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Während meiner ersten Australienreise arbeitete ich auf verschiedenen Farmen im Outback von Queensland und reiste an der Ostküste entlang von Cairns nach Sydney.
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Das Meer ist der letzte freie Ort der Welt (Ernest Hemingway)
07.01.07 - 08.01.07
Lange hatte ich überlegt, ob ich nach Fraser Island eine Guided Tour oder eine Self Drive Tour machen sollte. Als ich mich schließlich für eine Self Drive-Tour entschieden hatte, waren alle ausgebucht, so dass ich mich in letzter Minute doch einer geführten anschloss, die entgegen allem, was ich gehört hatte, richtig gut war.
Der Tourbus fuhr zunächst an Noosas North Shore entlang und so sah ich bald mein geliebtes Rainbow Beach wieder, wo ich meine ersten Tage in Australien verbracht hatte. Hier stiegen weitere Tourteilnehmer zu und dann fuhr der Bus an den Strand und auf die Fähre hinauf. Die Überfahrt dauerte nur ein paar Minuten, doch schon vom Schiff aus wirkte Fraser Island wie eine andere Welt - still, grün und entrückt. Fasziniert standen wir Tourteilnehmer am Deck und schauten auf diese berühmte Insel, von der wir schon so viel gehört hatten und die wir nun selbst sehen würden.
Blick von der Fähre auf die Insel
Fraser Island ist eigentlich eine gigantische Sandbank, die 120 km lang und 15 km breit ist, die größte Sandinsel der Welt. Sie entstand in tausenden von Jahren durch die Brandungsströmung. Hier findet man Regenwälder und fast 200 Süßwasserseen. Kein Wunder, dass die Aborigines vom Stamm der Butchulla sie "K'gari" nannten, was "Paradies" bedeutet. Die Insel wurde von den Europäern nach dem Kapitän James Fraser und seiner Frau benannt, die 1835 an der Westküste von Fraser Island Schiffbruch erlitten. Die Frau konnte mit Hilfe der Aborigines überleben.
Die Ureinwohner wurden jedoch ein paar Jahre später grausam vertrieben, damit die Siedler ungestört das wertvolle Holz der Insel fällen konnten. So wurden weite Teile des Regenwalds gerodet, da das Holz der hier wachsenden Terpentinbäume wasserdicht und somit für Schiffsbauer sehr wertvoll war.
Seit 1991 ist die Rodung verboten und Fraser Island steht unter Schutz.
Bereits auf der Fähre lernte ich einige nette Leute kennen: Susanna aus Sydney, James aus London und Darren und Simon aus Neuseeland. In so einer Gruppe machte die Tour gleich noch mehr Spaß.
Als erstes wanderten wir durch den Regenwald zur Hammerstone Sand Blow, einer gigantischen Sanddüne. Sie musste man erklimmen, um zum Lake Wabby zu gelangen, einem stillen grünen See inmitten der Insel. Der schweißtreibende Aufstieg auf die Düne lohnte sich - der See war wunderschön und wir hatten genug Zeit, uns beim Schwimmen im klaren Wasser zu erfrischen.
Auf der Hammerstone Sandblow
Lake Wabby
Der Weg von Lake Wabby zum Strand führt durch den Regenwald
Nach einem leckeren Lunch im Eurong Resort, wo wir auch schlafen würden, fuhren wir den Seventy Five Mile Beach entlang. Dieser schien in der Tat endlos. Wir hielten am Eli Creek. Dieser Creek pumpt pro Tag mehrere Millionen Liter (!!!) Wasser ins Meer, und zwar frisches Süßwasser! Kaum zu glauben, dass so viel wertvolles Wasser in einem Land, das so unter der Dürre leidet einfach ins Meer gespült wird. Doch da die Insel als Welterbe unter strengem Schutz steht, ist es nicht möglich, das Wasser zu nutzen - die Natur darf nicht zerstört werden.
An sich ein wunderschönes Naturwunder, wirkte der Creek eher wie ein Rummelplatz: Drumherum standen in einer Reihe unzählige Campervans, davor auf Liegestühlen biertrinkende Leute allen Alters, viele davon hörten laute Musik. Andere spielten Ball oder Frisbee und manche hatten ihre Campingstühle sogar direkt im Creek platziert und mampften dort fröhlich ihr Würstchen. Dazu pilgerten die Massen durch den Creek, wateten durch das Wasser oder ließen sich in Schwimmringen treiben. Gegenüber der sonstigen Stille und Abgeschiedenheit wirkte diese Touristenmasse für mich erschreckend.
