Vietnam-Reisebericht :Kambodscha und Vietnam - auf ein Neues

Vietnam - Ninh Binh: Ninh Binh Tag 3

Vietnamesische Verlobungszeremonie

Heute stand alles im Zeichen der Hochzeit. Andreas und ich haben nach dem Frühstück einen letzten Versuch unternommen, Schuhe für mich für die Hochzeit zu finden. In einem Schuhladen hat mir eine extrem bemühte junge Verkäuferin geholfen, so ziemlich jedes Paar Schuhe ab Grösse 38 in ihrem Geschäft anzprobieren - ohne Erfolg. Grösse 35-37 war häufig vertreten, alles darüber eher ausgesucht. Ich habe nicht ein einziges Paar gefunden, das gepasst hätte (nicht mal ein potthässliches). Dann hab ich mich damit abgefunden, unter meinem bodenlangen Kleid FlipFlops zu tragen und wir sind zurück zum Hotel gegangen. Dort erklärte mir David dann allerdings sehr gefühlvoll, dass FlipFlops nicht gut wären - dann doch lieber Turnschuhe. Im Ernst? Also putzte ich meine schwarz-pinken Turnschuhe und trug diese.

Als wir fertig angezogen zur Rezeption kamen, freute sich David und meinte, wir sähen wunderbar für die Hochzeit aus. Dann rannte er los und holte aus seiner Wohnung noch eine Krawatte für Andreas, die er ihm dann in der Hotellobby umband und meinte, wenn sie ihm gefalle, würde er sie ihm schenken wollen. Wir nahmen sie als Leihgabe für heute und morgen aber sie bleibt in Davids Eigentum, obwohl sie wirklich schön ist.

Dann wurden wir von einem Fahrer zur Feier gebracht. Das Haus von Tommys Eltern ist in einer Sackgasse, direkt vor einem Karstfelsen gelegen und vor dem Haus war ein grosses Zelt aufgebaut, in dem zig Personen mit der Dekoration beschäftigt waren. Wir wurden ins Haus gebracht, wo schon die ganze Familie versammelt war. Besonders die Kinder aber auch so ziemlich alle Frauen waren völlig aus dem Häuschen, als sie uns sahen - die einzigen Nicht-Vietnamesen weit und breit. Sie führten uns erst mal durchs gesamte Haus, baten uns Tee und Sitzplätze an. Keiner ausser Tommy sprach Englisch, somit funktionierte die Kommunikation wieder völlig mit Händen und Füssen. Einzig der kleine Sohn von Tommys Cousine konnte "Hello", "Thank You", "Beautiful", "Good", "Beer" und "lets go!". Egal wo wir uns aufhielten, wir standen überall im Mittelpunkt und sie bemühten sich alle rührend um unser Wohl. Das war ganz herzlich, jedoch auch ein bisschen unangenehm, denn wir kennen es sonst von Hochzeiten, dass das Brautpaar im Mittelpunkt stehen sollte.

Das Haus von Tommys Eltern ist ganz neu und sehr schön. Wie die meisten vietnamesischen Häuser ist es nicht in die Breite sondern in die Höhe gebaut und relativ tief. Tommys Vater freute sich sichtlich über unser pantomimisches Lob für sein Haus und Tommy erklärte uns, dass er Schreiner sei und die gesamten Holzarbeiten selber gemacht habe. Die Stuckarbeiten habe einer seiner Cousins gemacht.

Im Eingangsbereich türmten sich grosse Körbe voller Essen und wunderschön und in Tierformen hergerichteten Früchten. Tommy erklärte uns, dass diese riesigen Körbe nun in Autos verladen werden und wir gemeinsam zu Liens Haus fahren, um sie als Geschenke an Liens Familie zu überreichen und somit quasi noch einmal ganz offiziell um ihre Erlaubnis für die gemeinsame Hochzeit zu bitten. Diese Zeremonie sei so mit die wichtigste in Bezug auf die ganzen Hochzeitsfeierlichkeiten. Die Familie machte in unterschiedlichen Konstellationen Gemeinschaftsfotos vor den Körben und dann wurden diese sowie wir alle in Autos verladen und zu Liens Elternhaus gefahren. Die Männer von Tommys Familie trugen übrigens fast alle schwarze Hosen, weisse Hemden und rote Krawatten.

Bei Liens Haus war ebenfalls ein grosses Zelt aufgebaut und einige Mädels standen in roten Kleidern vor der Tür, um die Familie und Freunde von Tommy willkommen zu heissen. Auch hier stachen Andreas und ich sehr aus der Menge heraus und wurden direkt zum Ältestentisch der Familie gebeten. Auch das war uns sehr fremd aber sie waren alle so herzlich und haben sich gefreut, dass wir es als unhöflich empfunden hätten, die uns angebotenen Sitzplätze nicht anzunehmen. Wir wollten niemanden beleidigen. Vorne wurde eine Zeremonie der Korbübergaben abgehalten und ein Onkel von Tommy moderierte das Geschehen. Es wurden viele Fotos geschossen, wie Tommys und Liens Mütter gemeinsam einen der riesigen Körbe halten.

