Kasachstan-Reisebericht :Die Geschichte mit der Russland - Reise

Durch den Ural nach Kasachstan

Teil 5 - Durch den Ural nach Kasachstan

Zu früher Morgenstunde ging es dann wieder los zur Magistrale M 5. Vorbei an Tälern und Seen, wo viele Abschnitte mit Erinnerungen verbunden waren. Zielstellung für den Tag war, bis Tscheljabinsk und dann Richtung Troizk. Dieser Übergang war offiziell frei und ich wollte ihn gern am Abend noch passieren. Vielleicht ging es dann schneller als im Hafen.
Auf der M 5 gab es viel Verkehr, vor allem LKWs und ich tappte auch in eine Falle der Miliz. Es war fast nie konkret zu übersehen, wo Überhohlverbot war oder keines. Also fuhr alles nach Sperrlinie und Sichtmöglichkeit. Nachdem ich in einer Kolonne von 5 Personenwagen an einer wirklich übersichtlichen Stelle einen LKW überholt hatte, wurden wir vielleicht einen Kilometer später angehalten. Der mit Fernglas bewaffnete Posten hatte uns ausgemacht. Die Begründung war, vor etwa 10 km hätte das Verbotsschild gestanden. Aufhebeschilder gibt es aber nur selten, also tappen fast alle. Jeder wird einzeln in einem Auto zur Kasse gebeten. Ich war als Ausländer natürlich ein gefundenes Fressen. Sechstausend Rubel
(164 €) waren die Wunschvorstellung, aber ohne Quittung. Sonst würden meine Unterlagen nach Deutschland zur Bestrafung geschickt. Daran glaubte ich nicht, aber die Herren konnten mich stundenlang an der Weiterfahrt hintern. Also handeln und feilschen, bis wir uns dann auf ein Viertel der Summe einigten. Vierzig Euro sind zwar auch ein recht ordentlicher Preis, aber man hat mir vor und hinterher mehrfach bestätigt, für diese Strafsumme quer durch Russland zu fahren, ist eigentlich gar nichts. Es ging noch weiter. In meiner Rage vergaß ich, das vorgeschriebene Licht einzuschalten. Etwa tausend Meter weiter stand ein
Auffangposten für verwegene Nichtanhalter und ich war wieder Mode - straff - sagte er. Hier habe ich aber diskutiert und der Offizier im Wagen winkte endlich ab, dawei. Ganz schnell erfüllte ich die Aufforderung. Ein so zurückhaltender und vorsichtiger Überhohler wie an diesem Tag war ich in meinem ganzen Fahrerleben noch nicht.
Bis Ufa kannte ich die Strecke, dann ging es wieder in eine unbekannte Gegend. Viel Wald, traurige Dörfer und viel Kolonnenverkehr. Da ich mich nun im Südural mit seinen hier etwa eintausend Meter hohen Bergrücken befand, gab es viele Serpentinen und passartige Straßenstücke. Nach den Erfahrungen vom Morgen blieb ich schön in der Reihe, überholt wurde nur dann, wenn ich mir ganz sicher war. Da ich ebenso die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten beachtete, konnte ich die vielen Milizposten unbeschadet überstehen. Nur eine stationäre ständige Kontrolle wollte die Papiere und vor allem das Original der Versicherungspolice sehen. Alles kein Problem und angeschnallt fuhr ich auch. Ein Fazit zur Verkehrsmiliz in Russland: Sie stehen nicht zur Verkehrssicherung, sondern zur Einkom- menserhöhung, ganz deutlich.

Das Überqueren des Urals war schon beeindruckend. Landschaftlich ähnliche Mittelgebirge haben wir auch in Deutschland, z. B. den Thüringer Wald auf Landstraßen zwischen Arnstadt und Suhl. Aber hier waren es keine fünfzig sondern rund dreihundert Kilometer. Aber mir machte es Spaß und meinem Opelchen scheinbar auch.
Unterwegs konnte ich mir dann auch einen Wunsch erfüllen, den ich vor 15 Jahren bereits hatte. - An der Stele bei Miass einen Fuß noch in Europa und den anderen schon in Asien. - Die Fahrpause wurde extra bis zu diesem Platz aufgespart und sollte dann etwas länger sein.

