Russland-Reisebericht :Glück und Glas

Moskau und die Transsibirische Eisenbahn

Tag 83 bis 90

Das F sieht aus wie ein Strich mit zwei Ohren, das I ist ein N, das S ist ein C und das gerollte R ein P. Ich kann kein Straßenschild und keine U-Bahnstation lesen und kein Mensch versteht mich....ich bin in Moskau angekommen. Aber nicht nur die verwirrenden Beschilderungen und die ungläubigen Gesichter, als ich auf Englisch versuche mich vom Flughafen zum Bahnhof durchzuschlagen, zeigen mir, dass ich in Russland bin, sondern auch die Preise. Im siebten Himmel, weil ich eine echte Starbucks-Filiale gefunden habe, zahle ich für einen Caramel-Frappuchino und eine Waffel so viel, wie an einem ganzen Tag in Indien oder Nepal für Übernachtung, Verpflegung, Freizeitaktivitäten und Feierabendbier zusammen.

Im Zentrum angekommen fallen mir zuerst die vielen großen und top-gestylten Frauen auf, die ausnahmslos auf wahnsinnig hohen Absätzen die Straßen entlang staksen. Ihr könnt euch vorstellen, wie man sich da als verschwitzte Rucksackreisende in Wanderklamotten und Trekkingsandalen mit 20 Kilo Gepäck auf dem Buckel fühlt. "Underdressed" beschreibt nicht mal einen Bruchteil meines äußeren Erscheinungsbildes. Also schlage ich mich durch einen Dschungel an kyrillischen Hieroglyphen bis zu meiner bezaubernden Unterkunft "Sweet Moscow" durch und ziehe mich erst mal gesellschaftstauglich an - wenn auch ohne High Heels.
Moskau zeigt sich in den nächsten drei Tagen von seiner schönsten Seite mit strahlendem Sonnenschein bei über 30 Grad. Es erinnert mich ein wenig an Berlin, nur viel größer und pompöser. Die Gigantomanie dieser Stadt zeigt sich insbesondere an den U-Bahnstationen, die an prunkvolle Ballsäle erinnern, und an den "sieben Schwestern", riesige, im russischen Zuckerbäckerstil gebaute Hochhäuser, die über die Stadt verteilt sind. Aber auch der Kreml, der rote Platz mit dem Leninmausoleum und das Pushkin-Museum ziehen mich in ihren Bann. Als ich am vierten Tag in die transsibirische Eisenbahn einsteige, ärgere ich mich, dass ich nicht ein paar Tage länger für Moskau eingeplant habe.

Das Kaufhaus GUM am Kreml

Das Kaufhaus GUM am Kreml

Die St. Basilius Kirche am Roten Platz

Die St. Basilius Kirche am Roten Platz

Endlich raus aus den Trekkingklamotten und rein ins urbane Sommeroutfit

Endlich raus aus den Trekkingklamotten und rein ins urbane Sommeroutfit

Warum so traurig?

Warum so traurig?

Der Rote Platz im Zentrum Moskaus.

Der Rote Platz im Zentrum Moskaus.

Was habe ich denn jetzt schon wieder verbrochen?

Was habe ich denn jetzt schon wieder verbrochen?

Die Dior Ausstellung im Pushkin Museum war der Wahnsinn!

Die Dior Ausstellung im Pushkin Museum war der Wahnsinn!

Metrostationen in Moskau sehen aus wie Ballsäle.

Metrostationen in Moskau sehen aus wie Ballsäle.

Die typische Moskauerin: kurzes Kleidchen und hohe Absätze.

Die typische Moskauerin: kurzes Kleidchen und hohe Absätze.

Kyrillische Buchstaben zu entziffern fällt schwer - aber manchmal klappt's halt doch irgendwie.

Kyrillische Buchstaben zu entziffern fällt schwer - aber manchmal klappt's halt doch irgendwie.

Eine der "sieben Schwestern" - riesige Hochhäuser im Zuckerbäckerstil. Es sieht aus wie in Gotham City.

Eine der "sieben Schwestern" - riesige Hochhäuser im Zuckerbäckerstil. Es sieht aus wie in Gotham City.

