Malaysia-Reisebericht :sieht so aus, als flöge ich um die Welt...?

Cameron Highlands : 01.02. Cameron Highlands

Nach der ohnehin kalten Nacht gibt es dann morgens passend für Samira und mich nur eine kalte Dusche. Naja, angenehm ist das nicht, aber wach sind wir jetzt. Qua Gruppenzwang habe ich eine ganztägige Tour gebucht, obwohl ich gelesen habe, man könnte auch gut alleine wandern. Aber die Rafflesia die berühmte "Blume " findet man alleine natürlich nicht. Zudem versetzen die Einheimischen, die mit den Touris lieber Geld verdienen wollen, wohl auch gerne mal die Markierungen, um "freie Wanderer" in die Irre zu führen. Ausserdem haben wir nur einen Tag und deswegen ist es vielleicht besser, eine gefuehrte Tour zu buchen, die alles enthaelt, was ich sehen will, denn dann bin ich weniger gestresst. Sonst aergere ich mich spaeter, wenn die anderen erzaehlen, wie toll es war. Ich entscheide mich fuer eine der Touren, die Pong uns empfiehlt, sie enthaelt ein Trekking durch den Dschungel zur Rafflesia. Nur die Guides wissen, wo gerade eine blueht. Ausserdem ist ein Besuch eines Dorfes der Orang Aslis, der Ureinwohner der Highlands, auf einer Teeplantage und auf einer Erdbeerfarm geplant. Gerade die Erdbeerfarm wollte ich ja unbedingt sehen. Die Ganztagstour kostet 75 Ringgit, das sind ca. 19€. Optional kann man dann fuer 5 Ringgit extra noch einen butterfly garden besuchen. Wir sind darueber ein wenig veraergert, denn wenn Pong doch wusste, dass wir heute einen butterfly garden fuer 10 Ringgit besuchen koennen, wieso hat er uns das nicht gestern schon gesagt, als wir ihn nach dem in Penang gefragt haben. Wir sprechen ihn darauf an und er meint nur, das waeren zwei voellig unterschiedliche butterfly gardens. Hmja.
Auch Samira, Hendrik, Felix und Simone haben sich für diese Tour entschieden. Die anderen wollen lieber nicht so viel wandern und besuchen den Mossy Forest sowie einen Aussichtspunkt.

Die Tour startet mit der Wanderung. Erstmal werden wir mit einem Jeep abgeholt. Ich bekomme den Fensterplatz, leider lässt sich das Fenster nicht schliessen. Da es draussen immer noch sehr kalt ist, habe ich voll geloost. Selbst den Schal um den Kopf wickeln hilft nicht wirklich. Ich friere mich zu Tode. Wir holen noch ein paar andere Leute von ihren Hotels ab. Irgendwann fragt Hendrik, ob wir nicht mal das Fenster schliessen koennen. Oh man, im Ernst? Glaubt er denn wirklich, ich lasse mich hier freiwillig tieffrieren?!

Ich bin wirklich froh, als wir an der Straße anhalten und der Fahrer uns zu verstehen gibt, dass wir da sind. Immer mehr Jeeps halten und schließlich machen sich etwa 40 Leute auf in den Dschungel, hinter unserem Führer her, der ein ziemliches Tempo vorlegt. Es geht, auf teils abenteuerlichen Pfaden mitten durch den Dschungel. Immer mal wieder müssen wir an Stellen klettern. Gesichert ist das Ganze eher nicht. Zur Gruppe gehört auch ein Pärchen mit einem Kleinkind, das der Papa sich mit der beliebten Tuchwickeltechnik vor den Bauch gebunden hat. Ich habe nichts gegen aktive Eltern, aber hierfür fehlt mir ganz ehrlich jegliches Verständnis. Was für ein gefährlicher Unsinn, aber gut, jeder wie er mag, es ist ja deren Kind, das böse verletzt wird oder stirbt, wenn Papa am nächsten 3 Meter Abhang oder bei der Überquerung eines Flusses via Bambusstämmen ausrutscht.

