3.4.2008, 4.01h, phnom peng
im meer der flammen: silvester 2007/08 (kampot)
eigentlich fing der tag ganz nett an - mit marktbunt und durch tolle sachen wuehlen, geld ausgeben und sich ueber kleine dinge freuen. in den tag hinein treiben lassen und abends in aller ruhe essen gehen, in einem kleinen restaurant, in dem wir tags zuvor schon gegessen hatten. ganz gediegen, ohne grosse party auf rabbit island, zu der wir tausend und drei mal eingeladen worden sind (unser erfahrungsbedarf an kambodschanischen maennern ist zu genuege gedeckt). so zumindest unser plan.
einen ersten daemfer haben wir erlebt, als wir fleissig fast all unser geld ausgeben hatten und neues holen wollten: eine der beiden banken nahm nur ihre eigenen kreditkarten und die andere hat urlaub gemacht - bis mitte januar. das war's dann wohl mit neuem geld, lecker essen gehen und tun und machen und lassen, was wir wollen. die letzten dollar haben ziemlich genau fuer unser hotel und die fahrt nach phnom penh am naechsten morgen gereicht. fuer den nachmittag war das nicht so schlimm - wir sind einfach den fluss ein bisschen weiter aufwaehrts gefahren, auf palmen geklettert und an lianen ins kuehle nass geschwungen. anschliessend chill out im utopia, wo zwei wir ein amerikanisches paaerchen, dass in china lebt und hier urlaub macht, besucht haben. guter plan - das war toll!
abends zurueck, sassen wir im hotelzimmer und haben ueberlegt, was wir machen sollen. darauf pokern, dass wir den busfahrer soweit runter handeln koennen, dass es zum essen gehen ohne trinken reicht? einfach am ufer lang schlendern und uns bei der frau um die ecke einen fruitshake zum mitnehmen lassen machen? als wir jaeh unterbrochen wurden: stromausfall - wir sitzen im dunkeln. halb so wild - kerzen raus (eure weihnachtskerzen aus den paketen sind gold wert) und weiter im text, als es wild an unsere tuer haemmert und aufgeregt zu uns spricht. ob sie vielleicht eine unserer kerzen durch das fenster gesehen haben und brauchen, ueberlege ich. wild gestikulierend steht sie vor uns, die dame des hotels, als wir die tuer oeffnen. im hintergrund menschen die rennen, taschenlampen und alles im aufruhr. sie versucht uns klar zu machen, dass wir raus muessen. feuer! und mit einem schlag, ist mir klar, warum wir keinen strom mehr haben und woher das licht von draussen kommt: riesige flammen. ich greife nach meinem pass und puste die kerzen aus, sodass wir jetzt im dunkeln stehen. was fuer ein dummer reflex! einen moment bin ich voellig orientierungslos. wir suchen unseren weg nach draussen und werfen einen pruefenden blick auf die flammen. einfach riesige flammen und alles brennt. dennoch: unser zimmer liegt unten im erdgeschoss, ziemlich direkt am ausgang, die flammen nicht zu nah. die zeit sollte reichen, um unsere sachen zu packen. wir gehen zurueck und greifen zitternd im dunkeln nach allem, was wir finden koennen und stopfen es panisch in unsere rucksaecke. irgendwo dabei faellt meine kamera vom bett herunter. die zweite dieser reise, kaum einen monat alt. das war's dann wohl mit fotos, aber daran denke ich in dem moment nicht. irgendwann habe ich meine taschenlampe in der hand. die letzten handgriffe mit licht und raus. die vergitterten fenster und tueren zuruecklassen. was fuer ein wahnsinn, denke ich, weil, wenn es nachts brennt und hier alles abgeschlossen ist und es den menschen mit dem schluessel trifft, kommt hier niemand mehr raus. aber jetzt sind die tueren offen und ein paar sekunden spaeter stehen wir mit unseren rucksaecken in riesigen menschenmengen. die halbe stadt ist gekommen, um zu sehen, was geschieht. die strassen sind voll. funken fliegen ueber die daecher hinweg. nach vielleicht zwanzig, dreissig minuten kommt ein loeschwagen mit einem wassertank angefahren, der sich durch die meschenmassen schlaengelt. aus der ferne beobachten wir, wie ein paar maenner vom dach des nachbarhauses wasser in die flammen schuetten. so lange, bis der wassertank leer ist. danach bewegt sich das feuerwehrauto gen fluss, um neues wasser zu holen. was fuer ein wahnsinn, in einem zur zeit trockenem land mit ein bisschen wind. das schaffen sie nie. neben mir steht eines der kleinen maedchen, deren familie das hotel gehoert. zitternd, aengstlich, hoffend und betend. ich nehme sie in den arm und hoffe mit ihr. fuer einige menschen brennt hier ihre existenz - ohne ausblick auf materiellen ersatz, ohne versicherungsschutz oder aehnliches. in meinen ohren klingen nadjas worte irgendwie scheinen wir erfahrungen zu machen, die andere touristen nicht machen. wie wahr, wie wahr. wir haben es wieder einmal geschafft. immer dann, wenn asien grade anfaengt richtig nett zu sein, passiert irgendetwas, dass uns uns wo ganz anders hin wuenschen laesst.
