28.01.2008, 1.50h, wiesbaden
hanoi (11.01.2008)
kunstvoll uebereinander gestapelt rollen wir mit dem sleeping-bus richtung. ueber meinem fussraum, einer kleinen hoehle, die geneigte rueckenlehne desjenigen, der vor mir liegt. fuer menschen, die auf dem ruecken schlafen, sicherlich eine angenehme art zu reisen. zwar nicht liegend, aber immerhin ausgestreckt und die horizontale angedeutet. ein bisschen wie beim zahnarzt. fuer eine frau, die jedoch auf dem bauch schlaeft, heisst das eine traurige nacht. immer wieder versuche ich mich umzudrehen und werde gewaltsam von meinem sitz in die form einer banane gebracht; ein tiefes hohlkreuz. so kann ich nicht sein und drehe mich zurueck. hin und wieder falle ich vor muedigkeit in einen leichten schlaf; immer an der oberflaeche. waehrenddessen tobt die klimaanlage und laesst mich froesteln. dass mein atem noch keine kleinen nebelwoelkchen wirft ist es auch schon. irgendwann im dunkeln der nacht reicht es mir: ich krabbel aus der hoehle des mir zugedachten schlafsitzes und lege mich einfach auf den boden. hart, aber grade ausgestreckt. so gelingt es mir wenigstens ein bisschen zu schlafen. und noch jemand freut sich, dass ich auf den boden "ausgewandert" bin. fuer eine frau, die fuer irgendeinen preis unter der hand oder vielleicht sogar umsonst mitfahren darf, gibt es keinen sitz- und schlafplatz mehr in diesem bus. bis zum morgen kann sie meinen platz gerne haben. mit dem licht will ich jedoch meinen platz zurueck und meine sachen sortieren, damit ich nicht bloed irgendetwas suchen muss, wenn wir ankommen. und was tut sie - sie schuettelt einfach den kopf und bleibt sitzen. aeh, hallo! das ist immer noch mein platz, fuer den ich bezahlt habe und wo auch immer noch ein paar von meinen sachen verteilt sind. ein kurzer, pruefender blick zu nadja: es ist in ordnung, wenn ich an der stelle meinen platz zurueck haben will? ja. und es ist nicht irgendwie dreisst oder sozial nicht vertretbar, oder? nein. gut. mit haenden, worten und fuessen versuchen wir also dieser frau klar zu machen, dass ich meinen platz zurueck will und dass fuer sie heisst, dass sie gehen muss. noch zweimal schuettelt sie den kopf, bevor sie sich dann dich dazu bequemt aufzustehen. hat sie mich vorher nicht verstanden, oder? ein komischer film, aber jetzt habe ich ihn zurueck, meinen platz.
frueher morgen und wir rollen in hanoi ein. irgendwo am rande der strasse haelt der bus. wir sind im nichts - was soll das? drum herum halten taxis. jemand verkuendet uns, dass von hier aus mit taxis weiter fahren muessten, die umsonst sind, wenn man in dem hotel bleibt, zu dem sie einen fahren. schoen - nur, dass wir ueberhaupt kein hotel brauchen, weil wir am ende des tages mit dem nachtzug weiter gen norden fahren werden. wir wollen zum office, der reiseagentur, bei der wir die busfahrten und unsere touren nach sapa und halong bay gebucht haben. der deal war, dass wir den tagueber unsere ruecksaecke im buero lassen koennen, waehrend wir durch hanoi schlendern. und bisher haben auch alle busse, die wir in den letzten tagen fuer das projekt vietnam sued nach vietnam nord genutzt haben, immer an einem office gehalten, wo dann jemand war, der englisch gesprochen hat und wusste, wie es mit uns weiter gehen soll. warum ist das dieses mal anders? das einzige einheimische englisch-sprachige wesen ist der mann, der die tolle botschaft mit den hotels verkuendet hat und sich selbst als guide bezeichnet. was ist mit unserem office? wo ist die agentur? nein, wir wollen immer noch kein hotel - wir haben touren gebucht und... moment - und da stehen wir. allein gelassen. fuer ihn sind die menschen interessanter, die er in ein taxi-zum-hotel-bus setzen. kann. provision heisst das spiel. und mehr und mehr menschen spielen mit, sobald sie ihr gepaeck haben. steigen in taxis und werden irgendwo hin kutschiert, wo sie fuer all das doppelt und dreifach mit ihrem hotelpreis zahlen duerfen. ich erinnere mich noch gut an guatemala und die boys, die freundlich tun, einen tatsaechlich aber zu viel zu teueren und schlechten hotels verschleppen. wie gut, dass wir das dieses mal nicht brauchen. mit dem mitspielen der menschen lichtet sich nach und nach das chaos. der bus ist weiter gefahren. mit dem gepaeck von zwei australischen frauen, wie sich jetzt in dem sich lichtetndem chaos erkennen laesst. zwischen panik und wut stehen sie da. irgendwie versucht dieser tolle guide zu vermitteln, aber sie hoeren ueberhaupt nicht zu und schlagen alles aus, was er ihnen vorschlaegt. sie wollen ihr gepaeck zurück. verstaendlich, aber dieser mann ist vielleicht derjenige, der euch am ehesten helfen kann. der hat naemlich die handynummer vom busfahrer und spricht beide sprachen... nichts zu machen. die beiden sind zu hysterisch. und mit jeder weiteren minute vergeht dem guide mehr und mehr die lust irgendetwas zu machen. stopp! wir wollen auch noch etwas: zu unserem office! und wir werden nicht dafuer zahlen, weil wir das bereits getan haben. wobei ich mir das denke und nicht laut dazu sage. es ist leichter dort zu sein und dann den stress zu haben als gar nicht erst da hin zu kommen. ein taxi also auch fuer uns und kurzerhand die beiden australischen frauen. irgendwo in die stadt hinein zu einem buero. und nicht mal der taxifahrer macht anstalten, dass er geld von uns will. prima, denke ich schon. so lange zumindest, bis dass ich realisiere, dass hier niemand englisch spricht, dass hier niemand etwas von uns weiss usw. ziemlich aufgebracht schiebt uns die frau wieder aus dem buero heraus. weg hier! aeh, was soll das nun wieder? nein, ich geh hier nicht raus, wir haben diese touren gebucht und ich will wissen, wie es weiter geht. und vor allem will ich jemanden, der mich versteht, der englisch spricht. nachdem sie meine bittenden gesten, ob ich das telefon benutzen darf, ablehnt, greife ich irgendwann einfach so danach. das hier nervt mich. und am meisten nervt mich, dass sie grade unsere knappe und kostbare zeit in hanoi vergeudet. allerdings reisst sie mir das telefon gleich wieder aus der hand. grhhh! aber nicht nur uns wird das alles hier langsam zu bunt. unsere beiden australierinnen sind immer noch gepaecklos und rufen jetzt einfach die polizei. ob das mal was bringt? aber immerhin stossen sie bei der suche nach der notrufnummer auf die adresse von einem cafe, das so heisst wie unsere tour-agentur. da wir den verdacht nicht loswerden, dass wir hier irgendwo sind, aber definitiv nicht da, wohin wir wollen, nehmen wir das erstbeste taxi zu eben diesem. schlimmer als hier kann es gar nicht werden und rumstehen und nix tun - das passt nicht zu uns. da nehmen wir doch lieber unser schicksal selbst in die hand und irren ein bisschen durch die strassen hanois. denn natuerlich hat der taxifahrer keinen plan, wo das cafe ist. nachdem wir ein drittes mal um den gleichen block gefahren sind, reicht´s: von dem cafe keine spur und das taximeter laeuft. in der richtigen strasse waren wir - so viel habe ich gesehen. wir fragen hier und da jemanden und endlich habe ich jemanden gefunden, der englisch spricht. kurz beschreibe ich ihm die situation. nein, von dem cafe habe er noch nie etwas gehoert, aber wenn wir wollten, koenne er fuer uns bei der agentur in saigon anrufen, wo wir gebucht haben und unsere einzigste kontaktadresse. halleluja, fuer diesen satz koennte ich diesen mann knutschen. raus kommt: das cafe war von der idee her nicht schlecht, aber die agentur hat damit nichts zu tun. getreulich schreibt er die adresse der agentur hier in hanoi fuer uns auf, erklaert dem taxifahrer was sache ist, und ab geht´s. neue adresse, neues glueck. in der strasse sind wir und sogar die passende hausnumer gibt es. nur ist das nicht unser agenturbuero, sondern eine kaserne mit uniformierten maennern. ich glaube, wir sind hier falsch. seufz! mit mueh und not versuchen wir unseren taxifahrer, der kein wort englisch spricht, zu noetigen fuer uns noch einmal in saigon anzurufen. den die telefonnummer war gut - der mann an der andern seite der leitung, wusste wer wir sind. noch einmal die adresse und wir muessen in eine strasse, die fast genauso klingt, wie die, in der wir grade stehen. fast... die strasse, in die wir dieses mal hoffentlich tatsaechlich wollen, liegt am anderen ende der stadt. na spitze! aber wenn dem so ist wollen wir DA hin. mein blick schweift zum taximeter. schweigen wir darueber. denken wir es in europaeischen dimensionen und nennen es bezahlbar. fuer die verhaeltnisse hier haben wir uns grade ein taxi von frankfurt nach berlin geleistet. aber eigentlich wollen wir ja, dass das die agentur zahlt. schliesslich arbeiten die mit dieser beschissenen busagentur zusammen, der wir diesen schlamasel ueberhaupt erst zu verdanken haben. zu allererst muessen wir jedoch erst einmal ankommen. aber, oh wunder, es klappt! wir stranden zwar ein weiteres mal vor einem buero, das grade erst eingerichtet wird, ohne tuerschild usw. aber die menschen darin heissen uns willkommen. wir haben es geschafft. erleichterung. und sie sind voll nett zu uns. allerdings wollen sie von unserer taxirechnung nichts wissen. ueber die schnacken wir spaeter. rucksaecke ablegen, klaeren, wie es weiter geht, mit bus, bahn, taxis, schiffen usw. wasser fuer uns - zum trinken und duschen - und tolle hanoi tipps. wo es das beste essen auf der strasse gibt, das beste eis usw. ein stadtplan fuer uns und abends muessen wir wieder hier sein. irgendwo kommt noch raus, dass die halong bay auf ein falsches datum gebucht ist. hmm, das haette uns auch alleine auffallen koennen, da es auf unseren tickets stand. na ja, ist ja noch rechtzeitig zu tage gekommen und dadurch aenderbar. hach, ist das schoen: ab hier sind wir wieder gut aufgehoben. in guten haenden...
aber jetzt: raus in die stadt, hinein ins volle leben. altbauten, neubauten, parks und seen. eine grossstadt, aber dafuer erstaunlich ruhig. auf dem teich schwimmen schwanfoermige boote. latent kitschig. ein bisschen erinnert mich all das an heidelberg. das wasser, die altstadt, das gruen dazwischen, die uferpromenade, ... auf einer kleinen, begehbaren insel ein tempel. buddhas mit verzerrten gesichtern, rot und gelb, plastikblumen, huetchen-tuerme und raeucherstaebchen. eine tolle konditorei und essen auf der strasse. sitzen auf mini-hoeckerchen, unbekanntes serviert bekommen. eine sosse wird extra fuer uns angeruehrt und wir werden zu allem, was rein kommt gefragt, ob wir es haben wollen. keine ahnung? was ist das? wie benimmt es sich und...? de facto nicken wir aber nur fleissig, denn verstehen wird sie uns sowieso nicht. zu dem einen kleinen etwas aus teig, wegen dem wir hier gehalten haben, wird uns ein ganzes menu serviert. so viel wollten wir gar nicht. aber da es nun mal da ist, heisst die divise essen. um uns herum gesellen sich einheimische, die hier ebenfalls dinieren. auf einem fahrrad faehrt eine blumenhaendlerin an uns vorbei. vor lauter bunt ist von ihr selbst kaum noch etwas zu sehen. frauen, die sich auf der strasse unterhalten. mitten im treiben.
kleine laeden.
ein frisur-salon: ein alter stuhl, ein spiegel, der an einem nagel an der hauswand befestigt wird, ein krug mit wasser zum haare waschen.
lampions leuchten in allen farben und formen. sonnengelb, herzensrot, gruen und weiss.
eine frau verkauft frisch aufgeschnittene ananas auf holzspiessen. saftig und suess. obst essen wird einem hier so leicht gemacht... fast noch besser als das konzept mama, die einem einfach geachtelte aepfel irgendwo in greifweite stellt.
markt in der halle. erschlagend eng und bunt. stickige luft und menschenmassen. alles nur in riesigen mengen und... einmal hoch und querr durch. schneiderabteilung, stoffe, fertigklamotten, kinderkleidung, drogerieartikel, haargummis, handtaschen,... sortiert und doch wild und unuebersichtlich. wenig touristisch. hier kaufen wir ein paar der typischen huete, die hier auf den reisfeldern und ueberall getragen werden. der inbegriff meiner vietnamromantik. sechs stueck an der zahl. drei fuer nadja, drei fuer mich. und raus.
eine gasse voller gewuerze. aufgereiht in huebschen schalen, kisten und dosen. sinnlich und zum anfassen. viele verschiedene sorten ingwer. kraeuter, pilze und unbekanntes.
an der naechsten ecke werden kraben auf einem kleine grill geroestet: eingeklemmt zwischen zwei rosten, auf der glut knusprig werdend.
muede vom laufen goennen wir uns eine rikscha. fuer eine stunde handeln wir den preis aus. langsam bewegen wir uns fort. schneller als zu fuss sind wir auf jeden fall nicht, aber wir sitzen. ab und an halten wir an, weil ich in dem ein oder anderen laden gerne noch etwas sehen moechte. als wir gerne um den see gefahren werden moechten, protestiert er und stoppt. die zeit sei vorbei - wieso das, bitte? wir sind erst eine halbe stunde unterwegs. und wir zahlen fuer keine minute laenger. als ich ihm die haelfte des vereinbarten geldes in die hand druecke, werde ich lautstark beschimpft. seinem aufstand nach zu urteilen, kommt er sich tatsaechlich um sein geld beraubt vor. dennoch bleiben wir hart. vereinbarung ist vereinbarung und an die hat er sich nicht gehalten.
eine kurze atempause am see, ein paar letzte dinge heraus finden und klaeren, abendessen und zurueck zur agentur. auf nach sapa.