Indonesien-Reisebericht :sieht so aus, als flöge ich um die Welt...?

Bali : 18.02. Bali

Eigentlich wollte ich heute um 8.00 schon surfen, um rechtzeitig nach Batur, zum Tempel Ulun Danur Batu, Berg und Kratersee aufbrechen zu können. Aber als der Wecker um 6.00 das erste Mal klingelt, unterläuft mir ein fataler Fehler und ich wache dann erst wieder um 8.00 auf. Mist. Dann eben heute kein Surfen.
Nach einem gemütlichen "Arbeitsfrühstück" mit meinem Blog mache ich mich auf den Weg. Es ist ja im wesentlichen die gleiche Strecke wie gestern, nur dass ich eben auf den anderen Berg muss. Erst läuft alles easy, heute sind es zwei groß angelegte Polizeikontrollen für Roller, die mir begegnen. Wieder zeigen die balinesischen Polizisten weder die Neigung, meinen Schlüssel zu wollen, noch Schmiergeld. So langsam komme ich zu dem Schluß, dass die Dame, die in ihrem Blog auf diese Neigungen der balinesischen Polizei hinweist, eventuell ohne gültigen Führerschein unterwegs war und entsprechend Bußgeld bezahlt hat.

Nachdem ich eine Weile der Straße Richtung Mount Batur bzw. Danaur Batur gefolgt bin, fängt es an zu regnen. Diesmal sehr stark, je höher ich komme, desto kälter wird es auch und bald bin ich komplett durchnässt und friere erbärmlich. Verzweifelt suche ich nach einem Platz, an dem ich mich unterstellen kann. Ein Baum bietet bei diesem Regen keinen Schutz. Unter dem Dach eines aufgegebenen Ladens halte ich schließlich an und wringe mich erstmal aus.
Nach einer Weile läßt der Regen etwas nach, sieht aber nicht so aus, als hätte es sich schon ausgeregnet. Zitternd klettere ich zurück auf den Roller und nehme den Rest der Strecke in Angriff. Zurück sind es 2 Stunden, den Tempel müsste ich innerhalb einer erreichen können. Vielleicht kann ich mich da irgendwo unterstellen. Ganz umsonst so nass geworden sein, will ich ja auch nicht.

Kurz vorm Ziel nehme ich auch noch eine falsche Abbiegung. Dadurch fahre ich eine ganze Weile in die falsche Richtung und muss dann wieder zurück. Meine Laune sinkt auf den Tiefpunkt. Endlich erreiche ich den Tempel, der völlig unspektakulär aussieht und den ich ohne das Werbedisplay, das seinen Namen anzeigt, womöglich gar nicht erkannt hätte. Als ich den Roller abstelle, kippt er auch noch um. Gegenüber vor dem Tempel ist ein kleiner überdachter Altar. Dorthin husche ich, um erstmal aus dem Regen zu kommen.
Ob ich den Tempel besichtigen will, fragt ein Einheimischer? Vielleicht. Dort drüben kann ich ein Ticket kaufen. Ja, Danke, erstmal bleibe ich hier stehen und versuche durch Willenskraft zu trocknen, was nicht so gut klappt. Ich komme mit dem Russen der neben mir steht ins Gespräch, er wartet hier schon seit 2 Stunden und die Einheimischen glauben wohl nicht, dass der Regen demnächst aufhört. Sie haben hier zu dieser Jahreszeit wohl täglich Regen. Na toll, warum sagt mir das denn niemand? Er ist immerhin trocken, da er mit dem Bemo, dem Bus, hier ist.
An einem der Straßenstände gegenüber hängt ein Regencape. Die werden mich jetzt zwar nach Strich und Faden ausnehmen, aber ich kann so nicht zurück fahren. 60.000 Rupieh will die Besitzerin dafür. 30.000 halte ich dagegen, es ist für mich ohnehin zu groß, daraus kann ich mir ja ein Zelt basteln. Sie selbst hat ja schon 40.000 dafür bezahlt, sagt sie. Dann holt sie ihr eigenes Cape aus ihrem Roller. Das kann ich für 35.000 haben und es passt wenigstens. Ich gebe mich geschlagen und kaufe ein gebrauchtes Regencape für 35.000 Rupieh. Einen mysteriösen Geruch nach Ziege gibt es gratis dazu und ausserdem Hilfe beim Anlegen des guten Stücks.

