ist es nicht der abschied, der uns leben gibt und uns zu neuen wegen, neuen zielen führt?
so nehme ich sie bei der hand, die zeit zwischen examen und dem leben danach, lasse zurück, was ich einmal hatte, setzte einen fuss vor den anderen und umrunde ihn, unseren globus. mit all meinem mut für eine hand voll augenblick...
das dasein für das hier... streben ohne ziel... treiben in dieser welt... den kopf ab und zu verlieren... mag der verstand auch nicht verstehn, das herz immer...
28.07.2008, 2.08h, wiesbaden
mekong-delta (5.-7.1.2008)
ein riesiger fluss, schon so viele kilometer weit geflossen, beginnt sich an der grenze zwischen cambodia und vietnam zu verlieren. ungezaehlte kleine zweige und richtungen, immer einnehmender, je mehr die muendung in das grosse wasser naht. das mekong-delta.
mit einem minibus reisen wir zu den ufern und steigen ein, in ein kleines boot. fast gehen wir unter, so winzig sind wir im vergleich zu dem grossen fluss. mal schippern wir entlang des ufers, mal sind wir mitten drin. ab und an ueberholt uns ein riesiger frachter.
ueber das deck ist eine haengematte gespannt, in der sich rob tummelt. rob kommt aus holland und ist seit einem weilchen in asien unterwegs. rob angeschlossen hat sich michael, ein mann aus belgien, der am anfang seiner einjaehrign weltreise steht.
ich selbst lehne an der rehling und klimpper auf meiner gitarre., waehrend wir froehlich und stressfrei den fluss hinunter treiben. die ufer sind schlicht - viel zu sehen gibt nicht. einfach nur dahin treiben.
an der grenze steigen wir aus; visum abstempeln lassen und zurueck zum boot. das war´s mit cambodia. irgendwie bin ich froh: vietnam. als wir an land gehen, wird uns erst mal ein dollar abverlangt, fuer ein gesundheitszertifikat, fuer das wir nicht einmal angeguckt, geschweige denn untersucht wurden. aber mit touristen kann man´s ja machen.
warum auch immer hier, wird uns zeit zum essen gegeben. yem: fruehlingsrollen. klein und fettig, frisch zubereitet, mit gemuese oder fleisch. soya-sauce zum dippen unser letztes geld aus cambodia reicht nicht mehr aus dafuer - ein paar wenige cent fehlen zu unserem glueck. dennoch bekommen wir, was wir wollen, denn ein bisschen geld ist besser als gar kein geld. wie praktisch, dass wir nicht mehr hatten. denn, man hat uns vorgewarnt: vietnamesen seien raffgierige wesen, die alles viel zu teuer unters volk bringen wuerden und dazu unfreundlich und spassbefreit drein schauen wuerden. und scheinbar wurde dieses geruecht nicht nur uns zugetragen. vehement fightet thomas, ein schweizer, der ebenfalls auf unserem boot mitreist, um seine preise. tourist-prices! i only pay half price. ich lass mich von denen doch nicht verarrrrrschen. tatsaechlich, denke ich, dass vietnam teuerer ist als cambodia. gleichzeitig ist vietnam aber auch kulturell und sozial viel reicher. hier geht das ueberleben in ein leben ueber. und leben ist teuer als ueberleben. ueber den tisch gezogen fuehle ich mich nicht und freundlich sind sie auch, die menschen hier. so zumindest meine erste wahrnehmung.
noch einmal boot und dann einchecken in einer vietnamesischen stadt. ein zimmer fuer mich und nadja und ein ausflug in die stadt. atm und markt.
