Thailand-Reisebericht :5 Wochen in Thailand

Der Süden

[Eddie: ] Die Fahrt in den Süden erfolgt zur Abwechslung mal per Nachtbus mit kurzem Zwischenstop in Bangkok - die GUUUTE LUFT!!!

Busfahren in Thailand ist schon sehr lustig. Thailänder lesen nicht, denn das ist weder "Sanuk" (übersetzbar mit "Spaß) noch "Sabai" (Gemütlichkeit). Und Spass und Gemütlichkeit sind hier Volksgut, und wahrscheinlich genauso verfassungsmäßig festgeschrieben wie das Recht auf Glück in den USA. In Thailand liest man höchstens mal Mangas oder "191" (entspricht dem Polizeinotruf), wo man die Bilder von zerstückelten Leichen betrachten kann. Da also aber Lesen in Thailand nicht gerade Volkssport ist, kann man die Bus-Innenbeleuchtung auch schon um 20.30 Uhr ausmachen, was dazu führt, dass bald darauf alle schlafen und wir nicht lesen können. Da aber der Bus selbstverständlich VIP-Kunden befördert, läuft die Klimaanlage auf Hochtouren, sprich es ist arschkalt. Als besonderen Service versteht man hier auch, mitternachts die Beleuchtung wieder anzuschalten, eine Minute laut schreiend durch den Bus zu laufen und mitten in der Pampa anzuhalten, worauf ALLE den Bus verlassen (ausser uns natürlich, wir können ja kein Thai). Letztendlich finden auch wir heraus, was geht und bekommen als besonderes Nachtmahl eine Schale Reis in Wasser. Mmm, fein, entspricht angeblich dem traditionellen thailändischen Frühstück. Für uns Touris ist das alles sehr obskur, mal sehen, was die Rückfahrt bringt.

Unsere Fahrt führt uns letztendlich in den Khao Sok National Park, wo wir endlich einmal (s. letzter Abschnitt) einen richtigen, 160 Millionen Jahre alten Urwald vorfinden. Zuallererst erwarten uns allerdings die drei lustigen Mädels vom sehr zu empfehlenden Jungle Huts-Guesthouse: Spiderwoman, Monkeywoman und Chickenwoman, die es offenbar satt haben, dass die blöden Farangs sich ihre richtigen Namen nicht merken können. Wenigsten sind sie konsequent: Martin ist Adidas-Man (wegen seines T-Shirts) und ich Blond Hair.
Von hier aus unternehmen wir verschiedene Touren, zuerst mal 8 Km rein in den Dschungel. Dieser erweist sich dabei als um einiges näher an dem Bild, dass der medienverdummte Europäer vom Dschungel hat: ein ausgetretener Pfad zwischen 2 dichten grünen Wällen aus Biomasse führt hier den Berg hinauf, vorbei an einigen bebadbaren Wasserfällen. Je weiter wir kommen, desto weniger Touristen sind zu sehen, der Pfad ist immerhin eine Sackgasse und man muss den ganzen Weg auch wieder zurück (was uns gerade noch vor Einbruch der Dunkelheit gelingt).

Wasserfälle als Belohnung fürs lange Marschieren.

Wasserfälle als Belohnung fürs lange Marschieren.

[Eddie: ] Ein paar Viecher zeigen sich uns natürlich auch (bei unserem Geruch nach 8 Km Fußmarsch auch kein Wunder), unter anderem eine ganze Affenbande, eine schwarze 3-Meter-Schlange und diverses Kleingetier. Da freut sich der Hobby-Tarzan!