Wandergrüppchen am Jeep

Wandergrüppchen am Jeep

Uns hat sich derweil ein Deutscher angeschlossen. Schon ein etwas älteres Semester, Fotograf und aus dem ehemaligen Osten. Er erzählt recht viel, landet irgendwie immer bei mir, ist aber eigentlich eine ganz angenehme und abwechslungsreiche Gesellschaft. Er reist viel um die Welt, auch bei ihm kommt das davon, dass er ehemals in der DDR sehr beschränkt, nun das Gefühl hat, die Freiheit ausnutzen zu müssen und zu wollen. Ihm geht es ebenfalls zu schnell, da er keine Zeit für ein Foto hat. Da geht's mir mit der kleinen unkomplizierten Cam zwar besser, aber ich würde mir dennoch manchmal gerne mehr Zeit für einen Ausblick oder ein Foto nehmen. Tiere sehen wir keine auf dieser Wanderung und auch keine Spinnen diesmal, nur ein paar hübsche Schmetterlinge.

Mitten im Dschungel

Mitten im Dschungel

Simone auf einer der "Brücken"

Simone auf einer der "Brücken"

Noch ne Brücke

Noch ne Brücke

Irgendwie urzeitlich

Irgendwie urzeitlich

Im Schatten, was dann doch angenehm war

Im Schatten, was dann doch angenehm war

Unter Bambus

Unter Bambus

Nachdem wir einen ziemlichen Abhang heruntergeklettert sind, diesmal wenigstens nicht auf einem allzu steilen Pfad, müssen wir diesmal einen recht großen und reißenden Fluss überqueren. Bambusstämme nebeneinander gelegt, helfen diesmal nicht. Aber die Natur hat vorgesorgt, ein umgestürzter Baum und ein großer Felsbrocken geben eine machbare Brücke ab. Auf dem Steinbrocken steht unser wackerer Führer und zieht diejenigen, die es mit Anlauf zu ihm schaffen, das letzte steile Stück hoch. Mir machts Spaß, aber ich mache mir schon so meine Gedanken, was so alles passieren könnte, wenn man abrutscht. Wie die Eltern mit dem Baby, die weit hinterher hängen, hier wohl rüber kommen?

Wir haben es jetzt jedenfalls geschafft und sehen zwei Exemplare der Rafflesia. Sie "blüht " immer nur 7 Tage und ist tatsächlich beeindruckend. Ein kleines Exemplar ist zwei Tage alt, das größere 5 Tage, So dass wir einen guten Eindruck bekommen. Eigentlich handelt es sich nicht um eine Blume sondern um einen Pilz. Das erklärt uns unser Führer, nachdem alle ihr Foto gemacht haben, ein paar Schritte seitwärts, damit wir die nächste Gruppe nicht stören. Die Rafflesia gibt es nur an drei Orten Auf der Welt, hier, in Borneo und Auf den Philippinen. Es kann bis zu einem Jahr dauern, eine Blüte zu entwickeln, die ja dann schon nach ein paar Tagen zerfällt. Die einheimischen Jäger, vor allem die Orang Aslis, die eigentlichen Ureinwohner hier, suchen auf ihren Wanderungen durch den Dschungel auch die Knollen der Rafflesia und teilen Fundorte dann den Guides für die nächsten Touren mit.

...und nun den Weg wieder zurück, marsch, marsch.

Hmmmm

Hmmmm

Schlange stehen für ein Foto mit dem Pilz

Schlange stehen für ein Foto mit dem Pilz

So sehen die als Knolle aus

So sehen die als Knolle aus

Die "Brücke"

Die "Brücke"

Auf dem Rückweg erzählt Wieland, der mich wieder begleitet, Einiges über sein Leben in der DDR, auch wie er mehrfach verhört wurde und beim illegalen Grenzübertritt geschnappt und eingesperrt wurde. Da läufts einem kalt den Rücken runter, vor allem wenn ich die Panik höre und sehe, die er jetzt nach vielen Jahren immer noch hat, wenn er an diese Zeiten zurück denkt. Wie schlimm muss es gewesen sein, wenn es immer noch so starke Emotionen hervorruft.
Wir diskutieren ein bisschen die Situation in der Welt, unsere Eindrücke, wie stark man der deutschen Berichterstattung glauben schenken kann und dass Fernsehen Teufelszeug ist.
Dann entdecke ich in einer Pfütze ein paar Kaulquappen vor allem aber zwei Käfer, die selbst Wieland, der Naturfotograf, noch nie gesehen hat. Groß, schwarz, mit Zangen und einem Stachel, erinnern sie an eine Mischung aus Scorpion und Käfer. Wieland ist begeistert und fotografiert fleißig.
Weiter den Weg runter werden wir von den Leuten vor uns auf ein Vogelnest in einem Busch mit kleinen Vögeln aufmerksam gemacht.