Bleibt die Frage, ob ich nun die Rückfahrt antrete, woanders hinfahre oder den Tempelkomplex besichtige. Aber nun bin ich bis hierher gekommen, nun will ich mir den Tempel auch anschauen.
Durch eine scheunenartige Halle werde ich zum improvisierten Ticketschalter geleitet. Stolze 35.000 Rupieh Eintritt, der teuerste Tempel bislang. So weit, so gut. Kaum habe ich das Ticket gekauft, winkt mich die Dame der Scheune zurück in selbige. Ich soll doch bitte einen Sarong kaufen. Den habe ich selbst. Dann soll ich ihn bitte anlegen. Also bodenlanges Regencape aus. Tuch, das auch klatschnass ist, an und Regencape wieder drüber. Ob ich eine Schärpe habe? Nein. Dann soll ich diese nehmen. Nein Danke, ich will keine Schärpe. Oh doch, ich muss eine tragen. Ich wehre den Versuch ab, mir selbige umzubinden. Bisher gab es noch in keinem Tempel einen Schärpenzwang. Doch, insistiert sie resolut, ich muss sie tragen, wegen dem Respekt. Ich soll auf sie hören, sagt sie. Von diesem Argument kurze Zeit ausgehebelt, lasse ich es zu, dass sie mir den nicht sehr sauberen, ausgefransten Fetzen gelben Stoffs umbindet. "You want buy/Du willst kaufen?" lautet natürlich ihre nächste Frage. Definitiv nicht. "then you rent/dann Du leihst - 20.000 Rupieh" Jetzt ist das Maß voll und mir platzt der Kragen. Wütend wickele ich mir die Schärpe ab und drücke sie der Verkäuferin in die Hand. Ohne die Schärpe darfst Du nicht in den Tempel. Ohne das kann ich nicht in den Tempel? Ich werde den Ticketverkäufer mal fragen.
Der will eindeutig nicht mit mir reden, er schaut mich nicht einmal an. Ich frage, ob ich eine Schärpe tragen muss. Antwort: Du kannst kaufen oder Du kannst leihen. Ja, aber muss ich eine tragen, um den Tempel besichtigen zu dürfen? Das verdoppelt ja fast den Preis. Up to you, kaufen oder leihen. Die Art, wie er einer direkten Beantwortung der Fragen ausweicht, und die Blicke, die zwischen ihm und der Verkäuferin ausgetauscht werden, machen mich erst recht sauer und ich habe ohnehin einen schlechten Tag. Ich bin es so leid, überall über den Tisch gezogen und wie Schlachtvieh behandelt zu werden. Fein, sage ich, hier ist das Ticket. Ich möchte mein Geld zurück, bitte.
Jetzt habe ich seine volle Aufmerksamkeit. Geld zurück, beharre ich, unter diesen Umständen möchte ich den Tempel nicht betreten und ich meine es bitter ernst. Nein, nein, dann ist es in Ordnung und ich soll eben so gehen.
Wer jetzt den Kopf schüttelt und denkt, dämlich mich wegen 20.000 Rupien so anzustellen, hat nicht unrecht. Es ging mir eher um die Art, wie ich behandelt wurde. Ich hasse es, wenn statt mit offenen Karten zu spielen, die Leute verarscht werden und wenn man versucht, mich aufs Kreuz zu legen. Meine Laune war zudem ohnehin schon unter Null.

Ich marschiere über die Straße und betrete den Tempelkomplex. Es sind viele Gläubige da, die von Tempel zu Tempel auf der recht großen Anlage gehen. In der Mitte des Hauptkomplexes findet sich ein beeindruckendes gespaltenes Tor. Vermutlich ist auch der Blick auf den Lake Batu bei Sonnenschein wunderschön. Leider scheint die Sonne nicht, es ist immer noch bewölkt und nieselt ab und an. Vielleicht liegt es daran, was vorher alles passiert ist, aber ich kann dem Tempel einfach nichts abgewinnen. Der Gedanke an die lange Heimfahrt bei weiterem Regen ist auch nicht gerade wärmend. Irgendwann bin ich alles in allem einmal durch die Anlage gelaufen und trete die Heimfahrt erneut im Regen, aber diesmal wenigstens im Cape an.

Je tiefer ich komme, desto wärmer wird es zum Glück. Da ich keine Neigung verspüre, morgen nochmal loszufahren, also heute meine letzte Tour mit dem Roller ist, beschließe ich, mal ein paar Filme mit der Actioncam zu drehen. Das will ich schon die ganze Zeit machen. Damit lösche ich dann leider alle Fotos meines gelungenen Ausflugs zum Ulun Danur Batu. Dafür habe ich ein paar Videos des balinesischen Straßenverkehrs aus meiner Sicht (schwächstes Glied und so), die ich meiner Mama bestimmt nicht zeige.
Es fängt immer mal wieder an zu regnen, aber in Denpasars Straßen ist es wenigstens warm. In Kuta kollidiere ich mit dem chinesischen Neujahrsfest. Straßen sind gesperrt oder nur einseitig befahrbar und ich versuche mein Ziel qua Iteration zu erreichen (klappt im Straßenverkehr genauso mäßig wie in der Mathematik). Irgendwann lande ich in einer gesperrten Straße, es geht weder vor noch zurück. Über die Köpfe der unzähligen Rollerfahrer vor mir sehe ich die chinesischen Drachenpuppen über die Straße tanzen.

Bis ich geduscht (warm!) und mich fertig gemacht habe, ist der Sonnenuntergang vorbei. Heute gönne ich mir ein Steak in einem Restaurant mit Livemusik, leider kommt es mit einem richtigen argentinischen RumpSteak irgendwie nicht mit.
Vorm Tattoo Shop läuft wieder eine Party, eigentlich könnte ich mich doch dazu setzen...tue ich aber nicht. Nur warum? Irgendwie fehlt mir dann noch eine gewisse Leichtigkeit des Seins.

© Stefanie Förster, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich habe nie von einer Weltreise geträumt. Schockierend, ich weiß. Überraschenderweise unternehme ich jetzt aber eine. Wie es dazu kam, wo ich lande und wie es da so ist, das berichte ich Euch hier... Wer mag, darf mitlesen. Mein Blog richtet sich vor allem an meine Familie und Freunde, sowie an Ex Kollegen. ...naja und natürlich an mich selbst: eine Weltreise ist ein tolles Abenteuer liebe Steffi! ...nur Mut und einfach mal machen, wird schon schiefgehen ;)
Details:
Aufbruch: 11.01.2015
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 28.05.2015
Reiseziele: Sri Lanka
Thailand
Indonesien
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Mexiko
Deutschland
Malaysia
Singapur
Der Autor
 
Stefanie Förster berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
Reiseberichte von Stefanie sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!