Auch eine kommerzielle Tour steht mal wieder auf dem Programm. Mir zu lahm und erholsam, gefällt sie wohl den meisten anderen Teilnehmern ganz gut. Per Boot (= inaktives Rumsitzen) geht es erstmal eine Stunde lang über den hiesigen Stausee: ein riesiges Wasserloch, aufgestaut über mehrere ehemalige Dschungeltäler. Die früheren Berggipfel ragen heute wie Riesen als Inseln bis zu 960 Meter steil aus dem See heraus. Die Planung des 165 km langen Stausees ist wohl damals recht chaotisch von statten gegangen: man hat einfach mit dem Wasserstauen begonnen und sich gedacht da bleibe noch genug Zeit fürs Bäumefällen, Menschenumsiedeln und Tiereretten. Pustekuchen - das Teil ist in einer einzigen Regenperiode bis zum Rand vollgelaufen und die Tierschützer hatten alle Hände voll zu tun, Viecher von den Bäumen zu holen. Noch heute sieht man weiträmig tote, riesige Bäume aus dem Wasser ragen.
Und die Bäume, die wir hier so sehen (nicht nur im Wasser) sind wahrhaft riesig: das Wurzelwerk beansprucht Flächen, grösser als Fussballplätze, folgt man einer beliebigen Wurzel, die am Pfad entlang läuft, und bleibt nach vielleicht 50 Metern stehen, so ist sie immer noch mannsdick (eher sogar "dickmanns"-dick), den Baum aber kann man schon nicht mehr sehen.
Der Höhepunkt der Tour (nach der ewigen Bootsfahrt und einem kurzen Waldspaziergang) ist eine wirklich geniale Höhlendurchquerung (dramatisiert): halbnackt und nur mit selbstgebastelten Fackeln bewaffnet bahnen wir uns unseren Weg durch 3 Meter hohe Fledermausscheiße, wobei wir von allen Seiten von diesen garstigen Viechern attackiert werden, die BESTIMMT viel weniger Angst vor uns haben, als wir vor ihnen. Nach wenigen Metern schwindet auch das letzte Tageslicht und wir wissen, das einzige was uns bleibt ist die Erinnerung an das letzte Glimmen in unseren Augen. Eng klammern wir uns aneinander, der ständigen Gefahr bewusst, dass jederzeit ein böser und hinterhältiger Angriff der Ochsenfrösche erfolgen kann. Um uns herum hören wir schon, wie sie sich formieren. Zu unserem Glück fallen wir alle in einen tiefen Abgrund, der sich vor unseren Augen auftut und finden uns wieder in schwarzem, eiskaltem Wasser, das noch nie im Tageslicht gewesen ist. Augenlose, wütende Geschöpfe streifen schleimig unsere nackte Haut, die Frauen schreien. Beim Sprung ins Wasser sind unsere behelfsmässigen Fackeln erloschen, es hilft jedoch nichts, der Rückweg ist versperrt durch die Frösche, wir müssen schwimmen. An schroffen Felsen reiben wir uns die Füsse blutig und wissen: es spielt keine Rolle, ob sie sich entzünden, wir werden so oder so hier unten sterben. Doch plötzlich ein schmerzerfüllter Schrei: Tageslicht, so gleisend hell und stechend wie tausend Sonnen, blendet uns und wir befinden uns wieder in der trügerischen Sicherheit des thailändischen Dschungels.

Unsere UNGLAUBLICH gefährliche Höhlendurchquerung

Unsere UNGLAUBLICH gefährliche Höhlendurchquerung

[Eddie: ] Auf unserer letzten kleinen Wanderung am nächsten Tag mit 2 Mädels, die wir in der dunklen Höhle kennengelernt haben, werde ich von einem echten, wilden Dschungeltier angegriffen, verfolgt und verletzt!!! Und ich bin schon seit Jahren von keiner Biene mehr gestochen worden.

Weiter geht's, schön war's, aber man muss ja, hat ja nicht ewig Zeit. Ausserdem sind wir hier nicht zum Spass!!! Drum fahren wir (inklusive der beiden Mädels) jetzt endlich, nach ungefähr 3 Wochen Thailand ans Meer, und zwar an die Westküste Thailands, nach Ao Nang, nördlich von Krabi (nein, nicht Kapri, Pizza und Blaue Lagune, wäre aber auch schön). Ao Nang stellt sich als ziemlich sehr touristisch heraus, irgendwie leben hier anscheinend überhaupt keine richtigen Thailänder, sondern nur Brillen-, Badeschlappen- und Rolexuhrenverkäufer.

[Martin: ] Das Meer ist SEHR friedlich, man muss mehrere Tagesmärsche zu Fuß zurücklegen, bis das Wasser endlich kniehoch ist, dummerweise kommt während dieser Tagesmärsche ja mehrmals die Flut, so dass man ertrinkt. Diese doch sehr bizarre Form unseres Todes vor Augen, beschließen wir, am nächsten Morgen nach Kho Lanta weiterzureisen. Eins der Mädels wird leider daheim erwartet, deshalb sind wir nur noch zu dritt.

Das obligatorische Traumstrandfoto - sieht aber wirklich so aus!!!

Das obligatorische Traumstrandfoto - sieht aber wirklich so aus!!!

[Martin: ] Kho Lanta ist eine sehr schöne Insel im Westen Thailands, noch nicht so von Touristen ueberlaufen, deshalb sind die Leute auch freundlicher. Wir finden Unterkunft im "Where Else", kleine handgebaute und deshalb sehr schiefe Hütten, die aber ihren Zweck durchaus erfüllen. Die Hütten sind umgeben von einem Palmenhain, die Einschlagskraft der herabfallenden Kokosnüsse lässt sich gut an dem klaffenden Loch im Blätterdach unserer Dusche erkennen. Hier verbringen wir zwei erholsame Tage und haben endlich mal Zeit, e-Mails zu schreiben, zu lesen und uns einen Sonnenbrand zu holen, mit dem man die Daheimgebliebenen richtig neidisch machen kann.

[Eddie: ] Wir schlagen uns systematisch die Bäuche voll und achten penibel darauf, auf keinen Fall vor 11 Uhr aufzustehen (was bei der Wahnsinnshitze eine reife Leistung ist) und bloß keine überflüssigen Bewegungen zu machen. Das gestaltet sich jedoch nicht ganz einfach, beispielsweise müssen wir abends manchmal 50 Meter zu einem anderen Restaurant laufen, was auf die Dauer schon an die Substanz geht. Darum entscheiden wir uns, doch nochmal einen Ortswechsel vorzunehmen, denn einsamer geht's immer. Also auf die nächste Insel - 2 Dörfer, kein Auto, kein Internetanschluss, maximaler Bewegungsmangel. Perfekt.

Mein Fräulein sein sie munter,
Dies ist ein altes Stück:
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.
Heinrich Heine

Mein Fräulein sein sie munter,
Dies ist ein altes Stück:
Hier vorne geht sie unter
Und kehrt von hinten zurück.

Heinrich Heine

[Eddie: ] Die Abende verbringen wir dann meist in der FU-BAR (= "fucked up beyond any recognition"). Diese Bar wird von zwei jungen Engländern geleitet, die letztes Jahr ihren Urlaub auf Kho Jum verbracht haben und sich entschlossen haben, hier eine Bar zu eröffnen. Jetzt führen sie ein doch sehr relaxtes Leben, das in erster Linie darin besteht, tagsüber zu baden und abends mit den wenigen Touristen Bier zu trinken.

Faulsein.

Faulsein.

[Martin: ] Nach ein paar Tagen drohen wir der absoluten Faulheit zu verfallen, schließlich gibt es auf der Insel außer kilometerlangen Sandstränden und Kokoshainen keinerlei Ablenkung.
Also entscheiden wir uns, zur Nachbarinsel zu schwimmen. Sieht schließlich gar nicht so weit aus, also erzählen wir auch unserer verbliebenen Mitreisenden, dass sie sich frühestens nach drei Stunden Sorgen zu machen braucht. Denkste. Nach einer Stunde Strandwanderung sind wir endlich an der Stelle gegenüber der Insel angekommen. Dummerweise hat mittlerweile die Ebbe eingesetzt und so werden wir böse gen Westen gezogen, weg von der Insel zu der wir eigentlich wollen. Als wir sie schließlich nach 70 Minuten völlig erschöpft erreichen, ist es unmöglich an Land zu gelangen, da der gesamte Grund übersät ist von Seeigelkolonien. Alles ist schwarz, das Wasser wird immer flacher und es wird zu einem Drahtseilakt nicht an den stacheligen Dingern anzuecken. Also beschließen wir, ohne Rast zurückzuschwimmen. Während Eddie sich von zwei Schweden im Kanu mitnehmen lässt, erreiche ich in recht kurzer Zeit (der Strömung sei Dank) unseren Strand. Dann gehts erst mal zum Essen, Trinken, Sonnenbrand verarzten,....

Am Tag darauf geht es dann wieder ans Festland. Krabi wird erkundet, und wir finden sogar ein Restaurant in dem es bayerisches Brot gibt, sehr lecker.

[Eddie: ] Sehr empfehlenswert ist auch ein Ausflug zum nördlich von Krabi gelegenen Tempel Wat Tham Seua, der neben einigen höchst ausgefallenen Meditationspraktiken auch einen Gipfeltempel mit grandioser Aussicht bietet. Der Aufstieg erfolgt über 1272 Stufen, von denen einige "etwas" höher sind, das Ganze soll schließlich nicht allzu bequem sein...

Hier wird über Eingeweiden meditiert, eine wirksame Methode, seine Begierde in den Griff zu kriegen.

Hier wird über Eingeweiden meditiert, eine wirksame Methode, seine Begierde in den Griff zu kriegen.

