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Schon immer träumte mein Mann davon, irgend wann einmal nach Tibet zu reisen und mit den Jahren wurde es auch mein Traum. Letztes Jahr wurde er dann Wirklichkeit. Wir flogen von Kathmandu aus nach Lhasa und fuhren anschließend mit einem Jeep wieder zurück. Eine unvergessliche Reise die mich teilweise an die Grenzen meiner Kraft brachte.
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Da dieser Tempel nicht nur religiöses Zentrum von Lhasa ist, sondern in ganz Tibet werde ich etwas näher darauf eingehen.
Jokhang der heiligste Ort von Tibet!
Bevor es wieder auf Tour geht habe ich ein wenig Zeit und kann mich mit dem Kloster "Jokhang" ein wenig vertraut machen. Ich lese immer gerne vorher was mich erwartet, dann sehe ich viel intensiver ...
Der Höhepunkte einer jeden Tibetreise. Im Tempelführer des 5. Dalai Lama ist folgendes zu lesen: "Wenn man dieses Tempelkloster mit allen seinen Kultobjekten darin einmal sieht wird die Gefahr einer schlimmen Wiedergeburt beseitigt. Wenn man es zweimal sieht, erlangt man die Verkörperung als Deva oder Mensch und kann die Erlösung erreichen. Wenn man es dreimal sieht tilgt man die drei schlimmen Gifte aus der Seele.
Wenn dem so ist, dann bleibt mir auf jeden Fall die schlimme Wiedergeburt erspart.
Es gibt sechs Bereiche der Wiedergeburt ... drei positive und drei negative. Wird man als Tier, Hungergeist oder Höllenwesen wieder geboren, dann darf man für lange Zeit kein Mensch mehr sein.
Positiv wieder geboren wird man als friedliche oder zornvolle Gottheit (Deva und Ashura) und als Mensch. Nur als Mensch kann man die Lehre des Buddha empfangen und ihr folgen. Daher ist es auch so wichtig eine positive Wiedergeburt zu erlangen. Bis zu diesem Zeitpunkt wußte ich nur, dass die vielen Pilger den Seelen ihrer Verstorbenen helfen wollen, den richtigen Weg durch die Dunkelheit zu finden. Seit Jokhang kam aber noch das Wissen hinzu, dass die Pilger selbst für ihr Seelenheil unterwegs sind.
Das Kloster liegt ca. 1 Kilometer vom Potala-Palast entfernt und ist das älteste Gebäude Lhasas. Seine Geschichte umfasst bald 1400 Jahre. Als eine der wichtigsten Kulturstätten wurde es 1961 unter staatlichen Denkmalschutz gestellt.
Laut Tibetischen Geschichtsbüchern zufolge, hat dieses Kloster immer mit Katastrophen und Unheil gekämpft. In der Zeit der Tubo-Dynastie gab es sehr harte Kämpfe zwischen den buddhistischen Mönchen und Anhängern der Bon-Religion (im siebten und achten Jahrhundert).
Aber auch später fanden viele gewaltsame und blutige Machtwechsel in Lhasa statt, unter denen auch das Kloster zu leiden hatte.
Oftmals wurde es beschädigt und wiederholt auf- und ausgebaut. Durch diese ganzen Umbauten erhielt es den heutigen Umfang. Die Klosteranlage soll 25.100 qm groß sein und angeblich ist das 1. und 2. Stockwerk noch der Originalbau aus der Tang-Dynastie. Die höher gelegenen Stockwerke, die angebauten Hallen sowie etliche Bauerweiterungen stammen erst aus der Zeit nach dem 11. Jahrhundert.
Jeder Tempel hat seine eigenen Legenden, so auch Jokhang. Hier handelt es sich um den Sieg über Dämonen auf denen Jokhang als Symbol einer neuen Religion errichtet wurde.
Die Legende sagt, dass Tibet einer auf dem Rücken liegenden Frau glich. Wo das Herz dieser Dämonin war, lag der Othang-See. Genau dort sollte der Tempel entstehen.
Die chinesische Frau des Königs Songsten Gampos (Weng Cheng) kannte sich in Geomantie aus (das ist die Lehre von günstigen und ungünstigen Orten) führte allerei Bannungsrieten durch, bevor mit dem Bau begonnen werden konnte.
