Indonesien-Reisebericht :sieht so aus, als flöge ich um die Welt...?

Bali : 09.02. Bali

Heute stehe ich früh auf und bin gegen 8.00 am Strand zum Joggen. Zum Glück ist es heute leicht bewölkt, sonst wäre es echt zu warm. Eine Gruppe junger Mädchen mit Kopftuch lächelt mir zu und eine bittet um ein Foto mit mir. Sie legt sogar den Arm um mich, obwohl ich komplett verschwitzt bin.
Auf dem Rückweg frage ich in der Strasse vorm Hotel wegen Rollerpreisen und schlage bei 50.000 pro Tag ein. Nach dem Duschen frühstücke ich erstmal.

Dann ziehe ich mir lange Sachen an und gehe zurück zum Rollervermieter, der nebenbei noch einen kleinen Laden und wohl auch Essensstand betreibt. Ich fülle das Formular aus und gebe ihm das Geld. Alles ist schon fix und ich frage noch nach einem Helm. Ja, ja. Er holt einen, aber der ist um Welten zu groß. Ein um den anderen Helm probiere ich auf, aber sie sind alle zu groß. Der Vermieter findet das nicht so schlimm, ich schon. Kein Helm, kein Roller bedeute ich ihm und bestehe auf Rückabwicklung, was auch tatsächlich anstandslos klappt.
Ich mache mich auf die Suche nach einem Roller und gerate in eine seltsame Situation. Der Mann am Stand ruft seine Tochter, die hat einen Roller, den sie vermietet. Da sie auch eine Frau ist, hoffe ich auf einen passenden Helm. Ja, klar. Sie muss nur wegen dem Preis ihren Mann anrufen. OK, kann ich den Roller vorher mal sehen und Probe fahren? Zum Beispiel erstmal einen Tag. Wenn alles okay ist, will ich ihn für weitere 11 Tage. Ja mal sehen, vielleicht heute um 16.00. Ihren Mann erreicht sie nicht, bestimmt in ein paar Minuten. Er fährt bestimmt nur grad mit dem Roller.
In der Zwischenzeit werde ich von dem älteren Herrn, mit dem ich zuerst gesprochen habe, in den ersten Stock genötigt, seine Antiquitäten anschauen. Ich bin Backpacker, ich habe weder Platz noch Geld. Ja, ja nur anschauen nicht kaufen. Er ist früher viel gereist und hat die Sachen von seinen Reisen mitgebracht. Ein Stück nach dem anderen wird mir gezeigt. Ganz billig und für mich sowieso zum Sonderpreis. In welchem Hotel ich wohne? Ich schwitze wie wahnsinnig in meiner langen Hose, will nicht unhöflich sein, mir aber auch nicht stundenlang Antiquitäten vorführen lassen. Schließlich schaffe ich es, mich loszueisen und die Treppe wieder runterzusteigen. Aus der versprochenen Proberunde heute 16.00 wird doch nichts, ich soll wenn morgen früh wiederkommen. Nein, Danke. Ich bin froh hier raus zu sein.

Erstmal zurück ins Hotel und umziehen und dann an den Strand, ich will im Meer schwimmen. Ich laufe am Strand entlang auf der Suche nach Schatten und verhandle wegen einer Surfstundefür morgen früh. Alle 2 Meter lehnen Surfboards im Kreis an den Haltern und davor steht ein Sonnenschirm und eine Reihe von 4 Stühlen. Hier wird mit zwei Sachen Geld verdient, Surfstunden, der Verleih der Surfbretter und bodyboards, sowie der Getränkeverkauf unter den Sonnenschirmen. Den Surflehrer vom ersten Abend finde ich irgendwie nicht wieder, bekomme aber durch den Verweis, den Betrag so schon genannt bekommen zu haben, denselben Preis und mache einen Termin für morgen früh 8.00 Uhr.
Schatten gibt es nur oben an der Mauer durch ein paar Bäume, auf dem zum Meer abschüssigen Strand liegen die Touristen völlig ungeschützt. Sich oben hinzulegen scheint aber auch keine Option, denn dort haben die Händler und Beachboys ihr Revier.
Ich werde zwar mehrfach eingeladen, mich dazu zusetzen, lehne aber immer ab. Denn etwas trinken will ich nicht. Aber einen anderen Platz im Schatten zum Liegen gibt es nicht. Selbst wenn, würde ich meine Sachen hier nicht allein lassen, bei den ganzen fliegenden Händlern und Beachboys (ihr wisst ja mittlerweile wie misstrauisch ich bin, oft grundlos).
Schließlich gebe ich auf und lasse mich überreden, mich hinter einen der Surfpoints auf einen Stuhl zu setzen. Der Preis für diese Sitzgelegenheit ist eine Unterhaltung mit den Surferboys. Ich habe Glück, sie graben nicht allzu schlimm.
Man, ist das heiß hier. Geh doch ruhig schwimmen, sagt der eine mehrfach zu mir. Ja, ok, aber meine Sachen nehme ich dann doch mit und lege sie weiter unten an den Strand, wo ich sie sehe. Nach dem schwimmen soll ich mich weiter vorne unter den Sonnenschirm setzen, wo eben noch eine Vierergruppe Mädels saß, die jetzt im Wasser sind. Ja, ok, so lerne ich die ja vielleicht kennen?
Erst lerne ich Leo einen weiteren Surferboy, alias Harvard (das ist sein richtiger Name, den er nicht benutzt, weil er sich so schwer zu merken ist, ihm hat tatsächlich vorher noch nie jemand von der Uni erzählt... Ich gebe ihm den Tipp, seinen Namen doch mal zu googeln) kennen.
Als die Mädels zurück kommen, stellen sie sich als sehr liebe Mädels aus Südamerika (Argentinien und Honduras) heraus. Die Mädels sprechen untereinander natürlich spanisch, versuchen mir zuliebe aber auf englisch umzustellen. Drei von ihnen leben in Taiwan und verbringen hier ihren Urlaub und die vierte haben sie hier kennengelernt. Wir sitzen ein bisschen zusammen und schnacken.
Harvard will sich unbedingt mit mir für heute Abend verabreden und ich drehe es so, daß wir uns alle zusammen zum Ausgehen treffen. Mit Dany und Harvard connecte ich mich auf Facebook und whatsapp, damit das heute abend auch klappt.

