Indonesien-Reisebericht :Mit unseren Kindern um die Welt

Bali

Wir gönnen uns noch einmal ein paar Tage „Urlaub vom Reisen“, bevor es auf die letzte aufregende Etappe unserer Weltreise geht. Bali beginnt für uns im abgelegenen Westen. Der Strand ist hier nicht für Touristen vorbereitet. Die Jugend fährt Moped im Sand und der Abfall aus den Dörfern und aus der Meeresströmung der Java-Straße wird hier täglich mit anderem Treibgut angespült. Die Leute leben einfach damit. Der Kontrast folgt dann im Süden, der Touristenecke. Gut untergebracht, ohne Organisierungsdrang lassen wir hier unsere Gedanken schweifen – denken über unser Familienleben nach…

Unsere Gedanken

Noch einen Monat reisen – zehn Monate liegen hinter uns. Welche Gedanken gehen uns heute durch den Kopf? Angst? Freude? Unsicherheit? Kommen wir in unserer alten Heimat an, sind wir immer noch wohnungslos. Kita und Schule sind lediglich „reserviert“ – unsere selbstständige Arbeit können wir wieder aufnehmen oder auch nicht. Wir sind frei – selbst in Deutschland. Wollen wir überhaupt wieder nach Deutschland zurück? Nach Dresden? Wenn wir etwas ändern wollen in unserem Leben, dann jetzt. Noch ist alles möglich. Der perfekte Zeitpunkt. Es stand uns die ein oder andere neue Tür offen. Aber muss man denn alles anders machen nach so einer Reise?
Hier treffen zwei völlig gegensätzliche Meinungen aufeinander. Während Anja sofort bereit gewesen wäre einen ganz neuen Schritt zu gehen, hängt Mirko sehr an seiner Heimat. Dennoch müssen wir eine Entscheidung treffen und lassen unsere Gedanken in den letzten Tagen immer öfter um unsere Zukunft kreisen. Eine gewisse Nervosität kommt auf. Sind wir schon wieder im alten Trott? Wir fühlen uns ein wenig wie vor der Reise, wenn wir an Deutschland denken – irgendwie gefangen, eingeengt, festgefahren. Viel lieber reden wir über kommende Abenteuer, die wir in der großen weiten Welt noch erleben könnten. Ihr merkt es – unsere Gedanken sind noch sehr wirr und wir sind unschlüssig, wie es weiter gehen soll.

Wie lebten wir im letzten Jahr?

Einfach. Wir wohnten in einfachen Unterkünften – immer in einem Zimmer – meist alle in einem Bett. Wir hatten uns 24 Stunden am Tag – waren stets auf engstem Raum zusammen. Wir teilten uns mit einer Vielzahl von Ungeziefer unsere Schlafstätten – und das seit Russland, über die Mongolei und Hongkong, durch Südostasien, bis hin nach Australien und Neuseeland. Unser Tagesablauf war geprägt durch Einkaufen, Organisieren und Spielen. Leider gab es da einiges zu organisieren – Schlafplätze, Essen, Zug-, Bus-, und Flugtickets, die weitere Route, Geld – und das alles günstig und kindgerecht. Ein Aufwand, den wir völlig unterschätzten. Die restliche Zeit bestand aus Spielen. Wenn alles organisiert war und unsere Mäuse schliefen, dann blieb auch mal Zeit für uns – zum Nachdenken, Reflektieren, Schreiben, Fotos sortieren oder einfach nur zum Quatschen.

Homestay: Palwedel-Hütte im Mekong Delta

Homestay: Palwedel-Hütte im Mekong Delta

Was fehlte uns - worauf freuen wir uns?

Eigentlich reicht uns der Inhalt unserer zwei Rucksäcke zum Leben. Alles andere ist Luxus. Weder Kleider, noch Schuhe oder Spielzeug vermissten wir. Dennoch gibt es einige Dinge, auf die wir uns sehr freuen, wenn wir wieder in Deutschland sind:
Familie und Freunde
warmes, geruchfreies Wasser
eine ameisenfreie Wohnung
Schränke, in denen unsere Klamotten sortiert liegen
sonntags Tatort schauen, Theaterbesuche und Kino
regelmäßiger Sport

Anders als vermutet, fehlte uns das gute alte deutsche Schwarzbrot gar nicht so sehr. Dafür war das asiatische Essen einfach viel zu lecker. Nur in Australien und Neuseeland kam uns „unser“ gesundes Brot wieder in den Sinn. Dennoch freuen wir uns riesig auf eine eigene Küche und gesunde Mahlzeiten. Ohne E-Stoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe.