eine kleine gasse, die zum fluss hinuter fuehrt, aber nicht weiter. hmm, zurueck? aber da wird uns schon ein boot angeboten. von einer alten, gebueckten frau. voller falten und mit einem fast zahnlosen lachen. ihr boot: einfach, nicht wirklich sauber und alt, aber ein bisschen so, wie die boote, der menschen, die hier leben. die fragende geste nach dem wie viel. 100.000 dong. die zahlen drehen sich in meinem kopf. 100.000... fuer einen us-dollar bekommen wir 16.000 dong und fuer einen euro... irgendwas um die 24.000. bitte? sie will mehr als vier euro fuer eine bootsfahrt wohin auch immer? in relation zu dem, was wir fuer die ganze mekong-delta-tour fuer drei tage inklusive boots-, busfahrten, hotels usw. zahlen, ist das ein schlechter witz. danke also, aber ich glaube wir laufen lieber, als es schon an meiner schulter zubbelt und mir ein kleiner geldschein - ein bruchteil der genannten summe - angedeutet wird. unschluessig stehen wir da. fuer meine tolle mathestudentin, die auf hoechstem niveaue in den beweisfuehrungen tanzt, uebersetze ich kurz das geld: komm, lass uns das machen. wir haben zwar keine ahnung, wohin es geht, aber in euro und kronen bekommen wir fuer das geld nicht mal einen liter milch. laengst ist die alte frau in das boot hinunter geklettert und bekommt noch von jemand anderem benzin gereicht. ich springe vom steg und gefaehrlich schwankt das kleine nussschaelchen auf dem wasser. hmmm... wohin? sitzbaenke gibt es in dem boot nicht und der boden sieht reichlich dreckig aus. ganz hinten an der kante ist ein kleiner vorsprung, der zum sitzen reichen koennte. nadja und ich passen drauf - prima! waehrenddessen zieht die frau an einer leine, um den motor in schwung zu bringen. wuummm....wummm und ratatata... der quirl dreht sich. ein langer beweglicher stab, an dessen ende sich drei blaetter wie bei einem ventilator drehen. insgesamt ein ueberdimensonaler quirl oder mixer, den sie nun in einem hohen bogen langsam ins wasser eintauchen laesst. auf geht´s! wir bewegen uns. jetzt, da wir fahren, ist es an der zeit zu klaeren wohin. die richtung? die richtung ist prima - irgendwie da ein bisschen rum fahren. was immer da sein mag. fuer den fall, dass wir irgendwie auf der andere seite des flussufers stranden sollten - man weiss ja nie...- schaue ich vorsichtshalber mal in beide richgungen. gut, im zweifelsfalle gibt es in der ferne eine bruecke. ganz dicht fahren wir an den haeusern der menschen, die am flussufer leben vorbei. ihre huetten ragen weit ins wasser. dicht aneinander gebastelt, ein raeumchen neben, ueber und unter dem anderen. verschachtelt und aus wellblech, kein holz mehr wie in cambodia. in einer kleinen wanne spuelt die frau das geschirr im fluss. ueberall haengen die kleider an buegeln draussen. ob das die kleiderschraenke von hier sind? eine bambusstange mit buegeln? eine haengematte neben fernseher, toepfen, einem spiegel und zahnbuersten. all-in-one raeume. fischen in kleinen booten und sammeln von wasserpflanzen. eine stadt auf dem wasser, so verbunden dem fluss. wie anders doch als eine deutsche hafenpromenade. leben in huetten, auf dem wasser, verbunden mit industrie und dem flair einer (gross)stadt. das flusswasser ist trueb, die farben eher grau durch das viele wellblech und der himmel wolkenverhangen. trist und doch friedlich. leise schlagen kleine wellen, an die bambusstangen, die die huetten tragen.
vom ufer weg quirlt uns die frau in einer art seitenarm, in dem die haeuser frei schwimmen. alles auf dem wasser. an unseren augen ziehen werkstaetten auf dem wasser vorbei. und eine schaukel. hier und da begegnet sie jemandem, den sie kennt und schnackt drei worte. die ganze zeit lacht sie. hach, ein toller ausflug. da hier nichts verschlossen ist, blicken wir direkt in den alltag der menschen. wie fenster, aus denen waerme und licht in die kalte winternacht leuchtet. nur dass es hier nicht winter ist. aber es wird ruhig und abend. viel angenehmer als die staedte an land, in denen der verkehr und die lautere hupe sich den weg bahnen. nur wasserstrassen, die selbst das laut der motoren dumpf werden lassen.
