Vietnam-Reisebericht :Mekong

Hanoi

Fast hätte ich ohne meine saubere Wäsche abreisen müssen. Fast wäre ich heute morgen so richtig böse geworden - und vielleicht sogar ausgerastet. Fast.

Gestern vormittag brachte ich die schmutzige Wäsche der letzten Tage über die Strasse in eine kleine Wäscherei. Bis morgen, meinte die junge Frau, die ich grad geweckt hatte, als ich an die Scheibe klopfte. Wunderbar, bis morgen also.

Heute nach dem Frühstück gehe ich also wieder über die Strasse. Im Zimmer, das ebenerdig liegt, mit offener Glastüre schläft jemand. Ich rufe, da erhebt sich eine Frau. Schlaftrunken schaut sie mich an.

Ich möchte meine Wäsche.
Sie versteht nicht.
Meine Wäsche bitte.
Sie versteht kein Wort.
ich komme herein, werde sie suchen.
Achselzucken

Ich trete in's Zimmer, versuche, nicht auf Dinge zu stehen, die da herumliegen. Im Hinterzimmer steht eine Waschmaschine. Sie läuft. Daneben ein Wäschehaufen. Ich erkenne meinen Plastiksack: Da drin war sie. Die Frau zeigt noch immer keine Regung, ist völlig unbeteiligt.

Ich gucke in die Maschine. Die Farben, die sich da in der Maschine drehen, könnten meine Kleider sein. Die Maschine zeigt 46 an, bei meiner Maschine wäre das die Zeit, die es noch dauert, also wurde die Wäsche erst vor kurzem in die Maschine gesteckt.

Ich will diese Wäsche haben, das ist meine. Ich weiss nicht, ob die Frau nur schlaftrunken, oder irgendwie unter Drogen steht, jedenfalls geht sie die ganze Sache anscheinend gar nichts an.

Komm mit, ich bedeute ihr, mitzukommen. Es braucht einiges, aber sie kommt mit. Mit über die Strasse, in mein Hotel. Ich erkläre der Besitzerin die Situation und sie übersetzt. Ich will meine Wäsche in zwei Stunden haben, bevor ich abreise.

Die Schwester sei zuständig, sie wolle sie anrufen, verspricht jetzt die Frau und ich lasse sie zurück gehen, wahrscheinlich holt sie noch etwas Schlaf nach, immerhin lag da ja auch noch ein Mann am Boden auf der Matratze.

Eine halbe Stunde bevor mich der Minivan abholt gehe ich noch einmal hinüber zur Laundry. Jetzt ist da ein junger Mann. Er händigt mir meinen Plastiksack aus. 20'000 Kip. 2 Franken für 2 Kilogramm Wäsche.

Alles klar, ich kann abreisen.

Anstehen, Gepäck aufgeben, Ausreiseformular ausfüllen, in Wartehalle sitzen, einsteigen, abfliegen, ankommen, Passkontrolle, Visumkontrolle. Alles klar, ich bin in Vietnam.

Das Visum hat mir übrigens die Besitzerin des Hotels in Vientiane besorgt. Auch den Flug hat sie mir gebucht. Ich musste gar nichts machen, sie hat das perfekt gemacht. Und dabei hatte ich mich auf mühsame Behördengänge eingestellt.

Ein junger Mann spricht mich an, Taxi? Taxi? Er zeigt einen Ausweis. Ja, Taxi, aber ich will zuerst meine Kip umtauschen brauche einheimisches Geld. Ich hoffe, jetzt wieder zu normalen Zahlen zu wechseln, schiebe meine letzten 500'000 Kip über den Schalter und bekomme 1,3 Millionen vietnamesische Dong. Das ist ja noch schlimmer. Und dabei sind das gerade mal gut 50 Franken.

