Kambodscha-Reisebericht :Kambodscha 2016

Phnom Penh - Killing Fields und S21

Nachdem wir richtig gut geschlafen haben sind wir zum Frühstück. Der Raum ist recht klein, aber es gibt zum Glück nicht viel Trubel und Platz für uns. Das Frühstück hier ist leider etwas spartanisch. Hier gibt es Toast. Toast. Hier in Kambodscha gibt es richtig gute Baguettes, warum Toast? Es gibt paar Warmhaltebehälter, aber alles recht einfach.
Ok, Kaffee schmeckt, der O-Saft ist besonders lecker. Es reicht, um nicht mit leerem Magen aus dem Haus zu gehen.

Der TukTuk Fahrer von gestern abend stand wie verabredet vor der Tür. Er hat uns raus zu den Killing Fields gefahren. Das ist ca. 12km südwestlich von PP und das bekannteste Killing Field von Kambodscha (es wird geschätzt, daß es insgesamt 300 gibt).

Auf dem Weg dorthin haben wir für einen Fotostop am Unabhängigkeitsdenkmal gehalten.

Da heute Feiertag ist, Tag der Unabhängigkeit von Frankreich 1953, finden hier viele Vorbereitung für die heutigen Feierlichkeiten statt. Der Tag wird hier mit Ansprachen und Umzügen gefeiert.

Unabhängigkeitsdenkmal

Unabhängigkeitsdenkmal

Zum Glück waren wir doch recht früh unterwegs, so war das Choeung Ek (Killing Field) noch nicht so voll (als wir den Rundgang beendet haben, war es voll).

Zwischen 1975 und 1979 wurden hier vom Pol Pot Regime die des Landesverrat bezichtigten Männer, Frauen, Kinder und Babies aus dem Tuol-Sleng-Gefängns aus PP nachts hierhergebracht und exekutiert.

Man wird mit einem Audioguide (Deutsch!) ausgestattet und startet den Rundweg. Es wird dargestellt, wie die LKW's hier ankamen, Foltermaterialien und Massengräber.

Hier ein solches Massengrab, die Kambodschaner hängen Freundschaftsbänder an die Pfosten und spenden Geld

Hier ein solches Massengrab, die Kambodschaner hängen Freundschaftsbänder an die Pfosten und spenden Geld

In diesen Feldern tauchen, je nach Regen, immer noch Kleidungsstücke und auch Knochen auf. Einmal im Monat werden diese dann eingesammelt.

In diesen Feldern tauchen, je nach Regen, immer noch Kleidungsstücke und auch Knochen auf. Einmal im Monat werden diese dann eingesammelt.

Ganz schlimm wurden Baby's getötet. Man schlug sie so lange gegen diesen Baum, bis sie tot waren. (Die Khmer benutzten keine Pistolen/Gewehre, um Eisen zu sparen). Kinder und Baby's wurden getötet, damit diese später keine Rache für ihre Familien nehmen konnten.

Das die Frauen in Kambodscha heute noch in voller Montur baden gehen hängt auch damit zusammen, daß sie sich hier komplett auskleiden mussten, bevor sie getötet wurden

Massengrab mit über 100 Opfern, Frauen und Kinder, welche überwiegend nackt waren

Massengrab mit über 100 Opfern, Frauen und Kinder, welche überwiegend nackt waren

Knochenstücke, die hier nach 1980 beim Erdaushub gefunden wurden

Knochenstücke, die hier nach 1980 beim Erdaushub gefunden wurden

Magic Tree- Dieser Baum wurde benutzt um Lautsprecher aufzuhängen, mit denen laute Parolen abgespielt wurden, damit man das Schreien der Opfer übertönen konnte. (Im Audioguide wird das nachgespielt, hört sich gruselig an)

Magic Tree- Dieser Baum wurde benutzt um Lautsprecher aufzuhängen, mit denen laute Parolen abgespielt wurden, damit man das Schreien der Opfer übertönen konnte. (Im Audioguide wird das nachgespielt, hört sich gruselig an)

Heute steht hier, eine 1988 errichtete, Stupa als Gedenkstätte für geschätzte 17000 Menschen, die alleine hier vom Pol Pot Regime umgebracht wurden.
In der Stupa gibt es Schädel, Knochen und Kleiderreste von ca. 8985 Menschen. Es soll auf diesem Gelände 129 Massengräber geben, 86 davon sind bereits geäffnet worden.

Von hier aus sind wir nach einer kurzen Rast zum Tuol-Sleng-Genozid-Museum (S-21) gefahren. S-21 weil so die Schule hieß, die vorher in dem Gebäude war. Von der Reihenfolge her, würde ich jedem raten, erst in das Museum und dann zu den Killing Fields zu fahren. Leider hat sich die Geschichte in dieser Reihenfolge abgespielt...

In diesem Gefängnis wurden von 1975-1979 über 17.000 Menschen inhaftiert, gefolgert und ermordet (und/oder zu den Killing Fields gebracht)
Man sagt, daß es nur 10 Menschen überlebt haben, 2 Jungs z.B. haben sich unter den Kleiderbergen versteckt.

Ach so, auch hier gibt es den Audioguide in Deutsch.

Im Gefängnis selber darf man nicht fotografieren, nur ausserhalb vom Gelände, aber ein paar Foto's sind's doch geworden.

Diese Grabsteine wurden als Erinnerung an die letzten 14 Opfer, die hier gefunden wurden, angelegt.

Diese Grabsteine wurden als Erinnerung an die letzten 14 Opfer, die hier gefunden wurden, angelegt.

Das Gerüst stand schon zu Zeiten, als hier noch die Schule drin war und wurde als Turngerüst verwendet. Während des Regimes wurde es als Folterhilfsmittel eingesetzt. Dem Gefangenen wurden die Hände auf dem Rücken zusammen gebunden, dann wurd er hochgezogen und Kopfüber in das Wasserbecken getunkt.

Das Gerüst stand schon zu Zeiten, als hier noch die Schule drin war und wurde als Turngerüst verwendet. Während des Regimes wurde es als Folterhilfsmittel eingesetzt. Dem Gefangenen wurden die Hände auf dem Rücken zusammen gebunden, dann wurd er hochgezogen und Kopfüber in das Wasserbecken getunkt.

Diese Zelle hat sogar einen Tisch und einen Stuhl, den gab es nicht in allen Zellen.

Diese Zelle hat sogar einen Tisch und einen Stuhl, den gab es nicht in allen Zellen.

Da der Platz nicht reichte, wurden die Klassenzimmer in Zellen unterteilt

Da der Platz nicht reichte, wurden die Klassenzimmer in Zellen unterteilt

Diese Zellen sind nicht breiter als eine 90er Matratze, teils wurden die mit 2en hier rein gesteckt.

Diese Zellen sind nicht breiter als eine 90er Matratze, teils wurden die mit 2en hier rein gesteckt.

Der Stacheldraht wurde hier angebracht, nachdem sich ein Insasse in den Tod gestürzt hat.

Der Stacheldraht wurde hier angebracht, nachdem sich ein Insasse in den Tod gestürzt hat.

Es gibt viele Räume mit Fotos der Inhaftierten, als diese aufgenommen wurden, es wurde von den Khmer ja alles dokumentiert und später konnten die Unterlagen nicht schnell genug vernichtet werden.

Es sind auch ein paar Ausländer hier um's Leben gekommen, diese wurden bezichtigt, für das KGB, CIA oder sonstige zu arbeiten. Einer z.B. hatte das Pech, mit seinem Segelboot (er war auf Weltumseglung unterwegs) in das kambodschanische Hoheitsgewässer zu geraten.

Alle Intellektuellen waren z.B. "hochgradige" Feinde, diese wurden als erstes inhaftiert, gefoltert und umgebracht. Eine Geschichte erzählt davon, daß ein Botschafter aus Afrika unter dem Vorwand, daß er zu Hause gebraucht wird, zurück geholt wird. Er ist auch hier gelandet. Er war voller Vorfreude wieder nach Hause zu kommen, und wollte die Familie nachholen. Das ist natürlich nie passiert. Die Tochter war damals 2 und ist als junger Teenager in den 90ern in das Museum, um über die Fotos zu erfahren, daß ihr Vater hier umgekommen ist.