Während der gesamten Zeremonie wurde an den Tischen Tee getrunken und Sonnenblumenkerne und Süssigkeiten gegessen. Die Sonnenblumenkerne liegen mit Schale bereit und jeder beisst die Schale auf, pult den Kern heraus, isst diesen und wirft die Schale vor sich auf den Fussboden. Da alle dies taten, taten wir es auch. Und dann wurde Tee getrunken. Durchgängig wurde darauf geachtet, dass unsere Teetassen nie leer wurden - es wurde immer nachgeschüttet. Irgendwann setzte sich einer der Familienältesten von Lien neben Andreas und bedeutete uns, wir sollen unseren Tee leeren. Alle kleinen Reste in den Tassen schütteten sie dann zurück in die Teekanne, damit auch wirklich alle Gläser restlos leer waren. Der Sohn von Tommys Cousine sagte uns, nun käme das "Beer" - tatsächlich kam dann der Wodka. Das ging dann ein paar Runden, in denen der Familienältere uns zeigte, wie man anstosse (er wiederholte jedes Mal den Prosit-Spruch, der jedoch zu schwer für uns zu merken war - Vietnamesisch halt). Dann wurde aus der Teekanne, in die die ganzen Reste geschüttet wurden, wieder Tee eingeschüttet, denn der Wodka war irgendwann leer. Wir kniffen zwei mal beide Augen zusammen und versuchten nicht uns vorzustellen, was in der Kanne wohl beim Zurückschütten alles zusammen gekommen ist.

Mit einem Mal standen alle auf, unsere Tischnachbarn (aus Liens Familie) schüttelten uns die Hände und damit brachen Tommys Familie und Freunde wieder auf zu Tommys Haus. Beim Hinausgehen wollten noch einige ein Gruppenfoto mit uns machen und dann ging es mit den Autos zurück. Bei der ganzen Feier habe ich mich nicht getraut, Fotos zu machen. Sehr schade - so müssen die Erinnerungen ausreichen.

Bei Tommys Haus angekommen waren wir nur noch ein kleinerer Kreis. Viele sind anscheinend direkt nach Hause gefahren. Somit sassen wir mit seinen Eltern, seinen Onkeln und den Geschwistern seiner Grosseltern zusammen. Seine Grosseltern waren heute nicht dabei, denn ihnen ist das im Alter von 95 Jahren zu anstrengend. Sie kommen nur übermorgen zur Hochzeit.

Wir sassen den Familienältesten von Tommys Familie gegenüber und irgendwann stellte sich Tommy neben uns und sagte, die Ältesten (bei Ihnen waren wir uns anfangs etwas unschlüssig, was sie von unserer Anwesenheit halten, denn im Gegensatz zu den Frauen, die sich offensichtlich über unsere Anwesenheit freuten, verzogen die Männer keine Miene) möchten sich bei uns bedanken, dass wir heute gekommen sind. Es sei eine grosse Ehre für die Familie "Foreigners" zu Besuch zu haben. Sie hätten das noch bei keiner anderen Hochzeit gehabt. Das war sehr rührend. Dann kam noch ein Onkel zu uns und Tommy übersetzte ihn ähnlich.

Dann verabschiedeten wir uns von jedem Einzelnen und fuhren ins Hotel zurück. Laut Tommy sind die Feierlichkeiten für heute vorbei. Die Familie berate nun, was an der Zeremonie gut war und was noch verbesserungswürdig. Dann werde das Zelt weiter dekoriert. Die Einladung zum abendlichen Karaoke mit Tommys Freunden schlugen wir höflich aus - wir müssen ja noch packen, denn morgen brechen wir schon wieder um 10 Uhr zur Verlobungsparty auf. Um 14:30 Uhr müssen wir sie spätestens wieder verlassen, weil wir um 15 Uhr zum Flughafen nach Hanoi aufbrechen müssen.

Alles in allem war es ein unglaublich aufregender Tag. Die Familien waren unsagbar herzlich und obwohl wir keine gemeinsame Sprache sprechen, funktioniert die Kommunikation hervorragend, wenn beide Seiten es wollen. Unser VIP-Status im Rahmen der Feierlichkeiten war uns etwas unangenehm aber das scheint hier einfach so zu sein. Wir sind gespannt auf die morgige Party, zu der ich wieder unter meinem Kleid meine Wander-Turnschuhe tragen werde. Andreas leiht sich nochmal Davids Krawatte.

Du bist hier : Startseite Asien Vietnam Vietnam-Reisebericht
Die Reise
 
Worum geht's?:
Wir waren im Mai 2016 zuletzt für 4 Wochen zu zweit in Kambodscha und Vietnam unterwegs und werden nun Teile der damaligen Route (Siem Reap, Hanoi, Sapa, Ninh Binh, Halong Bay und Hoian) noch einmal im Rahmen eines Familienurlaubes zu fünft besuchen. Wir wohnen durchweg in den uns bereits bekannten und als super befundenen Hotels und wollen uns so vieles erneut ansehen, was uns bei unserer letzten Reise so gut gefallen hat - und hoffentlich auch noch vieles Neues.
Details:
Aufbruch: 03.02.2017
Dauer: 3 Wochen
Heimkehr: 25.02.2017
Reiseziele: Kambodscha
Vietnam
Live-Reisebericht: Paula & Andreas schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Paula & Andreas Soundso berichtet seit 10 Monaten auf umdiewelt.