Der junge Taxifahrer lotst mich durch einen Seitenausgang zum Parkplatz. Da hebt er meinen Koffer auf ein Elektrofahrzeug. Ich soll vorne einsteigen, nur bis zum Parkplatz. Etwas irritiert bin ich schon, aber inzwischen ist das Elektrofahrzeug bereits mit anderen Touristen gefüllt, wir fahren los. Das wird ja wohl kaum der Transport in die Stadt sein, dieser offene Wagen. 45 Minuten dauere die Fahrt, hat mir der junge Mann gesagt. Er ist nicht der Fahrer, er ist im Flughafen geblieben. Wir verlassen das Flughafenareal und da steht am Strassenrand ein Auto. Ein PW. Aussteigen, das ist dein Taxi. Aha...
Mein Koffer wird umgeladen, die Fahrt geht weiter. Das Elektrofahrzeug wendet, möglicherweise geht es mit den jungen Touristen zur Busstation.

Keine Angst, es war ein Taxifahrer. Allerdings kein offizieller, keiner mit Taxischild auf dem Dach. Er hat auch kein Wort Englisch verstanden, er wollte nur die Bestätigung von Booking sehen. Die hatte ich auf dem Handy parat. Und er hatte einen Tarif bei sich und er hat mich sicher in die Stadt gebracht. Bis vor mein Hotel inmitten der Altstadt von Hanoi.

Fast hätte ich den Eingang des Hotels nicht gesehen in all dem Gewimmel, zwischen all den kleinen Geschäften, Haustüren, Händlern.

Der junge Mann an der Rezeption, Winter heisst er, ist sehr nett, gibt mir einen Stadtplan und empfiehlt sich für alle Fragen. Mein Zimmer liegt im 4. Stock mit Blick auf die Strasse. Das heisst, wir gehen zu Fuss bis zum 2. Stockwerk, nehmen ab da den Lift bis zum 4. und steigen dann eine Treppe tiefer, weil der Lift zwischen den Stockwerken hält. Na ja, ist ja nicht mein Haus.

Das Zimmer aber ist eine Überraschung. Vor allem das Bett. Ich habe keine Ahnung, wen die erwartet haben, aber diese schöne Dekoration mit frischen Blumenblättern und einer Rose am Fenster und im grossen Bad ist tatsächlich einmalig.

Ich werde mich hier wohlfühlen.

Als ich wieder in die Rezeption komme, hat es angefangen zu regnen. Schirm? Unseren Schirm haben wir vorhin jemandem mitgegeben. Also kein Schirm. Ist ja nicht so schlimm, so ein paar Tropfen.

Ich gehe auf die Suche nach einem ATF, einem Geldautomaten, der Visa und Mastercard bedient.

Der Regen hat jetzt doch etwas zugenommen, ich versuche den Hauswänden entlang zu gehen. Doch das ist gar nicht so einfach, denn die ganzen Trottoirs sind von parkierten Motorrädern überstellt. Also werde ich eben ein wenig nass. Auch nass ist relativ. So wie Regen. Es schüttet inzwischen. Ich will die Strasse überqueren und stehe zentimetertief im Wasser.

Zum Glück trage ich wie immer die Flipflops, da spielt das keine Rolle. Hosen raufrollen und durch. Es scheint, dass die Sintflut ausgebrochen ist, durch diese Strasse gibt es kein Durchkommen mehr. Das Wasser steht schon über zehn Zentimeter. Also zurück, andere Strasse nehmen.

Der erste Automat entschuldigt sich - funktioniert nicht. Beim zweiten spüre ich auf den Tasten bei jedem Tippen ein Kribbeln. Hoffentlich erschlägt der mich in dem Regen nicht. Aber er spuckt Geld aus. Grosse Scheine. Und ich kann jetzt ein Restaurant suchen. Vorhin, auf der Suche nach Geld habe ich einige gesehen, aber jetzt im strömenden Regen ist meine Sicht immer eingeengter.

Ich hab dann eines gefunden, knapp kann ich noch was sehen durch die nassen Brillengläser. Der Kellner bringt mir einen trockenen Waschlappen. Gesicht trocknen, Brille putzen, Speisekarte studieren.

