Und dann habe ich das Reiseland und den Reisepartner gewechselt: goodbye zu meinem Bruder und Kambodscha gesagt und mich nach Vietnam aufgemacht, um mich dort mit Max, einem Chilenen, den ich aus Australien kannte, getroffen. In Saigon bzw. jetzt Ho Chi Minh City ist der Verkehr noch verrückter wie in Phnom Penh, dort hat das ganze noch einen sympathischen Charakter. Ho Chi Minh ist größer, es fahren zusätzlich zu den unzähligen Motos noch unzählige Autos rum und der Verkehr wirkt etwas gefährlicher. Das überqueren der Straße ist hier wirklich ein Abenteuer. Max hat immer behauptet man kann blind über die Straße gehen und es würde einem nix passieren, ich wollte dass aber nicht unbedingt austesten! Meter für Meter hat man sich der anderen Straßenseite genähert. Immer einen Schritt vorwärts und dann sind die Motos an einem links und rechts vorbei und dann konnte man wieder einen Schritt vorwärts, dann kamen wieder die Motos, etc. Kam mir am Anfang beim überqueren der Straße wie in einem Gameboyspiel vor, nur mit dem Unterschied, dass ich nicht drei sondern nur ein Leben habe! Aber es hört sich schlimmer an wie es ist, man muss sich nur erstmal daran gewöhnen. Mototaxifahren in Vietnam ist auch ein Erlebnis der etwas anderen Art. Ich habe diese Beförderungsmethode immer Sandwichtaxi genannt. Und ich war immer die Fleischeinlage! Also man wird zu zweit auf einem Moto hinten mitgenommen, das Ganze ist schön eng und etwas wackelig, vorallem, wenn man einen großen Rucksack in die Fußablage des Fahrers quetscht, der Hinterste auch noch einen dicken Rucksack auf hat und man noch irgendwie das Handgepäck festhalten muss. Das gute wenn man in der Mitte ist, man ist so eingequetscht, dass man sich nirgenswo festhalten muss! Ich war in Vietnam auch zum ersten Mal Geisterfahrerin, sogar gleich mehrmals, ist dort völlig normal, dass man auf der falschen Straßenseite am Rand in die falsche Richtung fährt. An was man sich auch in Vietnam gewöhnen muss, die Autos haben meistens getunete Hupen, wenn man die hört bekommt man einen halben Herzinfakt und denkt da kommt jetzt ein übergroßer LKW an und dann ist es doch nur ein stinknormales Auto!
Die asiatische Kunst in jeder Position ein Nickerchen zu machen!
Sehenswert in HCMC ist das Warmemorialmuseum und die etwas eine Stunde von der Stadt entfernten Cu Chi Tunnel. In Vietnam gibt es noch aus der Vietnamkriegszeit mehrer riesige Tunnelsysteme, wo die Vietcong sich versteckt und auch gelebt haben.
Man war ich da froh, dass ich so klein un zierlich bin...
Danach gings nach Dalat, einem kleinen Städtchen in den Bergen. Wir sind mit dem öffentlichen Bus gefahren. Das erste was ein Busfahrer in Vietnam macht, bevor er die Passagiere reinlässt, er kontrolliert, ob es auch überall genügend Plastiktüten gibt. Die Südostasiaten haben einen etwas empfindlichen Magen was Busfahrten angeht. Auf der Fahrt nach Dalat hoch und von Dalat runter hat sich mindestens die Hälfte übergeben müssen! In Dalat gibt es ein Crazy House, Hundertwasser- bzw. Gaudiarchetektur auf vietnamesisch. Dieses Haus sieht sehr verrückt aus, sehr verschnörkelt und verwunschen, perfekt für die Märchenwelt. Wenn man will kann man auch dort übernachten, jedes Zimmer hat ein anderes Thema (z.B. das Känguruzimmer, das Känguru find ich mit seinen leuchtenden Augen ist aber eher grußelig wie süß, oder Bärenzimmer,etc.) und ist mit einem schönen Ofen ausgestattet.
Crazy House Dalat
Crazy House mit Blick über Dalat
Treppe im Bambuszimmer
Chuc Mung Nam Moi! Und dann stand das chinesische Neujahr vor der Tür. Dieses Jahr fand es am 14. Februar statt und war der Begin für das Jahr des Tigers. In Vietnam wird dann eine ganze Woche gefeiert. Am 13. wird alles für die Feierlichkeiten vorbereitet, am 14. dann in der Familie gefeiert, am 15. die Verwandten und Freunde besucht und am 16. geht man in den Tempel und bittet um Glück für's neue Jahr. Und da man meistens von weiter her zu seiner Familie angereist ist, werden auch noch die nächsten Tage gefeiert, ausgeruht, etc. Es herrscht also in Vietnam für eine Woche lang etwas der Ausnahmezustand, die Bustickets und die Unterkünfte sind mindestens um ein Drittel teuerer. Wenn man nicht rechtzeitig sich seinen Bus reserviert, kann es auch schon mal schwierig werden, von einem Ort weg zukommen. Über Neujahr ist die vorherschende Farbe Gelb und Rot. Jeder kauft Blumen und Bonsaibäumchen in Gelb, ganze Straßen oder Parks sind voll mit gelben Blumen, die zum Verkauf angeboten werden. Überrall hängen rote Banner, die ein Frohes Neues Jahr wünschen. Und es wird alles sauber aufgeräumt. So sauber wie am 13. Abends sind die Straßen von Vietnam sonst nie das ganze Jahr über! Hält allerdings nicht lange, am 14. morgens erblickt man schon wieder überrall Müll, man ist halt in Südostasien, Müll ist dazu da, dass man ihn wegschmeißt, gerade da wo man halt ist!
Gelbe Neujahrschrysamthemen! Am Neujahr werden die dann links und rechts vom Eingang der Häuser aufgestellt.
Neujahrsbanner in Hoi An
Schon Tage vor Neujahr zieht einer als ein altes Männchen mit weißem Haar und langem weißen Bart natürlich in rot gekleidet und einer weiterer Mann in rot mit dickem Bauch durch die Straßen begleitet von Musikanten und sammeln Glücksneujahrsspenden ein.
Chuc Mung Nam Moi!
Das neue Jahr wird dann mit einem Feuerwerk begrüßt, die Asiaten lieben ja bekanntlich die Böllerei. Max und ich haben Neujahr in Nha Trang verbracht, einer Stadt am Meer. In der Stadt war direkt am Meer eine größe Bühne aufgebaut, wo abends vietnamesische Akrobatenshows gezeigt wurden, von Drachentänzen verschiedener Art bis hin zu Schwertkämpfen.
Ein tanzender Drache...
...wird gezämt
Drachenakrobaten!
...aber bitte nicht runterfallen!
Peace und frohes neues Jahr!
Und dann war's eigentlich auch gut mit dem Neujahr, irgendwann hat es dann sogar angefangen zu nerven, da die Vietnamesen das gleich zum Geschäfte machen ausgenutzt haben. Ab dem 14. waren die Verkäufer noch aufdringlicher als sonst und wollten einem unbedingt was verkaufen. Und immer hießes: "Frohes neues Jahr, bitte kauf was, du bist mein erster Kunde im neuen Jahr, kauf bitte was, dann bringst du mir das ganze Jahr Glück!" Am vierten Tag war's dann schon sehr nervig, auch weil das Du-bist-mein-erster-Neujahrkunde nicht mehr sehr glaubwürdig rüberkam und ich bestimmt nicht bei jemanden was kaufe, nur weil Neujahr ist, ich brauche keinen Plunder und die Urlaubskasse ist eh eigentlich schon längst leer!
Wenn man in Nha Trang ist, sollte man unbedingt Schnorcheln gehen. Es ist günstiger wie in Kambodscha und weitaus toller! Viele bunte Fische, habe sogar einen Oktopus und ein Seepferdchen gesehen, und schöne Korallen! Und eine sehr klare Sicht.
Max beim Schnorcheln
Und nachdem wir so viele schöne bunte Fische gesehen haben, hatten wir auch gleich Hunger auf diese. Hierfür ist Nha Trang auch genau der richtige Ort. Abends werden am Straßenrand Strände mit Kisten voll Eis und alles mögliche an Meeresfrüchten. Man sucht sich aus was man will, verhandelt ordentlich über den Kilopreis, setzt sich dann auf kleine rote Plastikhöckerchen und wartet bis das Essen, das gerade am Straßenrand auf einem kleinen Grill gebraten wird, fertig ist. Und dann nur noch genießen, mmmhhhhh!
Straßengrill
und guten Appetit...
Wenn ich schon beim Essen bin, in Vietnam gibts die besten gegrillten Maiskolben. Die kann man überall an der Straße kaufen, manchmal streichen die noch eine leicht scharfe Sojakräutersoße drüber und dass sind dann die Besten! Süchtig kann man in Vietnam auch nach deren Ca Phe werden. Guter starker Kaffee mit viel süßer, dicker Kondensmilch, dieser wird entweder heiß oder kalt getrunken. Die süße Kondensmilch ist am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig. Man denkt sich, die verpfuscht ja den ganzen guten Kaffee, aber wie gesagt, das Ganze hat was, man wird sehr schnell süchtig danach.
Die beste Möglichkeit sich in Vietnam Sehenswürdigkeiten anzuschauen und die Gegend erkunden, ist eindeutig mit dem Moto. Die kann man eigentlich überall Mieten, die Preise unterscheiden sich allerdings ziehmlich und nach dem Motto je größer meine Verhandlungsfähigkeiten, desto besser der Preis! Mit dem Moto im vietnamesischen Verkehr fahren aber relativ wenig Touristen rum, daher ist es für die Vietnamesen eher ein besonderer Anblick und so wird man doch öfters wärend der Fahrt angesprochen und man hält wärend der Fahrt einen kleinen Plausch. Um Nha Trang gibt es ein paar schöne Tempel zu besichtigen. Die Tempel in Vietnam sehen ganz anders aus wie die in Thailand, Laos oder Kambodscha und ähneln eher den chinesischen. Im Süden von Vietnam hatten wir auch einige nette Tempelerlebnisse. In HCMC kamen wir gerade in eine Tempelanlage als eine ältere Frau am Beten war. Wir hielten uns unauffällig im Hintergrund bis sie fertig war. Als sie uns aber erblickte, winkte sie uns freudig her, drückte jedem von uns drei Räucherstäbchen in die Hand, sagte uns was wir zu welcher Skulptur auf vietnamesisch sagen sollten und wo wir dann unsere Räucherstäbchen hinstecken sollten. Habe keine Ahnung für was ich gebetet oder mich bei den vietnamesischen Gottheiten bedankt habe, hoffe, dass sie mir aber ab jetzt wohlgesonnen sind. Na ja, wenn sie verstanden haben, was ich da hergenuschelt habe. Vietnamesisch ist leider nicht gerade einfach. Wenn mein Bruder und ich die paar Worte, die wir in Khmer konnten, gesagt haben, hat uns jeder verstanden, auch wenn sich immer alle sehr über unsere Aussprache amüsiert haben. In Vietnam ist die Aussprache so schwierig, dass die einen kaum verstehen, letztendlich mussten wir meistens das Wörterbuch zeigen und die mussten lesen, was wir versucht haben zu sagen, um uns zu verstehen. In Nha Trang in einem Tempel gab es eine große Glocke, in die man sich reingesetzt hat, dann hat ein Mönch, irgendwas gesungen, wahrscheinlich irgendwelche Glückwünsche fürs Neue Jahr, und dann einen riesen Holzstamm drei Mal gegen die Glocke schlagen lassen. Nein ich bin seit dem nicht taub, der Holzstamm wurde mit einem Lederstück gedämpft. Aber es war ein irres Gefühl in der Glocke zu sitzen, der ganze Körper hat mit der Glocke mitvibriert. Da kann das neue vietnamesische Jahr ja nur gut werden!
Tempel in Dalat
Tempel in Nha Trang mit sitzenden Riesenbuddha
Glockenglück!
Und nach soviel Sightseeing ist dann auch mal wieder Entspannung angesagt. Da ist das Matschbad in Nha Trang genau das Richtige. Das Bad ist Terassenförmig angelegt. Und es gibt eine strickte Reihenfolge. Erst setzt man sich in ein braunes Matschwasser für 15 Minuten, dann setzt man sich für ein paar Minuten in die Sonne, dann wird der Matsch abgeduscht, dann darf man sich 5 Minuten unter sehr heißes und sehr mineralhaltiges Wasser stellen und dann darf man noch 'ne halbe Stunde in ein warmes Mineralbad. Und zum Schluss darf man so lange wie man will in den Normalschwimmbadbereich.
Hafen auf dem Weg zum Matschbad
so macht Sightseeing am meisten Spaß, auch wenn man nicht unbedingt am feschesten aussieht...
Hoi An, Südostasiens schönste Stadt, die zu Recht zum Weltkulturerbe gehört. Städte in Südostasien sind in der Regel nicht schön, der Charm liegt eindeutig wo anders, wie in der Schönheit. Hoi An ist allerdings die Ausnahme. Überall in den Straßen der Altstadt hängen Laternen über der Straße. Die Gassen sind schmal und verwinkelt. Im November/Dezember ist die Stadt jedes Jahr unter Wasser und man muß mit dem Boot durch die Gassen fahren. Und was kann man in Hoi An so machen außer sich alte Gebäude anzuschauen, Essen, sehr lecker Essen. Das Beste vietnamesische Essen gibt es in Hoi An. Es lohnt sich auch dort einen Kochkurs zu machen, kann jetzt selber die leckeren Frühlingsrollen und Wantons zubereiten. Wobei ich mich an Frühlingsrollen etwas übergessen habe, was aber auch kein Wunder ist, wenn man das einen Monat lang einmal täglich ißt. Und shoppen, es gibt einen Schneiderladen nach dem anderen und man kann sich sehr günstig Jacken, Röcke, Hosen, etc. maßschneidern lassen.