Das Baugerüst im Hintergrund ist eine Buddha-Baustelle auf dem Gipfel des "Tempelberges".

Das Baugerüst im Hintergrund ist eine Buddha-Baustelle auf dem Gipfel des "Tempelberges".

[Martin: ] Schließlich nehmen wir Abschied von Anna, unserer Reisekollegin und treten die Rückfahrt nach Bangkok an. Der angebliche VIP-Bus hat enge Sitze, unfreundliches Personal und eine tropfende Klimaanlage (die natürlich nur über mir tropft). Deshalb sind wir ganz froh, als wir Bangkok und unser altes Guesthouse erreichen um uns etwas zu erholen. Hier treffen wir auch so einige Leute wieder, die wir in den vergangenen Wochen kennengelernt haben.

Buddha-Transport auf Bangkoks Straßen

Buddha-Transport auf Bangkoks Straßen

[Martin: ] Viel Zeit verbringen wir damit, uns Anzüge schneidern zu lassen, es ist ja schließlich alles so billig. Das Ganze kostet aber reichlich Zeit, muss man doch ständig zum Maßnehmen.
Bei einem dieser Schneiderbesuche droht uns mal wieder das Geschäft unseres Lebens, diesmal in Form einer Überweisung in Höhe von 1,2 Millionen Dollar. Mehr hierzu im Kapitel "Scams".

Unglaublich beeindruckend ist auch Bangkoks Grand Palace, der jedoch schon fast zuviel der Sehenswürdigkeiten bietet.

Unglaublich beeindruckend ist auch Bangkoks Grand Palace, der jedoch schon fast zuviel der Sehenswürdigkeiten bietet.

[Martin: ] Bei der Besichtigung des Grand Palace bin ich nicht so richtig fit, habe etwas Fieber, Kopfweh und Übelkeit. Hmm, wird wohl an dem Singha-Besäufnis des Vorabends liegen oder an der Hitze. Nach einer Thai-Massage im Wat Pho, die übrigens SEHR zu empfehlen ist, geht's schon wieder besser, auch wenn ich mir vornehme, am Abend nichts zu trinken.
Der nächste Tag wird wieder zum Einkaufen genutzt, abends treffen wir dann Valentin, Eddies Neffen, der zufällig auch in Bangkok ist. Die Welt ist schon klein.

[Eddie: ] Valentin kennt bereits ein paar Thais und so sind wir abends in der glücklichen Lage, mit 3 einheimschen Studenten essen gehen zu können und zwar in die Mensa der Chulalongkorn University. Das ist natürlich keine herkömmliche Mensa, sondern eher eine Ansammlung von Garküchen und sehr preisgünstigen Restaurants in einem großen Raum. Nachdem die Mädels für uns alle bestellt haben, erhalten wir einen voll gedeckten Tisch, mit Gerichten verschiedenster Ausprägung: scharf (und zwar sehr), süß-sauer, suppig, vegetarisch, schlüpfrig, verkohlt (aber wirklich gut) und mit Ingwer (weniger gaumenschmeichlerisch). Das Bezahlen gestaltet sich eher kompliziert, steht doch in jedem Reiseführer, dass von uns reichen Farangs erwartet wird, dass wir die Rechnung übernehmen. Dies stößt jedoch auf erbitterten Widerstand und wir kapitulieren.
Für den Interessierten: diese Mensa befindet sich in der Thanon Phayathai, vom MBK Shopping Centre (Siam Square) ein paar hundert Meter Richtung Süden und dann irgendwo auf der rechten Seite.

[Martin: ] Es ist sehr nett, einfach mal wieder mit Einheimischen was zu unternehmen, auch wenn's mir abends dann wieder ziemlich dreckig geht. Fieber, Übelkeit undsoweiter halt. Wahrscheinlich wieder zu wenig getrunken, Malaria kann's ja nicht sein, schließlich waren wir schon vor vier Wochen im Norden (dem angeblich einzigen Gebiet mit geringer Malaria-Gefahr). Ich schätze meine Temperatur auf ca. 39° C, lege mir ein kaltes Handtuch auf die Stirn und versuche zu schlafen.
Am nächsten Tag gehts wieder besser, wir machen noch unsere letzten Besorgungen, treffen uns nochmal mit den netten Thais und machen uns auf zum Flughafen. Irgendwann zwischen Kuwait und Frankfurt bekomme ich dann wieder Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit etc.
In Frankfurt angekommen, ist es erstmal kalt. Sehr kalt. Da hilft auch keine heiße Schokolade nicht. Eddie tut mir mittlerweile auch fast so leid, wie ich mir selbst, schließlich muss er mein ständiges Genörgel ("Miriskalt", "Mirisübel", "Ichhabkopfweh", "Menno") ertragen. Endlich abends zuhause geht's auch schon wieder besser und am Tag darauf fühle ich mich schon wieder fit genug für Mensa und Cafeteria in der Uni. Aber dann die Nacht: Fieber, Übelkeit, man kennt das ja. Also entschließe ich mich doch endlich, dem Rat meines Hausarztes (den ich am Tag vorher schon aufgesucht habe), nachzukommen und die Tropenabteilung der Missionsärztllichen Klinik, Würzburg aufzusuchen.