Seventy Five Mile Beach
Am Eli Creek
Eli Creek ist von wunderschönem Wald umgeben
Ich war froh, als wir diesen Platz wieder verließen und zum Maheno Shipwreck weiterfuhren. Tausendmal hatte ich dieses Wrack schon auf Fotos gesehen und es war ein merkwürdiges Gefühl, nun tatsächlich dort zu sein.
Die Maheno war vor dem ersten Weltkrieg ein sehr schnelles Passagierschiff, das von Neuseeland nach Sydney fuhr und für diese Strecke den Geschwindigkeitsrekord hielt. Im ersten Weltkrieg wurde sie dann als Lazarettboot eingesetzt und konnte ungehindert verletzte Soldaten transportieren, denn kein feindliches Schiff konnte sie einholen. Mit der Zeit jedoch gab es dann schnellere Schiffe und die Technik der Maheno veralterte. 1935 sollte sie daher auf einen japanischen Schiffsfriedhof geschleppt werden. Auf dem Weg jedoch kam unerwartet ein Zyklon. Das Seil, dass die Maheno an das Schlepperschiff band, riss und die Maheno wurde an den Seventy Five Mile Beach gespült.
Im Zweiten Weltkrieg wurde sie von der australischen Luftwaffe als Übungsziel benutzt, auch daher rührt ihr schlechter Zustand. Der hintere Teil des Schiffes wurde so stark getroffen, dass er quasi gar nicht mehr existiert. So liegt sie bis heute am Strand und rostet vor sich hin - als beliebtes Fotomotiv.
Das nächste Ziel der Tour war Indian Head, der einzige echte Felsen auf der Insel, der hoch und weit ins Meer hinausragte. Als Captain Cook 1770 an Frasers Küste vorbeisegelte, standen auf dem Felsen die Einheimischen und hielten Ausschau nach den fremden Schiffen. Da alle Ureinwohner zu dieser Zeit Indianer genannt wurden, nannte Cook den Felsen Indian Head. Von der Spitze aus hat man einen wahnsinnigen Blick auf das Meer und den Strand. Jedoch kann man auch sehr unangenehme Gefühle bekommen, wenn man von dem tragischen Ereignis hört, dass sich hier zutrug. Bei der weißen Besiedlung zwangen die Weißen hunderte von Aborigines, vom Felsen hinunter in den sicheren Tod zu springen.
Konnte man diese Gedanken loswerden, so konnte man von hier einen beeidruckenden Ausblick auf das Meer genießen und sich den Wind um die Nase wehen lassen, während man nach Delphinen, Haien und Schildkröten Ausschau hielt.
Indian Head
Aufstieg zum Felsen
Ausblick auf Seventy Five Mile Beach
Als letztes hielten wir auf dem Weg zurück ins Resort an den Coloured Sands, die ähnlich wie diejenigen in Rainbow Beach aussahen.
Am nächsten Tag fuhren wir zur Central Station. Diese war einst das Quartier der Holzfäller gewesen und einige Originalgebäude standen noch. Wir wanderten am schönen Wanggoolba Creek entlang durch den Wald bis zum Lake McKenzie. Dieser riesige, herrliche See liegt mitten auf einem Berg und ist der berühmteste von Frasers über hundert Seen. An Lake McKenzies natürlichem Strand tummelten sich die Touristen, doch hier störte es nur wenig. All die Menschen waren so glücklich und entspannt, dass man sich einfach ins kühle Wasser stürzte um die Hitze des Tages loszuwerden.
Das Wasser des Wanggoolba Creek ist so klar, dass man es kaum sieht. Es reinstes, köstliches Trinkwasser
Lake McKenzie
Am Nachmittag verließen wir mit der Fähre wieder die Insel. Ich war etwas wehmütig, denn selbst wenn es keine Self Drive-Tour gewesen war, so hatte ich hier eine Freiheit gespürt, die ich selten erlebt hatte. Fraser Island ist ein Ort, den man einfach nicht vergessen kann.
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