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Schon immer träumte mein Mann davon, irgend wann einmal nach Tibet zu reisen und mit den Jahren wurde es auch mein Traum. Letztes Jahr wurde er dann Wirklichkeit. Wir flogen von Kathmandu aus nach Lhasa und fuhren anschließend mit einem Jeep wieder zurück. Eine unvergessliche Reise die mich teilweise an die Grenzen meiner Kraft brachte.
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Es scheint kühler geworden zu sein und vor dem Hoteleingang rutschte ich fast auf einer gefrorenen Wasserpfütze aus. Die Luft ist klar und auf den Bergen sieht man mehr Schnee als bei unserer Ankunft und was am Wichtigsten für uns war, am Himmel zeigte sich auch nicht eine Wolke.
Das lies auf eine gute Sicht hoffen.
Nach einer Weile "Pinkelpause" und bei dieser Gelegenheit Blick auf die Landkarte, welches zu ungläubigem Staunen und Diskussionen führte. Es wurde festgestellt, dass der eingezeichnete Flughafen total falsch "platziert" war; fünf Mal weiter südlich als auf der Karte angegeben, was unsere Gedanken bezüglich Fahrtrichtung zwar total über den Haufen geworfen hat, aber letztendlich für unser Abenteuer nicht relevant war.
Wir wählten die Südroute des Friendship-Highways welche in Shigatse wieder auf die Hauptverbindung trifft. Uns war schon klar, dass diese Route wesentlich anstrengender sein wird, aber dafür auch reizvoller. Jede Menge Höhenmeter werden zu bewältigen sein, aber ich hoffe nach wie vor, keine Probleme zu bekommen. Bereits am ersten Tag müssen wir uns der Höhe stellen. Serpentinen über Serpentinen, auf Schotterpiste Richtung Ghamba-La Pass (4.794 m). Erst 1 ½ Stunden nach dem Aufstieg zum Pass, als man die schneebedeckten Berge in der Ferne erkennen konnte, wurde die Landschaft interessant.
Das Tibetische Hochland hat kaum Baumbewuchs, die Berge sind völlig kahl. Nach Aussage unseres Führers soll es jedoch östlich von Lhasa größere Wälder geben.
Überall an der Strecke auf Häusern und Hügeln wehen Gebetsfahnen im Wind. Selbst im Bramaputra (in Tibet nennt sich dieser heilige Fluss Yarlung Tsangpo ... mit 2900 km Länge einer der größten Flüsse Asiens) werden diese an langen Stöcken im Fluss platziert, um bestimmte Götter gnädig zu stimmen. Zum Beispiel, damit die Häuser nicht überschwemmt werden.
Interessant an dieser Sache ist die Tatsache, dass es erst 1912 britischen Offizieren gelang zu beweisen, dass Bramaputra und Tsangpo ein und derselbe Fluss waren.
Alles erscheint zuerst ziemlich trist.
Nur eine von vielen Pausen!
Die dünne Luft macht sich langsam bemerkbar. Leider habe immer ich die größeren Strecken bei den Pinkelpausen zurück zu legen und oft ist es so eilig, dass ich die dünne Luft vergesse und in meinem Übermut völlig japsend zum Jeep zurückkehre.
Nach einiger Zeit der Kurven haben wir die Passhöhe erreicht und das türkiesfarbige Wasser des Yamdrok-Yamtso (4.490 m) einer der vier heiligen Seen Tibets liegt unter uns. Ein unvergesslicher Anblick, der kaum in Worte zu fassen ist ... die Tibeter sehen in der Form des Sees einen Skorpion, aber da fehlte mir glaube ich ein wenig die Vorstellungskraft ... genau wie die Farbe des Himmels ... es gibt blaue Himmel, aber kein vergleichbares Blau. Die Fahrt entlang des Sees ist fast unwirklich, irgendwie erscheint alles wie ein wunderbarer Traum.
Vergessen die Kurven ... vergessen das Gerüttel und Geschüttel auf der erstaunlich guten Gravelroad ... Straßenausbesserung scheint genau wie bei uns kein Fremdwort zu sein, lediglich in der Ausführung liegt ein himmelweiter Unterschied. Werden bei uns moderne Maschinen eingesetzt, so wird dort alles ... oder zumindest fast alles mit der Hand gemacht.