den abend verbringen wir mit michael und rob am ufer des mekongs. winzige lichter leuchten entlang des flusses. trotz der stadt, gibt es selten mehr als eine gluehbirne licht - wenn ueberhaupt. auch hier ist armut teil der normalitaet.
spaeter im hotel spielen wir das kartenspiel, das ich von phil kennengelernt habe und von dem ich mir immer noch nicht merken kann, wie es heisst. aber die erinnerung tut gut und kartenspielen ist wie zu hause.
homestay
waren wir zu beginn drei - nadja, ich und der only-half-price-schweizer - die einen nachmittag und abend in einer familie verbringen wollten, sind wir nun spontaner weise sieben. michael und rob und ein irisches paaerchen haben den teil der mekong-tour morgens beim fruehstuck noch nachgebucht. das ist toll, weil wir so noch ein weilchen laenger zusammen reisen werden. zeit fuer gespraeche ueber das wer wie was woher und wohin hinaus.
vorher: eine bootstour durch das viertel, durch das wir gestern schon auf eigene faust hindurchgestreift sind. in windeseile und ohne den charme, der alten frau, die in all dem zu hause ist.
eine weberei, wo neben den handgewebten stoffen berge von industriewaren ueber den tisch gehen. kinder die herzchen-waffeln verkaufen, eine kirche und obstverkaeufer am strassenrand.
eine fischfarm auf dem wasser. inmitten des hauses ist ein becken eingelassen, indem extra fuer uns die fische gefuettert werden, damit sie ein bisschen im wasser springen. ich glaube das ist selbst fuer jemanden, der nicht mit fischteich aufgewachsen ist, unspektakulaer bis zum geht nicht mehr. mehr als ein paar minuten bleiben wir aber auch nicht, was vielleicht besser ist, weil ich natuerlich laengst auf das nachbar wasserhaus gesprungen bin und mir fleissig das leben von drinnen angeschaut habe. die ganzen toepfe und sonderbaren kuechengeraete, die an naegeln haengen, die buddha-altare, der krimskram dazwischen und...zu meiner verteidigung muss ich sagen, dass das innenleben sozusagen nach aussen gestuelpft war; all das hing an der "aussenfassade".
fuer den homestay trennen wir sieben uns vom rest der tour und mit einem kleinen boot fahren wir in abgelegene kleine seitenkanaele. faszinierend! das netz an strassen auf dem wasser. hier kann man sich tatsaechlich verlaufen. winzige kanaele, gruen umwachsen. palmen, reisfelder, dschungel. eine mischung aus all dem. huetten und schlamm, boote und bananen. idyllisch hier, fern der wasserstadt. doch gemaess der tradition von nadja und mir hier in asien, passiert immer genau dann, wenn es grade anfaengt wirklich schoen zu werden, etwas. es ist zwar kein hotel, das abbrennen koennte, in der naehe, aber fuer den motor unseres bootes reicht es trotzdem: wir bleiben stehen. so sehr der bootsfuehrer sich auch bemueht - das schiff will nicht mehr. irgendwann ist klar, dass wir uns ein weilchen laenger hier schunkelnd auf diesem kahn aufhalten werden. na ja, ich hab´ ja meine gitarre und wir haben urlaub und... nur der bootsmann tut mir leid. weiss ich doch, dass das leben hier immer knapp bemessen ist. es reicht, wenn alles glatt laeuft - jede panne knallt voll rein. wie gerne wuerde ich jetzt mit zwei handgriffen das ding wieder zum rollen bringen, aber an dem punkt hat mein physikunterricht bitterlich versagt. die motoren sind an mir vorbeigegangen wie nur irgendwas. so denn: ein lied und zwei und drei. nach einer ganzen weile kommt ein neues boot. ein bisschen kleiner, ohne dach, aber voellig ausreichend. umsteigen auf dem wasser und fahrt voran!
