Indonesien-Reisebericht :Thailand - Malaysia - Singapur - Indonesien. Ein Reisebericht von 1989

Jakarta/Tag 18: Schnell rein, schnell raus

Am Morgen sitzen wir wieder im Büro von Air Master Travel und besorgen uns das Jakarta-Ticket für den Flug am Nachmittag. Obwohl wir inzwischen nicht einmal drei Wochen unterwegs sind, ist es schon ulkig, blonde holländische Stewardessen um uns herum zu erleben. Wir sind mit KLM unterwegs, einige der Fluggäste sind bereits seit Amsterdam an Bord und mit ihnen überfliegen wir nun - eine Premiere für Karin! - den Äquator. Die zugehörige Taufe besteht aus einem feuchten Kuss.
Der Flughafen in Jakarta ist ein Unikum. Es ist nicht die übliche Panzerschrank-Architektur, sondern eine Ansammlung einzelner im traditionellen javanischen Stil errichteter Gebäude, kenntlich etwa an den Walmdächern, die in der Mitte kaminartig ansteigen, oder den Säulen, die mit Pflanzenornamenten überzogenen sind. Zoll- und Passkontrollen gehen problemlos vonstatten, den Bus zum Bahnhof brauchen wir nicht lange zu suchen, sitzen dann aber noch eine halbe Stunde drin - selbstverständlich läuft der Motor die ganze Zeit -, ehe er sich endlich in Bewegung setzt.
Wir wollen uns im stressgeladenen und stickigen Jakarta nicht lange aufhalten, sondern gleich weiterfahren in die sicherlich geruhsamere Provinz. Der erste Eindruck von der Stadt bestätigt unsere Informationen: die Betonfassaden, die löchrigen Straßen und zertrümmerten Fußwege, das unsägliche Verkehrsgewühle, der Qualm, der Lärm, der Dreck. Der Vergleich mit dem sterilen Singapur drängt sich auf und es ist am Ende nicht leicht zu sagen, was einen weniger anzieht.
Die Dunkelheit ist nun mit einem Schlag hereingebrochen. Um vom Bus aus einen Blick auf die beleuchtete Spitze des Nationaldenkmals, eine mit Gold überzogene Flamme, erhaschen zu können, muss man sich ziemlich verbiegen - und schafft es trotzdem kaum: Es handelt sich um einen 100 Meter hohen Obelisken.
Gambir, der Bahnhof, liegt schon fast um die nächste Ecke. Eine Schar von Taxifahrern fällt über uns her, als wir den Bus verlassen; sie wollen es nicht wahrhaben, dass wir zum Bahnhof gekommen sind, um einen Zug zu besteigen. Aber dann wird es für uns kompliziert. Denn um ein Bahnticket zu erhalten - wir wollen in die Stadt Cirebon -, braucht man absurderweise die Bescheinigung einer so genannten Touristeninformation. An "Information" im praktischen Sinn ist dabei nicht zu denken, niemand hinter diesem Schalter spricht Englisch oder Französisch, aber darum geht es gar nicht: Sie wollen nur unsere Passdaten. Es lebe die Bürokratie. Mit einem abgestempelten Papier klemmen wir uns dann in die Schlange vor einem der Fahrkartenschalter. Um freilich überhaupt dorthin zu gelangen, müssen wir mehrere von Zügen bestandene Gleise überqueren, heißt, auf einer Seite ein- und auf der anderen wieder aussteigen. Bei 35 Grad und den Rucksäcken auf dem Buckel gerät man dabei sogar ins Schwitzen. Und wo immer wir auftauchen, ist uns die Aufmerksamkeit der Umstehenden oder -sitzenden gewiss.
Die Schalterwanderung geht noch weiter, als wir feststellen, dass das Ticket, das wir gekauft haben, nicht richtig ausgestellt wurde. Warum gehen wir bloß wieder zurück zu jener "Information", wo man natürlich keine Ahnung hat? Und wir klettern wieder durch die Züge, quetschen uns wieder in die Schlange und nehmen, immerhin, das entschuldigende Lächeln des Kartenverkäufers entgegen. Das neue Ticket kostet seltsamerweise kaum weniger, obwohl es nur bis zur Hälfte der Strecke des alten reicht. Mehrmaliges Nachfragen ist wiederum sinnlos.
In der 2. Klasse unseres Zuges herrscht beschauliches Chaos, die Sitze sind einigermaßen bequem, sogar Kissen werden verteilt, und es geht pünktlich(!) los, wenn auch in einem extremen Bummeltempo. Statt der veranschlagten drei werden es dann vier Stunden, bis wir Cirebon erreichen.
Cirebon ist zugleich die erste Haltestation auf der Strecke. Wir sind neugierig, ob noch ein lebendes Wesen auf der Straße ist. Die Ungewissheit dauert aber nicht lange. Als wir den Bahnhof verlassen, bestürmen uns Rikschafahrer und wie sich's für mitternächtliche, ortsunkundige Ankömmlinge gehört, werden völlig überhöhte Preise genannt. Aber wir sind zäh, im Handeln zumal. Dass es zum Hotel Asia dann aber doch bloß fünf Minuten Laufweg gewesen wäre, macht jeden noch so gut ausgehandelten Preis zu Makulatur.
Die Nacht ist angenehm, das Hotel im Ganzen auch, die Zimmer leider winzig und ohne Ventilator, außerdem besteht der obere Teil der Wände ringsum nur aus Fliegengitter. Statt Duschen gibt es große Wasserbehälter mit Schöpfkellen, so genannte mandis. Vor unserer Tür schwatzen noch zwei ältere Leute, ihre Stimmen widerhallen im Flur und im Innenhof.

Javanischer Bootsbauer.

Javanischer Bootsbauer.

© Peter Kiefer, 2005
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Die Reise des Jahres 1989 ist ein wenig lückenhaft dokumentiert. Erstens streikte mein Fotoapparat zeitweilig, zum anderen hat der Atem des Tagebuchs nur etwa vier Wochen gereicht. Dennoch erfährt man einiges: die Begegnung mit einer Dorfgemeinschaft der Iban in einem Langhaus auf Sarawak, ebenso die mit einem javanesischen Sultan oder auch Einzelheiten einer Verbrennungszeremonie in einem balinesischen Dorf.
Details:
Aufbruch: Juli 1989
Dauer: circa 5 Wochen
Heimkehr: August 1989
Reiseziele: Thailand
Malaysia
Singapur
Indonesien
Der Autor
 
Peter Kiefer berichtet seit 12 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Peter über sich:
Ich heiße Peter Kiefer, bin 1951 geboren, war noch im Schulalter, als ich mich zum ersten Mal in der Welt umgesehen habe, damals in der westlichen Sahara, bin in den Folgejahren den so genannten Hippie-Trail nach Nepal hinauf- und hinuntergetrampt, habe später mit meiner Freundin andere Länder und Kontinente bereist, am liebsten das schwarze Afrika und habe auch heute noch nicht alles verlernt. Ich arbeite als freier Hörfunkjournalist und lebe in Berlin.