Wir haben dann aber auch genug Ernstes für heute.
Wenn man hier ist, muss man sich das anschauen, es gehört halt zur Geschichte des Landes. Auch das ganze Städte, wie auch PP, leer gefegt wurden, kann man sich heute nicht mehr vorstellen.

Wir haben uns dann am königlichen Palast absetzen lassen. Allerdings wollen wir diesen morgen besuchen, daher nur ein paar Bilder von aussen.

Am Fluss entlang sind wir Richtung Hotel gelaufen, haben uns in einem Restaurant hingesetzt, was getrunken, später auch Frühlingsröllchen und Hähnchensticks in Erdnusssauce gegessen. Da es uns hier gut gefallen hat, die Speisekarte auch, haben wir schon beschlossen, heute Abend wieder hier hin zu gehen. Aber erst mal haben wir dem Treiben auf der Strasse zugesehen.

Hier wird alles vom Tuktuk verkauft

Hier wird alles vom Tuktuk verkauft

Selbst Klamotten werden bis vor die Haustüre gebracht, als das TukTuk vorfuhr, war es voll mit weißen Kinder Hemden und Blusen. Die Leute strömten nur so herbei, um zu kaufen. Wir denken, das hängt mit dem bevorstehenden Fest zusammen, da werden die Kinder neu eingekleidet.

Der Rest ist schnell erzählt, entlang am Fluss sind wir bis zu unserem Hotel gelaufen, kleines Schläfchen und wieder zu diesem Restaurant. Als wir noch auf dem Zimmer waren, gab es ein Feuerwerk, welches wir aber nur hörten, nicht gesehen haben. Wir sind dann entlang der Strasse, welche total verstopft war, da alle anhielten, um das Feuerwerk zu schauen, bis zu dem Restaurant von heute mittag. Leider waren die Plätze Richtung Strasse besetzt. Es sass ein einzelner Mann an einer 4er Gruppe, als die Kellnerin mir den Platz neben ihm (Guckrichtung Strasse) geben wollte, sagte er, daß seine Freundin dort sitze. Europäer mit Kambodschanerin....Übrigens, das Feuerwerk war immer noch dran. Heute ist ja auch Unabhängigkeitstag, daher wurde das Feuerwerk veranstaltet, welches bald 45 Minuten lang ging.
Der Typ ist dann mal rein, wollte seine "Freundin" raus holen, aber sie blieb stur sitzen. Nach einer Weile kam sie dann doch und die zwei haben sich so richtig schön in die Haare bekommen, obwohl wir ja auch noch am Tisch sassen. Ich habe dann Jürgen schön übersetzte, worum es ging...Es war aber auch so laut, daß der Nachbartisch sich das Geschehen auch schon belächelte. Es ging um "mein Leben" (sie), Romantik (Feuerwerk) (er), "Familie" (sie) usw. Dann fing der Typ auch noch an, Leute anzumachen, die stehengeblieben waren, um das Menu zu lesen, von wegen hier schmeckt das Essen nicht. Mittlerweile waren die beiden Plätze am Nachbartisch frei geworden, und wir konnten endlich was zu essen bestellen. Es setzten sich dann 2 junge Belgier zu uns, die dann zum anderen Tisch gewechselt sind und dann hat es auch nicht lange gedauert, und das junge Glück ist mit Abstand voneinander verschwunden, wobei sie sich auch noch xmal rundum entschuldigt hat. Als wir vorher den Tisch gewechselt hatten, sagte er zu uns in Deutsch! das der Nachbartisch bestimmt angenehmer, da ruhiger sei......

Dann konnten wir uns in Ruhe unserem Essen, welches echt lecker war, und dem Treiben auf der Strasse widmen.

Heute waren wir auch mal etwas länger draussen und fallen doch gegen 23 Uhr recht müde in's Bett.

Die schlechte Luft in der Stadt ist schon sehr ungewohnt und strengt auch an, auch der Krach. Lange möchten wir das nicht um uns haben. 2-3 Tage reichen da völlig aus.

09.11.2016
Grüsse aus Phnom Penh

© Dagmar Ludwig, 2017
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Einmal dorthin wo der Pfeffer wächst.....
Details:
Aufbruch: 01.11.2016
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 22.11.2016
Reiseziele: Kambodscha
Der Autor
 
Dagmar Ludwig berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.