Thailand-Reisebericht :5 Wochen in Thailand

Specials: Gathoeys

[Eddie: ] Gathoeys sind Transvestiten oder Transsexuelle, je nach Ausprägung und finanziellem Background. Diese Gathoeys sind teilweise so perfekt zurecht drapiert, dass es richtig schwierig ist, sie von echten Frauen zu unterscheiden. So haben auch wir anfangs unsere Schwierigkeiten:

Die ersten Abende unserer Reise stolpern wir staunend und mit großen Augen über die Khao San Road: die asiatischen Frauen(?) hier scheinen einfach überirdisch schön zu sein.
Schwer wird es vor allem dadurch, dass man praktisch ständig angesprochen wird, nach dem Motto "love you longtime"...
Und erstaunlich viele Touristen sind auch Hand in Hand mit hübscher Begleitung unterwegs. Wir lassen die Finger davon, zu groß ist die Skepsis, hängt doch in unserem Guesthouse bestimmt nicht ohne Grund das Schild "No thai visitors on room".

2 Wochen später genießen wir ein hervorragendes Abendessen in der Chopper Bar in Sukhothai und zwar nicht zuletzt aus dem Grund, dass die Bedienungen ausnahmslos wunderschön sind. Wir sind ja so leicht zu beeinflussen.
Die Chopper Bar stellt sich als der örtliche Transvestiten-Country-LiveMusik-Schuppen heraus und anscheinend hat jede der Bedienungen ihre eigene Harley dabei. Wir sind die einzigen Gäste und lassen uns "My achin' breakin' Heart" auf thailändisch vorspielen, während uns lauter als wunderschöne(!) Frauen verkleidete Männer das Essen bringen. Der/die Kellner/in entlockt mir noch den Namen unseres Guesthouses - ist ja auch kein Problem, wird schon kein Meuchelmörder sein...
Während wir noch gemühtlich durch die Stadt laufen ahnen wir nicht, was uns intoleranten Europäern (beziehungsweise mir) bevorsteht. Der Weg durch die Stadt ist schon recht absurd, fahren doch ständig wunderschöne Mädchen auf Rollern an uns vorbei und winken fröhlich, begleitet von einem "Hello" mit richtig tiefer, bassiger Stimme. Mmmh ja. Wieder vorbei am Transvestiten-Schuppen: nein wir sind müde / nein wir wollen ins Bett / nein ALLEIN!!! Also auf nach Hause.
Während ich mich schon mal gemütlich hinknalle, denkt Martin, ich sei sonstwohin gegangen und geht raus um nach mir zu gucken. Und wen trifft er da, in unserem vollkommen abgelegenen, verwinkelten Gästehaus? Jenny, die/der Chefe de la Cuisine, die/der gekommen ist, um mit mir auszugehen. Martin also in Panik zurück ins Zimmer: "Eddie, mach besser mal das Licht aus, du hast ein Problem". Das war dann schon recht seltsam: der erste Transvestit, den ich je in meinem Leben getroffen habe, schleicht uns mitten in der Pampa hinterher und wir haben keine Ahnung was geht. Getoppt wird das Ganze dann nur noch durch die Geräusche eines im Stehen pinkelnden Mannes neben unserem Haus und dem Dröhnen einer um das Haus kurvenden Harley.
Am nächsten Tag ist das natürlich scheissegal und wir gehen wieder in die Bar. Und natürlich ist es superlustig und unproblematisch. Jenny, die früher einmal Gohf hiess gibt uns kostenlosen Thai-Unterricht während wir uns am guten Singha-Bier laben. Sehr lustiger Abend!

Mit Jenny bzw. Gohf in der Chopper Bar

Mit Jenny bzw. Gohf in der Chopper Bar

[Eddie: ] Thailand ist wohl das toleranteste Land, das mir bis jetzt untergekommen ist. Hier gilt tatsächlich das Motto "leben und leben lassen". Und solange etwas der Schönheit dient ist es sowieso kein Problem mehr. Mit aus diesem Grund ist es Tradition, den jüngsten Sohn tochterloser Familien als Mädchen zu kleiden um wenigstens ein bisschen Schönheit ins Haus zu bringen. Also gibt es schon in der Schule Gathoeys, was natürlich wiederum dazu führt, dass die Hemmschwelle allgemein gesenkt wird.

Die letzten Abende unserer Reise stolpern wir staunend und mit großen Augen über die Khao San Road: die asiatischen "Frauen" hier sind einfach überirdisch schön.
Und erstaunlich viele Touristen sind auch Hand in Hand mit hübscher Begleitung unterwegs. Wir lassen die Finger davon, zu groß ist das Wissen, hängt doch in unserem Guesthouse bestimmt nicht ohne Grund das Schild "No thai visitors on room".

Ach ja, wer jetzt Geschmack daran gefunden hat: Geschlechtsumwandlungen gibt's in Thailand angeblich schon ab 200.000 Baht, umgerechnet ungefähr 5.000 EURO

© Martin Gädeke, Martin O., 2002
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Winter 2002 - die Reise hat gut angefangen: nach einem kleinen Unfall mit einem betrunkenen Tänzer einen Tag vor der Abfahrt wurde ich am Finger mit 5 Stichen genäht. Die Fäden werde ich mir selbst ziehen. Und dass es in Thailand Malaria gibt, war uns schon klar, nur ... ... vielleicht nicht klar genug.
Details:
Aufbruch: 17.02.2002
Dauer: 5 Wochen
Heimkehr: 25.03.2002
Reiseziele: Thailand
Thailand-Packliste
Der Autor
 
Martin Gädeke berichtet seit 16 Jahren auf umdiewelt.
Reiseberichte von Martin sind von der umdiewelt-Redaktion als besonders lesenswert ausgezeichnet worden!
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