Von nun an geht es vier Tage lang mit dem Zug durch die unendlichen Weiten Russlands von Moskau bis nach Irkutsk. Unglaublicherweise fährt man auf dieser Strecke durch fünf Zeitzonen. Da ich seit Delhi gesundheitlich ziemlich angeschlagen bin und mir ein Arzt wahrscheinlich eh ein paar Tage Bettruhe verordnet hätte, genieße ich das monotone voranrattern des Zuges und die vorbeiziehende Landschaft. Das 4-Bett-Abteil teile ich mir mit zwei Opas und einem kleinen Jungen. Nach wie vor stellen mich die sprachlichen Barrieren vor das größte Hindernis, aber als passionierte und auch durchaus begabte Pantomime-Darstellerin sorge ich im Abteil für allgemeine Erheiterung. Die gemeinsamen Malzeiten, bei denen jeder den mitgebrachten Proviant, also Salami, Brot, Käse und Vodka auf den Tisch packt, werden zu einem äußerst unterhaltsamen Zeitvertreib und wir diskutieren bzw. gestikulieren über das Leben.
Allerdings habe ich mit etwas mehr Touristen in diesem Reiseabschnitt gerechnet. Wo habe ich denn gelesen, dass die Transsibirische Eisenbahn zum Standardprogramm der Backpacker gehört? Irgendwie bin ich die Einzige mit einem Rucksack, die dazu noch kein russisch spricht. Als Reisende, die bisher eher auf "ausgelatschten Touristenpfaden" gewandert ist, ist diese Zugfahrt ein völlig neues Erlebnis. Zum ersten Mal ohne Begleitung auf dieser Reise macht es mir großen Spaß mich irgendwie durchzuschlagen. Auf die entgeisterte Frage meiner Mitreisenden, warum ich denn nicht mit dem Flugzeug nach Irkutsk reise (zumindest interpretiere ich dies aus den pantomimischen Darstellungen der beiden Opas) antworte ich, dass mir dazu das Geld fehle (denn auch diese Antwort lässt sich unproblematisch pantomimisch darstellen). Dass ich irrtümlicherweise davon ausgegangen bin, dass die Transsib ein Treffpunkt für Rücksackreisende, vergleichbar mit der Koh San-Road in Bangkok sei, und dass man ja nur mit einer Zugfahrt die wahre Größe und Weite Russlands erfahren könne, bekomme ich dagegen leider nicht pantomimisch hin.

Auf geht's! 82 Stunden und 5 Zeitzonen

Auf geht's! 82 Stunden und 5 Zeitzonen

Zugfahren ist doch auch romantisch. Wer will da noch fliegen?

Zugfahren ist doch auch romantisch. Wer will da noch fliegen?

Abteilgenossen

Abteilgenossen

Landschaftlich wechseln sich Wälder und Steppe ab.

Landschaftlich wechseln sich Wälder und Steppe ab.

© Katrin Deppen, 2011
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Sachen sind gepackt und ausgepackt und neu gepackt und vorsichtshalber noch mal ausgepackt und dann nach einem sehr ausgefeilten System zum letzten Mal gepackt. Heute abend geht es los: zuerst nach Indien, dann nach Nepal, dann wieder nach Indien. Anschließend gehts es nach Russland über die Mongolei nach China und von dort nach Australien. Weiter ist die Reise noch nicht geplant...
Details:
Aufbruch: 07.03.2011
Dauer: 7 Monate
Heimkehr: 15.10.2011
Reiseziele: Indien
Nepal
Russland / Russische Föderation
Mongolei
China
Australien
Argentinien
Der Autor
 
Katrin Deppen berichtet seit 7 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Katrin über sich:
So, hier bin ich also: Katrin, 32 Jahre, Unternehmensberaterin aus Osnabrück und reiseverrückt. Wie man an dem Bild schon sieht, vereint sich in meiner Person nicht nur der Spaß am Reisen, sondern auch der Spaß am Glas. Und mit diesen beiden Lieblingsthemen im Gepäck werde ich mich nun auf den Weg machen: von A(achen) bis Z(um Ende der Welt). Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen der Reiseberichte rund um fremde Länder, Menschen, Kulturen und Glas.