Die Landschaft verzaubert mich und mein Mund, der sonst kaum still steht, bleibt zu. Das Wasser ist kristallklar und teilweise kann man ganz feine Eiskristalle erkennen, die sich wie kleine Schaumkrönchen am Ufer festsetzen.
Als wenn mir Flügel wachsen würden!
Einfach nur stummes Staunen!
Manchmal ist es schwer die richtigen Worte zu finden!
Nachdem wir Narkartse erreichen, erwache ich wieder aus meinen Träumen, alles um uns herum ist nur noch trostlos. Langsam geht es fast unmerklich höher. Irgendwann hieß es dann "Lunch" und mein Popo freute sich endlich von diesem Autositz herunter zu kommen.
"Wo bitte geht es zum ..." Ihr wisst schon wohin ich musste. "Bitte wohin! Die Straße hinunter und dann in irgendeine Ecke". Ach so! Ich soll links abbiegen und dort befindet sich die öffentliche Toilette". Damit ich mich auch wirklich nicht verlaufe ist unser Guide mitgegangen, allerdings da hätte ich auch mit verbundenen Augen hingefunden. Immer der Nase nach. Es stank zwar ein paar Meter weiter auch schon leicht nach diesem bewussten Ort, aber dort ... Volltreffer.
Ich hätte so gerne den Rückwärtsgang eingelegt, aber in " the middle of nowhere" ... Augen zu und durch.
Das Essen später war zwar einfach aber unheimlich lecker. Reis, Nudeln, Fleischgerichte und jede Menge Gemüse.
Nicht mehr lange, dann ist Pause!
Alles aussteigen ... jetzt gibt es was zu essen!
Schon ging es weiter ... und da wartet bereits der Karo La - Pass (5010 m) auf uns.
Normalerweise sieht man auf den Passhöhen nur Tausende von Gebetsfahnen im Wind wehen und aufeinander gestapelte Steinhaufen, aber hier gab es sogar ein kleines Restaurant und davor stand im Freien ein Billardtisch. Wie ich später feststellen konnte, ist das in Tibet keine Seltenheit ... an jeder möglichen oder unmöglichen Stelle war so ein Tisch zu finden.
Selbst in mehr als 5000 m Höhe geht es gleich wieder ums Geschäft und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Für 1 Yuan darf man sogar das Toilettenhäuschen benutzen. Man hat aus Steinen einen Verschlag gebaut und einfach ein etwas größeres Loch in die Erde gebuddelt. Der Eingang in Richtung Straße war nur notdürftig mit einer viel zu kleinen Pappe zuzudecken. Zum Glück ist nicht gerade ein Auto vorbei gefahren. Da hatten es die Herren mal wieder besser, dort konnte man von der Straße nichts einsehen.
Während ich als Klotester unterwegs war, wurde mein Mann von einer Mutter mit ihrem Kind bestürmt sie doch zu fotografieren. Nachdem wir nicht mit einem Yak aufgenommen werden wollten, hatte man vielleicht mehr Interesse an solch einem Schnappschuss. 5 Yuan ... da blieb sogar unserem Führer die Spucke weg und er konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Also wurde auch hier wieder gehandelt. Am Ende sollte der Preis 2 Yuan betragen. Nur leider hatte niemand mehr Kleingeld ... also kein Foto ... denkste! Hatte die Frau vorher mit leidvollem Gesicht gebettelt, so zog sie zu unserer aller Überraschung, einen richtig dicken Geldscheinbündel aus ihrer Tasche und konnte ohne große Probleme wechseln.
Gleich hinter dem Pass reicht rechts der Gletscher des Nayun bis knapp an die Straße, aber für uns kein Grund die Fahrt zu unterbrechen.
Ein Gletscher fast zum Greifen nah!
Eine Runde Billard gefällig!
Bitte, bitte nur ein Foto!
Und weiter geht die Fahrt von einem Talabschnitt zum nächsten. Irgendwie sehne ich mich langsam nach einer heißen Dusche. Nur gut, dass die Reiseagentur alles für uns gebucht hat. Allerdings bringt mein Mann mich sofort auf den Boden der Realität zurück und meinte, ich sollte mich lieber nicht zu früh freuen. Man ist schließlich nicht mehr in Lhasa. Und wie hatte die Reiseagentur geschrieben? "Wir haben zwar für Sie die besten Hotels gebucht, aber trotzdem wird angeraten nicht zuviel zu erwarten und diese Tour als eine Art Abenteuer anzusehen"
Bevor das Tagesziel Shigatse (aber auch Xigatse geschrieben) erreicht wird, fahren wir noch durch Gyantse, der drittgrößten Stadt Tibets und werden dort auf eine Festung aufmerksam, welche hoch oben auf einem Hügel thront.
Wie unser Guide sofort zu erklären weiß, handelt es hierbei um eine sehr gern besuchte Touristenattraktion, aber zurzeit sind dort größere Renovierungsarbeiten in Gange. Das Fort (Gyantse-Dzong) wurde im vierzehnten Jahrhundert erbaut. Laut unserem Guide gibt es nicht sehr viel dort zu sehen, allerdings würde sich der 20-minütige Aufstieg in jedem Fall lohnen für den unvergesslichen Ausblick auf Gyantse und das Nyang-Chu Tal.
Mein Mann ließ es sich jedoch nicht nehmen aus dem Auto zu steigen und zumindest aus der Ferne das eine oder andere Foto zu schießen. Wenn man schon mal hier ist. Dann habe ich mal wieder in meinem Reiseführer geblättert um die notwendige Hintergrundinformation darüber zu finden, aber mehr wie unser Guide erzählte, gab es auch nicht.
Ein Foto und schon geht es weiter!
Gyantse, die drittgrößte Stadt in Tibet!
Endlich Shigatse (zweitgrößte Stadt des Landes). Auch hier nichts das irgendwie Tibetisch anmutet ... modern und kalt.
Das Hotel soll eines der besten am Platz sein mit allen möglichen Facilities. Alles ist lediglich in Chinesisch beschrieben (bis auf die Lichtschalter am Bett) und besonders erwähnenswert, keiner sprach Englisch. Auf den Zimmern (überraschend gemütlich) gab es kein Trinkwasser und als wir an der Rezeption welches besorgen wollten, haben es die Angestellten (nachdem mit Hand und Fuß erklärt wurde was gewünscht ist) aus allen möglichen und unmöglichen Ecken zusammen gesucht. Mit reicher Ausbeute (vier Flaschen in verschiedenen Größen ... von 0,5 bis 0,25 l) ging es zurück auf unser Zimmer.
Mit der ausgiebigen Dusche wurde es ebenfalls nichts, da lediglich lauwarmes Wasser aus der Leitung kam. Dafür gab es den Service eines fahrbaren Sauerstoffgerätes für den Ernstfall ... allerdings nur mit Chinesischer Beschreibung.
Ein wenig auf das Bett legen und in den TV-Nachrichten schauen was sich so in der Welt ereignet hat. Zuerst geht gar nichts, dann finden wir folgendes heraus. Die ganzen Schalter am Bett sind falsch verkabelt. So ist z.B, der Schalter "Bedside-Light (Nachttischlampe)" der für den TV. Prima! Vierzig Programme und kein einziger Sender der in Englischer Sprache ausgestrahlt wurde.
Was soll's? Gehen wir ein wenig auf Entdeckungstour und ein Kaffee wäre sicherlich auch nicht schlecht. Wo war die Bar? Einige Leute (Chinesen) saßen um einen Tisch in der Ecke und tranken Tee, aber um uns schien sich niemand zu kümmern.
Macht nichts, dann schauen wir was der Shop im Erdgeschoss zu bieten hat. Rein und raus ... Besuch ist kaum der Rede wert.
Bei unserem weiteren Rundgang im 1. Stockwerk den Hinweis auf einen Billardtisch gefunden. Das schien eine nette Gelegenheit es in 4000 m Höhe zu versuchen. Leider wurde der Tisch gerade repariert und nichts war mit Billard. Dafür gab es nebenan noch einen kleinen Raum mit einer Tischtennisplatte. Auch das schien zu unserem Abenteuer zu passen, warum nicht in 4000 m Höhe Tischtennis spielen? Kaum hatten wir die Schläger in der Hand, schon wollte man wieder Geld von uns haben. Es dauerte eine ganze Weile bis wir spielen konnten. 20 Yuan für 1 Stunde Spielzeit (umgerechnet 2 Euro) war annehmbar und so stand unserem "außergewöhnlichen" Match nichts mehr im Wege.
Nach fast einer Stunde (ging erstaunlich gut) noch einen Versuch in der Bar, denn nach dem Sport wäre ein Tee sehr verlockend. Auf die Frage, ob man hier vielleicht so etwas bekommen könnte, erst ein Kopfschütteln, aber trotzdem wurden wir aufgefordert uns doch hinzusetzen. Aber leider, außer, dass man ständig die Tür nach außen offen stehen ließ, passierte gar nichts.
Jetzt reichte es und wir gehen ins Zimmer zurück. Gegen 20:00 Uhr Aufbruch zum Dinner mit einem unserer Reisegefährten, der andere musste leider wegen Höhenkrankheit auf Anordnung vom Arzt im Bett bleiben. Also machten wir uns alleine auf die Suche nach dem Restaurant, was gar nicht so einfach zu finden war. Alleine tappten wir im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln. Erst als sich ein Watchman bereit erklärte uns hinzuführen und dabei etliche Lampen anknipste, konnten wir unser Ziel erreichen.
Eintritt im Restaurant ... und schon wieder hatten wir das Gefühl, hier sind wir nicht erwünscht. Aber das Abendessen wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten zur absoluten Überraschung. Als erstes wies die Bedienung darauf hin, dass es kein Buffet gibt? Wer wollte das schon. Dann kam die Speisekarte und nach mehr als einmal "No" hatten wir doch eine Speisefolge zusammengestellt. Man gab sich größte Mühe unseren Wünschen entgegen zu kommen. Das Abendessen war wirklich lecker. Natürlich hätte man ein anderes Restaurant in der Stadt auswählen können, aber unser Guide konnte diesen Schritt nicht empfehlen. Bereut haben wir es auf keinen Fall. Rundum zufrieden ging es zurück aufs Zimmer und dort konnte ich seit Ankunft in Tibet zum ersten Mal wieder tief und fest schlafen.
Morgen konnte unser Abenteuer weiter gehen ... Besichtigung der Klosterstadt Tashilunpo und ehemals der Stammsitz des Panchen Lama.
Aber davon demnächst mehr. Es würde mich freuen, wenn ihr auch weiterhin mit mir auf die Reise geht.
| Manuela | ||
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Hallo, ich habe ganz traurig Ihren Reisebericht über das Kloster Drepung gelesen. Ich war selbst 1999 an diesem wunderbaren Ort. Damals gab es keinen Eintritt, keine Touristengruppen. Ich konnte mich völlig frei auf dem gesamten Gelände bewegen. Die Mönche freuten sich, mit Händen und Füßen ein Gespräch mit mir zu führen und luden mich auf einen Becher Wasser ein. Es gab keine Händler und keine bettelnden Kinder. Schade, dass dieser magische Platz so vermarktet wird. Seit meiner Reise durch Tibet träume ich davon wieder einmal dorthin zu reisen, aber Ihr Bericht macht mich sehr nachdenklich. Wenn sich dort alles so sehr verändert hat, kann eine zweite Reise nur traurig sein. Gruß Manuela | ||
| Jörg M. Seifert | http://intertourist.de | |
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Hallo, ich habe mich in den vergangenen zwei tagen durch Deinen Reisebericht gelesen. Die guten Recherchen und die detail genauen Schilderungen begeistern mich. Ich war geradezu entäuscht, als der Bericht plötzlich zu Ende war. Ich hätte gerne noch erfahren wie es weiter ging. Etwas gestört haben mich die Schilderungen der Beerdigungszeremonien, die voller negativen Wertungen deinerseits sind. Es sind Traditionen der Tibeter, die wir als Besucher in diesem Land als solche tollerieren sollten. Besonders, da man davon ausgehen kann, dass einen nicht allzufernen Tages alle Tibeter und ihre Kultur von der chinesischen Gesellschaft assimiliert sein werden. Grüße Jörg | ||
| Jally | http://www.jally.de/pages/news/news-detail.php?newsThema=Reisebericht-Rundreise-durch-China-und-Tibet&newsID=132&seitenID=1 | |
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Toller Bericht, waren dieses Jahr auch in Tibet. Das war wirklich schön! Viele Grüße, Jally | ||
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