Harvard und ich

Harvard und ich

Puh, viel Essen in Asien und kein Sport...Das sieht man

Puh, viel Essen in Asien und kein Sport...Das sieht man

Nachdem die Mädels gegangen sind, sitze ich noch ein bisschen mit Harvard unter dem Schirm und mache mich gegen 16.00 auf, um weiter nach Rollern zu suchen.
Niemand scheint einen Damenhelm anbieten zu können, was ist das nur? Wenn ich den Helm einmal komplett herumdrehe, während ich ihn aufhabe, um zu demonstrieren, dass das für mich "nicht passen" ist, wird nur gelächelt und genickt.

In der Poppies Lane 2 werde ich schließlich fündig, 45.000 Rupieh pro Tag, um mir den seiner Meinung nach passenden Helm zu zeigen, soll ich ihm folgen. Er fährt auf dem Roller, ich laufe, ab und an hält er an und klopft an sein treues Gefährt zum Zeichen, dass ich aufholen soll. Er biegt in eine Seitengasse ab, dann auf einen Schotterparkplatz, etwas misstrauisch folge ich ihm. Er parkt den Roller, nimmt ein paar Steine von einer schwarzen Plastiktüte, in der jede Menge Helme sind und zeigt mir tatsächlich den bisher kleinsten Helm. Zuhause hat er einen noch kleineren mit Visier von seiner Tochter, den bringt er morgen mit. Also gut, morgen um 11.00 hole ich es ab. Falls ich nicht zurechtkomme mit dem Verkehr (der grässlich ist), kann ich es zurück bringen und zahle 70.000 für einen Tag, ansonsten 450.000 für 10 Tage.

Nach einer kurzen Dusche im Hotel esse ich heute in der Poppies Lane 1. Bamboos Corner hat mir Ullrich empfohlen und es ist tatsächlich gut und günstiger als der Foodcourt an der Straße.

Lizzard in meinem Hotelzimmer... Ist sie nicht knuffig?

Lizzard in meinem Hotelzimmer... Ist sie nicht knuffig?

Mein Abendessen... Sieht es nicht lecker aus?

Mein Abendessen... Sieht es nicht lecker aus?