Zuerst warf sie den Ring des Königs ins Wasser, danach mussten zwölf heilige Gebäude errichtet werden, damit die Dämonen für alle Zeiten gebannt werden konnten.
Das schien am Anfang nicht zu funktionieren, denn nachts wurden immer sämtliche Arbeiten des Tages auf unerklärliche Weise zerstört. Das ging so lange, bis eine heilige Ziege erschien und mit ihresgleichen half, Erde und Baumaterial zu transportieren. So soll auch der ursprüngliche Name "Rasa" ... Ra = Ziege ... Sa = Erde ... entstanden sein. Wie bereits erwähnt, gibt es viele Legenden und diese ist nur eine davon.
Eine Kapelle im Jokhang (Othang) erinnert noch an diese Legende.
Vor der Kulturrevolution wurde einmal im Jahr eine Steinplatte geöffnet (erreichbar über eine in die Tiefe führende Treppe) damit durch Opfergaben die Dämonen besänftigt werden können. Man hatte sie zwar gebannt, aber bei Dämonen weiß man ja nie. Vielleicht hat deshalb im Laufe von über 1000 Jahren auch der Seegrund nachgegeben und einige Kapellen liegen nun tiefer? Unser Guide war jeden Falls dieser Meinung.
Im Jahr 1959 wurde Jokhang von den Chinesen beschossen und die Haupttore mit Panzern eingedrückt. Von dieser Stunde an waren alle religiösen Zeremonien verboten.
Man nutzte Jokhang von 1966 bis 1979 als Gästehaus sowie Kino und entweihte bereits vorher diesen heiligen Platz, indem man im Hof Schweine hielt, aber nicht nur, sie wurden dort auch geschlachtet. Eine Barbarei ohne Gleichen.
Um die Tragweite zu verstehen, muss man sich vor Augen führen, was es für die Tibeter generell bedeutet Tiere zu töten.
1979 durften Mönche das Kloster wieder eröffnen und viele der von den Chinesen mutwillig zerstörten Skulpturen wurden durch neue ersetzt. Die Hauptaufgabe der Mönche besteht darin, die Massen von Pilgern zu koordinieren, die täglichen Spenden einzusammeln und zum Großteil abzuliefern. Sehr viele Mönche klagen hinter vorgehaltener Hand darüber, dass sie durch die Pilger und Touristen kaum Zeit haben zu meditieren oder ihre Studien zu betreiben. Zum Glück gab es immer wieder "private" Momente ... wenn wir im Jeep saßen konnten wir sicher sein, nicht abgehört zu werden. So habe ich das eine oder andere in Erfahrung gebracht, dass man in der Öffentlichkeit lieber nicht diskutieren sollte.
1990 begann eine auf drei Jahre befristete Sanierungsphase, die den gesamten Tempelkomplex (Decken, Säulen, Balkone) umfasste. Trotz dieser Anstrengungen sind die Zerstörungen nicht ungeschehen zu machen, viele Heiligtümer für immer verloren. Wie zum Beispiel ein alter Weidenbaum den Weng-Cheng (die Gattin Songsten Gampos) gepflanzt haben soll. Ein Symbol für das Wachstum der Stadt. Einen Zweig abzubrechen stand unter hoher Strafe.
Lediglich ein toter Baumstumpf ist seit der Kulturrevolution noch übrig geblieben, der trotzdem von den Gläubigen über und über mit Gebetsfahnen bedeckt wird. Es wurden zwar zwei neue Weidenbäume gepflanzt, aber denen wird eher weniger Beachtung geschenkt.
Kaum etwas ist mehr Beweis von Frömmigkeit, als den Weg mit seinem Körper auszumessen.
Dabei wirft sich der Pilger bäuchlings auf die Erde, steht auf und beginnt genau an dem Punkt, wo seine Hände den Boden berührt haben. Ich sah ganze Familien (sogar kleine Kinder) die sich Niederwarfen.