da wir hier nicht viel tun koennen und mehr im weg rum stehen als alles andere, verlassen wir das sinkende schiff. mit unseren rucksaecken tigern wir richtung innenstadt und zentrum. wir haben immer noch nichts gegessen und getrunken. essen gehen ist gestorben - mal abgesehen davon, dass wir es uns grade nicht leisten koennen, ist uns auch nicht mehr danach. einheimisch und lokal - dafuer sollte unser kleingeld noch reichen. hoffen wir. und ich wuensche mir internet - nicht lange, aber einfach ein paar minuten vergessen, was grade ist, meine post lesen und vielleicht zu hause anrufen. aber nicht mal das klappt grade mehr. die verbindung des einzigen offenen internetcafes an diesem abend ist so lausig, dass selbst mein mailprogramm fast eine halbe stunde braucht, um sich aufzubauen. naja, schlimmer werden kann es grade sowieso nicht mehr, denke ich irrtuemlicher weise. denn die kroenung liegt im essen: wir bestellen wie immer das, was sie haben. hat bisher prima geklappt und wir sind mit exotischen, bunten und abwechslungsreichen dingen verwoehnt worden. heute abend bekommen wir reissuppe, die nicht lecker, aber immerhin essbar ist. dazu frittierten gefriertrockneten fisch, der einfach nur widerlich schmeckt und sonderbar hart gekochte eier, die mich nur beim probieren fast auf den teller kotzen lassen. einfach nicht unser tag. als dann noch einer fragt, ob es delicious ist, geht nichts mehr. wir zahlen einfach nur und gehen.
zurueck zum hotel, wo wir nicht wissen, was uns erwarten wird. als wir in die strasse einbiegen, ist alles ruhig. kein mensch mehr zu sehen, nur die hunde jaulen. unser zimmer steht noch - sie haben es tatsaechlich geschafft - und wir koennen darin schlafen. was fuer eine gnade nach all diesen furchtbaren stunden. und doch schlafen wir nicht gut. wissen wir doch um die gitter, die uns umgeben. und wer weiss, ob das feuer wirklich aus ist.
mitternacht: kein feuerwerk, kein sekt, kein bisschen der abend, den wir uns erdacht hatten. aber wir leben noch. happy new year!
am naechsten morgen verlassen wir die stadt. die frau aus dem hotel schenkt uns noch etwas wasser und der fahrer des voellig ueberladenen vantaxis, der uns mitnimmt, ist mit unserem letzten geld zufrieden.
phnom penh
da sind wir. nun seit drei tagen: viel markt und klamotten naehen lassen, die wir eben abgeholt haben. ein bisschen enttaeuschend - hatte ich mir doch vorgestellt, dass kleider von schneiderhand einfach wie angegossen passen muessten, was sie definitiv nicht tun. sonderbare falten und polster, hier und da verdammt knapp und... dabei haben sie voll viel gearbeitet und viele details sind wundervoll. ich waere so gerne begeistert davon.
gestern haben wir uns erfolgreich das erste mal mit irgendeinem essen vergiftet, sodass wir sehr dankbar waren, dass wir unseren klamotten zu liebe einen tag laenger hier geblieben sind. nach einer nacht, in der wir mehr zeit ueber und auf der kloschuessel verbracht haben als im bett, waere eine bootstour das mekong delta hinuter vielleicht nicht ganz das richtige gewesen. die faengt jetzt morgen an und alle sagen, dass es voll schoen sein soll. deswegen haben wir uns vorgenommen uns einfach wie ganz normale touristen zu benehmen, sodass einfach alles klappt. ohne lustige abenteuer und feuer und vergiftungen, die kein mensch braucht. und sogar das wetter soll wieder besser werden. jaja. und mit dem tag ist auch das essen und ein bisschen energie zurueck gekommen. asien, von dem alle schwaermen - wir kommen!