Zurück im Hotel chatte ich mit einem der Mädels bei Facebook, erst als das vermeintliche Mädel mich fragt, ob es jetzt zu mir ins Hotel kommen kann, realisiere ich, dass es Harvard ist, dessen Profilfoto mit langen Locken mich getäuscht hat. Äh nein, wir treffen uns alle nachher um 10.00 vorm skygarden.
Als ich ankomme, ist Harvard schon da und wartet. Die drei Mädels kommen ca. 30 Minuten zu spät, Harvard will am liebsten alleine los. Nix da. Die Mädels trudeln GottseiDank ein, die alleinreisende Argentinierin fehlt immer noch. Bis 11.00 gibt es freien Eintritt und ein Freigetränk, weswegen eines der Mädels, das ohnehin keinen Alkohol trinkt, unten wartet und der Rest schonmal reingeht.
Der Club ist ziemlich groß, unten eine riesen Tanzfläche mit Laser, wir gehen eine Treppe hoch auf die Empore. Dort kann man sitzen und auf die Lasershow (wie in den 90ern) auf der Tanzfläche runterschauen. Vorne auf den Boxen tanzen zwei professionelle Tänzerinnen / Boxenluder im Bikini. Ich stelle fest, dass zwischen der die Empore umrandenden Theke und dem Fußboden keine Abtrennung oder Sperre ist, nur leere Luft. Sie verlassen sich offensichtlich darauf, dass schon keiner auf die Tanzfläche drei Meter tiefer knallen wird...
Die 2 Mädels gehen zurück zum Eingang, um auf die beiden anderen zu warten und ich bin plötzlich allein mit Harvard, der sofort beginnt, mich anzugraben. Er führt mich durch den Club, es geht noch eine Treppe hoch zu weiteren Tanzflächen. Ein VIP Bereich und ein Roofgarden ist da wohl auch noch, aber als er anfängt, Händchen zu halten, mache ich mich los und gehe zurück zur Empore.
Zum Glück sehe ich nach einer Weile die Mädels unten auf der Tanzfläche und wir können wieder zu ihnen stoßen. Wir tanzen ein bisschen und schauen den anderen bei ihren teils verrückten Performances auf der Tanzfläche zu. So ganz ist der Laden aber nicht mein Fall, zu sehr Autobahndisko und die Musik ist nicht so toll. Nach einer Stunde frage ich, ob wir nicht vielleicht zu einer Bar mit Livemusik gehen sollen. Die Mädels sind dabei. Beim Verlassen des Clubs bekommen wir gleich das nächste VIP Ticket in die Hand gedrückt, damit wir morgen wieder kommen...
Harvard wollte ohnehin von Anfang an in die Surfer Bar, da es da billiger ist, also gehen wir dorthin. Hier war ich ja gestern schon mit Patrick und die Band ist wieder total gut. (alle Livebands, die ich in Bali auch nur im Vorbeigehen in den Restaurants und Bars habe spielen hören, waren richtig gut).
Es gibt zwei Bier für 40.000 Rupieh. Da eine der Mädels keinen Alkohol trinkt, beschließen wir, vier Bier für uns vier Mädels zu bestellen. Harvard bestellt zwei für sich allein. Wir Mädels schmeißen zusammen, ich bekomme 60.000 von den anderen und soll dann das Wechselgeld behalten. Dany die auch bestellt hat, weil sie vorne sitzt, nimmt den 100.000er und zahlt. Dann gibt es ein Problem. Der Kellner deutet auf Harvard dann auf das Geld. Dany erklärt es mir und ich verstehe sie erst nicht, schüttele den Kopf. Was ist los? Der Kellner nickt, ich bekomme 20.000 Wechselgeld und Dany erklärt nochmal. Scheinbar hatte Harvard nicht genug Geld für seine zwei Bier und der Kellner hat gefragt, ob wir seins mitbezahlen. Was ist das für ne Masche? Eben hat er sich noch Zigaretten gekauft, weil er seine im skygarden hat liegen lassen und qualmt seitdem eine nach der anderen, so verhält sich doch niemand, der knapp bei Kasse ist? Letztendlich hat er sein Bier ja doch auch selbst bezahlt. Aber natürlich mache ich mir gleich nen Kopf, ist ausgehen mit uns evtl. zu teuer für ihn? Ich bin verwirrt und frage mich, welche weiteren Absichten er wohl hat?
Wir gehen erstmal tanzen. Harvard will mich mitziehen, aber ich lasse mich lieber von den Mädels animieren. Die Band macht für heute Schluss und wir setzen uns wieder, aber die Musik ist so gut, dass bald alle wieder auf der Tanzfläche sind.
Harvard will ständig mit mir tanzen, er versucht es auch bei den anderen, wo er mehr Glück hat. Aber obwohl ich deutlich zu verstehen gebe, dass Paartanz hier nicht so meins ist, lässt er nicht nach. Eigentlich ist die Stimmung und das Publikum hier grad echt gut, aber ich bin so genervt, dass ich mich verabschiede und gehe.
Naja, es ist auch schon 1.00 und ich muss morgen ja früh raus. Den Heimweg finde ich dank Tablet und googlemaps ganz gut, frage mich allerdings, wie ich das gestern hinbekommen habe, ohne Tablet und deutlich angetrunken.
Zumindest habe ich ihn völlig anders in Erinnerung den Weg...

Lasershow und leichtbekleidete Tänzerinnen

Lasershow und leichtbekleidete Tänzerinnen

© Stefanie Förster, 2015
Du bist hier : Startseite Asien Indonesien Indonesien-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich habe nie von einer Weltreise geträumt. Schockierend, ich weiß. Überraschenderweise unternehme ich jetzt aber eine. Wie es dazu kam, wo ich lande und wie es da so ist, das berichte ich Euch hier... Wer mag, darf mitlesen. Mein Blog richtet sich vor allem an meine Familie und Freunde, sowie an Ex Kollegen. ...naja und natürlich an mich selbst: eine Weltreise ist ein tolles Abenteuer liebe Steffi! ...nur Mut und einfach mal machen, wird schon schiefgehen ;)
Details:
Aufbruch: 11.01.2015
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 28.05.2015
Reiseziele: Sri Lanka
Thailand
Indonesien
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Mexiko
Deutschland
Malaysia
Singapur
Der Autor
 
Stefanie Förster berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
Reiseberichte von Stefanie sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!