Indonesien-Reisebericht :sieht so aus, als flöge ich um die Welt...?

Bali : 10.02. Bali

Mit dem Aufstehen klappt es einigermaßen (man sollte doch meinen, dass ich morgens um 7.00 glücklich lächelnd hochfedere) und dann geht es direkt an den Strand. Wieder habe ich Probleme, den Surflehrer zu finden. Sowohl die Surfpoints mit den aufgebauten Boards, als auch die Surflehrer sehen für mich alle gleich aus und gegenüber vom HardRockCafe hilft mir jetzt auch nicht, weil da mehrere sind. Das HardRockCafe ist ziemlich groß. Ich treffe auf einen Arri, ich glaube, das ist jetzt wieder der vom ersten Tag. Egal, ist ja derselbe Preis.
Arri beginnt nochmal von ganz vorne. Schon allein dadurch macht er sich bei mir beliebt. Er testet, welches Bein vorne sein sollte und siehe da, ich habe es in Sri Lanka die ganze Zeit mit dem falschen Bein versucht. Auch die Technik zum Aufstehen verstehe ich, als er sie mir erklärt, viel besser. Eigentlich ganz einfach, hochdrücken, rechten (jetzt hinteren) Fuß aufsetzen, linken Fuß nach vorne und aufsetzen und stehen.
Ab in die Wellen. Ich stehe schon bei den ersten paar Versuchen. Zum einen sind die Wellen hier viel besser für Anfänger. Nicht zu hoch, nicht zu schnell und sehr regelmäßig. Zum anderen stelle ich fest, dass mein Surflehrer auf Sri Lanka zwar ein netter Kerl, aber kein guter Lehrer war. Vermutlich liegt es auch an der ganzen Quälerei auf Sri Lanka, dass es mir hier jetzt so leicht vorkommt. Ich bin ja viel schwierigere Verhältnisse gewohnt, mit Wellen, die einen teilweise einfach von den Füßen reissen, mehrfach umdrehen und an den Strand anspülen.
Nach ca. 40 Minuten fragt Ari, ob ich müde bin. Haha, kein bisschen. Nach einer Stunde sagt er, ok, gehen wir raus. Moment mal, es hieß 150.000 für eine Stunde Instructions und eine allein. Ja, bist du denn nicht erschöpft? Eigentlich nicht. Kann ich die Stunde allein auch morgen machen? Nein, wenn dann jetzt. Dann mache ich sie jetzt. Du bist nicht zu müde? Nein. Du hast keine Angst vor den Wellen? Nein, Sri Lankas haushohe Wellen haben mich gründlich abgehärtet. Er scheint äußerst überrascht und wird ein bisschen nervös. Ich dachte mir schon, dass es eher ein Lockangebot war. Als Anfänger in Sri Lanka war ich ja auch nach 45 Minuten völlig ko. Aber heute fühle ich mich super. Ich bleibe.
Der Surferboy, der eben noch einen Kuss für jedes Aufstehen einhandeln wollte (nix da, you will get my money), verwandelt sich in eine besorgte Mutterglucke. Ich soll doch bitte nicht so weit rausgehen, im Weisswasser bleiben, mir den Standort des Surfspots anhand des McDonalds Plakats und der roten Flagge merken. Fast muß ich grinsen. Na klar und da ich keine Uhr habe, hol mich doch bitte nach einer Stunde raus.
Ich verbringe eine weitere sehr angenehme Stunde im Wasser. Als es gegen 10.00 voll wird, verlasse ich das Meer. Das war ja toll, ich konnte quasi jede Welle stehen. I saw you can stand up, begrüßt mich Arri. Ob ich mich setzen und was trinken will? Nein, keine Zeit. Schnell zurück ins Hotel, duschen, frühstücken und dann den Roller holen. Ich grüße beim Frühstück kurz Ullrich und Jon.

