Aber erstmal muss man durch den Grenzübergang. Kaum hatten wir unseren Ausreisestempel von Thailand und kamen bei Kambodschas Grenze an, stürmten auch schon gleich mehrere Männer auf uns zu, sprachen uns auf Deutsch an und nahmen unsere Pässe entgegen und füllten den Papierkram für uns aus. Uns war gleich klar, so viel aufgedrängte Hilfsbereitschaft kann nicht umsonst sein. Kaum hatten wir unsere Pässe und Visum wieder, wollten die netten Herren für ihre Dienste auch gleich jeder 250 Baht (etwas mehr wie 5 Euro). Wir haben das Ganze asiatisch gelöst: mit breitem Lächeln im Gesicht, viel Humor, aber bestimmter Weigerung zu zahlen, da ja von Bezahlung nie die Rede war und haben dann beiden zusammen 20 Baht für ihre Mühen gegeben. Und dann ging es schon gleich sehr asiatisch weiter:" Taxi, Taxi, Taxi!" "Moto, Moto, you want a Moto?" "You have a hotel? I know a good one, cheap, cheap!" Das einzige was man da machen kann, ist nicht genervt werden, immer schön lächeln und erstmal alle freundlich ablehnen (das kann allerdings schon mal 'ne Weile dauern!), erfolgreich war ich bei der asiatischen Hartneckigkeit auch immer mit Sprüchen wie:"Nein danke brauch kein Tuk-Tuk, habe zwei schöne starke Beine!" Wenn man dann alle losgeworden ist, kann man sich erstmal orientieren (wie weit ist es denn bis zu meinem Hostel, brauch ich wirklich ein Tuk-Tuk, wohin will ich, wieviel zahl ich denn höchstens!) Und dann sucht man sich einen und dann geht das Feilschen los. Hartnäckigkeit mit einem breitem Grinsen im Gesicht zahlt sich oft auch, auch wenn man genau weiß wie weit es ist, gerne wollem einen die Tuk-Tuk Fahrer weiß machen, dass es statt der tatsächlichen 2km bis zum Hotel 5km ist. Auch ein erstmal Ablehnen und Weggehen hilft, plötzlich nehmen sie einem dann doch zu dem niedrigen Preis mit, der mit Sicherheit immer noch höher ist, was die Einheimischen zahlen würden!
An zwei Dingen merkt man sofort, dass man in Kambodscha und nicht mehr in Thailand ist. Man sieht viel mehr Kinder (ca. 47% der Bevölkerung ist unter 20 Jahren!) und viel mehr Motos (so heißen hier die Roller und Mopeds) und Fahrräder. Gerne wird an den Motos, aber auch an anderen fahrbaren Geräten, die südostasiatische Kunst des völligen Überbeladens praktiziert.
die asiatische Kunst des Überbeladens!
Unglaublich was da so alles drauf paßt, mehrere Schweine, 'ne ganze Kuh oder 'ne komplette "euopäische" Familie (zwei Erwachsene, zwei Kinder)!
Der REKORD (in Vietnam gesehen! leider etwas unscharf, da ich selber hinten auf 'nem Moto draufsaß!), 6 Menschen, eine Frau mit 5 Kindern, bis auf einen sahen sie alle glücklich aus!
Faszinierend ist auch zu sehen, wie grazil Frauen im Damensitz hinten auf einem Moto sitzen, sich kaum, wenn überhaupt, festhalten und nicht runterfallen und auch nicht ihre nur locker über die Füße gestülpten Sandalen verlieren.
Erster geplanter Stop in Kambodscha war Chi Phat, ein kleines Dorf an einem Fluß ca. 4 Stunden vonKrong Koh Kong entfernt, wo wir die erste Nacht verbracht haben. Morgens kam einer zu ins Hotel und bot uns ein Taxi an, das uns zu dem Ort bringen sollte, von wo das Boot nach Chi Phat abfährt. Mein Bruder und ich haben uns dann für die teurere Taxivariante entschieden, damit wir rechtzeitig beim Boot sind, da dass nur einmal am Tag fährt. Also sind wir für 6 Dollar pro Person ins Taxi mit unserem Vermittler gestiegen. Wir haben nur leider den Fehler gemacht, den Vermittler gleich zu bezahlen (er wollte das Geld vorher haben, da er nicht mitfährt und der Taxifahrer kein Englisch kann und damit es hinterher keine Probleme gibt, HAHAHA selten hinterher so gut gelacht!) Erstes Problem, unsere Rucksäcke haben nicht in den Kofferraum gepasst, der war nämlich schon zur Hälfte mit Wellblechbrettern gefüllt. Wir haben uns schon gewundert, warum der Taxifahrer sie patu nicht zu mir auf den Rücksitz stellen wollte. Also oben auf die Wellblechbretter drauf, Kofferraumklappe so weit es geht zu gemacht und alles mit 'nem Seil festgebunden. Dann ging es los, aber nicht in Richtung Chi Phat, sondern wo anders hin, wo noch ein Keyboard, ein PC Bildschirm und mehrere Kisten eingeladen werden sollten. Nach fast 'ner halben Stunde probieren war klar, das passt nicht alles rein ohne dass das Keyboard zu Schaden kommt. Also hat unser Vermittler ein neues Taxi für uns gerufen. Das kam dann auch, Rucksäcke umgepackt, wir mit dem Vermittler ins neue Taxi und los, erstmal zum Busbahnhof. Dort verabschiedete sich unser Vermittler. Unser neuer Taxifahrer setzte sich dann hinten zu mir auf die Rückbank, stellte uns seinen Neffen vor, dem das Taxi gehörte und erklärte wir müssen jetzt noch 5 Minuten warten, da der noch was essen müsse. Ok, gegen 5 Minuten spricht ja nix, es stellte sich aber herraus, dass sein Neffe nix essen wollte, sondern warten bis das Taxi auch wirklich voll ist und die Fahrt sich für ihn richig lohnt. In Kambodscha ist das nämlich so mit den Taxis, entweder bezahlt man das Taxi für 5 Personen (dann zählt es als voll, man kann aber noch mehr reinpacken!) oder man nimmt ein Sharedtaxi, zahlt nur für sich, muss aber dann warten bis noch weitere Gäste kommen. Wir hatten aber mit unserem Vermittler was anderes ausgemacht, der war nur nicht mehr da und hatte die Hälfte unserer Bezahlung eingesteckt und für nur 6 Dollar wollte das Taxi uns nicht alleine befördern. Die Minuten verstichen und wir befürchteten immer mehr unser Boot nicht zu erwischen. Nach langem Diskutieren ist dann unser Taxi aber dann doch endlich nur mit uns losgefahren. Allerdings immer noch nicht in Richtung Chi Phat, sondern erstmal in die Werkstatt. Ein Rohr war nur provesorisch festmontiert und löste sich immer wieder und musste befestigt werden. Das ging dann wieder 'ne halbe Stunde (mein Bruder kurz vorm Explodieren, soweit reichte dann seine Geduld doch nicht!) Dann endlich war das Problem asiatisch gelöst, das Provesorium wurde durch ein besseres Provesorium ersetzt und wir konnten losfahren. Allerdings musste unser Taxi nach nur 'ner viertel Stunde rechts ranfahren, das Rohr hatte sich nun am anderen Ende gelöst. Mir war sofort klar, die haben kein Werkzeug, keine Ahnung und wenn wir noch rechtzeitig ankommen wollen, dann muß man selber Hand anlegen. Also schweizer Taschenmesser gezügt und Dominique hat sich an die Arbeit gemacht. Es war aber klar, die Schraube hält nicht wirklich, aber mein Bruder hatte noch die klasse Idee, das Ganze mit Leukoplast (meinem eigenltichen Klettertape, unglaublich für was ich das schon alles benutzt habe, kann ich jedem Reisenden empfehlen immer genügend davon im Gepäck zu haben!) festgeklebt.
Tja, das gibts nur in Südostasien, wo man sein Taxi selber reparieren muss!
Und dann ging mal wieder weiter, nach der Hälfte der Fahrt mußten wir dann nochmal ein kleines Stück zurückfahren, da wir dann aus einem kleinen Dorf doch noch zwei weitere Fahrgäste mitnehmen mussten, unsere Taxifahrer waren glücklich, ich hinten etwas eingequetscht, war ich ja aber schon von Mittelamerika gewohnt. Dann wurde nochmal mitten in der Pampa angehalten. Ein anderes entgegenkommendes Taxi hielt auch an. Ein kurzer Plausch, dann wurden die Fahrer ausgetauscht (diese Taxiunternehmen scheinen alle eine große Familie zu sein!) und dann: unglaublich aber wahr, waren wir am Ziel und wir haben sogar unser Boot noch bekommen!
Während wir auf die Abfahrt des Boot gewartet haben, habe ich mit meinem Rucksack für etwas Erheiterung gesorgt. Daran waren nämlich meine Wanderstöcke befestigt. Die Kambodschaner wollten immer wissen für was diese Stöcke sind. Mit Händen und Füßen habe ich das dann immer erklärt. Die haben sich dann immer totgelacht, Wandern zum Spaß machen in Kambodscha eh nur die Touristen und dann noch mit Stöcken, die brauchen doch nur sehr alte Leute als Gehhilfe...
Dann ging es mit dem Cargoboot nach Chi Phat. Und wie bei allen Booten hier, fließt immer Wasser in das Boot, meistens den Motorraum. Bei kleineren Booten, schöpft man das dann immer mit einem Behälter raus. Unser Boot war "moderner", es gab eine Pumpe, die permanent Wasser aus dem Motorraum gepumpt hat. Das hat allerdings nicht ausgereicht, so musste man in regelmäßigen Abständen, das Wasser manuel rauspumpen.
da scheint der Urlaub ja in Arbeit auszuarten, erst Taxi reparieren und dann Boot auspumpen...
In Chi Phat entwickelt sich der Tourismus gerade erst, die Erwachsenen sprechen daher kaum Englisch, die Kinder ein bischen und freuen sich sobald sie einen Touristen sehen mit dem sie ein bischen üben können. Meistens können sie nur: "Hallo, wie geht es dir?" und "Wie heißt du?" fragen. Manche Kinder können auch etwas mehr. An einem Abend haben Dominique und ich uns von zwei Kindern ein bischen Khmer beibringen lassen, dafür hat mein Bruder ihnen ein paar Zaubertricks beigebracht.
abendlicher Sprachkurs mit Zaubertrickeinlage, leider hatten wir am nächsten Morgen, das meiste auch schon wieder vergessen.
Das Leben in Kambodscha wirkt sehr relaxt. Vor allem in Dörfern arbeiten hauptsächlich die Frauen. An einer Tankstelle mit zwei Zapfsäulen arbeiten vier Menschen bzw. faulenzen vier Menschen im Schatten. Alle halbe Stunde kommt vielleicht mal ein Auto vorbei. Sehr effizent sind die Kambodschianer auch nicht. Gibt es ein Maisfeld hinterm Dorf, verkauft jeder im Dorf an der Straße gekochte Maiskolben, alle 15 Meter steht ein Verkaufstand. Ich habe mich da jedes Mal gefragt, ob die überhaupt alle ihre Maiskolben wegbekommen oder ob es nicht sinnvoller wäre, wenn jeden Tag ein anderer verkaufen da. Und natürlich haben fast immer nur Frauen verkauft. Männer arbeiten auf dem Bau oder fahren Mototaxi. In Chi Phat hat man die Männer meistens beim Volleyball spielen oder in einem Café beim Fernsehschauen gesehen. Faszinierend ist auch die Aufnahmefähigkeit der Kambodschaner. In Städten läuft in einem Café nicht nur ein Programm sondern immer mehrere gleichzeitig, Ton gibt es aber nur zu einem Programm.
Stereoberieselung in Siem Reap
In Kambodscha (und Vietnam) müßen Kopfläuse ein großes Problem sein. Man sieht überall Menschen, die sich gegenseitig entlausen. Hat mich immer sehr an meine Arbeit in der stationären Kinder-und Jugendhilfe errinnert, Frühling und Herbst waren immer Kopfläusezeit. Allerdings bin ich froh, dass wir die Läuse mit 'nem speziellen Kamm rauskämmen konnten und nicht wie in Südostasien jede Einzelne mit der Pinzette.
Wie die Affen so der Mensch! vietnamesiche Kopfläuseentfernung
Mode in Kambodscha ist auch sehr faszinierend. Bei den Frauen sind besonders "Schlafanzüge" angesagt, je bunter desto besser! Ist ja auch praktisch, braucht man sich morgens nach dem Aufstehen nicht umzuziehen, man ist schon gleich Salonfähig...
