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Anfang 2008 zog es mich nach Myanmar, das seit einem halben Jahrhundert von einer skrupellosen Militärjunta beherrscht wird. Dass diese kurz vor Reisestart einen Volksaufstand brutal niederschießen ließ, hielt mich nicht von meinem Vorhaben ab.
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"Yes we can!", "I had a dream!" - so oder so ähnlich muss König Bodawpaya gedacht haben, als er über den Bau der größten Pagode der Welt sinnierte. Er wähnte sich als Chekkavatti, als gottgleicher Weltherrscher, der zu Lebzeiten Überdimensionales schaffen musste. Bis zum Himmel sollte sein Lebenswerk reichen, sage und schreibe 152 Meter hoch, um die in Thailand befindliche Rekordhalterin um fünfundzwanzig Meter zu überragen.
Und da ein einzelner König, selbst so ein großartiger wie er, einen solch brillanten Plan nicht alleine umsetzen konnte, überzeugte er Zehntausende Freiwillige mit der Peitsche, sich an dem einmaligen Projekt in Mingun, elf Kilometer nördlich von Mandalay, zu beteiligen. Der Ziegelbau blieb jedoch dank einer peinlichen königlichen Finanzkrise unvollendet und wurde bei einem Erdbeben in 1838 so schwer beschädigt, dass an eine Fortsetzung nicht zu denken war. Dennoch ist die Ruine ein imposantes Bauwerk und eine Besichtigung wert. So weit jedenfalls die Theorie laut Reiseführer. Mal schauen, ob mein kritisches Beamtenauge nicht ein Haar in der Suppe findet...
...Irgendwann dürfen wir an Bord. An Deck machen mich bajuwarische Wortfetzen auf einen jungen Mann aus Rosenheim aufmerksam. "Ich habe gerade mein Medizinstudium mit Erfolg abgeschlossen und belohne mich jetzt selbst mit dieser Reise", erfahre ich von Stefan. Wir tauschen unsere Urlaubserfahrungen aus. "Myanmar", gibt Stefan zu bedenken und rollt dabei das "r", wie es nur einem Bayern vergönnt ist, "ist ein Museum der ausgestorben geglaubten Krankheiten. Es fehlt an Allem. Gestern habe ich ein Kind mit einer Brandwunde behandelt. Mangels Versorgung zog die Verletzung eine üble Blutvergiftung nach sich. Mit etwas Wundsalbe und einem banalen Heftpflaster wäre es nie so weit gekommen."
"Brandwunde in Asien? Damit kenne ich mich aus!", fasele ich und berichte von einer Motorradtour durch Thailand, in deren Verlauf Anja eine unliebsame Bekanntschaft mit dem heißen Auspuff machte. Fortan zierte eine hässlich-nässende Wunde ihre schöne Fessel, und jeder männliche Thai fühlte sich berufen, an der Frau meines Herzens Erste Hilfe zu leisten.
Als wir am berühmten River Kwai ankamen, drängte sich ihr ein leicht verwirrt wirkender Mann auf. Soweit ich ihn verstand, war er Schamane oder Wunderheiler. Hier nennt man das Heilpraktiker. Wie immer winkte Anja sofort ab, aber ich wollte wissen, was er zu bieten hat. Wir gingen in sein Haus. In der Küche stand eine Truhe, in der sich eine Zinkwanne mit einem dunklen, säuerlichen Sud befand. Darin schwamm der fermentierte Kopf eines Ponys.
Der Schamane versicherte mir, dass die Suppe exakt das sei, was die Schulmedizin hier zur Erstbehandlung von Brandverletzungen empfiehlt: "Gib drei Tage lang etwa zehn Tropfen dieser Tinktur auf die Wunde", erklärte er, "danach wird sich der Zustand deiner Frau schnell ändern." Davon war ich sogar überzeugt! Obwohl es rein wissenschaftlich betrachtet von höchstem Interesse gewesen wäre, die Wirkung dieses Wurmsuds mal am menschlichen Körper zu testen, konnten wir Anja nicht von dieser Therapie überzeugen.
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Mein Rikschafahrer
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