7.1.2007, 19.04h, mui ne, vietnam
cambodia - ein blick zurueck
ich bin muede, von einem land, in dem der krieg nicht aelter ist als ich. einstmals grosse staedte - voller pracht, reichtuemer und kultur - sind zu ruinen geworden: verwaist und leer, verlassen und zerfallen. das casino hoch oben auf den bergen von bokor: ueber allen dingen, umgeben von dschungel, meer und weite - dem himmel so nah und doch ruine. die strassen dort hin: verwaschen, zerrissen, tief durchfurcht und stellenweise gaenzlich verschollen. muehsam der weg nun. scherben, wo man hinsieht. was ein krieg aus einem so lebendigen land machen kann...
die schaedel und knochen der menschen, die reihe um reihe hinunter geworfen wurden, in die tiefen der hoehlen.
killing caves.
endlose gaenge, viele kilometer dunkelheit, die cambodia mit thailand verbinden. unterirdisch, durch die berge. der weg zur flucht in eine andere welt. heute verschuettet, aber immer noch da.
einfaches leben, dessen inhalt im ueberlegen liegt. essen, schlafen, waschen. arbeit von hand. hand in hand.
familie und dorfgemeinschaft. leben mit tieren - unter einem dach. leben in huetten, im staub der strassen, dunkelrot. kleine haeuser auf stelzen gebaut - inmitten von minen. kleine kinder laufen hier - wild und frei - spielen. und doch kann jeder schritt zu viel sein, kann jeder schritt heissen einen arm, ein bein oder ein ganzes leben zu verlieren. fern liegen die mines cleaned areas fuer die menschen hier. alltag mit minen.
leben mit dem licht. erste feuer noch vor sonnenaufgang. kochen und essen. ernten, essen und markt.
menschen in waessrigen reisfeldern im gluehen der sonne. zartgelbe strohhuete und tuecher aus karo und streifen. umm den kopf gebunden und den mund. schutz vor sonne und staub.
ochsenkarren, sensen und sichel. viele jahre zurueck, wenn man an europa denkt. kein fliessendes wasser. balken ueber den schultern, an deren enden wasser in eimern getragen wird. koerbe voller fruechte und riesige geflochtene tafeln, die voller lebensmittel und dinge von den frauen auf den koepfen getragen werden. eisbloecke auf karren, die durch den ort geschoben werden. eisbloecke saegen. kuehlboxen aus plastik und schaumstoff, in denen getraenke in dosen gekuehlt werden. plastik und muell vermischt mit staub und schlamm. tiere auf den strassen und in den haeusern. kinder, die katzen humherwerfen, ihnen an schwanz und beinen ziehen und zerren. ein hahn mit zusammengebundenen fuessen, der im pick-up zwischen unsere beine geworfen wird. auf zum markt - lebendig ist er mehr wert als tot. immer wieder fallen irgendwelche sachen und gepaeckstuecke auf ihn. ein leichtes auffaltern, aber ansonsten ergibt er sich seinem schicksal. huehner - klein und grade geschluepft - zusammengequescht in einem kaefig, dessen draehte offen in alle richtungen ragen. auf's moto geklemmt, durch stadtverkehr und kreuz und querr.
menschen, die auf strassen und seitenraender pinkeln und scheissen. schwarze haende, die eben noch kohle auf den kleinen tonofen nachgelegt haben, bereiten unser essen zu. vollbeladene pick-ups: menschen und dinge, zusammengeschnuerrt, viele stunden ueber unwegsame strassen und wege.
bunte fruechte: dragonfruit, mango, jackfruit, papayas, ananas, bananen, guaven, orangen, mandarinen, grapefruits und unbekanntes.
leben in einem raum. eine ganze familie schlaeft in einem bett ohne matratze. kleider auf alten naehmaschinen genaeht. frauen, die mit vertrauten handgriffen motoradreifen flicken und dabei wissen, was sie tun. kleine laeden, die zugleich zu hause sind. waesche ueber zaeunen, die trocken soll - im rauch und staub. kinder auf viel zu grossen fahrraedern - manchmal zwei oder drei.
motos: dicht gedraengt und kreuz und querr in den staedten. tuktuks, die gegen die fahrtrichtung fahren, gegen den strom der massen. hupen und einfach seinem weg folgen. zusammenstossen, hinfallen, aufstehen und weiterfahren. alkohol am steuer und das nicht zu knapp.
handel auf markt und strasse: how much you pay me? i can make discount for you. what is your last price? is very cheap (schieeeb) for you. 1$. how much you buy? i want to sell to you. i can discount for you. no, non, no. 5$. und dann geht man und sie kommen hinter einem her gerannt - egal ob man das ding will oder nicht. tuktuk? do you need moto? i can show you arround - auch wenn man nur ueber die strasse oder auf's klo will. uns: i make you very happy. ok,ok,ok, wenn sie kein wort verstanden haben und $ statt riel, die landeswaehrung.
haeuser auf dem wasser: auf stelzen und stoeckchen, auf booten, auf bambus. blech und plastik und alles, was man finden kann. fischernetze und kraehne. leben auf wenig raum. barken und boote, von haus zu haus. spiegel und waschschuessel neben fernseher, haengematte und kuechensachen. alles in greifweite. schmal und eng. fische und pflanzen zum leben. wasserlilien, aus denen sie sour soup kochen.
maenner: klein und dunkelhaeutig. lange fingernaegel. sie lieben liebeslieder singen karaoke. aufdringlich - in bussen, auf pick-ups, auf der strasse, im gedraenge und auf partys. dankenswerter weise schwaecher als wir, sodass wir uns auch handgreiflich wehren koennen, wenn wir an den worten scheitern. filigran und fein im koerperbau und in ihren bewegungen. rosen auf kleiung und hueten, pink selbstverstaendlich. wie westlich doch mein maennerbild dagegen gepraegt ist.
h.i.v. - ueber 60 prozent an machen orten. malaria und lebensmittel, die wir nicht vertragen. bumbum - maenner die ihre frauen und kinder verkaufen. massagen mit happy end.
auf der anderen seite: europaer und amerikaner, die das durchaus zu schaetzen wissen. ein dicker, alter mann, mit unverkennbar deutschem akzent, dem das geld aus den taschen haengt, sucht sich auf offener strasse ein maedchen aus: klein,zierlich und verdammt jung. schweiz laeuft ihm vor lauter fett ueber den nacken. wooah, ist das widerlich! und wahnsinnig dazu: 60 prozent h.i.v. positiv!
eine halbe schulklasse, die vor uns steht; ich stehe ihnen gegenueber und denke: 60 prozent. du? du? oder du? man weiss es und doch auch nicht. dem ploetzlich so nahe zu sein...
und immer wieder wirklich bildhuebsche frauen mit verdammt schoenen gesichtszuegen! ueber die wir uns immer wieder freuen, sie einfach zu sehen.
massagen - ohne happy end - fuer uns. und die ruinen von ankor wat. tempel und moenche, raeucherstaebchen und buddas.