Model "Taum in Blau"
Model "Schlafwandeln in Rot"
Model:"Herzchentäume in Weiß"
Chi Phat soll besonders interessant zum Wandern sein. Also haben mein Bruder und ich uns einen Tag einen Wanderführer besorgt. Aber wie gesagt Wandern macht man eigentlich nicht in Kambodscha. Unser Wanderführer war also ein Farmer in Plastiksandalen, der stark geraucht hat. Unser Führer hat uns glaube ich am Ende des Tages verflucht. Dominique und ich im deutschen Wanderstechschritt los und immer schön ein paar deutsche Wanderlieder geträllert (das müssen wir allerdings fürs nächste Mal noch ein bischen besser üben, die Textsicherheit hat schon stark geschwächelt!), als die uns ausgingen, sind wir dann auch Kinderliedern und was und sonst so eingefallen ist übergegangen. Unser Führer hächelte in der prallen Hitze uns hinterher und musste sich unser Geheule anhören! (Wer weiß vielleicht war ja das der Grund warum er nicht hinterhergekommen ist, er wollte seine armen Ohren ein bischen schonen! Na ja nicht wirklich, denn auch als wir mit dem Singen aufhörten, kam der Ärmste nicht hinterher!) So stapften wir also durch den Dungel, mussten immer wieder auf unseren Führer warten, der dann ständig immer 'ne Pause machen wollte. Aus der Tageswanderung wurde dann auch aufgrund unseres Tempos nur 'ne Halbtageswanderung. Und unser Führer hatte sich dann wirklich die Hängematte verdient!
Lunchtime im Jungle!
Und dann verließen wir das schnucklige Dorf Chi Phat! Diesmal auf dem Landweg, mit dem Mototaxi. Morgens wurden wir von zwei Teenagern (also älter wie 16 waren die auf keinen Fall!) und ihren Rollern abgeholt. Der grosse Rucksack wurde quer dort reingequetscht, wo eigentlich der Fahrer seine Beine abstellt. Helm auf und los. Und die Fahrkünste der Jungs waren echt beeindruckent. Über holprige Strassen, mit mehr Schlaglöchern wie ebener Fläche, der Rucksack musste immer wieder zurechtgerückt werden, teilweise nur ganz enge Pfade durch Gestrüpp und nicht gerade langsam! Der Wahnsinn!
typische dörfliche Stromversorgung: Autobatterien werden im ganzen Dorf eingesammelt, tagsüber an einem alten Motor aufgeladen, abends verteilt und daran werden dann Glühbirnen, Ventilatoren, etc. angeschlossen
Markt in Chi Phat
Und dann gings nach Sihanoukville, dem einzigen Küstenbadestrandort in Kambodscha. Dementsprechend sind auch viele Touristen da. Einsame Stände gibt es da leider nicht mehr. Dafür billiges, kühles Bier direkt mit Meerblick!
Abendstimmung in Sihanoukville
Angeblich sollte Sihanoukville der beste Ort in Kambodscha zum Schnorcheln und Tauchen sein. Aber ehrlich gesagt, wenn man schon mal in Thailand schnorcheln war, sollte man das in Kambodscha lieber bleiben lassen, ist eher enttäuschent. Lieber Mal 'ne Sandburgbauen! Dominique und ich haben es am letzten Tag in Sihanoukville dann auch endlich geschafft unsere faulen Hintern aus den bequemen Strandstühlen zu heben und uns an die Arbeit zu machen. Wie wie sich das unter Geschwistern gehört, wird daraus natürlich ein Wettkampf: Welche Burghälfte hält der näherkommenden Flut am längsten stand?
Dominiques Komantar zum Baustil: "Man sieht halt wo wer wohnt, du in der Nähe von Schloss Neuschwanstein und ich in der Nähe der Vaubaun!"
Mit unserem Sandburgenbauen haben wir etliche Zuschauer angezogen, hauptsächlich Kambodschaner die hinterm Strand wohnten und mit ihren Kindern abends zum Strand kamen. Den Männer wurde es aber nach 'ner Zeit langweilig, die haben dann Fußball nebendran gespielt. Die Kinder fingen aber an zaghaft neben unser Burg auch etwas zu buddeln, wurden dann immer mutiger...
Kind beim Sandburgbauen
... halfen uns dann etwas zaghaft mit unserer Burg und ehe wir uns versahen, haben sie dann die Burg übernommen. Wer den Wettkampf gewonnen hat, konnten wir daher leider nicht feststellen, die Burg viel dem Übermut glücklicher Kinder und nicht den Fluten des Meeres zum Opfer.
Plitsche Platsche!
Sihanoukville ist kulinarisch, vor allem für Meeresfrüchteliebhaber, eine Reise wert. Abends kann man sich so einiges Leckeres was das Meer hergibt zubereiten lassen, während man den Blick aufs Meer hinaus genießt. Vorausgesetzt man hat keine Magenprobleme! Leider hatte es nun auch mich mal erwischt und so habe ich den Schlemmereien meines Bruders zusehen dürfen wärend ich trockenen Reis gemümmelt habe! Und wie Brüder so sind, erhält man kein Mitleid sondern nur Spott!!!