchten Klöstern und Palästen musste in Augenschein genommen werden. Und hier im Potala Palast hatte ich eigentlich etwas mehr "Luxus" erwartet. Aber das war unterste Schublade. Zuerst einmal ein kleinerer Raum ohne Zwischenwände und Türen, fließendes Wasser? ... absolute Fehlanzeige. Wenn man sich entschließt hier sein Geschäft zu verrichten, ist man froh, wenn es kein anderer zur gleichen Zeit tun möchte.
Im Holzfußboden kreuz und quer fünf Löcher reingeschnitten, das war's. Wer nicht schwindelfrei ist, lieber nicht nach unten schauen. Wäre unter mir der Fußboden eingebrochen, dann? Eigener Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.
Von Lhasa selbst habe ich nicht sehr viel zu berichten. Im ersten Moment erinnerte mich alles irgendwie an Bangkok. Breite Straßen, rechts und links Einkaufszentren, aber wirklich nicht daran, dass Lhasa das Herz und die Seele Tibets darstellt. Egal wohin man auch blickt, man kann kaum Tibetische Schriftzüge entdecken, alles fast nur in Chinesisch. Auch Englisch ist so gut wie nicht in Gebrauch.
Meiner Meinung nach eine durch und durch Chinesische Stadt. Unser Guide hat mir erklärt, dass die Regierung jede Menge Anreize für Chinesen schafft, um diese in die ferne Provinz zu locken. Mit ein klein wenig Wehmut in der Stimme, fast schon resigniert, kam der Nachsatz von ihm: "Mittlerweile sind die Tibeter in ihrer Hauptstadt zur Minderheit geworden". Man hat teilweise Einwohner umgesiedelt und ihre traditionellen Häuser abgerissen. Mir erscheint es, als hätte man den Menschen ihre Identität geraubt und der Stadt irgendwann die Seele.
Noch eine Besichtigung, dann fängt das Abenteuer richtig an ... die Fahrt zurück nach Kathmandu. Was wird uns alles erwarten?
Reiseberichte suchen:
