Tibet-Reisebericht :Renate's Weltreise

Tibet

01.09.04
Flug: Bangkok -> Dschengdu (China)
Am spartanischen Flughafen von Chengdu versuchen mich Taxifahrer "anzuheuern", dabei faellt mir noch rechtzeitig ein, dass ich ja noch kein chinesisches Geld habe und nach einiger Zeit bekomme ich heraus, dass gegenueber des Flughafens ein Geldautomat ist. Wundervolle Technik!
Dort lerne ich eine Hollaenderin kennen die auch nach Tibet will somit fahren wir zusammmen in das Guesthouse.
Im Guesthouse erfahre ich, dass meine Genehmigung fuer Tibet schon morgen frueh fertig sein kann und ich buche den Weiterflug nach Lhasa sofort.
In China schliessen die Laeden um 6:00 Uhr (die meisten) und ich habe noch etwas Zeit nach einem Ersatz-Memory-Chip fuer die Kamerea zu suchen denn angeblich sollen sie hier billiger sein. Der Chip soll das gleiche wie in Europa kosten und so nehme ich nach langem Suchen und Vergleichen Abstand davon.

Eigentlich bisher nicht in China interessiert ueberrascht mich der Ort. Vieles ist fast enttaeuschend europaeisch, insgesamt ist alles anders als ich mir China vorgestellt hatte. Es gibt sehr viele "Baeckereien" aus denen richtiger Brotgeruch kommt. Brotfladen werden auch direkt auf der Strasse in einem fahrbaren "Ofen" gebacken und verkauft - und es schmeckt sehr gut! Ausserdem gibt es ueberall Abfalleimer, was mir nach Thailand natuerlich auffaellt.
Da frag ich mich doch langsam wozu ich ueberhaupt "Vorstellungen" von Dingen habe, die ich noch nicht kenne! Das einzige, was meiner Vorstellung entspricht sind die vielen Leute auf Fahrraedern.
Das Essen faellt eher maessig aus, dafuer goennen wir uns vor dem Schlafengehen noch eine chinesische Massage. Nach dem Flug und den letzten Tagen in BKK, in der natuerlich jede Nacht ein anderer Ort aufgesucht werden musste, den man ja jetzt erst mal zum letzten Mal sieht, war das eine gute Entscheidung

Chinesische "Metzgerei"

Chinesische "Metzgerei"

Rischkafahrer zeigen uns den Weg

Rischkafahrer zeigen uns den Weg

02.09.04
Das erste Mal tibetischen Boden beruehrt. Lhasa liegt in ca. 3600m Hoehe und nach der Ankunft verfliegen meine Bedenken. Das Atmen geht gut, natuerlich bemerke ich die duenne Luft, fuehle mich aber nicht schlecht. Ich bin nur sehr muede, was in dem Taxi dazu fuehrt, dass ich staendig einnicke und immer auf der Schulter meines chinesischen Nachbarns, der das Taxi mit seiner Familie und uns teilt, aufwache. Es ist mir schrecklich peinlich aber nach dem zehnten Mal entschuldige ich mich nicht mehr

Wir versuchen im Yak-Hotel abzusteigen, doch die "Dorms" (Raeume, die man mit mehreren Leuten teilt) sind voll und wir gehen in ein anderes guenstiges Hotel. Ann-Marie, die Hollaenderin scheint mehr Probleme mit der duennen Luft zu haben doch ich bin sehr zufrieden. Es scheint wie eine Droge zu wirken, ich bekomme das Grinsen nicht mehr aus meinem Gesicht

Ich gehe in ein Restaurant essen, in dem nur Tibeter und Chinesen sind. Sie sprechen kein englisch aber nach zwei Anlaeufen bekomme ich auch was zu essen. Mein erstes Yak-Fleisch. Es wird Tee serviert, den ich faelschlicherweise als Yak-Butter-Tee definiere und mich wundere, dass die meisten Leute den nicht moegen. Ich finde ihn klasse und bin einfach nur happy, jetzt hier zu sitzen, meinen ersten Yak-Tee zu trinken und die "fremde Welt" mit ihren Menschen , Klaengen und Geruechen aufzunehmen.

Waehrend ich esse, kommen mehrfach Bettler an meinen Tisch. Auch zwei Kinder denen ich aber kein Geld gebe, sie setzen sich dann an einen anderen Tisch und trinken Tee. Da das Gericht eh zuviel fuer mich sein wird, hole ich zwei leere Schuesselchen und gebe was davon ab. Es scheint das richtige gewesen zu sein, die Leute um mich rum schauen zustimmend. Und die Kinder sind sichtlich froh. Obwohl sie wohl selbst schon bestellt hatten, denn danach kam noch was anderes.

Mit Ann-Marie umrunde ich noch den Nangkhor, man muss dabei im Uhrzeigersinn gehen, also die Tempel immer rechts von sich. Kann man aber nicht falsch machen, da ALLE Leute in die gleiche Richtung gehen. Ann-Marie hatte sich erst kuezlich die Haare verlaengern lassen und ist fuer die Leute "der" Hit:

Die Leute kommen aus dem Staunen nicht heraus

Die Leute kommen aus dem Staunen nicht heraus

Annemarie wird von Leuten umzingelt

Annemarie wird von Leuten umzingelt

03.09.04
Die Nacht war der Horror! Ich wachte staendig auf, mit einem panischen Gefuehl nicht genug Luft zu bekommen oder an sonst was zu sterben... sobald ich dann aber wach war konnte ich mir sagen: das ist die Luft, es passiert schon nichts. Dabei hatte ich schreckliche Kopfschmerzen, mal war es sehr heiss, dann wachte ich auf weil ich fror. Morgens war ich froh, aufstehen zu koennen, trotz dass ich schrecklich kaputt war.
Wir zogen in das Yak-Hotel, da die sanitaeren Anlagen in unserem GH nicht sehr einladend waren. Ich habe staendig Hunger, obwohl mir gleichzeitig schlecht ist. Habe pflanzliche Medizin gekauft und trinke was in mich reingeht. Ich bin so schlaff, dass mir beim Sitzen die Beine zittern, es ist ein Gefuehl wie wenn man waehrend einer schweren Erkaeltung aus dem Bett aufsteht und meint, die Kraft wuerde nicht ausreichen auf die Toilette zu gehen. Na ja, morgen wird's besser!

Das "Herz" Lhasas

Das "Herz" Lhasas

...und das Potala

...und das Potala

04.09.04
Ich kann nicht glauben, dass ich mich immer noch so schlecht fuehle. Bin morgens mit voellig ausgetrocknetem Hals und geschwollenem Gesicht aufgewacht. Meine Augenlieder waren so dick, dass ich nicht seitlich gucken konnte sondern nur geradeaus. Ein Bild davon erspare ich mir und euch ;-0

Da es schon der dritte Tag in der Hoehe ist, bezweifle ich langsam, mich jemals daran zu gewoehnen (Pragmatiker halt)
Mein Tagespensum hat sich auf E-Mails checken, ein bisschen auf dem Merkt spazierengehen und ein paar Trekkingschuhe anprobieren. Und fuehle mich wie nach einem Marathon-Lauf (...vermutlich fuehlt man sich so )

Leute, die ich kennen lerne wollen, dass ich mit zum Base-Camp des Everest komme, andere wuerden gerne nach Mount Kailash was der heiligste Berg Asiens ist. Ich hab noch nicht mal den Travel-Guide gelesen, da ich mich nicht konzentrieren kann und dass er in englisch ist macht es nicht besser.

Die Touren sind aber "schweineteuer", die Tour zum Kailash z.B. soll bei 3-4 Personen 500-600 Euro/Kopf kosten und das nur fuer die Fahrt und Guide. Die ganzen "Ziele" in Tibet liegen hoeher als hier und ich fange schon an mich an den Gedanken zu gewoehnen hier festzusitzen und nur Tagestouren zu machen. Ann-Marie, die nur einen halben Tag Probleme mit der Hoehe hatte, moechte hin trampen, sie geht anschliessend nach Nepal. Mir ist das zu heikel, da es verboten ist, die Fahrer empfindliche Geldstrafen bekommen wenn sie erwischt werden und man eigentlich eine Militaer- und eine Trekking-Genehmigung fuer das Gebiet braucht, welche man aber nur mit offiziellem Guide erhaelt.

Und trotz der leisen Stimmen in mir, die 'Hasenfuss' rufen, bleibe ich fest. Um bei so einer Aktion mitzumachen muesste ich mir der Leute sehr sicher sein mit denen ich gehe, auch die Vorstellung den Weg zurueck dann auf eigene Faust zu machen ist ein weiterer Punkt dagegen.

Nebenbei: Habe jetzt den "echten" Yak-Tee Probiert und weiss jetzt, warum ihn so viele Leute nicht moegen. Ich denke man muss sehr hungrig, unterkuehlt und in der richtigen Umgebung sein, dann kann ich mir vorstellen, dass er was 'gutes' hat. Aber mitten in Lhasa in einem warmen Restaurant ist er einfach nur fettig mit dem Milchgeruch des Yaks.

eine tibetische "Metzgerei" 
(Mit dem Wedel werden die Fliegen vertrieben...)

eine tibetische "Metzgerei"
(Mit dem Wedel werden die Fliegen vertrieben...)

"Marktstrasse"

"Marktstrasse"

...und was man so kaufen kann

...und was man so kaufen kann

05.09.04
Heute morgen habe ich nicht viel besser als gestern ausgesehen und der Gedanke, dass die Leute die mich 'so' sehen ja nicht wissen, wie ich 'normal' aussehe ist nicht wirklich troestend genug.

Mein Tagespensum war mit einem Marktbeuch erschoepft. Was gutes hat es allerdings, dass ich zu 'richtigen Aktionen' keine Kraft habe, so nehme ich mir fuer meine 'Ausfluege' gezwungenermassen viel Zeit, was mich schon ein paar Menschen naeher gebracht hat:
Ich wollte bei einer Jak-Butter und-Kaese Verkaeuferin ein kleines Stueck Kaese fuer mein frisches Brot kaufen. Sie war am Beten und nickte mit dem Kopf. Da ich nicht weiter stoeren wollte setzte ich mich gegenueber auf den Bordstein um zu warten bis sie fertig ist und natuerlich um mich auszuruhen
Ein kleiner Junge sah mich, holte seine Schwester als 'Verstaerkung' und nahm mich von Nahem genauer in Augenschein. Er strahlte ueber das ganze Gesicht. Das Bild wollte ich haben. Als sie sich selbst in der Kamera sahen wollten sie noch mehr Bilder und auch die Kaeseverkaeuferin kam um sich fotografieren zu lassen. Wenn es nur immer so einfach waere!

Zwei tibetische Kinder wollen mich kennenlernen

Zwei tibetische Kinder wollen mich kennenlernen

Danach startete ich nochmal einen Versuch ein Stueck Kaese zu erwerben. Doch sie nickte wieder nur mit dem Kopf. Etwas hilflos stand ich vor der Auslage bis sie mir begreiflich machte, dass ich mir ein Stueck selbst abschneiden kann.
Ich nahm ein kleines Stueck aber sie kam und schnitt ca. 100gr ab und legte es mir aufs Brot! Geld wollte sie keines.
Natuerlich biss ich so herzhaft wie moeglich davon ab. Es war kein Kaese wie ich vermutete, sondern Yak-Butter. Eigentlich gut vom Geschmack war es einfach nur zuviel.
Auf dem Weg zurueck rettete mich ein Bettlerkind das sah, dass ich was zu essen hatte und die Hand ausstreckte.

Es hat sehr viele Bettler hier und seit ich 'kleine Scheine' habe fuehle ich mich wohler. Eine Bettlerin sitzt mit ihren winzigen Zwillingen und einem kleinen Jungen immer am selben Platz und da ich Bilder von ihnen machen durfte, entwickelte ich ihr zwei davon. Sie wusste gar nicht wie sie sich bedanken sollte und zeigte sie ganz stolz den Zwillingen Es sollte nur eine kleine Gegenleistung fuer ihre Freundlichkeit sein und erst im Nachhinein wurde mir klar, dass das vermutlich die einzigen Bilder sind, die sie von ihren Kindern hat.

Die Mutter bettelt auf der Strasse...

Die Mutter bettelt auf der Strasse...

...fuer ihre Zwillinge und einen Jungen

...fuer ihre Zwillinge und einen Jungen

06.09.04
Heute zum ersten Mal ohne merkliche 'abartige Auswuechse' aufgewacht
Der erste Tag an dem ich etwas Energie verspuere. Wieder treffe ich auf Leute, die sich fotografieren lassen wollen, nachdem sie sehen, dass man sich gleich betrachten kann. Die Energie reicht bis zum Mittagsschlaf, aber immerhin
Gehe abends meistens mit meinen Bekannten essen. Das Essen hier ist durch das viele Fett, was verwendet wird sehr schwer und nach der leichten thailaendischen Kost streikt mein Verdauungssystem total seit ich hier bin. Deshalb kann ich leider nicht immer in einheimische Lokale gehen und ziehe einmal am Tag den Travellern angepasste Kost vor. Ist zwar viel teurer aber gluecklicherweise auch gut
Leider sind nicht nur die Preise den Travellern angepasst sondern das Personal der meisten "guten" Restaurants hat auch die Schroffheit mancher "Westler" angenommen.
Eine tolle Ausnahme bildet da das "Franzoesische Restaurant" in dem wirklich versucht wird, die Leute zufrieden zu stellen und was noch nicht mal so teuer ist wie die anderen.

Aussicht in eine Gasse in Lhasa

Aussicht in eine Gasse in Lhasa

07.09.04
In zwei Tagen will ich meinen ersten Trip wagen. Es soll an den 'Nam Tso' gehen. Er liegt auf 4700m Hoehe doch ich werde 'Diamox', eine Hoehenmedizin einnehmen. Der Tag heute verlief mit Trekking-Schuhe kaufen, billig genug um nach einer Stunde schon die erste Blase zu haben und Geld abheben. Ich weiss wirklich nicht, wie da ein Monat reichen soll...

Beim Rundgang um den Potala 
(Ich war dabei; stolz)

Beim Rundgang um den Potala
(Ich war dabei; stolz)

© Renate Enghauser, 2003
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich starte in Thailand und dann sehen wir weiter...
Details:
Aufbruch: 21.11.2003
Dauer: 25 Monate
Heimkehr: Dezember 2005
Reiseziele: Thailand
Myanmar
Indonesien
Tibet
Indien
Der Autor
 
Renate Enghauser berichtet seit 14 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Renate über sich:
Ich reise gerne, ho ho ho