Nach Ultraschall, Röntgen, und Bluttest steht dann fest: ja, ich habe doch Malaria, fortgeschrittenes Stadium, offensichtlich im Süden geholt (wo's eigentlich gar kein Malaria gibt. Aber ich halt wieder!). Mindestens. Ausserdem könne es sein, dass ich einen Pilz auf der Lunge (Fledermäuse, s.o.), Würmer im Stuhl und Läuse am Kopf habe von den Affen in Lopburi. Letztendlich bleibt's aber dann doch bei der Malaria und ich werde in die Intensivstation gesteckt.
Dort werde ich erstmal an alle möglichen Kabel (EKG, Infusion, Blutdruck, und was weiß ich noch alles) angeschlossen.
Völlig erschöpft schlafe ich ein. Plötzlich weckt mich eine Hand unsanft: neben mir steht eine große, riesige, um nicht zu sagen hühnenhafte Schwester mit lauter braunen Zähnen und tellergroßen Händen, die sich mit den Worten vorstellt: "Hallo, ich bin die Nachtschwester, wenn das innerhalb von einer halben Stunde mit dem Wasserlassen nicht klappt, dann lege ich Ihnen einen Katheter!". Vor Schreck bin ich fast aus dem Bett gefallen. Die nächste halbe Stunde ist eine der schlimmsten meines Lebens. Ich versuche mir sämtliche Situationen vorzustellen, die mir bei meiner Mission irgendwie behilflich sein könnten: Wasserfall. Literweise Bier. Der Baum vor meinem Wohnheim. Noch mehr Bier. Die Toiletten diverser Discotheken. Irgendwann hab ich's geschafft, seit meinem Abi war ich nicht mehr so stolz auf mich.
Am darauffolgenden Tag werde ich schließlich bereits auf die normale Station verlegt und darf auch wieder alleine aufs Klo. Man freut sich ja schon so über Kleinigkeiten, wenn's einem schlecht geht.

[Eddie: ] Wie sich herausstellt handelt es sich bei der ganzen Aktion um malaria tropica, die schlimmste Variante, die zum Glück sehr glimpflich verlaufen ist. Außerdem kehrt sie nicht wieder, vorbei ist vorbei.
Unser Würzburger Impfarzt, dessen Namen hier leider nicht genannt werden kann, der aber weithin empfohlen wird, hatte uns beim Aufklärungsgespräch nur über Malaria-Vorkommen im Norden Thailands (an den Grenzgebieten zu Laos und Myanmar) aufgeklärt.
Resultat: dort kein einziger Mückenstich, dank bewußter Vorbeugung.
Im Süden hingegen haben wir uns nicht gegrämt, denn schließlich juckt es ja nur ein bisschen. Also hatte jeder seine Stiche, gehört halt zum Urlaub. Die Infektion ist höchstwahrscheinlich vom Khao Sok National Park, auf der Karte der südlichste rote Punkt - und außerdem das einzige rot gefärbte Gebiet, in dem wir uns aufgehalten haben.

Malaria-Gebiete

Malaria-Gebiete

[Eddie: ] Die medikamentöse Prävention wird für Thailand offenbar i. A. nicht angeraten, heute würden wir uns das jedoch zweimal überlegen.

© Martin Gädeke, Martin O., 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Winter 2002 - die Reise hat gut angefangen: nach einem kleinen Unfall mit einem betrunkenen Tänzer einen Tag vor der Abfahrt wurde ich am Finger mit 5 Stichen genäht. Die Fäden werde ich mir selbst ziehen. Und dass es in Thailand Malaria gibt, war uns schon klar, nur ... ... vielleicht nicht klar genug.
Details:
Aufbruch: 17.02.2002
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 25.03.2002
Reiseziele: Thailand
Thailand-Packliste
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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