Russland-Reisebericht :Meine Reise nach St. Petersburg & Umgebung

Fahrt in die russische Provinz

Tags darauf trafen wir uns früh am Morgen um mit dem Bus nach Kirowsk, was sich ca. 50 km östlich von St. P. befindet, zu fahren. Der Plan war, von dort ein Uber-Taxi zu nehmen, welches uns weiter zu den Sinjawino-Höhen, Sologubowka (Soldatenfriedhof), Mga und zum Schluss zu dem Ort an dem mein Urgroßvater gefallen und begraben ist, bringen sollte.
Die Busfahrt begann an einer Metrostation im östlichen Teil von St. P., der Bus war allerdings ein "älteres" Modell. Er bringt Menschen von A nach B. Punkt.
Das Ticket musste wie in Deutschland beim Busfahrer gekauft werden und dann ging es auch schon los. Nach einer guten Stunde Fahrtzeit vorbei an Datschas, ausgedehnten Birkenwäldern und kleinen Dörfern erreichten wir das ursprüngliche, dörfliche Russland. Hier ticken die Uhren anders, es geht sehr viel entspannter zu als in der Stadt. Direkt an der Bushaltestelle stand auch schon ein Uber-Fahrer, der uns bereitwillig für wenig Geld mit zu den gewünschten Orten nahm. Angekommen auf den Sinjawino-Höhen, welche im Krieg stark umkämpft gewesen sind, kann man Geschichte wirklich erleben. Es waren noch die Lauf- und Schützengräben sichtbar, die Wohnbunker konnte man erahnen und der Wald war gesäumt mit Granattrichtern. Dies war sehr beklemmend, denn wir wussten, dass dort tausende Menschen ihr Leben gelassen haben. Der nette Taxifahrer leistete uns die gesamte Zeit über Gesellschaft, auch er war sehr interessiert an der Geschichte seiner Heimatregion. Auf eben jenen Höhen, welche ein strategisch wichtiger Punkt gewesen sind, befindet sich heute eine Gedenkstätte mit Gräbern, Überresten von Waffen und Ausrüstungsgegenständen der damaligen Zeit.

Gedenkstätte Sinjawino

Gedenkstätte Sinjawino

Gedenkstätte Sinjawino

Gedenkstätte Sinjawino

Der Bus nach Kirowsk.

Der Bus nach Kirowsk.

Soldatenfriedhof Sologubowka

Weiter ging es mit dem Fahrer Richtung Süden zum Soldatenfriedhof Sologubowka. Dieser Friedhof wird der größte deutsche Soldatenfriedhof weltweit sein; dort sollen bis zu 80.000 deutsche Soldaten ihre letzte Ruhe finden. Im Moment befinden sich dort die Gebeine von ca. 55.000 Soldaten. Es befinden sich auf dem Areal unzählige Granitstelen, auf denen die Namen aller dort umgebetteten Soldaten eingraviert sind. Die Umbettungen erfolgen im Rahmen verschiedener Suchtruppunternehmen, welche aus Deutschland und / oder Russland finanziert werden. Ziel ist es so viele verschollene deutsche und russische Soldaten zu finden wie nur möglich und ihnen eine angemessene letzte Ruhestätte zu geben. Auf dem Friedhof befindet sich auch die Kirche Mariä Himmelfahrt, in der ein Ordner hinterlegt ist mit allen gefallen oder vermissten Soldaten in Russland. Wer selbst jemanden in der Familie im Krieg verloren hat, kann eine Online Suche beim Volksbund für Kriegsgräberfürsorge starten. Sehr empfehlenswert.

Kirche Mariä Himmelfahrt

Kirche Mariä Himmelfahrt

Granitstelen Sologubovka

Granitstelen Sologubovka

Auf Urgroßvaters Spuren & und nach Mga

Nach dem Besuch auf dem Friedhof sind wir wieder Richtung Norden gefahren, um zu dem Ort zu gehen, wo mein Urgroßvater 1942 gefallen ist. Es ist eigentlich nur eine Wiese, drumherum sind Wälder und mittendrin steht eine Ruine aus dem Krieg. Dort zu sein war wirklich emotional, zumal ich zwei Jahre lang recherchiert habe und am Ende stand ich nun endlich dort. Ein wirklich surreales, aber tolles Erlebnis, was ich erst Monate später realisieren konnte.

Weiter ging es nach Mga, wo sich ein wichtiger Bahnknotenpunkt befindet. Damals wurden dort Truppen, Waffen und die ersten Panzerkampfwagen IV "Tiger"-Prototypen umgeladen, heute wird dort vor allem Metall und Kohle umgeschlagen. Viele Züge sind noch aus der Stalin-Ära, die Abkürzungen lauten z.B. WL (Wladimir Lenin). An dem Bahnhof selbst ist auch wieder eine Plakette angebracht, welche darauf hinweist, dass dieser Bahnhof von den"faschistischen Eroberern zurückgeholt worden ist". Wenige Meter weiter grüßt Lenin von einem Sockel. Dies war die erste und einzige Statue von ihm, welche ich gesehen habe.
Vom Bahnhof ging es dann zurück mit dem Regionalexpress nach St. P. und abends bin ich dann totmüde und überwältigt von den ganzen Eindrücken, eingschlafen.

Wladimir Lenin in der Nähe des Bhf

Wladimir Lenin in der Nähe des Bhf

Gleise Mga, links das Bhf-Gebäude

Gleise Mga, links das Bhf-Gebäude

© Felix V., 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Diese (sehr intensive) Reise unternahm ich, um mehr über die deutsch-russische Geschichte zu erfahren. Insbesondere die Zeit von 1941 - 1944 ist in dem Zusammenhang mit St. Petersburg leider erwähnenswert. Da dies mein erster Bericht auf dieser Plattform ist, bitte ich etwaige Fehler zu entschuldigen und für konstruktive Kritik bin ich natürlich offen :-)
Details:
Aufbruch: September 2016
Dauer: unbekannt
Heimkehr: September 2016
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Der Autor
 
Felix V. berichtet seit 4 Tagen auf umdiewelt.