Was empfiehlt er?
Das Rindfleisch ist sehr gut, typisch vietnamesisch.
Ok, bestellt. Dazu ein Hanoi-Bier. Er bringt noch ein paar Nüssli und ich fühle mich schon wieder pudelwohl. Nasser Pudel, wohlverstanden.

Leider, leider ist das Rindfleisch dann doch nicht so toll. Es sieht zwar aus wie ein ungarisches Gulasch, aber man hat vergessen, beim Fleisch die Fettschichten wegzuschneiden. Dann halt Sosse und Gemüse, ich merke, dass ich gar nicht so hungrig war, wie ich gemeint hatte.

Dafür habe ich während des Essens unerwartet Unterhaltung. Über Facebook entsteht ein kleiner Smalltalk mit drei Freundinnen. Danke Sylvia, Monika und Eilwen, hat Spass gemacht mit Euch. Hab ich schon gesagt, dass Internet für Alleinreisende vor allem beim Essen sehr nützlich ist?

Ich zeige dem Kellner meinen Stadtplan und will wissen, wo ich genau bin. Oh, meint er, ich bin auch nicht von hier. Und dann sucht er auf der Karte so lange, dass ich glaube, dass er sie grad zum ersten mal sieht.

Er hat sein Restaurant dann doch noch gefunden. Und ich meinen Heimweg.

Inzwischen hat es zwar aufgehört zu regnen, aber ich bin trotzdem bis auf die Haut nass.

Mein Hotel: Hanoi Royal Palace - wenn schon, denn schon.

Mein Hotel: Hanoi Royal Palace - wenn schon, denn schon.

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Die Reise
 
Worum geht's?:
Es ist Zeit für etwas Neues. Für eine neue, mir völlig unbekannte Weltgegend. Spontan, ohne Planung, nur mit einer Idee: den Mekong sehen. Abflug am 16. Juni nach Bangkok. Ab dann wird es spannend. Freue mich, wenn auch diesmal wieder Freunde, Kunden und Bekannte virtuell mitreisen. Man kann den Reisebericht übrigens auch abonnieren, dann erhält man immer ein Mail, wenn ich etwas neues geschrieben habe.
Details:
Aufbruch: 16.06.2017
Dauer: 3 Monate
Heimkehr: 21.09.2017
Reiseziele: Thailand
Laos
Vietnam
Kambodscha
Live-Reisebericht: Beatrice schreibt diesen Reisebericht live von unterwegs - reise mit!
Der Autor
 
Beatrice Feldbauer berichtet seit 13 Jahren auf umdiewelt.
Bild des Autors
Aus dem Gästebuch (3/81):
Annemarie 1503251880000
Liebe Beat­ri­ce, ich ver­fol­ge jeden Abend deinen Rei­se­bericht und bin ges­pannt wohin deine Reise geht, Myan­mar? Liebe Griess­li und heb Sorg zu dier, dui tuesch mer mängisch leid!
Peter Fellmann 1503213352000
Liebe Beat­ri­ce
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Nun sind wir auch wieder dabei. Wir waren selber ein paar Tage auf Reisen und vorher noch­mals Gros­sel­tern ge­wor­den. Jetzt haben wir wieder Zeit und die Musse, deine Berich­te zu lesen, und sie sind nach wie vor span­nend. Der Vogel ist gemäss meinen Recher­chen ein Hir­ten­mai­na, ein Ver­wan­dter unseres Star­s.
Dir wünschen wir wei­ter­hin viele tolle Be­geg­nun­gen auf deiner Reise und freuen uns auch schon drauf, wenn du selber erzählst von deinen Er­leb­nis­sen­.
Lie­be Grüsse
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Pe­ter und Margrit
corina 1502974704000
Beat­ri­ce das isch ja super schön wordä, danggä für diä soooo schnälli Ant­wor­t.
Pfuss guät und bis morä
liäbi Grüäss Corina