Mittig links nebenden ins Wasser hängenden Grashalmen besagtes eher abschreckendes Insekt...

Mittig links nebenden ins Wasser hängenden Grashalmen besagtes eher abschreckendes Insekt...

Bis wir unten sind, ist die Blasrohr Vorführung schon in vollem Gange, jeder, der will, darf sich einmal an dem Ding versuchen, ich will nicht. Dann demonstriert einer der Führer, der Orang Asli ist, wie gut er damit umgehen kann. Ob wir das Orang Asli Dorf besuchen wollen? Es ist längst nicht mehr authentisch mit Hütten auf Bambusstelzen, sondern besteht aus einer kleinen Ansammlung normaler eimstöckiger Häuser. Doch, doch wir wollen. Vor allem Wieland hatte sich darauf eigentlich als ein Highlight gefreut. Er hat schon fast überall auf der Welt Ureinwohner porträtiert und sich die Taschen und die Fototasche extra mit Geschenken, Schmuck für die Frauen, Spielzeug für die Kinder und Hemden für die Männer, vollgestopft. Über einen kleinen Bach springen, dann geht es in das Dorf. Die Leute bleiben in ihren Häusern, das würde ich auch machen. Eine Frau lächelt mich durch die Lamellen ihres Fensters an, bevor sie die schließt. Wieland tut mir ein wenig leid, er wollte so gerne ein Foto. Am Ende der paar Häuser dann sitzt eine Frau mit ihren Kindern und dem Hund draussen und Wieland spricht sie an. Er bietet Geschenke an und darf endlich sein Foto machen. Wir stehen schon alle wieder bei den Jeeps auf der Straße und es wird ein wenig über ihn gelacht. Ich nehme ihn in Schutz, denn er ist ein netter Kerl, und erkläre dass er Fotograf und vielgereist ist und extra Geschenke für solche Gelegenheiten dabei hat, die er nun auch gerne loswerden will. Sein Jeep muss auf ihn warten, während wir zum Lunch fahren.

Der Fahrer hält an einer typischen Fressbude mit ein paar Tischen und wir bedienen uns am Buffet. Obwohl mein Hunger nicht soooo groß ist, treibt mich wieder die Neugier und ich tue mir zuviel auf. Das System, nach dem am Ende abgerechnet wird, scheint aber sowieso nichts mit den Sachen auf unseren Tellern zu tun zu haben. Während des Essens unterhalten wir uns ein wenig mit dem Amerikaner, der sich mit an unseren Tisch gesetzt hat.

Weiter geht's zur Teeplantage. Die grünen Hügel sind wirklich schön. Ich schaue mir die Fabrik alleine an, denn die anderen haben dazu keine Lust. Dann finde ich ein abgelegenes Plätzchen, wo ich ungestört von den vielen Leuten, die hier herumschwirren ein paar Fotos machen kann. Die Gruppe treffe ich praktischerweise in der Schlange vor der Cafeteria wieder und kann mich so einreihen und mit ihnen einen Tee trinken. Der ist nicht schlecht aber auch nicht bemerkenswert gut.

Da die anderen in unserem Jeep das in ihrer Tour mit drin haben, entscheiden auch wir uns dafür noch dem Mossy Forest einen Besuch abzustatten für 10 Ringgit mehr. Auch auf den höchsten Punkt der Highlands fährt uns der Fahrer noch. Das war quasi die Tour der anderen, die wir jetzt noch dazu kriegen.
Der Turm scheint recht alt und macht nicht den stabilsten Eindruck, aber ich traue mich hochzusteigen und der Ausblick ist lohnenswert. Als Samira und Simone jedoch für Fotos anfangen zu klettern und balancieren, wird mir übel und ich klettere wieder runter.