Und Selbstverwirklichung…
Wir spüren es, je länger wir unterwegs sind und je mehr Anregungen auf uns einwirken: Wir wollen endlich wieder selbst etwas anpacken, beruflichen Erfolg haben und viele neue Ideen umsetzen. Denn was bringt man denn außer einem familiären Benefit von so einer Reise noch mit? Es sind die vielen Beobachtungen, wie die Menschen anderswo ihr Geld verdienen, welche Ideen sie haben, wieviel Tageszeit sie mit ihrer Arbeit verbringen und unsere eigenen Ideen, die in kreativen Momenten entstanden.

Was für ein "Patent" - seit Jahrhunderten unverändert und bewährt.

Was für ein "Patent" - seit Jahrhunderten unverändert und bewährt.

Was werden wir vermissen?

Ganz klar. Wir werden das freie Leben vermissen. Einfach machen was uns gefällt und was uns in diesem Moment gut tut. Wir werden es vermissen, keiner Norm entsprechen zu müssen. Das warme Wetter wird uns fehlen und wahrscheinlich unsere Gesundheit – bis auf eine kleine Erkältung in Russland und Neuseeland und Durchfall in Bali, waren wir alle immer gesund.

Wir werden die Freundlichkeit auf dieser Welt vermissen – die wunderbaren Menschen in Australien, Südostasien, Russland und der Mongolei. Kinderfreundlichkeit und Offenheit – da haben viele Deutsche großen Nachholbedarf.
Wenn wir so darüber nachdenken, dann wird uns vieles fehlen, was unserer Seele gut tut. Fine und Willi konnten sich wunderbar und frei entwickeln. Sie wurden in keine Formen gepresst – erfuhren, dass Kinder etwas Wunderbares sind in anderen Kulturen – das Wichtigste und Wertvollste – und dementsprechend willkommen und geliebt. Willi kennt kein anderes Leben. Was wird er wohl denken, wenn ihn niemand mehr zurück grüßt auf der Straße? Die Verkäuferin grimmig guckt, statt zu fragen, wie es ihm geht? Die Bedienung im Restaurant die Augen verdreht, statt mit ihm zu spielen? Oh ja, wir werden die sie wirklich sehr vermissen – die Freundlichkeit außerhalb von Deutschland.
Und wir werden die Einstellung der Australier vermissen: „Das Reisen bildet unsere Kinder mehr, als so manches Schulfach.“ Was haben wir uns wohlgefühlt unter all den langzeitreisenden Familien. Die Schulen sind dort so ausgelegt, dass Kinder ohne Probleme mit ihren Eltern auf Reisen gehen können. Meist noch mit Oma und Opa im Schlepptau. Das entging natürlich auch unserer Fine nicht. In ihrem Kopf plant sie schon die nächsten langen Reisen – natürlich mit Omas und Opas. Mindestens einmal pro Woche fragt sie, warum das denn in Deutschland nicht geht und wer uns das verbieten kann. Ja, wer eigentlich?

Überall das gleiche - lange blonde Kinderhaare...

Überall das gleiche - lange blonde Kinderhaare...

Das liebe Geld...

Es gibt viele Familien die aussteigen – ein Leben auf Reisen führen mit all diesen wunderbaren Vorteilen. Auch wir durften ein Jahr lang diesen Luxus „frei sein“ erleben. Natürlich ist dabei ein großes Thema – das liebe Geld. Zwar ist unsere Art des Reisens immer noch günstiger, als ein Leben in Deutschland, aber dennoch müssen die Mittel dafür auch „übrig“ sein und irgendwie verdient werden. Es gibt so viele Blogs von Familien, die einfach unterwegs „hängengeblieben“ sind, aber es wird dabei nicht klar, wie sie dieses Leben finanzieren. Die Themen Einkommen, Sparen und Wechselgeld sind gerade sehr aktuell bei uns und einer 6-jährigen in all seiner Komplexität nicht immer leicht zu erklären.
Unsere Ersparnisse neigen sich dem Ende – wir haben diese nicht in die Anzahlung eines Eigenheims gesteckt, sondern gegen etwas Unbezahlbares eingetauscht – für unsere Familienzeit – und die bleibt uns für immer, unpfändbar – dafür teilbar!

Eine genaue Auflistung der Kosten einer Familien-Weltreise gibt´s am Ende unserer Reise.

© Anja Nemitz, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ein Jahr Familienzeit - wir schauen uns die Welt an. Mit zwei großen Rucksäcken bepackt, reisen wir so günstig und einfach wie möglich, wollen die Menschen kennen lernen und andere Kulturen hautnah erleben.
Details:
Aufbruch: 29.06.2015
Dauer: 12 Monate
Heimkehr: Juni 2016
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Mongolei
Hongkong
Vietnam
Kambodscha
Thailand
Australien
Neuseeland
Indonesien
Nepal
Der Autor
 
Anja Nemitz berichtet seit 24 Monaten auf umdiewelt.
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