Der heiligste Tempel Tibets, auch wenn nur wenig aus dem siebten Jahrhundert übrig geblieben ist. So sind z.B. die meisten Skulpturen welche angebetet werden, jüngeren Datums. Also genau wie ich es schon gelesen hatte ... viele Objekte wurden zerstört, andere wiederum einfach nur weg transportiert.
Trotzdem besitzt das Kloster zahlreiche Kulturgegenstände und Kunstschätze. Bronzefiguren aus der Tang-Dynastie, andere aus der Ming-Dynastie. Wertvolle Tankas (tibetische Wandteppiche) und der heiligste Gegenstand ganz Tibets, die mit Edelsteinen übersäte Jowo Shakyamuni-Statue. Die Figur befindet sich im innersten Schrein des Jokhang (Jokhang ... bedeutet Schrein des Jowo). Weng Cheng, Songten Gampos Chinesische Gemahlin, brachte diese Figur als Mitgift aus China mit ... doch sagt die Legende, dass sie zur Zeit Buddhas in Indien geschaffen wurde.
Auch hier sind Renovierungsarbeiten in vollem Gange und teilweise steigen wir ohne besondere Sicherheitsmaßnahmen Treppen hoch, die fast Hühnerleitern gleichen. Ein Tempelchen nach dem anderen und jede Menge Pilger mit ihrer Yak-Butter.
So langsam habe ich von diesem Geruch, dem rutschigen Boden und den dunklen Kapellen die Nase voll.
Nun dürfen wir auch noch über einen wackeligen Holzbalken hinauf auf das Dach steigen ... Ich möchte endlich wieder in die Zivilisation zurückkehren oder wenigstens an die frische Luft.
Wie schön war es hier oben und unheimlich ruhig. Einfach nur dasitzen und den Ausblick auf Lhasa und den Potala-Palast genießen. Dabei an der Mineralwasserflasche nippen und in einen Schokoriegel aus dem Rucksack meines Mannes beißen.
Leider haben wir nicht die Zeit auf den Sonnenuntergang zu warten, auch wenn es sehr empfohlen wird. Das Dach des Jokhang, die Firste und Traufen sind mit vergoldeten Drachenköpfen und Fabelwesen in verschiedenen Gestalten verziert. Man sagt alles würde anfangen magisch zu leuchten sobald die Sonne untergeht.
Auf dem Dach des Jokhang
Nur einer von vielen!
Blick auf den Potala!
Das Dharma Rad auf dem Dach des Jokhang. Das Rad symbolisiert Dharma - die Lehre Buddhas, welche unter anderem beschreibt, wie man sich aus dem ewigen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt befreien kann. Wer das Dharma-Rad trägt, soll nach buddhistischem Glauben Glück, absoluten Frieden und innere Perfektion finden.
Gebetsfahnen flattern wie überall im Wind, in der Luft liegt der Duft von Weihrauch aus den Weihrauchöfen und der weiße Rauch trägt die Gebete der Pilger zu den Göttern empor.
Wer als Tourist das religiöse Leben beobachten will, der sollte diesen heiligen Ort besuchen. Dort wo Gläubige stundenlang warten um in den Schreinen ihre Gebete zu sprechen, die Statuen mit ihrer Stirn zu berühren oder die "Katags" ... feine weiße Schals, wie wir sie als Begrüßung auf dem dem Flughafen bekommen hatten, hinzuhängen. Auch hier höre ich immer und immer wieder "Om Mani Padme Hum" ... Oh du Juwel der Lotosblüte.
Nachdem wir in den letzten Tagen Klöster besichtigt hatten, scheint die Zeit der Akklimatisation abgeschlossen zu sein. Nur noch eine Nacht in Lhasa, dann fängt das wahre Abenteuer an.
Einer unserer Mitreisenden hat mittlerweile leichte Beschwerden beim Atmen und Schwindelgefühle, aber es scheint nichts Außergewöhnliches zu sein. Wahrscheinlich eine leichte Form von AMS ... Acute Mountain Sickness (darüber konnte man in meinem zweiten Bericht unserer Tibetreise lesen). Zum Glück hatten sich meine Probleme von einer Stunde zur anderen in Nichts aufgelöst.
Gerade hat der Wecker (6:00 Uhr) geklingelt ... bald sind wir mit dem Jeep auf dem Weg zurück nach Nepal.
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