Anmeldung:
Nun ist es endlich soweit und ich werde ein Jahr lang dem trüben Alltagstrott entfliehen. Hongkong, Australien, Neuseeland und Thailand stehen auf dem Programm. Fremde Kulturen, überwältigende Gegenden und neue Eindrücke satt.
Reisebericht-Extras:
|
|
|
zum Gästebuch dieses Reiseberichts |
08.06 - 21.06.
Nach all der Anstrengung, die ich ertragen musste, beschloss ich, mal ein wenig auszuruhen und bestieg die Faehre nach Magnetic Island. Ein kleines Tropenparadies von dem mir gesagt wurde, dass es auf dem gleichen Laengengrad liegt wie Fiji.
Der freundliche Magnetic Bus Service hiess alle Frischlinge willkommen, kassierte ab und lud uns in den Bus. Da ich zu sehr meinen Gedanken hinterher hing, verpasste ich meine Busstadion und bekam eine kostenlose Rundfahrt, da ich nur bis zur ersten Ortschaft bezahlt hatte. Endstation war dann in Horeshore Bay, naja, war der naechste Stopp. Mehr gibts nicht. Ich musste dann eine halbe Stunde auf den Bus warten und nutzte die Zeit, um kurz an der Promenade entlang zu laufen und mich schliesslich an den Strand zu setzen und die Szenerie zu betrachten. Sandstrand, Palmen, blauer Himmel und Wasser in der gleichen Farbe. Nicht die braune Siffbruehe, die man direkt vor Townville als Wasserersatz ins Meer pumpt.
Nach einer zwanzigminuetigen Unterhaltung mit einem Amerikaner, der hier wegen der Hochzeit eines seiner Kinder war. Er wusste nicht, wo die Hochzeit stattfindet, wen sein Sohn Heiratet, noch wusste er, wie er wieder von hier wegkommt. Er sagte mir, dass er hier abgesetzt wurde und wieder aufgepickt werden wuerde. Irgendwie hatte ich das Gefuehl, dass er hier noch ne Weile sitzen wuerde...
Als dann mein Bus kam, machte ich mich wieder auf den Weg zurueck nach Arkadia. Ich musste feststellen, dass das Busticket immer zwei Dollar kostet. Egal wohin man faehrt. In Arkadia fand ich nach kurzer Wanderung mein Hostel. Ich betrat einen kleinen, ueberdachten Hof, der vollgestellt war mit Stuehlen, Baenken und Tischen. Der Aufenthaltsraum.
An der Bank sass ein etwa 50 jaehriger Mann, der ein grosses Grinzen im Gesicht hatte, als er mich sah. Mit einem Wink befahl er mich zu sich her und meinte: "Setz Dich, ich check Dich ein!"
Formulare wurden ausgefuellt, Landkarten studiert, damit ich auch weiss, was Magnetic Island zu bieten hat, Geld wechselte den Besitzer und schliesslich wurde ich auf mein Zimmer gebracht. Hier bemerkte ich dann, wieso der Mann so gestrahlt hat: Ich war der einzige Gast.
Happy, nach all der Zeit endlich mal meine Ruhe zu haben, waehlte ich eins der Betten aus und warf meinen Rucksack in die Ecke. Ein ganzes Hostel fuer mich alleine!
Nach kurzem Ueberlegen entschied ich, einen der walking tracks zu laufen. Er fuehrte von Arkadia nach Nelly Bay, durch die lokale Flora und Fauna. Unterwegs sah ich etwa zwei Millionen Eidechsen, die sich einen spass daraus machten, in der letzten Sekunde dem sicheren Tod durch meine Wanderschuhe zu entgehen. Als ich dann wieder im Hostel angelangte, musste ich enttaeuscht feststellen, dass ich doch nicht der einzige war und zwei andere Backpacker in einem Doppelzimmer untergebracht waren.
Nach einem kurzen Plausch mit dem Besitzer bin ich dann auf mein Zimmer und verbrachte den Abend damit, meine Lektuere zu beenden.
Die Nacht war mehr oder weniger schlaflos, da die ansaessigen Opossums eine Rally auf dem Dachboden veranstalteten und sich gegenseitig lautstark anfeuerten.
Am naechsten Morgen fand ich dann die Besitzer beim Fruehstueck vor, und sie luden mich ein, mich zu ihnen zu setzen. Wir diskutierten dann ueber die aktuellen Geschehnisse in der Welt, waehrend wir die Zeitungen durchblaetterten. Dies sollte zu einem morgentlichen Ritual werden...