Simone und Samira,  zwei ganz harte Chicks

Simone und Samira, zwei ganz harte Chicks

Nicht soooo vertrauenswürdig

Nicht soooo vertrauenswürdig

Windig da oben... Pustet mir fast das Grinsen aus dem Gesicht

Windig da oben... Pustet mir fast das Grinsen aus dem Gesicht

Links seht ihr Simone rumhampeln...Sie versucht grad übers Geländer zu klettern

Links seht ihr Simone rumhampeln...Sie versucht grad übers Geländer zu klettern

Da geht's runter, hat Hendrik mal fotografiert, während ich rechts am Bildrand mal "Kontakt" zum Boden aufnehme, da mir Samira und Simones Kapriolen auf den Magen schlagen

Da geht's runter, hat Hendrik mal fotografiert, während ich rechts am Bildrand mal "Kontakt" zum Boden aufnehme, da mir Samira und Simones Kapriolen auf den Magen schlagen

Der Mossy Forest ist gleich nebenan. Hier ist es kühl und feucht. Der Guide hat ein wenig mehr Zeit für Erklärungen. Die Bäume mit ihren Moosbärten haben einen ganz eigenen urzeitlichen Charme. Nach 15 Minuten verlassen wir den Wald und es geht weiter zur Erdbeerfarm. Jippiiii

Kannenpflanze im natürlichen Umfeld

Kannenpflanze im natürlichen Umfeld

Da habe ich mich aber zu früh gefreut, die Farm ist überhaupt nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Erdbeeren wachsen auf Stellagen in Gewächshäusern, das Ganze ist auch eher klein. Die Erdbeere, die ich mir klaue, schmeckt nicht. (Selbst pflücken, wie in Deutschland darf man eh nicht.) Die Erdbeeren, die verkauft werden, sind echt teuer und so verzichte ich. Die anderen kaufen sich teilweise Milchshakes oder Saft, was wohl auch nicht so toll schmeckt.
Eine Enttäuschung auf der ganzen Linie.

Im "Erdberfeld"

Im "Erdberfeld"

Zurück im Hotel schwänze ich das Abendessen. Ich bleibe im kühlen Frühstücksraum des Hotels und versuche nochmal erfolglos, die Bilder vom Elefantenreiten wiederherzustellen. Keine der Wiederherstellungssoftwares, die ich herunterlade, lässt sich öffnen. Dann recherchiere ich, erheblich erfolgreicher, unser nächstes Ziel Kuala Lumpur. Ich denke, ich werde mich morgen von der Gruppe separieren. Diese gemeinsamen Ausflüge stressen mich einfach zu sehr. Die Gruppe wollte später noch in eine andere Bar gehen, kurz überlege ich, sie zu suchen, als mir endgültig zu kalt wird, gegen dann aber doch aufs Zimmer, packen und Journal schreiben. Samira kommt früh heim und berichtet, dass es wieder einigermaßen langweilig war und ich nicht viel verpasst habe.

© Stefanie Förster, 2015
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Ich habe nie von einer Weltreise geträumt. Schockierend, ich weiß. Überraschenderweise unternehme ich jetzt aber eine. Wie es dazu kam, wo ich lande und wie es da so ist, das berichte ich Euch hier... Wer mag, darf mitlesen. Mein Blog richtet sich vor allem an meine Familie und Freunde, sowie an Ex Kollegen. ...naja und natürlich an mich selbst: eine Weltreise ist ein tolles Abenteuer liebe Steffi! ...nur Mut und einfach mal machen, wird schon schiefgehen ;)
Details:
Aufbruch: 11.01.2015
Dauer: 5 Monate
Heimkehr: 28.05.2015
Reiseziele: Sri Lanka
Thailand
Indonesien
Australien
Neuseeland
Fidschi
Vereinigte Staaten
Mexiko
Deutschland
Malaysia
Singapur
Der Autor
 
Stefanie Förster berichtet seit 33 Monaten auf umdiewelt.
Reiseberichte von Stefanie sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!