als wir endlich ankommen steht fuer uns ein reich gedeckter tisch bereit. der sohn der familie spricht ein bisschen englisch - alle anderen schlagen sich mit haenden und fuessen durch. voller lachen und freundlichkeit werden wir willkommen geheissen. wieder einmal keine spur von den angeblich so griesgraemigen vietnamesen. oah! und es ist so lecker! aber es gibt kein besteck - buhu! ich und staebchen... das ist zwar unterhaltsam fuer alle anderen, aber nicht wirklich saettigend fuer mich. getreulich schaue ich in die runde, wie die anderen das machen. das ein staebchen auf dem einen finger parken und nur das andere bewegen. klar! ganz simpel... und wo ist mein essen, wenn ich mit den staebchen an meinem mund angekommen bin? ich bekomme eine weitere erklaerung zu meiner sammlung staebchen-essen von rob. aber dieses mal macht es klick. ich schaffe es tatsaechlich etwas in meinen mund zu bekommen. und mehr noch als das: ich schaffe es vor nadja, der staebchen-queen, satt zu werden. hui! das happs und weg kind ist back! jetzt kann ich auch mit staebchen schlingen. das ist toll! wer will schon sein halbes leben mit essen verbringen, wenn man mit einem viertel leben den doppelten spass hat?
eine monkey-bridge fuehrt ueber den kanal. ein bambusbalken, ueber den man balancieren muss. hier wachsen reis und papayas. querrbeet durch die felder, mal links und mal rechts. viel wasser - selbst an land. und muecken. aber malaria-frei, wie mir der sohn erklaert. malaria finde man mehr im dschungel - also da, wo wir davor waren. aber jetzt sind wir ja hier und hier ist toll. das spazieren gehen, das erkunden zu fuss, das niemandem folgen, sondern einfach drauf los laufen, tut gut. Reisfeldgruen, frauen mit strohhueten, wassergraeben, fruechte und insekten. ein weg entlang dem kanal. hier werden baenke aus beton gebaut, dort ornamente gegossen. ein kuehles bier in grosser runde, zu dem sie uns das eis klein schlagen, damit das bier kalt wird (und waessrig...).
in die daemmerung hinein: ein kuehles bad in dem seitenarm des mekongs. hinunter springen von der monkey-bridge, tunken, klettern, schwimmen und mit wasser spritzen. da kommt freude auf! und so wie es sein soll, gibt es als wir raus kommen und uns abgeduscht haben, wieder einen riesigen berg mit buntem essen und reis. leggaleggalegga....
floating market
ein markt auf dem wasser; kleine boote, die kostbare dinge mit sich tragen. Berge von fruechten und dingen. mit ihren booten fahren die menschen an die anderen boote heran und tauschen aus - ware gegen geld.
ein haendler schneidet eine seiner mangos auf und reicht kleine stuecke zum probieren. Ein boot mit frischem kaffee, tee und anderen getraenken faehrt an unseres heran und findet manch einen dankbaren abnehmer. ein gewimmel und gewirr von kleinen und grossen booten, die fuer viele ueber transportmittel hinaus lebensraum, zu hause sind. mitten drin, im handel auf dem wasser.
reisnudelfabrik
hier arbeiten die frauen von morgens bis abends fuer zwei dollar am tag. reis mahlen, einweichen, zu einem brei werden lassen, ihn ausgiessen und backen, formen und trocknen lassen.
aus ratan-geflechten sind mehrere ebenen aufeinander gestapelt; hier werden die frischen reisnudelkreise aufgelegt und getrocknet, gewendet und weiter getrocknet.