Hoffentlich finde ich die Seitenstraße wieder, in der der Parkplatz war. Ja, ich biege einmal in die falsche Gasse ein, aber am Parkplatz bin ich dann sogar zu früh. Ketut ist noch nicht da.
Dafür jede Menge andere Männer. Ich fühle mich unwohl. Aber sie sind ganz nett, erinnern sich von gestern an mich und rufen direkt Ketut an. Der auch nach 10 Minuten angebraust kommt. Was macht Ketut, dessen Job es doch eigentlich ist, Touristen auf dem Roller rumzukutschieren, eigentlich die nächsten 11 Tage? Urlaub? Hat er noch einen anderen Roller? Keine Ahnung.
Ketut erklärt mir, dass ich einen schnellen Roller bekomme, da ich ja die Umgebung erkunden will. Einen Helm hat er auch dabei. Der ist zwar immer noch zu groß, aber passt fast und hat ein Visier. Ketut rät zum Ankauf einer Mütze, dann würde der Helm passen. Der Verschluss hakt ein wenig und wird von Ketut noch schnell gefettet.
Dann bekomme ich den Roller erklärt. Wo sind die Papiere, wichtig bei Polizeikontrollen. Wo ist der Tank. Wie ist denn das mit dem tanken? Petrol bekommt man an der Straße in Vodka und Whisky Flaschen, das hatte ich mir schon gedacht, als ich die gelb gefüllten Flaschen auf Regalen an der Straße gesehen habe. 1 Flasche = 1 Liter = 8.000 Rupieh. An Tankstellen ist es günstiger, aber die sind eher selten. Ob ich gleich hier an der Straße tanken will? Da der Tank leer ist, ja.
Ketut will meine Drivers License sehen und füllt die Papiere aus. Er bietet mir eine Versicherung an für 100.000 Rupieh. Selbstbeteiligung im Fall der Fälle 500 $. Ich frage ihn, wieviel denn so ein Roller eigentlich kostet, denn ich bin nicht sicher, ob das wieder so eine Abzocke ist. Naja, 100.000 Rupieh sind 7 € also egal. Ich mache es.
Gut, 550.000 Rupieh bekommt er dann. Jetzt? Jetzt! Soviel habe ich nicht dabei. Ich dachte, ich zahle erst den Probetag. ATM? Nein, meine Karte habe ich auch nicht dabei. Ketut kennt die Lösung, er fährt mich zum Hotel. OK, super.
Erstmal hält er am Petrolverkauf direkt am Parkplatz, erklärt das Tanken und wir lassen gleich mal zwei Flaschen in den Tank schütten. Dann geht's los, Ketut fährt, ich sitze hinten drauf. Er braust durch enge und engere Seit, wenn uns jemand entgegenkommt, mache ich vorsichtshalber die Augen zu. Keine Abkürzungen durch Seitengassen für mich in den nächsten 11 Tagen.
Am Hotel wartet Ketut geduldig, bis ich den Schlüssel aus meinem Zimmer geholt, das Tresorfach geplündert (die Schlüssel lassen sich nie beim ersten Mal drehen, meist brauche ich die Hilfe der Rezeption), den Schlüssel zurück gebracht und schließlich nachdem ich ihn bezahlt habe, nochmal ins Zimmer gelaufen bin, um meinen Schlüssel, den ich vergessen habe und der im Schloss steckt, zu holen.
Dann gehts durch dieselben verschlungenen Gässchen zurück. Während der Fahrt erklärt Ketut einiges, fragt mich auch, wo ich hinwill und ob ich eine Karte brauche. Manchmal bekomme ich nicht mit, was er sagt, weil ich die aktuell ablaufenden Geschehnisse zu beängstigend finde. Das kann ja heiter werden.
Ich übernehme den Roller am Parkplatz und fahre ganz langsam und ohne irgendwelche Abkürzungen zurück zum Hotel. Der balinesische Straßenverkehr ist auch so schon aufregend genug für mich.

Ich muss jetzt wieder Geld abheben, das könnte ich doch mit dem Roller machen? Ich fahre wieder zur selben Bank wie gestern. Das geht ganz gut, aber da heute Montag und nicht Sonntag ist, ist der Rollerparkplatz proppevoll. Mist. Ich habe Glück, direkt vor mir fährt jemand an der Seite raus. Da stell ich mich schnell hin. Der Parkplatzwächter kommt und fragt, ob ich parken will. Jup. OK. Ich bin schon auf dem Weg zur Bank, da kehre ich nochmal um und binde dem Roller das Schleifchen von dem Lavendelöl, das meine Schwester mir geschenkt hat und das mit auf Reisen ging, zum Einsatz gegen den Juckreiz bei Mückenstiche, als Erkennungszeichen an den rechten Spiegel. Man gut, ich hätte ihn sonst oft gesucht.
Das Geldabheben funktioniert wieder reibungslos. Zurück zum Roller. Jetzt wirds problematisch, nicht nur dass diese Straße viel befahren ist, was das Ausparken schwer machen wird, es macht auch ein Wendemanöver völlig unmöglich. Zudem scheint es eine Einbahnstraße zu sein, was hier nicht immer zweifelsfrei zu erkennen ist, da sich der Verkehr grundsätzlich über alle verfügbaren Spuren verteilt, auch die der Gegenrichtung. Später lerne ich, dass für Roller eh andere Regeln gelten.
Der Parkplatzwächter kommt, um mir beim ausparken den Verkehr vom Leib zu halten. Ich frage ihn, ob ich hier links, links und wieder links fahren könnte. Ja klar, kein Problem. Also parke ich aus und biege die erste Möglichkeit links ab. Ich fahre und fahre, aber es kommt einfach keine weitere Straße. Vermutlich habe ich sie übersehen, weil es sich wieder um so ein schmales Gässchen handelt, das für unsereins nicht als Straße erkennbar ist. Ich nehme das nächste Gässchen auf der linken Seite. Leider bin ich viel zu schnell und in der Gasse begegnet mir ein Schlagloch von Eimergröße und -tiefe . Oha, zum Glück nicht gestürzt. Dann ist es auch noch eine Sackgasse, na toll, also den Weg zurück.
Ich fahre am Ende des Gässchens rechts, passiere die Einbahnstraße, an deren Ende ich mein Hotel weiß und versuche irgendwann erneut rechts abzubiegen. Jetzt müsste ich schon halb auf dem Weg nach Denpasar sein. Nach mehreren Irrwegen finde ich endlich zurück zum Hotel. Puh, erstmal verschnaufen.
Ich bin nicht sicher, ob ich hier wirklich mit dem Verkehr und allem zurecht komme, wenn ich nicht einmal zur Bank und zurück fahren kann.

Gegen Nachmittag mache ich mich dann auf zu meiner ersten Tour. Ich will erstmal nicht ganz so weit fahren und habe mich deshalb für einen Besuch Bukit Badungs, der südlichen Halbinsel Balis entschieden.
Laut Reiseführer ist das ehemalige Fischerdörfchen Jimbaran mit seinem weißen Sandstrand, der Garuda Wisum Kencana Cultural Park, mit einer in Entstehung begriffenen 150 Meter Statue Vishnus sowie natürlich der Pura Luhur Uluwatu sehenswert. Die Karte im Reiseführer ist alles andere als präzise, also nehme ich mein Tablet mit, um Googlemaps verwenden zu können. Das hat auch den unschlagbaren Vorteil, mir zu zeigen, wo ich eigentlich bin.
An sich sieht die Strecke ganz einfach aus. In dieselbe Richtung wie heute morgen aus Versehen, dann kommt irgendwann eine große Straße, da rechts und am Flughafen vorbei. Soweit die Theorie.
In der Praxis kann ich nur links auffahren, ist nunmal Linksverkehr in Bali. Damit fahren ich in die falsche Richtung. Eine U-Turn Möglichkeit für Roller verpasse ich, da ich mich maximal 20 kmh zu fahren traue und deshalb ganz links am Rand bleibe. Bei der nächsten U-Turn Möglichkeit nach Ewigkeiten muss ich rechts rüber, was mit einem wahren Hupkonzert quittiert wird.
Als ich die Straße endlich Richtung Jimbaran verlassen kann, nachdem ich mehrmals links ran gefahren und meine Position auf dem Tablet gecheckt habe, bin ich heilfroh. Mir graut jetzt schon vor dem Rückweg. Um die Straße zu verlassen, muss ich wieder einen U-Turn hinlegen. Dann lasse ich mir noch ein Fläschchen in den Tank kippen..

Tankstelle auf balinesisch

Tankstelle auf balinesisch

Mein Rollerchen

Mein Rollerchen

Die Straße am Strand ist viel ruhiger. Ich erhasche immer wieder Blicke auf Sand, Meer und Fischerboote. Schon sehr schön. Als es touristisch wird und die ersten Westler auf der Straße auftauchen, parke ich den Roller und gehe durch ein weiteres balinesisches Steintor an den Strand. Die Kulisse ist schön, aber hier liegt tatsächlich jede Menge Müll. Da vergeht mir die Lust aufs schwimmen.
Zurück auf den Roller und wieder auf belebteren Straßen Richtung Cultural Park. Ich beginne Googlemaps zu lieben, aber alles in allem komme ich langsamer voran als gedacht. Als ich den Cultural Park erreiche, ist es schon ziemlich später Nachmittag. Hier wird irgendwie noch überall gebaut. Durchs sicher kostenpflichtige Tor oder doch zum Tempel. Denn irgendwann muss ich auch an die Rückfahrt denken, im Dunkeln will ich keinesfalls fahren, vor allem da es auch noch nach Regen aussieht.
Ich entscheide mich für den Puru Luhur Uluwatu.

Erster Stop Jimbaran

Erster Stop Jimbaran

Hier gibt's Müll am Strand...

Hier gibt's Müll am Strand...

Mein Schatten auf den Opfergaben

Mein Schatten auf den Opfergaben

Die richtige Entscheidung. Zum einen verlasse ich jetzt die belebteren Strassen, nach einer Weile wird es richtig ruhig. Die Straße führt durch den Dschungel, dort ist es auch merklich kühler. Immerhin habe ich lange Sachen an. So hatte ich mir das Rollerfahren vorgestellt.
Zum anderen ist der Tempel sehr schön. Auf einer hohen Klippe am Berg gebaut. Man kann hochsteigen und ihn betreten. Nur den innersten Bereich nicht. Natürlich kostet die gesamte Anlage Eintritt.
Rechts und links des eigentlichen Tempels führen Wege zu weiteren Klippen, von denen man ausgezeichnet fotografieren kann, bevölkert von Touristen und Affen. Mit letzteren habe ich beim fotografieren meinen Spaß, sie posieren teilweise wie Fotomodels. Die Affen wiederum haben an den Touris ihren Spaß. Sie wissen genau, gelingt es ihnen, denen etwas Wichtiges zu klauen, kommen Angestellte und tauschen es gegen Obst.
Leider fängt es an zu regnen, während ich noch auf den Klippen herumklettere, was ich gar nicht gut finde. Aber zum Glück bleibt es bei einem leichten Schauer.

Ein Sonnenstrahl trifft die Tempelpagode

Ein Sonnenstrahl trifft die Tempelpagode

Ja es war heiß und ja es waren viele Stufen

Ja es war heiß und ja es waren viele Stufen

Der ist cool oder Ronja?

Der ist cool oder Ronja?

Noch mehr Stufen aber diesmal abwärts

Noch mehr Stufen aber diesmal abwärts

Auch ein putziger Kerl

Auch ein putziger Kerl

Diesmal haben ich sie nicht gefüttert, sie hatten auch so genug

Diesmal haben ich sie nicht gefüttert, sie hatten auch so genug

Auch hier wird geopfert

Auch hier wird geopfert

Auch vor dem Eingang auf dem Parkplatz gibt es noch Sehenswertes,  das ist halt Bali, Insel der Götter

Auch vor dem Eingang auf dem Parkplatz gibt es noch Sehenswertes, das ist halt Bali, Insel der Götter

Ich fahre in der Dämmerung zurück, es geht schon besser, ich schaffe es auf 40 kmh und die Horrorstrasse passiere ich auch ganz glimpflich, diesmal muss ich ja auch nach links abbiegen.
Morgen geht's nach Ubud und Umgebung. Ich denke, ich komme aus hin irgendwie zurecht.
Im Hotel angekommen bin ich platt. Erstmal dusche ich mir den Straßendreck vom Leib, dann gehe ich wieder in die Poppies Lane 1 essen, diesmal ins treehouse. Schon gegen 10.00 liege ich im Bett und schlafe.

© Stefanie Förster, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich habe nie von einer Weltreise geträumt. Schockierend, ich weiß. Überraschenderweise unternehme ich jetzt aber eine. Wie es dazu kam, wo ich lande und wie es da so ist, das berichte ich Euch hier... Wer mag, darf mitlesen. Mein Blog richtet sich vor allem an meine Familie und Freunde, sowie an Ex Kollegen. ...naja und natürlich an mich selbst: eine Weltreise ist ein tolles Abenteuer liebe Steffi! ...nur Mut und einfach mal machen, wird schon schiefgehen ;)
Details:
Aufbruch: 11.01.2015
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 28.05.2015
Reiseziele: Sri Lanka
Thailand
Indonesien
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Mexiko
Deutschland
Malaysia
Singapur
Der Autor
 
Stefanie Förster berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
Reiseberichte von Stefanie sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!