Kambodscha-Reisebericht :Auf nach Ägypten ... und dann?

Lonely Homeless Traveler again

Da will ich hin!

Da will ich hin!

Auf nach Kambodscha

1. August 2013
Hossam ist gestern früh abgereist und inzwischen gut zu Hause angekommen. Das schwierigste Wegstück für ihn war die Fahrt vom Flughafen Kairo nach Hause. Es sind immer noch Unruhen dort zwischen Morsi-Anhängern und -gegnern. Und er hat es dann doch noch geschafft, sich bei mir für die Reise zu bedanken.

Wie oft vor Reisen, bei denen ich mir nicht so ganz sicher bin, habe ich auch die letzte Nacht nicht sehr gut geschlafen.
Martin hatte noch gemailt, dass die beiden Holländer im Green Inn sind und wir uns ja treffen könnten, um ein wenig zu schwatzen aber ich bin doch lieber früh in mein Bett gestiegen mit dem Ergebnis, dass ich um 4 Uhr bereits wach war.

Ich habe die Zeit genutzt, mir in Siem Reap ein angemessenes Zimmer zu suchen und auch eines gefunden. Die Bilder sehen recht nett aus, was aber nichts heißen will. Frühstück inclusive und Tee und Kaffee über den Tag auch frei, kostenloser Abholservice und eine Spitzenbewertung von Reisenden, die dort bereits waren, sowie der unschlagbare Preis von 11,-€ für DREI Nächte lassen mich zur Kreditkarte greifen. Noch bevor ich zum verabredeten Treffpunkt an der Reiseagentur aufbreche bekomme ich eine freundliche Mail und ich möchte doch mitteilen, mit welcher Busgesellschaft ich wann und wo ankomme, damit das Abholen funktioniert.
Leider alles Informationen über die auch ich nicht verfüge.

Der "Organisator" der Reise ist pünktlich und weist mich sowie 2 Familien mit Kindern, die zusammen unterwegs sind, in den Reiseablauf ein. Dass der Minibus bis zum Büro der Gesellschaft kurz vor der Grenze fährt ist mir schon mal verdächtig. Sicher nicht die Möglichkeit, dort auch das Mittagessen einzunehmen, sondern er erwähnt was von Erfüllen von "Botschaftsaufgaben".
Den Kaufbeleg der Agentur will er von mir haben und gibt mir stattdessen einen Fahrschein für den Teil in Cambodia, den eine Busgesellschaft leisten soll, mit denen die seine kooperiert.

Die beiden Familien werden in einen Minibus verfrachtet, in dem anderen bin ich vorerst der einzige Fahrgast. Mein Fahrer spricht nur Thai, das aber während der kommenden 40 Minuten ständig am Telefon. Er kurvt um die Gegend der Kao Sarn und irgendwie gelingt es ihm doch, ein chinesisches Pärchen ausfindig zu machen, das mitfahren will.

An der ersten Mautstation ist für mich klar, dass wir nun endlich Richtung Cambodia unterwegs sind. Erst in Richtung Pattaya und dann in das Landesinnere. Die Tankstelle mit Rastplatz an der wir nach ca. 2 Stunden halten, kenne ich bereits von der Fahrt von Koh Chang nach Bangkok.

Diesmal dauert der Halt aber wirklich nur 10 Minuten - Zeit für eine Zigarette, eine Tasse Kaffee und den Becher Cupnudeln, die ich so mag.
Wir erreichen den Rastplatz zeitgleich mit den beiden Familien vom Start der Reise. Ich habe keine Ahnung, wo die solange abgeblieben waren während wir Bangkok nach Mitreisenden abgesucht hatten.

Gegen 13:30 Uhr sind wir dann auch in Aranyaprathet, der Grenzstadt auf Thaiseite gegenüber Poipet. Mir wird das Ticket abverlangt und der Angestellte der Busgesellschaft will auch meinen Reisepass haben. Ich weigere mich, ihm den zu geben, denn der geht ihn ja nun wirklich nichts an.
Richtig grandig wird er, als ich meinen Fahrschein wieder haben möchte. Den bekomme auch nicht sondern statt dessen einen orangen Aufkleber an mein T-Shirt.
Der Verweis an einen Mopedfahrer, der mich mitsamt meinem Gepäck zur Grenzstation fahren soll ähnelt schon mehr einem Rausschmiss.
Klar, dass der auch was von "Tip 100 Baht" murmelt, ich gebe ihm 20.

Die Ausreise ist unproblematisch: Zettel raus, Stempel rein und fertig.
Ich folge einem Hinweisschild "Visa on Arrival", stehe an "Arrival" an und komme mit zwei jungen Männern aus Bochum in ein Gespräch. Nach einige Zeit kriege ich mit, dass diese Jungs schon ihr Visa haben und muss den ganzen Weg zurück, vorbei an etlichen Spielcasinos, frage drei Beamte, die auf einer Bank lümmeln, wo ich denn ein Visa bekommen würde ... es ist die Visastelle.
Ich habe die 20 $ Visagebühr und dazu 100 Baht "Bearbeitungszuschlag" in der Hand. Sie wollen aber von mir 1.000 Baht haben und erst nachdem ich rumjammere, geben sie sich mit 200 Baht zufrieden - Vorteil der Jugend bei der Einreise in korrupte Staaten.

Zurück am Ende der Schlage für die Einreise kommt mir einer der Bochumer entgegen und erspart mir die Hälfte der Wartezeit. Für weitere 300 Baht an die Grenzer hätten die sich für mich angestellt, so deren Angebot. Dies Geschäft läuft natürlich durch das Fenster - ganz ohne Scannen der Fingerabdrücke und Fotoaufnahme am Schalter. In der Weltmeisterschaft der Korruption wäre Cambodia sicherlich Anwärter auf den Siegertitel.

Die gebuchte Fahrt rein nach Siem Reap habe ich längst abgeschrieben und mich damit abgefunden, nochmals ca. 10 € zu berappen. Umso mehr erstaute es mich in die Gruppe Reisender einsortiert zu werden, für die sich jemand mit einem Schildchen um den Hals engagiert.
Ich warte mindestens eine halbe Stunde, bis ich in den kostenfreien Schuttlebus gewunken werden, der alle 5 Minuten fährt. Mit mir mehrere Leute, davon die meisten mit orange Aufkleber aber nicht alle.

Es dauert aber noch eine ganze Weile, bis 10 von uns "orangen" in einem großen, klimatisierten Bus starten. Klimatisiert ist der Bus auch erst mit Starten des Motors. Andere mit selbem Kennzeichen sind längst mit Minibussen unterwegs. Ich unterhalte mich mit jungen Belgierinnen und auch die können ein gewisses System erkennen, nicht aber Logik oder Organisation der Abfolge.

Es wird bereits dunkel, als wir gegen 18:30 Uhr das Ziel erreichen ... nicht das Ziel der Reisenden, sondern den Hof der Busgesellschaft. Nichts weiter als ein paar Busse, ein paar Reisende und ein paar Tuk Tuks mit Fahrern. Eine ganze Weile höre ich mir das Gefeilsche an, dann nehme ich mein Gepäck und gehe den einzig möglichen Weg - den, den wir mit dem Bus gekommen sind ... und ich verstehe die Logik jetzt. Wir in dem großen Bus sind diejenigen, die nur die Busfahrt, nicht aber ein Hotel dazu gebucht haben. Jetzt geht es um hohe Provisionen und Dollarscheine für die Tuk Tuks.

Nach 20 Minuten Wanderung erreiche ich "bewohnte" Gegend, also Gaststätten und Geschäfte. Ich frage nach dem Old Market und bekomme auch eine Cola für Thai Baht.

Etliche Transporteure sprechen mich an und wollen mich als Fahrgast rekrutieren - ich bin vergnatzt und bockig, gehe weiter.
Von den Rollen meines Koffers verabschieden sich 2 in einen Guli und ich muss den Koffer tragen. Ich haue mir den Koffer in die Hacken und ein Riemen meiner Sandale reißt.
Ich frage etliche Male nach meinem Hotel und bekomme stets eindeutige Hinweise, die sich alle als falsch herausstellen. Statt im "Advisor Angkor Villa", lande ich auch mal im "Angkor Villa".
Ich überlege ernsthaft hier einzuchecken, denn es gefällt mir. Aber schließlich habe ich auch eine Reservierung und bereits 10% Anzahlung geleistet - wenn auch nur 1,11€.
Daher bitte ich die Dame an der Rezeption, mein Hotel anzurufen, denen zu sagen wo ich bin, mit der Bitte um Abholung.
Keine 5 Minuten später "Herr Lerahn, Herr Lerahn ... kommen sie, wir machen uns schon Sorgen".

Im Hotel eine sehr freundliche Begrüßung, ich bekomme einen Saft gereicht, wir erledigen die Formalitäten und mir wird das Zimmer gezeigt.
Zwei große Betten, Deckenventilator, defekte Klimaanlage, warmer Kühlschrank (der Stecker ist rausgezogen), Fernseher. Alles sauber und in gutem Zustand (bis auf AC, sonst wäre der Raum wesentlich teurer). Beim Ausprobieren der Dusche durchfeuchte ich das Klopapier - ich habe eigenes dabei. Keine Seife und keine Handtücher - auch das habe ich alles im Koffer. Ich habe auch Decken im Koffer aber die gibt es hier.

An der Tür Hinweise zu den Service-Leistungen des Gasthauses, sie wollen behilflich sein bei der Organisation der Besichtigungen und auch sonst bemüht um das Wohl der Gäste - soweit ich bisher herausgefunden habe sind das keine leeren Versprechungen ... dass diese Unterkunft mit 9,3 im Gesamtranking ein "exzellent" von den Reisenden, die bereits hier waren bekommen hat, war schließlich - neben dem kaum zu glaubenden Preis - einer der Hauptgründe für mich, hier zu buchen.

Ein Tuk Tuk sieht doch in jeder Gegend anders aus.

Ein Tuk Tuk sieht doch in jeder Gegend anders aus.

© Manfred L., 2014
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Nach Ägypten zum Baden und Freunde treffen, dann Flucht aus Kairo nach Bangkok und ein paar Tage auf eine Insel, nach Cambodia und Laos mit 3 Tagen Luxus-Verspätung zurück.
Details:
Aufbruch: 20.06.2013
Dauer: 12 Wochen
Heimkehr: 11.09.2013
Reiseziele: Ägypten
Thailand
Kambodscha
Laos
Der Autor
 
Manfred L. berichtet seit 4 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Manfred über sich:
Ich bin jetzt 60 Jahre alt, ca. 182 gross und 75 kg schwer.
Seit 2007 bin ich geschieden und habe auch zu meinen inzwischen erwachsenen Kindern keinen Kontakt mehr.

Vor drei Jahren wurde bei mir ein Tumor im Dickdarm festgestellt und ich dachte, mein Leben würde sich dem Ende zuneigen.
Ich habe mehrere Operationen über mich ergehen lassen und die Chemo-Therapie gemacht.
Folge davon: Eine magere Rente wegen voller Erwerbsminderung und Verdauungsprobleme sowie erhebliche Beeinträchtigungen, sofern die Temperaturen meiner Umgebung unter 10 Grad Celsius sinken.

"Überwintern" in wärmeren Ländern ist daher eher eine Flucht vor Kälte und Aufenthalt in Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten ein Gebot des schmalen Geldbeutels