Bild 13 080514 Miass ... ein Fuß in Europa ... einer in Asien

Die stark verschmutzte Landschaft rund um die Säule bewog mich aber zur zügigen Weiterfahrt, immer weiter rauf und runter.
Kurz vor Tscheljabinsk wurde es dann eben und ich befragte mich bei einem Miliz - Posten nach dem Abzweig zur kasachischen Grenze. Er konnte mir keine konkrete Auskunft geben, es war eben noch hundert Kilometer entfernt. Aber er meinte, dass viele LKW diese Strecke fahren und es müsste schon sichtbar sein. War es dann auch und ich konnte mir die sicher langwierige Fahrt durch die Großstadt ersparen.
Ab jetzt gab es nur eine Richtung, südwärts.
Aber zuerst wollte die Miliz noch einmal Geld. Ich wäre statt der erlaubten 60 mit 83 km/h unterwegs gewesen. Meine Streitlust war aber geweckt und ich mir auch der ordnungsgemäßen Fahrweise sicher. Also auf in den Kampf. Diesmal war es wieder der im Auto sitzende ranghöhere Kassierer, der abwinkte. Eine längere Diskussion mit mir hätte ja andere Kunden aufmerksam gemacht und ihnen damit Geld gespart, was den Herren von der Miliz dann entgeht.

Der Grenzübertritt gegen 18 Uhr war fast völlig problemlos. Vor der Einfahrt muß man am Schlagbaum seinen Laufzettel abholen, erst dann gehört man zu den Befugten. Auf russischer Seite eine kurze Kontrolle des Reisepasses und Erstaunen, dass ich 3 Pässe mit den entsprechenden Visa hatte. Als ich die Frage - du Spion - mit ja beantwortete, musste der Grenzer grinsen und gab mir meine Unterlagen ohne weitere Diskussionen zurück. Dann geriet ich an einen jungen hilfsbereiten Zollinspektor, der meinte, für die kasachische Seite sollten wir uns beeilen. Kurze Kontrolle der Unterlagen und Dokumente, absignieren des Laufzettels und weitergereicht zum nächsten Kollegen, der mein Auto als wieder ausgeführt registrierte. Danach noch ein höheres Tier, das nochmals alles kontrollierte, sich wieder über meine Reisepässe wunderte, aber alles signierte und ab ging es zum Auslassposten. Russland war mein Auto und mich los.
Auf der kasachischen Seite wieder das gleiche Spiel mit Laufzettel und Grenzkontrolle. Nur den Pass mit dem russischen Visum wollte niemand mehr sehen. Also musste ich nur noch zwei Stück erklären. Dann wurde ich an zwei junge Frauen verwiesen, die die Zolldokumente und Einfuhrerklärungen ausfertigten. Hier waren mir meine in deutsch und russisch vor Reiseantritt erstellten und inzwischen mehrfach abgestempelten Unterlagen sehr hilfreich.
Während sie arbeiteten, durfte ich schon Geld tauschen gehen. Die Kosten betrugen nur etwa 10 % der russischen Forderungen und alles lief wie von allein. Bis dann mein Auto selbst kontrolliert wurde. Eine untere Zoll - Charge schaute sich das Auto an und erklärte mir, alles muß ausgeladen und gewogen werden. Nur 350 kg sind pro Person erlaubt und meine Winterräder...... Ich sollte alles auf eine Bank packen. Während ich noch mit Grausen an die auf mich wartende Arbeit dachte und den großen Koffer von den Hintersitzen wuchtete, setzte sich der Oberinspektor mit einem anderen Kollegen auf diese Bank. Sofort kam die Frage, was ich denn da mache. Ich erklärte ihm den Auftrag seines Mitarbeiters und erwinkte nur ab, signierte meinen Zettel und schickte mich weiter. So schnell habe ich noch nie einen Koffer fast ins Auto geworfen, Hauptsache drin, egal wie es aussieht und raus aus dem Grenzbereich. Wo es die Versicherung gibt, hatte ich schon vorher nachgefragt, das war dann kein Problem mehr. Nach einigen Kilometern hielt ich erst einmal an und machte im Auto wieder Ordnung. Ich war nach 70 Minuten in der Kasachischen Republik, mit zwei Grenzübertritten. Was für ein Unterschied!

Bild 13 080514  Miass ... ein Fuß in Europa ... einer in Asien

Bild 13 080514 Miass ... ein Fuß in Europa ... einer in Asien

© Volker Xylander, 2009
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Die Reise
 
Worum geht's?:
Mit dem PKW von Lübeck über die Ostsee nach St. Petersburg, nach Moskau und weiter bis quer durch den Ural; weiter durch Kasachstan nach Kirgistan,
Details:
Aufbruch: 03.05.2008
Dauer: 15 Tage
Heimkehr: 17.05.2008
Reiseziele: Russland / Russische Föderation
Kasachstan
Kirgisistan
Der Autor
 
Volker Xylander berichtet seit 8 Jahren auf umdiewelt.