Den Rest des Tages verbrachte ich mit Phantom Comics lesen, die mir vom Besitzer zur Verfuegung gestellt wurden und die ich im Laufe der Zeit in rauhen Massen verschlungen habe.
Die Tage vergingen im Flug und am Wochenende nahm mich der Besitzer mit zum Wallaby fuettern. Nach kurzem wanderen am Strand kamen wir an einen kleinen Spot, an dem schon einige Touristen damit beschaeftigt waren, die ansaessigen Wallabys mit Koernern zu fuettern.
Mir wurde gesagt, dass als der Besitzer und die anderen angefangen haben, die Wallabys zu fuettern die Population etwa auf zwanzig Stueck geschaetzt wurde. Das war vor etwa sieben Jahren. Mittlerweile sind es etwa 60. Es war ganz lustig, den Miniatur Kangurus dabei zuzusehen, wie sie die kleinen Nuesschen mit ihren Zaehnen knackten.
Am naechsten Morgen musste ich feststellen, dass ich mich auf einer Insel befand, auf der der Mensch in den Ueberlebenskampf der Natur miteinbezogen wurde. Die listigen Opossums hatten sich Nachts ueber mein Brot hergemacht...
Den Tag darauf erwischte ich eins, als es sich wieder schamlos an meinem Brot bediente. Das freche Stueck sass ganz ruhig in der Kueche, schaute mir in die Augen, krallte sich ein Stueck aus der Tasche und verspeisste es, als wolle es mir sagen: "Na, was willst Du machen?"
Wir beobachteten uns dann gegenseitig eine Weile, bis es verscheucht wurde und sich durch die Baeume davonstahl. Mir wurde gesagt, dass ich mein Brot lieber im Kuehlschrank aufbewahren solle. Gesagt, getan und ab diesem Tag gab es nur noch gekuehltes Brot. Die Opossums begnuegten sich dann wieder mit dem Hundefutter und dem Muelleimer und das Leben verlief wieder in geregelten Bahnen.
Solange, bis sie sich entschlossen, mich zu besuchen. Nachts, gegen zwei Uhr. Von dem hin und her trampeln auf dem Teppich geweckt, stand ich auf und fand das Opossum, dass sich so erschreckte, dass es gegen die geschlossene Balkontuer rannte. Als ich versuchte es aus dem Zimmer zu jagen, rannte es an der offenen Hintertuer vorbei (die keine Tuer hatte) und direkt wieder in die Balkontuer. Ich weiss nicht, ob ihm das solchen spass machte, aber wir vollfuehrten das gleiche Kunststueck nochmal. Einmal um mich herum, an der Tuer vorbei, gegen die Glasscheibe. Ich konnte mich dann dazu durchringen, soviel Kraft aufzubringen, die Balkontuer zu oeffnen. Kein Kinderspiel, denn es war eine Schiebetuer, die ihre besten Zeiten schon lange hinter sich gelassen hatte.
Als die Tuer dann schliesslich offen war, bevorzugte es das Opossum, noch zweimal gegen die Tuer zu laufen, bevor es endlich den Ausgang fand. Man sollte ein paar Raubvoegel an die Tuer pinseln, damit die armen Opossums keine Gehirnzellen mehr an der Glastuer verlieren.
Das waren im Grossen und Ganzen die Highlights der Zeit auf Magnetic. Die Tage verliefen im Grunde alle ziemlich gleich: Aufstehen, bis Mittags diskutieren und fruehstuecken, Phantom und andere Buecher und einfach den ganzen Tag faulenzen, ohne sich gezwungen zu fuehlen, irgend etwas zu machen. Die Orte meiner Faulheit variierten meistens zwischen Balkon mit Meerblick oder Aufenthaltsraum mit den Besitzern.
Nach fuenf Tagen, die ich alleine verbrachte, kamen dann wieder andere Gaeste, die alle Magnetic Island in zwei Tagen durcharbeiteten. Das typische Backpacker Syndrom, dass man ja was verpassen koennte.
Die fuenf Tage, die ich alleine verbrachte, brachten mich der Familie naeher und ich wurde ziemlich in das normale Familienleben miteinbezogen.
Rueckblickend hatte ich eine wirklich entspannte Zeit auf Magnetic und waere auch noch laenger geblieben, wenn ich nicht den ablaufenden Buspass im Ruecken haette und so mache ich mich morgen frueh wieder mit der Faehre auf den Weg in die Stadt, wo ich wiedereinmal umgeben bin von Laerm, Trubel und hektischem Backpacker leben. Ja nichts verpassen denn wer weiss, wann man wieder zurueck kommt...
Reiseberichte suchen:
